EU

Einigung auf „Zukunftspakt“ nach dem „Brexit“

Verhandler der EU und der britischen Regierung haben sich nach dem Austrittsabkommen auch auf eine politische Erklärung zu ihren künftigen Beziehungen verständigt. EU-Ratspräsident Donald Tusk bestätigte heute Vormittag entsprechende Agenturberichte, die sich erst auf einen namentlich nicht genannten „EU-Vertreter“ berufen hatten.

Der Entwurf gehe nun an die EU-Botschafter der restlichen 27 Mitgliedsstaaten, die sich noch heute in Brüssel treffen, hieß es. Trotz des Streits zwischen Madrid und London über Gibraltar soll die Erklärung bis zum EU-Sondergipfel am Sonntag unterschriftsreif sein. Die britische Premierministerin Theresa May hatte zuletzt in Brüssel mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker beraten, danach hieß es, dass es Fortschritte gegeben habe.

Inland

Antrag für Kopftuchverbot im Nationalrat eingebracht

ÖVP und FPÖ haben ihren angekündigten Antrag für ein Kopftuchverbot in Volksschulen heute im Nationalrat eingebracht, wie die die beiden Klubchefs August Wöginger (ÖVP) und Walter Rosenkranz (FPÖ) bei einer Pressekonferenz mitteilten. Sie forderten die SPÖ zur Zustimmung auf. Laut Rosenkranz soll das Verbot auch für den Turban der Sikhs gelten, nicht aber für die jüdische Kippa.

Das Verbot „weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist“ soll nach dem Willen von ÖVP und FPÖ als Verfassungsbestimmung verankert werden und ab dem Schuljahr 2019/20 gelten. Sowohl SPÖ als auch NEOS fordern allerdings zusätzlich weitere Integrationsmaßnahmen über das bloße Verbot hinaus. Auf die Stimmen einer der beiden Parteien ist die Koalition angewiesen, weil der Nationalrat Verfassungsbestimmungen nur mit Zweidrittelmehrheit beschließen kann.

Keine „Junktimiererei“

Wöginger deponierte am Donnerstag allerdings, dass man keine „Junktimiererei“ möchte und nur über Maßnahmen verhandeln wolle, die mit dem Thema Integration zusammenhängen. Sollten weder SPÖ noch NEOS mitgehen, würde Rosenkranz das Gesetz auch mit Koalitionsmehrheit beschließen. Sollten die anderen Parteien aus taktischen Gründen nicht zustimmen, „dann müssen wir das alleine machen“, so Rosenkranz.

Begründet wird das Kopftuchverbot von Wöginger und Rosenkranz damit, dass das Kopftuch Geschlechtsreife signalisiere und man der „Frühsexualisierung“ von Mädchen entgegenwirken wolle. Außerdem wolle man vermeiden, dass muslimische Volksschülerinnen aufgrund eines Kleidungsstückes diskriminiert werden, das signalisiere, dass sie nicht dazugehören.

Kompensation für Pflegeregress für Länder fix

Der Nationalrat hat heute die Abfederung der durch die Abschaffung des Pflegeregresses entstehenden Mehrkosten beschlossen. Der Bund schießt den Ländern zusätzlich zu den bereits ausgezahlten 100 Mio. Euro heuer im Dezember noch 240 Mio. nach.

Die Länder haben die Mittel „transparent und zeitnah“ an die betroffenen Gemeinden, Städte, Sozialfonds und Sozialhilfeverbände zu verteilen, heißt es im Gesetz. Abgerechnet wird dann 2019. Länder, die zu viel Geld erhalten haben, müssen die gewährten Mittel zurückzahlen. Die Maßnahme fand die Zustimmung der Regierungsfraktionen ÖVP und FPÖ sowie der Jetzt-Abgeordneten (vormals Liste Pilz).

Die SPÖ lehnt das Gesetz ab, sie hat unter anderem Zweifel daran, dass das an die Länder überwiesene Geld tatsächlich bei den Gemeinden ankommt. Außerdem ist die Sozialdemokratie mit dem Aufteilungsschlüssel nicht einverstanden, dieser entspreche weder der Wohnbevölkerung noch sonst gängigen Schlüsseln. Auch NEOS konnte den Beschluss nicht mittragen. Zu unkonkret, lautete ein Kritikpunkt.

