Inland

Die ÖVP wird die Abstimmung über den Misstrauensantrag gegen Kanzler Sebastian Kurz am Montag nicht verschieben. Theoretisch könnte sie das Votum um zwei Tage verzögern, womit Kurz in jedem Fall noch als Kanzler zum EU-Gipfel am Dienstag fahren könnte.

„Wir haben noch nie eine Sondersitzung blockiert und werden das auch jetzt nicht machen“, schloss die ÖVP gegenüber der APA jedoch aus.

Mahrer und Fischler gegen Misstrauensvotum

Wirtschaftskammer- und ÖVP-Wirtschaftsbund-Chef Harald Mahrer plädiert in einer Stellungnahme für den Verbleib von Kurz im Amt des Bundeskanzlers. Auch der Ex-ÖVP-EU-Kommissar Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach, sprach sich in einer Aussendung gegen ein Misstrauensvotum aus.

„Ein Misstrauensvotum dient nicht der innenpolitischen Stabilität … Allen politischen Akteuren muss daran gelegen sein, dass Österreich handlungsfähig bleibt“, schrieb Mahrer. Jetzt dürfe es nicht um Parteitaktik gehen, so auch Fischler.

Noch keine Entscheidung bei SPÖ und FPÖ

Jetzt kündigte ein Misstrauensvotum für Montag an. NEOS entschloss sich bereits dagegen, das Votum zu unterstützen. „Ich sehe diese Übergangsregierung als Verwaltungsregierung“, begründete NEOS-Vorsitzende Beate Meinl-Reisinger ihre Entscheidung.

Bei der SPÖ äußerte sich heute Julia Herr, Vorsitzende der Sozialistischen Jugend und bei der EU-Wahl auf Platz sechs der SPÖ-Liste, zum Votum. Für sie ist es „ganz klar“, dass der SPÖ-Klub im Nationalrat einen Misstrauensantrag gegen Kurz „unterstützen oder selbst einbringen muss“. Arbeiterkammer-Chefin Renate Anderl wiederum will sich noch nicht festlegen.

Ebenso nicht Stellung beziehen wollte Gewerkschaftschef Wolfgang Katzian. Der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig sagte, wenn es kein Zugehen auf die Sozialdemokratie gebe, werde es schwierig, den Kurs von Kurz weiter zu unterstützen. SPÖ-Parteichefin Pamela Rendi-Wagner äußerte sich noch nicht eindeutig.

Bei der FPÖ gibt es ebenfalls noch keine definitive Entscheidung.

Bildungsminister Heinz Faßmann – parteifrei, aber von der ÖVP nominiert – schließt eine weitere Regierungszusammenarbeit mit der FPÖ nicht aus. „Menschen sind lernfähig, auch Parteien können dazulernen. Da glaube ich nicht, dass man für alle Ewigkeit den Stab brechen darf“, sagte Faßmann heute im Ö1-Mittagsjournal. Die Rechnungshof-Kontrolle der Parteifinanzen würde er begrüßen.

„Ich halte es für sinnvoll, hier eine Prüferlaubnis zu erteilen“, so Faßmann. „Um das Vertrauen in der Bevölkerung wiederherzustellen, brauchen wir sicherlich eine Aufklärungsarbeit.“

Kurzfristig Tausch gegen Sekretariatskraft möglich

Auch die Überlastung vieler Pflichtschuldirektorinnen und -direktoren war im Ö1-Interview Thema. Faßmann will dieser durch eine Neuregelung im Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern langfristig begegnen. Kurzfristig könnten Direktoren über zusätzliches Unterrichten Mittel für die Anstellung einer Sekretariatskraft aufbringen, so Faßmann.

„Wenn ein Direktor noch eine Klasse unterrichten möchte und die daraus frei werdenden Mittel für eine Sekretariatskraft verwendet, ist das in Ordnung“, so der Minister. „Das ist kurzfristig eine Denkvariante.“

Pflichtschuldirektoren klagen über Bürokratie

Dass die Schulleiterinnen und -leiter an Österreichs Pflichtschulen über zu viele administrative Aufgaben klagen, zeigte heute auch eine Umfrage von sozialdemokratischen Lehrervertretern.

„Die Bürokratie bringt unsere Schulen um“, so der Vorsitzende der Sozialdemokratischen LehrerInnen Österreich (SLÖ), Thomas Bulant, heute in einer Aussendung. Allein in Kärnten nahmen 150 der 280 Pflichtschuldirektoren an der Umfrage teil – fast alle klagten über die administrativen Anforderungen.

