Ausland

Die deutschen Sozialdemokraten schließen mit einem neuen Sozialstaatskonzept und Plänen für eine Kindergrundsicherung die Reihen. Einstimmig beschloss der Bundesparteitag heute in Berlin Reformen, mit denen die SPD den Dauerstreit über der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV) beenden will. SPD-Chefin Saskia Esken sprach von einem „bahnbrechenden Beschluss“ mit Blick auf „den Stachel, den wir mit uns herumtragen in Bezug auf Hartz IV“.

„Wir wollen Hartz IV hinter uns lassen“, eröffnete die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer den zweiten Tag des Parteitags, der gestern das Führungsduo Esken und Norbert Walter-Borjans an die Spitze gewählt hatte.

Das bereits im Februar von der damaligen SPD-Chefin Andrea Nahles auf den Weg gebrachte Sozialstaatskonzept sieht eine Umwandlung von Hartz IV in ein Bürgergeld vor. Neben einem längeren Anspruch auf Arbeitslosengeld I soll es auch ein Arbeitslosengeld für Qualifizierungen geben. Der Mindestlohn soll „perspektivisch“ auf zwölf Euro steigen.

Maas benötigt zwei Anläufe

Auf dem Bundesparteitag stand heute unterdessen auch die Wahl weiterer Mitglieder des Parteivorstands auf dem Programm. Der deutsche Außenminister Heiko Maas benötigte für seine Wiederwahl dabei zwei Anläufe.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas
APA/AFP/Tobias Schwarz

Der bisherige Parteivize Ralf Stegner und Berlins Regierungschef Michael Müller dagegen gaben nach Niederlagen im ersten Wahlgang ihre Plätze im Vorstand auf.

Der Parteilinke und Fraktionsvize, Matthias Miersch, erzielte im ersten Wahlgang das beste Ergebnis. Auch Familienministerin Franziska Giffey, Umweltministerin Svenja Schulze, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius und Europastaatsminister Michael Roth wurden direkt zu stimmberechtigten Beisitzern im Vorstand gewählt. Auch der sächsische SPD-Chef Martin Dulig schaffte es noch in das 34-köpfige Gremium.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat scharfe Kritik an der Entscheidung Griechenlands geübt, den libyschen Botschafter in Athen wegen eines umstrittenen Deals über Seegrenzen im Mittelmeer des Landes zu verweisen. Das sei ein „Skandal“, sagte Erdogan heute vor Mitgliedern seiner Partei AKP.

Die Regierung in Athen hatte mit der Ausweisung auf ein Abkommen zwischen der Türkei und Libyen über Seegrenzen im Mittelmeer reagiert. Das vergangene Woche unterzeichnete Seegrenzenabkommen verstößt nach Einschätzung Griechenlands gegen das internationale Seerecht.

Athen betont immer wieder, dass die Türkei und Libyen mit dem Abkommen den griechischen Festlandsockel südlich der Insel Kreta und der Inselgruppe der Dodekanes – dazu gehört auch die Touristeninsel Rhodos – verletzen. Südlich von Kreta werden reiche Erdgasvorkommen vermutet. Die Türkei vertritt hingegen die Auffassung, diese Inseln hätten nur Hoheitsgewässer und keinen Festlandsockel.

Erdgasbohrungen nahe Zypern

Die Türkei hatte bereits vor dem umstrittenen Abkommen nahe Zypern mit Bohrungen nach Erdgas begonnen und damit sowohl die Europäische Union als auch die griechischen Zyprioten auf der seit 1974 in den griechisch geprägten Süden und den nur von der Türkei als Staat anerkannten türkischen Norden geteilten Insel tief verärgert.

