Ausland

Mehrere frühere US-Verteidigungsminister haben sich gegen die Drohung von US-Präsident Donald Trump gestellt, das Militär wegen der andauernden Proteste in den USA einzusetzen. In einem in der „Washington Post“ veröffentlichten Gastbeitrag warnten die Ex-Verteidigungsminister Leon Panetta, Chuck Hagel, Aston Carter sowie 86 weitere frühere Verteidigungspolitiker und Offiziere davor, das Militär in einer Weise einzusetzen, die die verfassungsmäßigen Rechte der Amerikaner untergraben würde.

„Die Angehörigen unseres Militärs stehen immer bereit, der Verteidigung unserer Nation zu dienen. Aber sie dürfen niemals dazu benutzt werden, die Rechte derer zu verletzen, die sie zu schützen geschworen haben“, hieß es in dem Beitrag. Man rufe den Präsidenten dazu auf, seine Pläne für einen Militäreinsatz sofort zu den Akten zu legen. Ein solcher Einsatz wäre nicht nur unnötig, sondern unklug.

Weiter schrieben die Autoren, ein solcher Einsatz inmitten der „politisch aufgeladenen“ Proteste drohe, die unpolitische Natur des Militärs zu untergraben, die essenziell für die Demokratie sei.

Der Kosovo hat einen weiteren Schritt hin zur Beilegung der Streitigkeiten mit Serbien gemacht. Die neue kosovarische Regierung nahm gestern alle Handelsbarrieren zurück, die es bisher für in Serbien produzierte Produkte gab. Das könnte den Weg freimachen für Gespräche mit Belgrad und damit auch für eine Mitgliedschaft des Kosovo in den Vereinten Nationen.

Der neue Ministerpräsident Avdullah Hoti erklärte, mit der Abschaffung der Handelshemmnisse sei sein Land Forderungen der USA und der Europäischen Union nachgekommen. Man sei nun bereit sich mit Serbien an den Verhandlungstisch zu setzen. Dies erwarte man auch von der Gegenseite.

Er hoffe, dass Serbien seinen Widerstand gegen die Unabhängigkeit des Kosovo aufgebe. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic sagte, welche Vereinbarung auch immer mit dem Kosovo geschlossen werde, werde nicht vorteilhaft für Serbien sein. „Aber wir versuchen, die am wenigsten unvorteilhafte Lösung für uns zu finden.“

Bei ersten größeren Protesten gegen die Regierung seit Wochen ist es im Libanon zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Anhängern der schiitischen Hisbollah gekommen. Dabei seien 48 Menschen verletzt worden, von denen elf ins Krankenhaus gebracht worden seien, twitterte das libanesische Rote Kreuz gestern.

Ausschreitungen in Beirut
APA/AFP/Anwar Amro

Zuvor waren erstmals seit Beginn der Pandemie und wochenlangen Ausgangsbeschränkungen Menschen aus verschiedenen Teilen des Landes in Beirut auf die Straße gezogen. Viele von ihnen trugen Masken in den Farben der libanesischen Flagge. Der Protest unter dem Motto „Wir wollen ein besseres Leben“ richtete sich gegen die politische Elite, der die Demonstranten die Schuld an der Wirtschaftskrise geben.

Das Land am Mittelmeer erlebt eine der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen seiner Geschichte. Im März konnte die Regierung erstmals Staatsanleihen nicht zurückzahlen. Der Libanon gehört zu den weltweit am höchsten verschuldeten Ländern. Kritiker werfen der politischen Elite vor, sie habe sich mit einer Art Schneeballsystem hemmungslos an den Staatsfinanzen bereichert. Die Regierung verhandelt mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über ein Rettungsprogramm.