Mehr dazu in kaernten.ORF.at

Die FPÖ schießt im Vorfeld des für Montag angekündigten Misstrauensantrags weiter scharf gegen Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Herbert Kickl nahm am Tag nach seiner Entlassung auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen ins Visier. In einem Facebook-Eintrag bezeichnete der gefeuerte Innenminister den Bundespräsidenten als „Steigbügelhalter eines schwarzen Machtkartells“.

FPÖ und SPÖ müssen bis Montag entscheiden, ob sie Kurz als Kanzler einer ÖVP-Minderheitsregierung im Amt lassen oder ihn per Misstrauensantrag absetzen. Wie die FPÖ abstimmen wird, ist offen. „Kurz kann sich kein Vertrauen erwarten“, sagte Parteichef Norbert Hofer heute im „Kurier“. Über eine Zustimmung zum Misstrauensantrag will er aber noch nicht entscheiden.

„Übertölpelter“ Van der Bellen

Kickl agierte indessen weiter als Scharfmacher. Er warf „der alten ÖVP“ vor, dass es ihr in Wahrheit darum gegangen sei, die Führung im Innenministerium zurückzuerobern. Die nun eingesetzten „sogenannten Experten“ seien „Marionetten tiefschwarzer Kabinette, die allesamt mit Personen aus dem Beraterumfeld von Sebastian Kurz besetzt sind“.

Als „Steigbügelhalter“ habe dabei Van der Bellen agiert: „Die Verantwortung für das Aufgehen dieses Machtplans der ÖVP trägt Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Er hat sich von Kurz und seinen Beratern quasi übertölpeln lassen.“

Sollten SPÖ und FPÖ dem von Jetzt angekündigten Misstrauensantrag zustimmen, wäre Kurz’ Kanzlerschaft Geschichte. Spekuliert wurde heute allerdings auch über die Möglichkeit, dass die FPÖ bei der Abstimmung aus dem Plenum ausziehen könnte. In diesem Fall würden die Stimmen von ÖVP und NEOS ausreichen, um den Misstrauensantrag abzulehnen.

Der nach der Veröffentlichung des „Ibiza-Videos“ zurückgetretene FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat sich nach APA-Informationen von der Nationalratswahlliste aus 2017 streichen lassen. Damit verliert er auch das Rückkehrrecht ins Parlament und den damit verbundenen Anspruch auf eine etwaige Gehaltsfortzahlung.

EU-Mandat wäre möglich

Das Ersuchen um Streichung erfolgte unmittelbar nach Straches Demissionierung durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Eine Annullierung von der Wahlliste für die EU-Wahl am Sonntag sei indes nicht mehr möglich gewesen, erläuterte Robert Stein, Leiter der Wahlabteilung im Innenministerium. Das könne Strache erst wieder am 12. Juni nach der Feststellung durch die Bundeswahlbehörde veranlassen. „Bis dahin sind die Wahllisten in Stein gemeißelt“, so Stein.

Strache kandidiert als 42. auf der Liste der Freiheitlichen für die Europawahl. Sollte er also genügend Vorzugsstimmen erhalten – die gesetzliche Hürde liegt bei fünf Prozent der Stimmen, die auf eine Partei entfallen –, könnte er ein Mandat ergattern. Auf dieses könne er freilich nach dem 12. Juni verzichten bzw. sich dann von der Wahlliste streichen lassen.

Hofer statt Strache bei Wahlkampffinale

Beim Wahlkampffinale wird der designierte Parteichef Norbert Hofer statt Strache neben Spitzenkandidat Harald Vilimsky und der Listendritten Petra Steger auf dem Viktor-Adler-Markt in Wien die Anhängerschaft mobilisieren. Die Veranstaltung beginnt um 15.00 Uhr, das Motto lautet „Jetzt erst recht“.

Vertrauen fehlt in Österreichs Innenpolitik derzeit allerorts. ÖVP und FPÖ würden sich gegenseitig nicht mehr über den Weg trauen, das Verhältnis zwischen SPÖ und ÖVP sei zerrüttet und jenes zwischen SPÖ und FPÖ nur noch „in Graden unter null zu messen“, sagte Politikwissenschaftler Peter Filzmaier. Seine Kollegin Kathrin Stainer-Hämmerle hält einen Wiederaufbau von normalen Verhältnissen nur „mittelfristig“ für machbar.