Das EU-Mitglied Zypern betrachtet das betroffene Gebiet als seine exklusive Wirtschaftszone. Erdogan erklärte unterdessen, die Bohrungen würden fortgesetzt. „Wir haben dort Rechte als Garantiegeberland. Wir werden unsere völkerrechtlichen Rechte bis zum Ende nutzen.“

Die USA und Vertreter der radikalislamistischen Taliban haben offizielle Gespräche über Wege zum Frieden in Afghanistan wieder aufgenommen. Das teilte der Sprecher des politischen Büros der Taliban, Suhail Shaheen, heute auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die Verhandlungen seien an jenem Punkt fortgesetzt worden, wo sie im September abgebrochen worden waren.

US-Präsident Donald Trump hatte bei seinem Besuch in Afghanistan Ende November die Wiederaufnahme der im September abgebrochenen Gespräche mit den Taliban angekündigt. Er sprach von einer Waffenruhe als Vorbedingung – was die Taliban bisher abgelehnt haben. Shaheen zufolge wurden heute „die Unterzeichnung eines Abkommens und damit verbundene Themen“ diskutiert.

Schritte Richtung Waffenstillstand gesucht

Das US-Außenministerium hatte am Mittwoch mitgeteilt, der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, wolle bei den nun wieder aufgenommenen USA-Taliban-Gesprächen im Golfemirat Katar „Schritte besprechen, die zu innerafghanischen Verhandlungen und einer friedlichen Lösung des Kriegs führen, insbesondere eine Verringerung der Gewalt, die zu einem Waffenstillstand führt“.

Mehr als ein Jahr lang hatten die USA mit den Taliban verhandelt, bis der US-Präsident die Gespräche Anfang September überraschend aufkündigte. Damals hieß es, man sei kurz vor einer Einigung auf ein Abkommen gestanden, das den Weg für einen Abzug der US-Truppen und für Frieden in Afghanistan bereiten sollte. In den Monaten davor war die Gewalt im Land allerdings eskaliert.

In China ist heutigen Agenturangaben zufolge ein bekannter Menschenrechtsanwalt festgenommen worden. Der 50-jährige Qin Yongpei wurde bereits am Dienstag im Süden Chinas festgenommen, wie aus dem Haftbefehl hervorgeht, den die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte. Qin wird „Anstiftung zur Zerstörung der Staatsgewalt“ vorgeworfen.

Qins Ehefrau Deng Xiaoyun sagte, ihr Mann sei wegen seiner kritischen Äußerungen in den Onlinediensten festgesetzt worden. „Er wagt es, online alles zu sagen“, sagte sie AFP in einem Telefonat. Die Anschuldigung wegen Anstiftung zur Zerstörung der Staatsgewalt sei für die Behörden die „einfachste Anklage“.

Der mit Qin befreundete chinesische Anwalt Sui Muqing bezeichnete die Festnahme als „offene politische Verfolgung“. Es handle sich zudem um eine „Eskalation der politischen Verfolgung von Anwälten“. Sui war einer von mehr als 200 Anwälten, die im Jahr 2015 auf einen Schlag festgenommen worden waren. Qin nutzte vielfach Onlinedienste, um Themen wie die Unruhen in Hongkong zu kommentieren. Im Mai 2018 hatte er seine Anwaltslizenz verloren.

Die USA und der Iran haben trotz ihres Sanktionsstreits zwei Gefangene ausgetauscht. Der US-Staatsbürger Xiyue Wang, der 2016 im Iran festgenommen und später wegen Spionage angeklagt wurde, sei frei, hieß es heute in iranischen Regierungskreisen. Die Regierung in Washington habe im Gegenzug dafür den iranischen Professor Massud Soleimani auf freien Fuß gesetzt. Beide würden in ihre Heimatländer zurückgeflogen. Wangs Ehefrau bestätigte die Freilassung ihres Mannes.

„Nach mehr als drei Jahren als Gefangener im Iran kehrt Xiyue Wang in die USA zurück“, sagte US-Präsidend Donald Trump. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif dankte allen Beteiligten an den Gesprächen, vor allem aber der Schweizer Regierung. Die Schweiz vertritt die diplomatischen Interessen der USA im Iran, seit die beiden Länder ihre Beziehungen kurz nach der Islamischen Revolution 1979 kappten.