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hofft, dass bei einem möglichen Abzug von US-Truppen aus Deutschland ein Teil der Soldaten in sein Land verlegt werden. „Das wird die Ostflanke der NATO stärken“, sagte Morawiecki gestern dem polnischen Radiosender RMF. Dies werde der Sicherheit von ganz Europa nützen. Die endgültige Entscheidung darüber liege bei US-Präsident Donald Trump, aber er rechne damit, dass das Kontingent an US-Soldaten in Polen ständig wachsen werde, so Morawiecki. Derzeit sind seinen Angaben zufolge knapp 5.000 US-Soldaten in Polen stationiert.

Trump plant nach Medienberichten einen drastischen Abbau der US-Truppen in Deutschland. Das „Wall Street Journal“ berichtete unter Bezug auf ungenannte US-Regierungsvertreter, Trump habe das Pentagon angewiesen, die US-Truppenpräsenz in Deutschland von derzeit 34.500 Soldaten um 9.500 zu reduzieren. Außerdem solle eine Obergrenze von 25.000 US-Soldaten eingeführt werden, die gleichzeitig in Deutschland anwesend sein könnten.

Gegner möglicher Annexionen Israels im besetzten Westjordanland haben in Tel Aviv gegen die Pläne protestiert. Auf Schildern von Demonstranten waren gestern auf dem Rabin-Platz im Zentrum der Stadt Sprüche wie „Palestinian Lives Matter“ (Palästinensische Leben zählen) zu lesen. Aufgerufen zu der Demonstration hatten mehr als 30 Parteien und Nichtregierungsorganisationen. Die Organisatoren sprachen von tausenden Teilnehmern, die Polizei äußerte sich zunächst nicht dazu.

Demonstration in Tel Aviv
APA/AFP/Jack Guez

Zu den Rednern zählte neben dem Vorsitzenden der linksliberalen Merez-Partei, Nitzan Horowitz, auch der linke US-Senator Bernie Sanders, der Anfang April aus dem Rennen der Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur ausgestiegen war. Er war per Video zugeschaltet. Er freue sich sehr, dass so viele, Juden wie Araber gleichermaßen, für Frieden, Gerechtigkeit und Demokratie einstünden, sagte Sanders der Zeitung „Haaretz“ zufolge.

Israels Regierung will in Übereinstimmung mit dem Nahost-Plan des US-Präsidenten Donald Trump jüdische Siedlungen und das Jordantal im Westjordanland annektieren. Konkrete Schritte könnten vom 1. Juli an beginnen. Die Pläne sind international höchst umstritten. Die Palästinenserführung lehnt sie ab.

COV Ausland

Mit einer „Rückflug-Garantie“ will die deutsche AUA-Mutter Lufthansa Sorgen vor Reisen in der Coronavirus-Krise entgegentreten. Man führe eine „Home-Coming-Garantie“ ein, sagte Konzernchef Carsten Spohr der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Wer zurückwill nach Deutschland, den bringen wir zurück“, so Spohr.

„Sei es, weil er wegen erhöhter Temperatur am Zielort nicht einreisen darf, er dort in Quarantäne müsste oder weil im Gastland das Virus ausbricht – für alle diese Fälle wird es eine abgesicherte Rückflug-Garantie geben“, betonte der Lufthansa-Chef. Weitere Details nannte er nicht. Spohr äußerte sich zuversichtlich, dass die Nachfrage nach Privatreisen sehr schnell zurückkommen werde.

Führende Ärzte und Wissenschaftler haben die britische Regierung eindringlich dazu aufgerufen, das Land auf eine mögliche zweite Infektionswelle im Winter vorzubereiten. Großbritannien gehöre zu den Ländern mit den höchsten Todesraten, betonten die Fachleute in einem im „Guardian“ veröffentlichten Schreiben.

„Besonders schlimm sind die Armen und bestimmte ethnische Minderheiten betroffen.“ Zu den 27 Unterzeichnern gehört auch der Mediziner Anthony Costello, der früher Spitzenbeamter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war.