Sobotka will „Sicherheitsorganisation“ im Parlament

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat sich heute für eine eigene „Sicherheitsorganisation“ des Parlaments ausgesprochen.

Nach dem Auffliegen eines Rechtsradikalen, der für eine private Sicherheitsfirma beim BVT-Untersuchungsausschuss tätig war, habe man entsprechende Vorarbeiten „intensiviert“, sagte Sobotka nach einer „Sonderpräsidiale“ zu der Causa.

Nur noch eigenes Personal

Zur Beachtung der Untersuchungsausschüsse will Sobotka ab sofort kein externes Personal mehr einsetzen, sondern die Sicherheitsmitarbeiter des Parlaments. Aktuell verfügt das Parlament über 14 hauseigene Security-Mitarbeiter, die von etwa 20 externen Mitarbeitern unterstützt werden. In Spitzenzeiten (am Tag der offenen Tür) können es bis zu 80 sein, sagte Parlamentssprecher Karl-Heinz Grundböck.

Für die Zukunft schlägt Sobotka – mit Blick auf die 2020 geplante Rückübersiedlung aus dem Ausweichquartier in der Hofburg ins Parlamentsgebäude am Ring – die Einrichtung einer eigenen „Sicherheitsorganisation“ für das Parlament vor. Die Prüfung möglicher europäischer Vorbilder sei schon länger geplant und werde nun „intensiviert“.

Ausland

Nord- und Südkorea bauten gemeinsam Straße über Grenze

Als Zeichen einer weiteren Annäherung haben Nord- und Südkorea eine Straße über die gemeinsame Grenze fertiggestellt. „Es ist historisch bedeutsam für den Norden und den Süden, eine neue Passage zu öffnen“, erklärte das südkoreanische Verteidigungsministerium heute.

Nord- und südkoreanischer Soldat geben sich die Hand
AP/South Korea Defense Ministry

Auf vom Ministerium veröffentlichten Fotos waren ein südkoreanischer und ein nordkoreanischer Soldat beim Handschlag zu sehen. Sie hatten an den jüngsten Straßenarbeiten teilgenommen. Die vollständig in der demilitarisierten Zone befindliche Straße soll für gemeinsame Bemühungen zur Bergung der sterblichen Überreste von im Korea-Krieg (1950–1953) Getöteten genutzt werden.

Waffen und Bunker entfernt

Südkoreas Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatten sich bei ihrem Gipfeltreffen im September auf den Bau der Straße in Cheorwon verständigt. Dabei hatten sie auch zugesagt, Bunker und Waffen aus dem Grenzort Panmunjom zu entfernen. Zuletzt waren mehrere Grenzposten gesprengt worden – langfristiges Ziel ist die Beseitigung aller Posten an der 250 Kilometer langen Grenze.

Oberster US-Richter verteidigt Justiz gegen Trump

Mit seiner Kritik an der angeblichen Parteilichkeit einiger Richter hat Präsident Donald Trump den Unmut des obersten US-Gerichts auf sich gezogen.

Der Vorsitzende Richter des Supreme Courts, John Roberts, wies Trumps Vorwürfe gestern (Ortszeit) zurück und erklärte: „Wir haben keine Obama-Richter oder Trump-Richter, Bush-Richter oder Clinton-Richter.“

Der Vorsitzende Richter des Supreme Courts, John Roberts
AP/CQ Roll Call/Tom Williams

Attacke gegen „Obama-Richter“

Stattdessen gebe es eine herausragende Gruppe engagierter Richter, die ihr Bestes täten und jeden vor Gericht nach gleichen Maßstäben des Rechts behandelten, betonte der konservative Jurist. „Diese unabhängige Justiz ist etwas, für das wir alle dankbar sein sollten.“

Auslöser für Trumps Ausbruch in diesem Fall ist eine richterliche Entscheidung vom Montag. Ein Gericht in San Francisco hatte Trumps jüngste Verschärfung der Asylregeln per einstweiliger Verfügung gestoppt. Es gab damit einer Klage von Organisationen statt, die für die Rechte von Einwanderern eintreten. Trump attackierte daraufhin den zuständigen Richter Jon Tigar und warf ihm Parteilichkeit vor: Er bezeichnete Tigar als „Obama-Richter“, da dieser von seinem Amtsvorgänger Barack Obama eingesetzt worden war.