Lesen Sie mehr …

EU

Die britische Regierung hat die für Anfang Juni angekündigte Brexit-Abstimmung im Unterhaus auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein Regierungssprecher kündigte heute an, dass ein neuer Termin erst nach Pfingsten festgelegt werden soll.

Brexit-Hardliner innerhalb der Konservativen Partei hatten zuvor gegen Zugeständnisse protestiert, die Premierministerin Theresa May auf der Suche nach einem mehrheitsfähigen Austrittsabkommen gemacht hatte.

Bei den Parlamentsmitgliedern kamen Mays Bemühungen allerdings gar nicht an: Unterhausabgeordnete aller Parteien hatten den Vorstoß gestern beinahe durchgängig kritisiert, die Unterhausvorsitzende Andrea Leadsom erklärte aus Protest gegen den Brexit-Kurs der Regierung ihren Rücktritt aus Mays Kabinett.

May vor Abgang

Mays Abkommen ist bereits dreimal im Unterhaus gescheitert, der ursprünglich geplante EU-Austrittstermin am 29. März ist längst verstrichen. Zudem wächst der Druck auf die Premierministerin zurückzutreten. Zahlreiche Tory-Mitglieder haben sich bereits für eine mögliche Nachfolge in Position gebracht.

Es werde damit gerechnet, dass May morgen ein Datum für ihren Rücktritt nennen werde, berichtete „The Times“. Sie werde allerdings noch im Amt bleiben, bis ihre Partei einen Nachfolger ausgewählt habe. In anderen Berichten hieß es, May werde noch warten, bis das Ergebnis der am Sonntag zu Ende gehenden Europawahl vorliege. Der „Times“ zufolge hatte sich May einem Versuch, sie aus dem Amt zu zwingen, in der Nacht widersetzen können.

Neben den Niederlanden wählen seit heute Früh auch die Wahlberechtigten in Großbritannien ihre Vertreter und Vertreterinnen für das EU-Parlament.

Die Briten und Britinnen sollten wegen des Brexits eigentlich nicht mehr an der Wahl teilnehmen. Da der für den 29. März geplante EU-Austritt aber wegen fehlender Einigung im britischen Parlament bereits zweimal verschoben wurde, findet in Großbritannien die Europawahl nun doch statt.

EU-Wahl in Großbritannien begonnen

Während die EU-Wahl in Österreich am Sonntag abgehalten wird, findet diese in Großbritannien bereits heute statt.

Unklar ist, ob die 73 britischen EU-Paramentarier und -Parlamentarierinnen ihre Sitze je einnehmen werden. Nach dem Willen der Regierung soll der Austritt noch vor der konstituierenden Sitzung des Parlaments Anfang Juli vollzogen werden. Ob das gelingt, ist jedoch zweifelhaft.

Langes Warten auf Ergebnisse

In einer gestern veröffentlichten Umfrage führt die neu gegründete Brexit-Partei des EU-Gegners Nigel Farage mit 37 Prozent der Stimmen. Die konservativen Torys von Premierministerin Theresa May liegen mit sieben Prozent auf dem fünften Platz. Auch die oppositionelle Labour Party kommt nur auf 13 Prozent. Die Liberaldemokraten und die Grünen, die sich gegen den EU-Austritt aussprechen, erleben indes Höhenflüge.

Ob die Umfragen zur im Vorfeld immer wieder als eine Art neuerliches EU-Referendum hochstilisierten EU-Wahl halten, dürfte sich erst am späten Sonntagabend weisen. Während in den Niederlanden bereits heute Abend Exit-Polls einen ersten Anhaltspunkt geben könnten, stehen für Großbritannien keine vorzeitigen Prognosen im Raum. Zudem wird dort erst am Sonntag mit der Auszählung begonnen.

Grafik zu Wahltagen nach Ländern
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Offizielle Ergebnisse werden schließlich erst nach dem Ende der viertägigen Europawahl in allen 28 Mitgliedsstaaten veröffentlicht. Es sind insgesamt 427 Millionen Menschen aufgerufen, die 751 Europaabgeordneten zu bestimmen. In Österreich wird wie in den meisten EU-Ländern am Sonntag gewählt.