Nach Angaben des britischen Gesundheitsministeriums sind bereits mehr als 40.000 Coronavirus-Infizierte gestorben – kein anderes Land in Europa verzeichnet so viele Opfer. Fachleute gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Angesichts der Lage im Land halten viele von ihnen die Lockerung von Maßnahmen gegen die Pandemie für verfrüht.

Slowenien könnte die Grenze zu Italien schon bald öffnen. Das kündigte der slowenische Außenminister Anze Logar gestern nach einem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Luigi Di Maio an. „Wir blicken mit Optimismus auf den 15. Juni“, sagte Logar bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Ljubljana.

Ob Slowenien zu diesem Datum Mitte Juni auch tatsächlich die Einreisebeschränkungen für Italien aufheben wird, bestätigte Logar nicht. Die Grenze werde geöffnet, „sobald die gesundheitliche Situation das erlauben wird“, sagte er. Wie er hinzufügte, verfolgen die slowenischen Gesundheitsbehörden täglich die epidemiologische Lage im Nachbarland: „Das gesundheitliche Bild Italiens verbessert sich sehr schnell“, sagte Logar.

Di Maio dankte Slowenien für den Optimismus und betonte, dass die Öffnung der Grenzen für Reisende wichtig für die Wirtschaft beider Länder sei. Zugleich erinnerte er daran, dass Deutschland und die Schweiz für den 15. Juni bereits die Grenzöffnung angekündigt hätten. Mit Blick auf Österreich betonte Di Maio, dass ebenfalls besprochen werde, den 15. Juni „als jenes Datum festzulegen, das für ganz Italien und nicht nur für einzelne Regionen gelten wird“.

COV Inland

Eine im Postbus-Fahrdienst beschäftigte Person in Oberösterreich ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das meldete der Krisenstab gestern. Fahrgästen, die am Dienstag, 2. Juni, und am Mittwoch, 3. Juni, mit einer der Postbus-Verbindungen im Raum Linz-Enns-Steyr laut einer vom Krisenstab veröffentlichten Auflistung gefahren sind, wird auf freiwilliger Basis ein Covid-Test angeboten.

Mehr dazu in ooe.ORF.at

Die Zahl der Personen, die infolge einer Coronavirus-Infektion auf der Intensivstation liegen, sinkt weiter. Aktuell (Stand gestern, 16.00 Uhr) liegt sie bei 17. Wegen des Erregers in Spitalsbehandlung befinden sich landesweit nur noch 55 Menschen. Die Zahl belief sich gestern Vormittag noch auf 72.

16.818 Coronavirus-Fälle sind aktuell in Österreich bestätigt. 15.789 Personen gelten als genesen. Das Gesundheitsministerium registrierte 437 Erkrankte. Die Zahl der durchgeführten Testungen beträgt aktuell 485.912.

Die Anzahl der Verstorbenen liegt der Definition des Epidemiologischen Meldesystems (EMS) zufolge derzeit bei 645.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Hinweis zur Aktualisierung der Daten

Um die Daten zur Zahl der Coronavirus-Infektionen weiter aktuell zu halten, übernimmt ORF.at die Informationen direkt aus dem offiziellen Dashboard des Gesundheitsministeriums. Wichtig: Die aktuellen Fallzahlen im Kopf der Seite werden stündlich aktualisiert, die Verlaufsgrafiken zum Tageswechsel, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Genaue Informationen zu Definitionen, Herkunft der Daten, Aktualisierung und FAQs finden sich im Infopoint Coronavirus von ORF.at.

Mehr dazu in Daten und Karten und Daten-Updates und Quellen

Inland

Derzeit haben rund 55.000 Junge keinen Job. Im Herbst dürften Fachleuten zufolge 7.000 bis 8.000 Lehrstellen fehlen. Die SPÖ warnt vor einer „verlorenen Generation Corona“. „Der Markt alleine wird dieses Problem natürlich nicht regeln“, sagte Parteichefin Pamela Rendi-Wagner gestern. „Es muss dringend staatlich gegengesteuert werden“, forderten sie und Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser.