Regierungsbildung in Schweden erneut gescheitert

In Schweden ist die Regierungsfrage mehr als zehn Wochen nach der Wahl immer noch völlig offen. Die Chefin der Zentrumspartei, Annie Lööf, teilte heute mit, dass es auch ihr nicht gelungen sei, eine mehrheitsfähige Koalition zu bilden.

Vor ihr waren der Sozialdemokrat Stefan Löfven und der Konservative Ulf Kristersson mit ihren Sondierungsgesprächen gescheitert. Nach der Parlamentswahl am 9. September haben weder das rot-grüne noch das bürgerliche Lager eine Mehrheit im Parlament. „Ich habe versucht, mit den Parteien Sachfragen zu diskutieren und nicht, wer Ministerpräsident werden soll“, sagte Lööf. In vielen Bereichen verfolgten die Parteien ähnliche Ziele. Aber sowohl die Moderaten als auch die Sozialdemokraten bestünden darauf, den Ministerpräsidenten zu stellen. „Alle Alternativen, die ich vorgeschlagen habe, wurden blockiert“, sagte Lööf. Deshalb mache es keinen Sinn, die Sondierung fortzusetzen.

Keine Schusswaffen für Soldaten an US-Südgrenze

Die US-Soldaten an der Grenze zu Mexiko sollen bei Zwischenfällen mit Migranten aus Zentralamerika nur Schlagstöcke einsetzen dürfen. US-Verteidigungsminister Jim Mattis sagte gestern (Ortszeit), Zoll und Grenzschutz könnten Soldaten zur Verstärkung anfordern, sollten Flüchtlinge gewaltsam einen Grenzübertritt versuchen. Die Soldaten seien dann aber nicht bewaffnet.

„Es werden vermutlich Angehörige der Militärpolizei sein, die mit Schutzschilden und Schlagstöcken ausgestattet sind“, sagte Mattis. „Keine Schusswaffen.“

Tausende auf den Weg durch Mexiko

US-Präsident Donald Trump hat angesichts der Flüchtlingsmärsche von Zentralamerika Richtung USA knapp 5.800 Soldaten an die Grenze zu Mexiko geschickt. Er hatte zwischenzeitlich gesagt, die Soldaten könnten auch auf Flüchtlinge schießen, sollten diese etwa Steine werfen.

Mattis zufolge sind derzeit 5.764 US-Soldaten an der Grenze zu Mexiko eingesetzt. Die Kosten des Einsatzes werden derzeit auf 72 Mio. Dollar geschätzt. Der Verteidigungsminister sagte aber, die Zahl werde voraussichtlich noch steigen.

Nach Angaben des mexikanischen Innenministeriums durchqueren derzeit etwa 8.000 Menschen aus El Salvador, Guatemala und Honduras in verschiedenen Flüchtlingsmärschen Mexiko, um in die USA zu gelangen. In der mexikanischen Grenzstadt Tijuana sind nach Angaben der dortigen Behörden inzwischen 4.000 Menschen angekommen. Trump hatte vor den Kongresswahlen vom 6. November massiv Stimmung gegen die Migranten gemacht und von einer „Invasion“ gesprochen.

5.000 Jahre Haft für Ex-Soldaten in Guatemala

Wegen eines Massakers an Dorfbewohnern während des Bürgerkriegs in Guatemala ist ein früherer Soldat zu mehr als 5.000 Jahren Haft verurteilt worden.

Ein Gericht in Guatemala-Stadt machte Santos Lopez gestern (Ortszeit) für den Tod von 171 der insgesamt 201 getöteten Menschen verantwortlich. Das Gericht verhängte für jedes Todesopfer 30 Jahre Haft und fügte weitere 30 Jahre Gefängnis für weitere Verbrechen hinzu. Rein rechnerisch ergeben sich dadurch 5.160 Jahre Haft. Das Strafmaß ist lediglich symbolisch, da für Gefängnisstrafen in Guatemala eine Obergrenze von 50 Jahren gilt.

Kriegsverbecher Santos Lopez
AP/Luis Soto

Jahrzehntelanger Bürgerkrieg

Das Blutbad im Dorf Dos Erres war eines der schlimmsten Massaker während des jahrzehntelangen Bürgerkriegs in Guatemala. Soldaten auf der Suche nach von Guerillakämpfern erbeuteten Gewehren töteten im Dezember 1982 nahezu alle Bewohner des Dorfes im Norden des Landes. Das Massaker wurde während der Herrschaft von Militärmachthaber Efrain Rios Montt verübt.