EU-Justizkommissarin Vera Jourova hofft auf Auswirkungen des „Ibiza-Videos“ auf die Europawahl. „Ich hoffe, dass es den Menschen die Augen öffnet“, sagte sie dem deutschen „Handelsblatt“ (Donnerstag-Ausgabe). „Dann werden sie die schmutzigen Methoden jener sehen, die vorgeben, ihre Heimat zu verteidigen, und in Wahrheit bereit sind, zum eigenen Vorteil ihre Heimat an fremde Mächte zu verkaufen.“

EU-Justizkommissarin Vera Jourova
APA/AFP/Emmanuel Dunand

Jourova ist in der EU-Kommission unter anderem für den Kampf gegen „Fake News“ in Sozialen Netzwerken verantwortlich. Die tschechische Politikerin beklagte, dass die starke Präsenz nationalistischer Parteien wie der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) in Sozialen Netzwerken auch darauf zurückzuführen sei, dass diese „die Menschen belügen“.

„Lügen und Hass müssen besiegt werden“

„Fake News sind oft sexyer als Fakten“, sagte die Parteifreundin des liberalpopulistischen tschechischen Premiers Andrej Babis. Die Inhalte trieben den Adrenalinspiegel nach oben und bekämen deshalb oft mehr Aufmerksamkeit. Dagegen vorzugehen sei schwierig, so die Kommissarin. In Anlehnung an ein Zitat von Vaclav Havel sagte sie: „Lügen und Hass müssen besiegt werden von Wahrheit und Liebe.“

Ausland

Der ehemalige slowakische Wirtschaftsminister und Medienmogul Pavol Rusko steht seit heute als Angeklagter eines Schwerverbrechens vor Gericht. Der 55-Jährige soll im Jahr 1997 bei einer lokalen Mafia-Gruppe die Ermordung seiner damaligen Geschäftspartnerin Sylvia Volz bestellt haben. In die Tat umgesetzt worden sei der Mordplan nur deshalb nicht, weil der Chef der Mafia-Gruppe wegen anderer Delikte verhaftet worden sei. Rusko droht im Fall einer Verurteilung lebenslange Haft.

Die Anklage stützt sich vor allem auf die Aussagen des damaligen Mafia-Bosses Mikulas Cernak und eines weiteren der insgesamt drei Mitangeklagten. Sie hatten der Polizei den Mordplan gestanden und Rusko als Auftraggeber genannt. Cernak und seine mutmaßlichen Komplizen sind bereits wegen anderer Morde rechtskräftig zu lebenslänglichen Gefängnisstrafen verurteilt.

Rusko galt als einer der mächtigsten Männer der Slowakei, nachdem er im Jahr 1996 den bis heute erfolgreichsten privaten Fernsehsender TV Markiza gegründet hatte und aus dem Ertrag auch mehrere Printmedien finanzierte. Als er 2003 Wirtschaftsminister und Vizeregierungschef wurde, musste er sich schrittweise von seinen Eigentumsanteilen trennen.

In Thailand darf einer der prominentesten Oppositionspolitiker sein frisch gewonnenes Mandat im Parlament nicht antreten. Das Verfassungsgericht in Bangkok entzog dem Vorsitzenden der Partei Future Forward, Thanathorn Juangroongruangkit, heute vorläufig seinen Sitz wegen einer Beschwerde der Wahlkommission. Für die endgültige Entscheidung gibt es noch keinen Termin.

Bei der konstituierenden Sitzung des neuen Unterhauses am Samstag ist der 40-Jährige nicht dabei. Das südostasiatische Königreich wird seit einem Putsch 2014 vom Militär regiert.

Die neu gegründete Partei war bei der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Parlamentswahl auf Anhieb drittstärkste Kraft geworden. Future Forward (Vorwärts in die Zukunft) ist vor allem unter jungen Wählern und Wählerinnen beliebt. Thanathorn war ihr Spitzenkandidat.

Die vom Militär eingesetzte Wahlkommission wirft dem vielfachen Millionär vor, gegen das Wahlgesetz verstoßen zu haben. Er soll seine Beteiligung an einem Medienunternehmen verschwiegen haben. Als Kandidat hätte er sagen müssen, dass er Anteile besitzt. Thanathorn wies die Anschuldigungen als politisch motiviert zurück.

Die US-Regierung hat die Herausgabe neuer 20-Dollar-Scheine zu Ehren der Sklaverei-Gegnerin Harriet Tubman um fast ein Jahrzehnt verschoben. Das teilte Finanzminister Steven Mnuchin gestern mit. Er sprach zwar grundsätzlich davon, Banknoten besser gegen Fälschungen zu schützen, wollte aber nicht konkret sagen, was der Grund für die Verschiebung ist.