Jugendliche seien am stärksten von der Coronavirus-Krise betroffen. Die Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen habe sich verdoppelt. Das Lehrstellenangebot sinke. Davor warnten kürzlich auch die Sozialpartner.

Rendi-Wagner für „Investitionspaket“

Unternehmen selbst würden aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage derzeit nicht daran denken können, Lehrstellen zu schaffen, so Rendi-Wagner. Vielmehr seien sie dazu gezwungen, Arbeitsplätze und Lehrstellen abzubauen. „Es braucht insgesamt ein Investitionspaket in die Wirtschaft, in die Beschäftigung – wie wir das seit mehreren Wochen fordern und Deutschland dieser Tage angegangen ist.“

SPÖ für Wiedereinführung der Ausbildungsgarantie

Konkret fordern die Sozialdemokraten die Aufstockung der Lehrstellen in überbetrieblichen Lehrwerkstätten um 5.000 Plätze. Darüber hinaus solle die öffentliche Hand in allen Bereichen die Lehrstellen aufstocken.

Das Amt der Kärntner Landesregierung verdopple heuer die Zahl der Lehrstellen auf 45, so Kaiser, der viele weitere Maßnahmen für den Arbeitsmarkt in Kärnten – etwa Investitionen in überbetriebliche Lehrwerkstätten – aufzählte und solche Maßnahmen auch von der Bundesregierung einforderte.

Kosten wohl bei 150 Mio. Euro

Weiters tritt die SPÖ für die Wiedereinführung der Ausbildungsgarantie bis zum Alter von 25 Jahren ein. „Diese Maßnahme qualifiziert junge Menschen für den Arbeitsmarkt und schützt vor Arbeitslosigkeit. Leider wurde sie unter der ÖVP-FPÖ-Regierung 2019 abgeschafft“, so Rendi-Wagner. Ebenso zurückgenommen werden müsse die Halbierung der Lehrlingsentschädigung für über 18-Jährige.

Die Kosten für das Paket bezifferte Rendi-Wagner auf rund 150 Millionen Euro. Prinzipiell sei aber nichts teurer, als nicht zu handeln, warnte sie vor Folgekosten und einem steigenden Fachkräftemangel wegen einer nun drohenden Ausbildungslücke.

Lehrlingspaket der Regierung „Tropfen auf heißen Stein“

Ein Lehrlingspaket in der Höhe von 140 bzw. 150 Millionen Euro haben zuletzt auch die Wirtschaftskammer, die Gewerkschaft GPA-djp und die Gewerkschaftsjugend gefordert. Das Lehrlingspaket der Regierung sieht vor, dass Unternehmen bis 31. Oktober einen Lehrstellenbonus beantragen können: Es gibt eine Förderung in der Höhe von 1.000 Euro beim Start der Lehre und 1.000 Euro beim Behalten des Lehrlings nach der Probezeit.

„Das ist eine Einzelmaßnahme und nur ein Tropfen auf den heißen Stein, viel zu wenig“, sagte Rendi-Wagner darauf angesprochen. ÖVP und Grüne hätten bisher kein Konzept zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vorgelegt. Sie wisse nicht, worauf die Regierung warte, mit jeder Woche des Zuwartens werde es teurer.

Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) kann sich eine der Erhöhung des Arbeitslosengeldes vorstellen. „Ich bin da absolut gesprächsbereit“, sagte er gestern im Ö1-Morgenjournal. Man brauche dafür allerdings Mehrheiten in der Koalition mit der ÖVP. Zuletzt hatte sich schon Grünen-Sozialsprecher Markus Koza angesichts der Coronavirus-Krise für die Erhöhung ausgesprochen.

„Wir werden das als eines von mehreren Lösungsoptionen miteinander bearbeiten“, so Anschober: „Ich gehe davon aus, dass wir da in den nächsten vier, fünf Wochen zu einer Lösung kommen, mit einem Handlungsvorschlag für jene Menschen, die in Arbeitslosigkeit sind, damit deren Lebenssituation verbessert wird.“

Bisher kam diese Forderung vor allem aus der SPÖ. Diese verlangt seit Langem, die Nettoersatzrate von derzeit 55 auf 70 Prozent zu erhöhen.