Wegen des Massakers wurden 2011 und 2012 fünf Ex-Soldaten zu Haftstrafen von jeweils mehr als 6.000 Jahren verurteilt. Der nun verurteilte Lopez, ein früheres Mitglied der Spezialeinheit Kaibil, wurde 2016 von den USA an Guatemala ausgeliefert. In dem Bürgerkrieg von 1960 bis 1996 zwischen Armee und linksgerichteter Guerilla in dem zentralamerikanischen Land wurden laut dem Bericht einer Wahrheitskommission etwa 200.000 Menschen getötet oder verschwanden.

Australien will Terroristen Staatsbürgerschaft entziehen

Australien will Terroristen mit doppelter Staatsbürgerschaft bei einer Verurteilung künftig den australischen Pass entziehen. Der konservative Premierminister Scott Morrison kündigte heute eine entsprechende Gesetzesänderung an. Nun soll das Parlament darüber beraten.

Australiens Premierminister Scott Morrison
APA/AFP/Saeed Khan

Bisher ist ein Entzug der Staatsbürgerschaft nur bei Haftstrafen von mehr als sechs Jahren möglich. Künftig soll es auch bei geringeren Strafen möglich sein. Morrison begründete die geplante Verschärfung damit, dass Terroristen kein Recht hätten, Australier zu sein. „Wir wollen diese Leute nicht in unserem Land.“

Zugleich kündigte er neue Regelungen an, um solche Straftäter nach Verbüßung der Haft außer Landes bringen zu können. Australier, die außerhalb der Landesgrenzen terroristische Straftaten begehen, sollen für eine Dauer von bis zu zwei Jahren nicht zurückkehren dürfen. In Australien gab es mehrere Anschläge, die auf das Konto von Einwanderern gingen.

CDU: Merz tritt neue Asyldebatte in Deutschland los

Der Kandidat für den Vorsitz der deutschen CDU, Friedrich Merz, hat mit seinen Äußerungen zum Asylrecht in Deutschland eine neue parteiinterne Debatte ausgelöst. Er hatte gestern Abend auf der CDU-Regionalkonferenz in Seebach in Thüringen erklärt: „Deutschland ist das einzige Land auf der Welt, das ein Individualrecht auf Asyl in seiner Verfassung stehen hat.“

Er sei schon seit „langer Zeit der Meinung, dass wir bereit sein müssten, über dieses Asylgrundrecht offen zu reden, ob es in dieser Form fortbestehen kann, wenn wir ernsthaft eine europäische Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik wollen“.

Warnung vor Fokus allein auf Migration

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn, Konkurrent von Merz im Rennen um den CDU-Vorsitz, hält hingegen eine Debatte über das Asylrecht im Grundgesetz nicht für das Entscheidende. „Im Kern ist das nicht die große Herausforderung bei der Migration“, sagte er. Zustimmung bekam Merz von dem CSU-Europaabgeordneten Markus Ferber. Merz stelle ja nicht das Grundrecht auf Asyl infrage, sondern das individuelle Grundrecht auf Asyl, sagte Ferber. Es sei tatsächlich eine Besonderheit, dass in Deutschland Asylwerber aus sogenannten sicheren Drittstaaten nicht pauschal abgelehnt werden könnten, sondern jeder Fall einzeln geprüft werde.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) warnte die Kandidaten für den CDU-Vorsitz davor, in ihrem Wettbewerb zu stark auf Einwanderungsthemen wie den UNO-Migrationspakt und eine Abkehr vom Doppelpass zu setzen. „Ich glaube, dass andere Zukunftsherausforderungen für die Menschen eine größere Rolle spielen“, sagte Günther.

Hinweis

Sport

Ski alpin: ÖSV-Duo zeigt im Training auf

Matthias Mayer und Otmar Striedinger haben gestern beim ersten Training für die Herren-Abfahrt in Lake Louise (Samstag, 20.15 Uhr MEZ, live in ORF eins) aufgezeigt. Das ÖSV-Duo musste sich mit 0,08 bzw. 0,44 Sekunden Rückstand nur dem Italiener Christof Innerhofer geschlagen geben. Überschattet war das Training vom Sturz des Lokalmatadors Manuel Osborne-Paradis, der mit dem Helikopter geborgen werden musste.