Portrait zeigt Harriet Tubman
APA/AFP/Chris Taylor

Tubman, die von 1822 bis 1913 lebte, war selbst der Sklaverei entkommen und hatte anderen Sklaven bei der Flucht geholfen. Die Banknote mit ihrem Porträt sollte eigentlich im kommenden Jahr in Umlauf kommen – als erster US-Geldschein mit dem Konterfei einer schwarzen Frau. Nun kommt der neue Schein laut Mnuchin frühestens im Jahr 2028 heraus.

US-Präsident Donald Trump hatte die Pläne, Tubman auf dem 20-Dollar-Schein zu verewigen, im Wahlkampf als „reine politische Korrektheit“ bezeichnet. Er bewundert den früheren Präsidenten Andrew Jackson, der von 1829 bis 1837 amtierte und seit 1928 auf dem Schein zu sehen ist.

Jackson, der selbst Sklaven besaß, war als Präsident für die Vertreibung von Ureinwohnern aus ihren angestammten Gebieten verantwortlich, wobei Tausende Menschen an Hunger und Krankheit starben. Als Offizier hatte er zudem den Angriff auf das sogenannte Negro Fort geleitet, eine Niederlassung früherer Sklaven.

Sport

Einen Knalleffekt hat es vor Beginn der French Open im Lager von Dominic Thiem gegeben. Günter Bresnik, der seit Kurzem als dessen Trainer abgelöst worden war, zieht sich auch in seiner Funktion als Manager des Weltranglistenvierten zurück. Nachfolger wird der Steirer Herwig Straka, der als Turnierveranstalter in Wien und Manager fungiert und auch im ATP-Tour-Board sitzt.

Lesen Sie mehr …

Die Formel 1 in Monaco steht Jahr für Jahr im Mai im Zeichen von Glitzer, Glamour und Berühmtheiten. Diesmal aber wird alles im Bann des Ablebens von Legende Niki Lauda sein. Keine drei Tage nach dem Tod des 70-Jährigen drehen die Boliden auf dem Stadtkurs im Fürstentum am Donnerstag ihre ersten Trainingsrunden. Zum sechsten Mal um WM-Punkte geht es heuer am Sonntag (15.10 Uhr, live in ORF1).

Lesen Sie mehr …

Wirtschaft

Der deutsche Autozulieferer Bosch zahlt wegen des Dieselskandals 90 Mio. Euro Bußgeld. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart verhängte die Strafe gegen Bosch wegen „fahrlässiger Verletzung der Aufsichtspflicht in Unternehmen“, wie die Justizbehörde heute mitteilte.

Bosch habe keine Rechtsmittel eingelegt, das Geld werde binnen sechs Wochen an das Land Baden-Württemberg gezahlt. Damit fällt die Zahlung deutlich niedriger aus als etwa bei Volkswagen und den Töchtern Audi und Porsche, die zusammen Bußgelder von mehr als zwei Mrd. Euro zahlen mussten.

Mehr Stickoxide als zulässig

Bosch ist in den VW-Skandal verstrickt, weil der Zulieferer die entsprechende Motorsteuerung geliefert hat, mit deren Software VW Diesel manipulierte. Das führte laut Staatsanwaltschaft dazu, dass die jeweiligen Fahrzeuge mehr Stickoxide ausstießen als zulässig. Die Staatsanwaltschaft geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Initiative für Integration und Ausgestaltung jeweils von Mitarbeitern der Automobilhersteller ausging. Die Ermittlungen gegen Bosch-Mitarbeiter gehen aber dennoch weiter.

Wie die Staatsanwaltschaft erläuterte, lieferte Bosch ab 2008 rund 17 Millionen Motor- und Dosiersteuergeräte an verschiedene Autohersteller aus, deren Software teilweise die unzulässigen Abgasabschalteinrichtungen enthielten.

Das brasilianische Kosmetikunternehmen Natura will den britischen Konkurrenten Avon übernehmen. Der verschmolzene Konzern wäre mit über zehn Milliarden US-Dollar (8,9 Mrd. Euro) Jahresumsatz die viertgrößte Kosmetikfirma der Welt, wie die Unternehmen gestern in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten.

Der Zusammenschluss soll über ein Aktiengeschäft abgewickelt werden, bei dem Avon-Aktionäre für jedes ihrer Anteilspapiere 0,3 Aktien der neuen Holding erhalten. Künftig werden die bisheriger Natura-Aktionäre 76 Prozent des verschmolzenen Unternehmens kontrollieren und Avon-Aktionäre die restlichen 24 Prozent.