SPÖ ortet Bewegung bei ÖVP

Die SPÖ ortete auch bei der ÖVP Bewegung in Sachen einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes. Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) sei dabei, von einer „einzementiert, dogmatischen Position“ abzurücken. Das habe er bei einem Telefonat mit der ÖVP-Politikerin bemerkt, sagte Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ).

Der Effekt einer Erhöhung der Nettoersatzrate von 55 auf 70 Prozent sei „volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich sinnvoll“. Und: „Die Rate von 55 Prozent deckt oft nicht einmal die Grundkosten der Betroffenen.“ Auch SPÖ-Parteichefin Pamela Rendi-Wagner bekräftigte den Ruf nach einer Erhöhung einmal mehr.

Chronik

Wenige Tage nach einem Hunderte Meter breiten Erdrutsch ist es im Norden Norwegens erneut zu einem größeren Abgang gekommen. Während beim ersten Vorfall am Mittwoch mehrere Häuser und Hütten ins Meer gespült worden waren, klaffte nun im selben Gebiet in der Kommune Alta ein gewaltiges Loch in einer Uferregion.

Erdrutsch in Norwegen

Bereits am Mittwoch wurden mehrere Häuser ins Meer gespült (Videoquelle: APTN/NVE/Anders Bjordal)

Fotos zeigten, wie der Erdrutsch ein großes Stück der alten Europastraße E6 weggerissen hatte. Verletzt wurde dabei niemand, wie der norwegische Rundfunksender NRK gestern berichtete. Auch Gebäude wurden demnach diesmal nicht in Mitleidenschaft gezogen. Ein Polizeisprecher sagte dem Sender, der abgerutschte Teil der Erde habe einen Durchmesser von rund 50 Metern und eine Höhe von 30 bis 40 Metern.

Am Mittwoch waren bei einem Erdrutsch in der Region mit einer Länge von 650 Metern acht Gebäude ins Wasser gespült worden, darunter vier Freizeithäuser. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Ein ins Meer gespülter Hund schaffte es, an Land zurückzuschwimmen. Die nun betroffene Straße lag in dem Gebiet, das die norwegischen Behörden nach dem Vorfall vom Mittwoch weiträumig abgesperrt hatten.

In einem neuen, mehrere deutsche Bundesländer umfassenden Kindesmissbrauchsfall hat die Polizei Münster elf Verdächtige festgenommen. Sieben Beschuldigte befinden sich in Untersuchungshaft, wie Polizei und Staatsanwaltschaft gestern in Münster mitteilten. Drei Kinder seien als Opfer identifiziert worden. Sie seien fünf, zehn und zwölf Jahre alt.

Bei den Tatorten spielt eine Kleingartenanlage eine Rolle. Der Hauptbeschuldigte ist ein 27-Jähriger aus Münster. Bei den sechs weiteren Beschuldigten, gegen die Haftbefehl erlassen wurde, handle es sich um dessen 45 Jahre alte Mutter sowie um mehrere Männer. Die Ermittler hätten „unfassbare“ Bilder sehen müssen, sagte der Leiter der Ermittlungen, Joachim Poll.

Ausgangspunkt der Ermittlungen sei ein Verfahren aus dem Jahr 2018 gewesen; damals habe eine unbekannte Person Daten mit Kinderpornografie übers Internet angeboten. Über eine ermittelte IP-Adresse habe die Spur zu dem landwirtschaftlichen Betrieb geführt.

Ein tödlicher Alpinunfall hat sich gestern auf einem Klettersteig auf der Kampermauer in Rosenau am Hengstpass (Bezirk Kirchdorf an der Krems) in Oberösterreich ereignet. Eine 48-jährige Frau aus Wels stürzte zu Mittag an einer schwierigen Stelle 70 Meter ab.

