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Grüne Megacity

Zumindest die Planungsbroschüren lesen sich, als ob am Südzipfel von Malaysia ein kleines Paradies entstehen würde: eine „grüne“ Stadt, nicht nur vom Erscheinungsbild, sondern auch in der Klimabilanz, kleine, lebenswerte Nachbarschaftsviertel und jede Menge Jobs. Tatsächlich gilt das bereits 2006 gestartete Projekt für Experten als adäquate Antwort auf die Bevölkerungsexplosion in Südostasien.

Rund 1,3 Millionen Menschen leben bereits auf dem Gebiet der Größe Luxemburgs. An fünf „Flagship Zones“ jeweils mit eigenen wirtschaftlichen Schwerpunkten hatte man angefangen, das Projekt Iskandar zu erschließen. Bis 2025 soll eine ultramoderne und dabei ökologisch und sozial vorbildliche Megacity für drei Millionen Menschen entstehen.

Grün und sozial durchdacht

Die Stadt soll mit erneuerbarer Energie versorgt werden, öffentlicher Verkehr soll den Vorrang haben und auch Recycling hat man sich auf die Fahnen geschrieben. Gleichzeitig will man auch schon im Vorhinein für soziale Integration sorgen.

Detail der Ökostadt

Iskandarmalaysia

Zumindest auf den Renderings sehen die Pläne spektakulär aus

Geplant sind nicht nur riesige Wolkenkratzer, sondern überschaubare Wohnviertel mit vielen Grünflächen. Genau mit diesem Modell will man sich den Herausforderungen stellen, die Zukunftsforscher prognostizieren: eine immer stärker werdende Flucht in die Städte - und dort die Gefahr von Verslumung in Megacitys.

Modell für andere Länder

Ellis Rubinstein, Präsident der New York Academy of Sciences, der an dem Projekt mit der Planung des Universitätscampus beteiligt ist, sagt, dass Iskandar zu einer Modellstadt für Länder werden kann, die mit den sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen von rasanten Bevölkerungswachstum und ökologischen Herausforderungen umgehen müssen.

Detail der Ökostadt

Iskandarmalaysia

Seit Jahren wird fieberhaft gebaut

Auch Malaysias Premierminister Najib Razak sieht die Stadtplanung als Vorlage für „Smart Citys“ in anderen Ländern an. Tatsächlich dokumentiert das Projekt auf seiner Website zu etlichen unterschiedlichen Themen und Herausforderungen der Stadtplanung seine Konzepte.

Investoren beißen an

2012 galt in der Planung als entscheidendes Jahr - vor allem was Investoren betrifft. Und offenbar erfüllen sich die Hoffnungen. Von 2006 bis Juni 2012 gab es Zusagen für Investments in Höhe von 31,2 Milliarden Dollar (etwa 23 Mrd. Euro). Rund zehn Prozent davon kamen erst im vergangenen Jahr dazu. Und fast 40 Prozent der Anleger sind internationale Investoren.

Detail der Ökostadt

Iskandarmalaysia

Auch architektonisch will man beeindrucken, hier ein Turm im Stadtteil Medini

So sagten die britischen Pinewood Studios zu, ein Filmdorf zu errichten. Bereits Ende 2013 sollen dabei mehr als 1.000 Arbeitskräfte Beschäftigung finden und Iskandar auch zu der Filmmetropole der Region machen. Bereits 2012 hatte Legoland seinen ersten Themenpark in Asien dort eröffnet. Auch mehrere internationale Universitäten haben vertraglich bereits zugesagt, Niederlassungen in der Stadt zu errichten.

Andere Ökostädte geplant

So ambitioniert das Projekt ist, es gibt auch Bedenken: Denn bisher standen viele Ökostadtprojekte unter keinem guten Stern: Das groß angekündigte Projekt im chinesischen Dongtan bei Schanghai ist nach ein paar Prestigebauten versickert und wird nun von China völlig unter den Tisch gekehrt.

Dafür wurde im vergangenen Jahr gemeinsam mit Singapur ein neues Projekt aus dem Boden gestampft. In der Nähe der nordchinesischen Stadt Tianjin soll nun eine Ökomodellstadt für 350.0000 Einwohner entstehen - ohne motorisierten Individualverkehr. Allerdings ist die benachbarte Stadt Tianjin mit ihrer Schwerindustrie eine der größten „Dreckschleudern“ Chinas.

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