Der Zusammenschluss muss noch von den Aktionären beider Firmen sowie der brasilianischen Wettbewerbsbehörde genehmigt werden und soll Anfang 2020 abgeschlossen sein.

Auch Aesop und Body Shop übernommen

Natura hatte in den vergangenen Jahren bereits Aesop und Body Shop übernommen. Durch den Zusammenschluss mit Avon will das Unternehmen jährlich 150 bis 250 Millionen Dollar an Kosten einsparen. „Es ist ein weiterer Schritt, um ein Unternehmen mit verschiedenen Marken und verschiedenen Vertriebswegen aufzubauen“, sagte Natura-Vorstandschef Roberto Marques.

Avon-Chef Jan Zijderveld sagte: „Gemeinsam mit Natura haben wir einen breiteren Zugang zu Innovation, Produkten und einen stärkeren Onlinevertrieb.“ Nach der Ankündigung legten die Aktienkurse von Natura und Avon jeweils um über neun Prozent zu.

Chronik

Die US-Luftaufsichtsbehörde FAA lässt offen, wann sie die umstrittene Reihe 737 Max von Boeing wieder in die Luft lässt. Behördenchef Daniel Elwell sagte gestern, seine Technikexperten würden jeden Stein umdrehen. Sollte es ein Jahr dauern, bis die Behörde alles Nötige habe, um die Flugzeuge wieder fliegen zu lassen, „dann soll es so sein“, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Damit könnte das Flugzeug noch Monate auf dem Boden bleiben. Heute wird ein Treffen der FAA mit 31 Flugaufsichtsbehörden weltweit erwartet.

Mehrere geparkte Boeing 737 MAX der Fluggesellschaft Southwest
APA/AFP/Mark Ralston

Update noch ausständig

Boeing hatte zuletzt mitgeteilt, die Entwicklung eines Updates für die Steuerungssoftware des Flugzeugs abgeschlossen zu haben. Die FAA muss die Änderungen noch zertifizieren, bevor die Maschinen wieder starten dürfen. Zudem hat der Flugzeugkonzern nach eigenen Angaben Mängel an der Software des Flugsimulators beseitigt. Die Verbesserungen sollen sicherstellen, dass der Simulator unter verschiedenen Flugbedingungen genauso reagiert wie das Flugzeug.

FAA-Chef Elwell sagte dazu, Boeing habe die Updates der Behörde noch nicht präsentiert. Boeing sei bereits vor zwei Monaten kurz davor gewesen, die verlangten Updates vorzulegen, habe aber dann zurückgezogen, als ein Ausschuss Bedenken geäußert habe, so Elwell.

Beim Absturz einer Boeing 737 Max von Ethiopian Airlines im März und einer Maschine gleichen Typs der indonesischen Fluglinie Lion Air im Oktober waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. In beiden Fällen war möglicherweise die MCAS-Software verantwortlich.

Die Saison für die Besteigung des höchsten Berges der Welt ist voll angelaufen. Davon zeugen Berichte, wonach zuletzt über 200 Bergsteiger und Bergsteigerinnen von Nepal und China nahezu gleichzeitig zum 8.848 Meter hohen Gipfel des Mount Everest aufgebrochen sind.

Vom „Stau auf dem Everest“ zeugen etwa auf Instagram veröffentlichte Bilder. Grund für das wohl beispiellose Gedränge waren offenbar die perfekten Witterungsverhältnisse. Dazu kommt laut Medienberichten ein neuer Rekord von 381 Genehmigungen für die Everest-Besteigung allein von nepalesischer Seite.

View this post on Instagram

😞

A post shared by Mount Everest (@mounteverestofficial) on

Während damit heuer so viele Menschen auf dem Everest-Gipfel stehen könnten wie nie zuvor, gibt es in der laufenden Saison erneut mehrere Todesopfer. Von mindestens sechs toten Bergsteigern berichtete zuletzt etwa die „South China Morning Post“. Zuletzt seien ein amerikanischer und ein indischer Bergsteiger ums Leben gekommen, weil sie zu lange warten mussten, „um den Gipfel zu erreichen und abzusteigen“.

Medien

Der Stiftungsrat des ORF verliert seinen Vorsitzenden – vorübergehend und aus gesundheitlichen Gründen, wie Norbert Steger, von den Freiheitlichen entsandt, betont. Mit den aktuellen bundespolitischen Entwicklungen habe das nichts zu tun, er müsse sich einer Operation unterziehen, sagte Steger den „Salzburger Nachrichten“.