Unfallursache war laut Landespolizeidirektion OÖ „eine unkorrekte Verbindung des Klettersteigsets mit dem Klettergurt der Verunfallten“.

Wirtschaft

Die Organisation Erdöl produzierender Staaten (OPEC) und ihre Kooperationspartner (OPEC+) werden zur Stabilisierung des Ölmarkts die derzeitige Kürzung ihrer Ölproduktion um einen weiteren Monat verlängern. Das teilte das Ölkartell gestern nach Verhandlungen in Wien mit. Die teilnehmenden Länder hätten dafür gestimmt, dass auch im Juli die Ölproduktion um rund zehn Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag gedrosselt werde, hieß es.

Das Kartell teilte weiter mit, dass die bisher bestehende Vereinbarung zu einer „vorläufigen Erholung der Weltwirtschaft und des Ölmarktes“ beigetragen habe. Alle großen Produzenten müssten sich nun weiterhin zur Stabilisierung des Marktes verpflichten.

Die großen Ölförderländer wollen mit dem Schritt den Preisverfall in der Krise stoppen. Die OPEC und die anderen Länder hatten sich im April darauf verständigt, die Öl-Förderung um 9,7 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag für die Monate Mai und Juni zu kürzen. Die Drosselung um einen weiteren Monat war bereits erwartet worden.

Volkswagen-Chef Herbert Diess drängt einem Medienbericht zufolge in der Coronavirus-Krise auf Einsparungen. Das habe Diess jüngst in einer Rede vor Topmanagern des Konzerns deutlich gemacht, berichtete das Branchenmagazin „Automobilwoche“ gestern im Voraus unter Berufung auf Teilnehmer.

„Wir müssen die F+E-Ausgaben, Investitionen und Fixkosten gegenüber bisherigem Planungsstand deutlich kappen“, wurde Diess zitiert. Die Nettoliquidität des Konzerns werde „mindestens noch bis Juli wegen schwacher Nachfrage weiter abnehmen“. Nicht alle VW-Marken würden 2020 ein positives Jahresergebnis schaffen, sagte Diess dem Magazin zufolge auf der Veranstaltung am vergangenen Donnerstag. Vom Unternehmen und vom Betriebsrat waren zunächst keine Stellungnahmen zu bekommen.

„Ärger mit Betriebsrat vorprogrammiert“

Laut dem Bericht soll die Hauptmarke VW Pkw ihre Sachgemeinkosten um 20 Prozent reduzieren. Diess lasse neben Produktverschiebungen auch bei wichtigen Baureihen mit Hochdruck prüfen, welche Modelle komplett entfallen können. „Durch die neue Sparrunde ist weiterer Ärger mit dem Betriebsrat unter Bernd Osterloh vorprogrammiert“, zitierte das Magazin einen namentlich nicht genannten VW-Topmanager.

Diess sieht sich mit zunehmendem Druck von Arbeitnehmervertretern konfrontiert. Zuletzt hatten Vertreter der Gewerkschaft IG Metall die technischen Probleme beim neuen Golf 8 und dem Elektroauto ID.3 zum Anlass genommen, um in einem offenen Brief an Aufsichtsrat und Vorstand dem Management auch auf anderen Feldern Versagen in der Krisenbewältigung und der öffentlichen Darstellung des Wolfsburger Autobauers vorzuwerfen. Zugleich unterstrichen sie, weitere Sparprogramme auf Kosten der Beschäftigten abzulehnen.

Sport

Ein Kunstschuss hat Cashpoint SCR Altach gestern in der zweiten Runde der Qualifikationsgruppe der tipico-Bundesliga vor einer Niederlage im Westderby gegen WSG Swarovski Tirol bewahrt. Jan Zwischenbrugger zirkelte in der 79. Minute den Ball via Stange zum 1:1-Endstand ins Tor und brachte die Gäste aus Wattens um die vollständige Rehabilitation für die 0:5-Abfuhr in St. Pölten.