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Wirtschaft

Ghosn bei Nissan offenbar vor Absetzung

Drei Tage nach der überraschenden Verhaftung von Topmanager Carlos Ghosn berät der Nissan-Konzern über Konsequenzen der Affäre.

Nissan-Chef Carlos Ghosn
APA/AFP/Yoshikazu Tsuno

Japans zweitgrößter Autobauer werde Ghosn und den ebenfalls festgenommenen Direktor Greg Kelly voraussichtlich entlassen, hatte Nissan-Vorstandschef Hiroto Saikawa bereits zu Wochenbeginn angekündigt.

Gegen Börsenauflagen verstoßen

Die Affäre um den Renault-Nissan-Chef Ghosn schlägt erhebliche Wellen. In Frankreich gibt es Sorgen um den Bestand des bisher von Ghosn kontrollierten Autoimperiums. In Paris wird deshalb Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire mit dem japanischen Wirtschaftsminister Hiroshige Seko zusammentreffen. Beide Ressortchefs wollen in der Krise die französisch-japanische Autoallianz bewahren. Zu dem Bündnis gehört neben Renault und Nissan auch der japanische Hersteller Mitsubishi.

Wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Börsenauflagen waren Ghosn und Kelly am Montag verhaftet worden. Die beiden Manager sollen Geldbezüge in offiziellen Berichten an die japanische Börse falsch dargestellt und in Ghosns Fall zu niedrig beziffert haben. Ghosn habe seit 2011 über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt fünf Mrd. Yen (39 Mio. Euro) Einkommen zu wenig angegeben, hatten Medien berichtet.

Chronik

Auto rast in China in Schülergruppe: Tote und Verletzte

Im Nordosten Chinas ist ein Auto in eine Gruppe von Schülern gerast. Fünf Kinder seien getötet und 18 verletzt worden, berichteten die staatlichen Medien heute.

Die Schüler überquerten gerade die Straße vor der Schule in Huludao in der Provinz Liaoning, als das Auto in die Gruppe fuhr und die Schüler erfasste, wie auf Bildern zu sehen war. Der Sender CCTV berichtete im Kurzbotschaftendienst Weibo, der Fahrer sei festgenommen worden, die Ursache des Vorfalls werde ermittelt.

15 Jahre Haft für Sektenführer wegen Vergewaltigung

In Südkorea ist ein Sektenführer wegen Vergewaltigung von Anhängerinnen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der 75-jährige Lee Jaerock von der Manmin Zentralkirche wurde gestern von einem Gericht in Seoul für schuldig befunden, acht Anhängerinnen über einen langen Zeitraum Dutzende Male vergewaltigt zu haben.

Südkoreanischer Sektenführer Lee Jaerock
APA/AFP/Jung Yeon-Je

Die Opfer seien „der absoluten religiösen Autorität des Beschuldigten unterlegen gewesen und unfähig, sich zu wehren“, sagte Richter Chung Moon Sung. Die Opfer hätten geglaubt, Lee sei „ein göttliches Wesen mit göttlicher Macht“. Der Verurteilte wies alle Vorwürfe zurück. Seine Anwälte warfen den Frauen Lügen vor, um sich dafür zu rächen, wegen Regelverstößen aus der Kirche ausgeschlossen worden zu sein.

Südkorea schließt größten Schlachthof für Hunde

In Südkorea ist laut einem Bericht des US-Senders CNN der größte Schlachthof für Hunde geschlossen worden. Tierschützer sprachen von einem historischen Ereignis und Erfolg im Kampf gegen den Handel mit Hundefleisch. In dem Betrieb in Taepyeong-dong in der Provinz Gyeonggi seien Hunderttausende Hunde per Elektroschock getötet worden, berichtete CNN unter Berufung auf Berichte der Tierschutzorganisation Humane Society International (HSI).