Er rechne damit, „einige Wochen oder Monate“ auszufallen, zitierte ihn heute die Zeitung online. Den Vorsitz übernimmt sein Stellvertreter Franz Medwenitsch, Mitglied des bürgerlichen Freundeskreises. Die nächste Sitzung des obersten ORF-Aufsichtsgremiums findet am 6. Juni statt.

Matkovits neue Stiftungsrätin

Sophie Matkovits wurde indessen zum neuen Mitglied im ORF-Stiftungsrat ernannt. Sie wurde heute vom Publikumsrat entsandt, der insgesamt sechs Mitglieder im obersten Aufsichtsgremium des ORF stellt. Nominiert wurde sie vom bürgerlichen Publikums- und Stiftungsrat Andreas Kratschmar.

Matkovits tritt an die Stelle von Rainer Rößlhuber, der Kabinettchef im Finanzministerium wurde und daher aufgrund der Unvereinbarkeitsregeln im ORF-Gesetz ausschied.

Die bundespolitischen Turbulenzen haben indes vorerst keine direkte Auswirkung auf den Stiftungsrat. Dessen Funktionsperiode dauert noch drei Jahre, daran könnte nur eine Änderung des ORF-Gesetzes rütteln. Die von der Bundesregierung bestellten Mitglieder können laut Gesetz nur nach Neubildung der Regierung abberufen werden. Neun Mitglieder benennt die Regierung direkt, sechs Mitglieder auf Basis des Kräfteverhältnisses im Nationalrat.

Religion

Die vom „Ibiza-Skandal“ ausgelöste politische Krise, die gestern zur Angelobung einer Übergangsregierung geführt hat, bewegt weiterhin auch Kirchenvertreterinnen und -vertreter. Caritas-Präsident Michael Landau mahnte, in der aktuellen Regierungskrise gehe es nicht in erster Linie um die Zukunft einzelner Parteien oder um die Karriere von Politikern, sondern um die Zukunft des Landes.

Mehr dazu in religion.ORF.at

Kultur

Judith Kerr ist tot. Die berühmte Kinderbuchautorin und Illustratorin sei im Alter von 95 Jahren gestorben, teilte ihr Verlag in Großbritannien, Harper Collins, heute mit.

Geboren am 14. Juni 1923, floh sie als Neunjährige mit ihrer jüdischen Familie 1933 aus Berlin. Ihr Vater Alfred Kerr (1867–1948) war in der Weimarer Republik ein gefeierter Kritiker; die Nazis verbrannten seine Bücher. Kerrs Erfahrungen flossen in das halbautobiografische Kinder- und Jugendbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ (1971) ein. Die Geschichte von Anna, die auf der Flucht ein rosa Stoffkaninchen in Berlin zurücklassen muss, wurde zum preisgekrönten Bestseller und zur Pflichtlektüre in deutschen Schulen.

Die berühmte Kinderbuchautorin und Illustratorin Judith Kerr
APA/AFP/Tolga Akmen

1936 ließ sich die Familie in London nieder; Kerr absolvierte dort die Kunsthochschule. Nach dem Krieg war sie als Redakteurin für den Sender BBC tätig, wo sie ihren Mann, den britischen Fernsehautor Nigel Kneale, kennenlernte. Sie waren bis zu seinem Tod im Jahr 2006 verheiratet.

Erstlingswerk „Der Tiger kommt zum Tee“

1968 schaffte Kerr den Durchbruch in Großbritannien mit ihrem Erstlingswerk „Der Tiger kommt zum Tee“; eine Kinderbuchserie um den exzentrischen Kater Mog folgte. Weltweit verkaufte sie neun Millionen Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt wurden. Die leidenschaftliche Künstlerin und Autorin schrieb bis ins hohe Alter. 2016 erschien auf Deutsch „Ein Seehund für Herrn Albert“, angelehnt an ihren Vater, der ein verlassenes Robbenbaby aufzog, das er am Strand gefunden hatte.

Dem deutschen Schauspieler Jens Harzer wird am 16. Juni im Wiener Burgtheater der Iffland-Ring überreicht. Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) werde dem 47-Jährigen die Auszeichnung aushändigen, teilte das Burgtheater heute mit. Den auf Lebenszeit vergebenen Ring erhält der „bedeutendste und würdigste Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“.

Iffland-Ring
APA/BUNDESKANZLERAMT

Der im Februar gestorbene Schweizer Schauspieler Bruno Ganz, der die Auszeichnung rund 23 Jahre trug, hatte Harzer zu seinem Nachfolger bestimmt. Harzer ist Ensemblemitglied des Hamburger Thalia Theaters.