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Der FC Bayern München hat gestern in der 30. Runde der deutschen Bundesliga trotz eines Fehlstarts bei Bayer Leverkusen am Ende den nächsten Schritt zum Meistertitel geschafft. David Alaba und Co. setzten sich nach 0:1-Rückstand nach neun Minuten am Ende klar mit 4:2 durch. Der Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund, der Hertha BSC im Heimspiel mit 1:0 besiegte, beträgt weiter sieben Punkte.

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Kultur

Mit Schloss Versailles hat eine der beliebtesten Touristenattraktionen Frankreichs wieder geöffnet: Das Schloss der „Sonnenkönige“ empfing gestern erstmals seit fast drei Monaten wieder Besucher. Allerdings gelten wegen der Coronavirus-Pandemie strenge Auflagen. Die Zahl der Besucher in Schloss Versailles ist pro Tag auf 4.500 beschränkt – normalerweise werden sechsmal so viele Gäste gezählt. In den Räumen gilt eine Maskenpflicht. Die Besucher müssen zudem markierten Wegen folgen, um Ansammlungen zu vermeiden.

Besucher im Park von Versailles
APA/AFP/Anne-Christine Poujoulat

Auch andere französische Schlösser hatten zuvor wieder geöffnet, etwa die berühmten Paläste Chambord und Chenonceau an der Loire. Weitere französische Sehenswürdigkeiten sollen bis Juli folgen. Das Louvre-Museum mit der Mona Lisa öffnet am 6. Juli seine Pforten. Für den Eiffelturm steht noch kein Termin fest.

Besucher im Prado
AP/Manu Fernandez

In Madrid öffnete das weltberühmte Prado-Museum nach fast dreimonatiger CoV-Zwangspause seine Türen mit einer Sonderausstellung „Reencuentro“ (Wiederbegegnung). Zugänglich ist zunächst nur ein Drittel der Ausstellungsfläche, und es dürfen nur 1.800 Besucher zugleich und unter strengen Sicherheitsauflagen in den Kunsttempel der spanischen Hauptstadt.

Die vom Juni auf September verschobene Kunstmesse Art Basel 2020 wird nicht stattfinden. Als Grund für die Absage gibt die Messebetreiberin MCH Group die wegen der Coronavirus-Pandemie unsicheren globalen Rahmenbedingungen an. Die Entscheidung zur Absage sei nach Rücksprachen mit Galeristen, Sammlern, Partnern und externen Experten getroffen worden, teilte die MCH Group gestern mit.

Ausschlaggebend seien neben Gesundheits- und finanziellen Risiken für die Aussteller die anhaltenden Behinderungen des internationalen Reiseverkehrs gewesen. Auch dass in der Schweiz noch keine Regeln für Großveranstaltungen existieren, hat laut Mitteilung der MCH Group eine Rolle gespielt.

„Wir hatten gehofft, die Erholung des Kunstmarktes mit einer erfolgreichen Messe im September unterstützen zu können“, wird Marc Spiegler, Global Director der Art Basel in der Aussendung zitiert. Leider seien dafür die Unsicherheiten aber nach wie vor zu groß. Man werde nun die digitalen Plattformen für den Kunstmarkt weiterentwickeln. Diese wurden nach der Absage der Art-Ausgabe in Hongkong im März aufgebaut.

Auch Design Miami Basel abgesagt

Abgesagt ist auch die Schwestermesse Design Miami Basel. Beide Kunstmessen wurden ursprünglich von ihrem Stammdatum Mitte Juni auf den 17. bis 20. September verschoben.

Für die finanziell und strukturell angeschlagene MCH Group bedeutet die Absage ihrer Flaggschiffmesse ein weiterer Rückschlag. Gestrichen wurde bereits die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld, deren Weiterführung nach dem Ausstieg wichtiger Aussteller grundsätzlich infrage gestellt ist.

Panorama