Zwinger in dem Hundeschlachthof
APA/AFP/The Humane Society

Das Fleisch der Tiere aus Taepyeong-dong wurde bzw. wird auf Märkten verkauft. Südkorea sei das einzige Land in Asien, wo Hunde „intensiv“ für den menschlichen Verzehr gezüchtet würden, berichtete CNN. Genaue Zahlen darüber und über die Zahl der Schlachthöfe gebe es aber nicht. Die HSI geht von rund zwei Millionen Tieren aus. Allerdings gehe der Konsum von Hundefleisch in Südkorea kontinuierlich zurück, heißt es – speziell junge Menschen essen es oft nicht mehr. Laut einer Umfrage vom Juni gaben 70 Prozent der Befragten an, in Zukunft kein Hundefleisch mehr essen zu wollen.

Gesundheit

Starke Unterschiede bei Verbreitung von Krebs in Europa

Krebs ist in 25,4 Prozent die Hauptursache bei Todesfällen in der EU. Laut Daten der Statistikbehörde Eurostat aus dem Jahr 2015 lag dabei Slowenien mit einem Anteil von 31,5 Prozent an der Spitze.

Bulgarien lag mit 16,4 Prozent an Todesfällen durch Krebs auf dem letzten Platz der Statistik, Österreich rangierte mit 24,9 Prozent knapp unter dem EU-Schnitt.

Insgesamt gab es 2015 in der EU 5,21 Millionen Todesfälle. Darunter waren 1,32 Millionen Krebstote. In absoluten Zahlen die meisten Krebstoten wies Deutschland mit 226.662 auf, gefolgt von Italien (169.835) und Großbritannien (164.411). In Österreich waren es 20.404. Die geringste Anzahl wies, auch aufgrund der Größe des Landes, Malta mit nur 917 Todesfällen durch Krebs auf.

Kultur

Richard Powers: Ein Baum-Thriller mit Tiefgang

„Die Wurzeln des Lebens“ ist ein epischer Roman, der die Probleme der Menschen bei der Wurzel packt: Richard Powers hat einen weit verzweigten Roman geschrieben, in dem Bäume die Hauptrolle spielen – Mammutbäume, deren Rettung in einer Spirale aus Politik und Gewalt ausgefochten werden muss. Verhandelt wird das Menschsein in einer Welt, in der die Natur an den Rand gedrängt wurde. Der Roman ist komplex, philosophisch – und ungemein packend. FM4 hat mit dem Autor gesprochen.

Mehr dazu in fm4.ORF.at

„Welcome to Sodom“: Die Hölle des Digitalzeitalters

Nur 20 Monate besitzt man durchschnittlich ein Smartphone, bevor es durch ein neues Gerät ersetzt wird. Das alte landet im Elektroschrott, und Endstation für diesen sind Deponien wie jene in Agbogbloshi in Ghana. Auf der Müllhalde, die als einer der giftigsten Orte der Welt gilt, leben und arbeiten 6.000 Menschen – Männer, Frauen und Kinder. Sie selbst nennen den Ort „Sodom“. Christian Krönes und Florian Weigensamer haben sie über mehrere Monate filmisch begleitet. Ihr Film „Welcome to Sodom“ läuft nun in den heimischen Kinos an.

Mehr dazu in oe1.ORF.at

Science

UNO meldet Höchstwert bei Treibhausgasmenge

Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre ist nach den Messungen von Klimaforschern so hoch wie nie. „Es gibt keine Anzeichen für eine Umkehrung des Trends, der zu langfristigem Klimawandel, dem Meeresspiegelanstieg, der Versauerung der Meere und mehr extremen Wettersituationen beiträgt“, warnte die Weltwetterorganisation der UNO (WMO) heute in Genf.

„Unumkehrbare Folgen für die Erde“

„Ohne eine Verringerung von CO2 und anderen Treibhausgasen wird der Klimawandel zerstörerische und unumkehrbare Folgen für die Erde haben“, so WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. „Die Chance, noch einzugreifen, ist fast vertan.“ Die CO2-Konzentration stieg nach Angaben der WMO im vergangenen Jahr auf 405,5 ppm (Teilchen pro Million Teilchen), nach 403,3 im Jahr 2016.

Außerdem schlagen die Forscher wegen eines Ozonschichtkillers Alarm, der ebenfalls als Treibhausgas wirkt. Es geht um das längst verbotene Kühlmittel CFC-11 oder Trichlorfluormethan, das nach Angaben der WMO offenbar in Ostasien noch hergestellt wird. Der Rückgang von CFC-11 in der Atmosphäre habe sich seit 2012 deutlich verlangsamt.

Religion