Den dritten Teil der Trilogie über Thomas Cromwell hat die britische Schriftstellerin Hilary Mantel für März 2020 angekündigt. Der lange erwartete Band soll wie bereits bekannt den Titel „The Mirror and the Light“ („Der Spiegel und das Licht“) tragen.

Für die ersten beiden Teile der Trilogie, „Wolf Hall“ und „Bring Up The Bodies“ gewann die Autorin jeweils den Booker Prize. Den dritten Band will Mantel den letzten Jahren von Cromwell, dem einflussreichen Berater von Heinrich VIII., widmen. Mantel hatte bereits 2005 begonnen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Science

Das Wrack des letzten bekannten Sklavenschiffs der USA ist in Alabama gefunden worden. Taucher hätten die Überreste des vor 159 Jahren gesunkenen Schoners „Clotilda“ nach langer Suche im Fluss Mobile entdeckt und nun identifizieren können, teilte die Denkmalschutzbehörde des US-Bundesstaates gestern mit.

Arbeit auf Baumwollfeldern

An Bord des Segelschiffes hatten Plantagenbesitzer 1860 auf damals bereits illegale Weise 110 Frauen, Männer und Kinder aus dem heutigen Benin in Westafrika als Sklaven nach Mobile in Alabama gebracht. Dort mussten sie etwa auf Baumwollfeldern arbeiten, wie die an der Suche beteiligte Smithsonian Institution mitteilte. Das bereits 2018 geortete Wrack habe unter anderem anhand von Baumaterialien identifiziert werden können, erklärten Unterwasserarchäologen.

Seit 1808 war es verboten, Menschen als Sklaven ins Land zu bringen. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe Kapitän William Foster die „Clotilda“ in dem Fluss in Brand stecken und versenken lassen.

Der Fund habe großen historischen Wert, denn er beweise, dass der Sklavenhandel trotz des Verbotes weiterging, betonten die Forscher. „Das war eine Suche nach unserer Geschichte, nach unserer Identität, und es war auch eine Suche nach Gerechtigkeit“, sagte der stellvertretende Projektleiter Paul Gardullo.

Rückkehr nach Afrika scheiterte am Geld

Die meisten Sklaven der „Clotilda“ waren den Berichten zufolge nach ihrer Befreiung zum Ende des Bürgerkrieges 1865 in dem Ort Mobile geblieben und hatten die noch heute existierende Gemeinde Africatown gegründet.

Ihr Versuch, nach Afrika zurückzukehren, scheiterte am Geld. „Nun können wir ihren Teil der Geschichte erzählen“, sagte eine der Nachkommen, Lorna Gail Woods, dem Magazin der Smithsonian Institution. Der Fund sei ein Tribut an ihre Vorfahren. Viele Menschen hätten die Geschehnisse um die „Clotilda“ bisher nämlich mangels Beweisen in Zweifel gezogen.

Leute

Oscar-Preisträger Geoffrey Rush soll wegen falscher Zeitungsberichte über die angebliche sexuelle Belästigung einer Kollegin insgesamt 2,8 Millionen Australien-Dollar (etwa 1,73 Mio. Euro) Schadenersatz erhalten. Dem Fernsehsender ABC zufolge handelt es sich nun um die höchste Summe, die jemals einem einzelnen Australier wegen Diffamierung zugesprochen wurde. Der Verlag des „Daily Telegraph“ legte Berufung ein.

Oscar-Preisträger Geoffrey Rush
AP/AAP Image/Dylan Coker

Damit sollen Einkommensausfälle vergangener und künftiger Jahre ausgeglichen werden, die dem Schauspieler bereits entstanden sind oder noch entstehen könnten. Im vergangenen Monat hatte bereits ein anderes Gericht zu Rushs Gunsten entschieden, weil das Blatt nicht sorgfältig genug recherchiert habe.

Der „Daily Telegraph“ hatte 2017 unter Berufung auf eine andere Schauspielerin behauptet, dass Rush eine Kollegin während einer Theaterproduktion von „König Lear“ sexuell belästigt habe. Er selbst bestritt die Vorwürfe von Anfang an.

Rush hatte 1997 für seine Rolle in „Shine – Der Weg ins Licht“ den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen. Zu seinen weiteren Filmen gehören „Shakespeare In Love“, „The King"s Speech“ und „Fluch der Karibik“.

Festwochen