Wang studierte in Princeton und forschte 2016 im Iran für seine Dissertation, als er festgenommen wurde. Der Iran warf ihm vor, als Forschung getarnte Spionage zu betreiben, was seine Familie und die Universität bestreiten. Der Stammzellenexperte Soleimani wurde im Oktober 2018 auf dem Flughafen von Chicago verhaftet. Die USA beschuldigen ihn, versucht zu haben, biologisches Material in den Iran zu bringen und damit gegen US-Sanktionen gegen die Islamische Republik wegen deren Atomprogramm verstoßen zu haben.

Das Haus des schiitischen Predigers Moktada al-Sadr im Irak ist Agenturangaben zufolge heute Ziel eines Drohnenangriffs gewesen. Bei dem Angriff in Nadschaf sei lediglich eine Außenmauer getroffen worden. Der Prediger selbst soll sich derzeit im Iran aufhalten.

Demonstranten mit Bild des Predigers Moktada al-Sadr
APA/AFP/Haidar Hamdani

Sadr unterstützt die gegen die Regierung gerichteten Proteste im Irak. Nach dem gestrigen Angriff auf ein Protestcamp in Bagdad hatte Sadr seine Anhänger in der Nacht auf heute angewiesen, auf die Straße zu gehen und „Demonstranten zu schützen“. Bei dem Angriff auf das Protestlager starben nach Angaben der Rettungskräfte 17 Menschen.

Zahlreiche Menschen aus aller Welt haben gestern Abend bei einer Großdemonstration in Madrid für mehr Klimaschutz protestiert – doch wie viele Menschen tatsächlich teilnahmen, ist unklar. Während die Organisatoren von einer halben Million Teilnehmern sprachen, bezifferte die Nationalpolizei die Zahl auf 15.000. Eine Erklärung für diese riesige Diskrepanz gab es nicht.

Spanische Medien sprachen heute von einem „Krieg der Zahlen“. Wären es wirklich 500.000 Demonstranten gewesen, dann hätte es sich um eine der bisher größten Klimakundgebungen der Welt gehandelt, hieß es.

An dem Protest nahmen auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg und der spanische Filmstar Javier Bardem teil. Sie forderten zusammen mit den Demonstranten konkrete Ergebnisse beim UNO-Klimagipfel, der derzeit in Madrid stattfindet. Von nächster Woche an wird dort auf Ministerebene über verbesserte Ziele zur Eindämmung der Erderwärmung verhandelt.

Klimagipfel geht in die entscheidende Runde

Bei der Madrider Weltklimakonferenz starten in der kommenden Woche unterdesse ndie entscheidenden Gespräche auf Ministerebene. Die Politiker wollen unter anderem über ehrgeizigere Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung beraten. Auch der Handel mit Emissionen und die Unterstützung für vom Klimawandel besonders hart getroffene Staaten stehen auf der Agenda. Ob konkrete Maßnahmen beschlossen werden, ist allerdings weiter fraglich.

Inland

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner tritt im „Österreich“-Interview (Sonntag-Ausgabe) nicht nur Rücktrittsgerüchten entgegen, sie kündigt auch an, wieder als Vorsitzende zu kandidieren. „Was mich persönlich betrifft, ist es ganz klar: Der nächste reguläre Parteitag ist 2021. Und da werde ich mich erneut der Wahl stellen“, sagte sie – und tadelte die parteiinternen Kritiker.

Sie sei „überzeugt, dass wir die Wende schaffen können“ – aber: „Was nicht hilft, ist Realitätsverweigerung, was nicht hilft, sind Intrigen und Querschüsse – oder eben falsche Rücktrittsgerüchte. Und was uns ebenfalls nicht hilft, sind Befindlichkeiten und Eitelkeiten.“ Ihr Rücktritt stehe nicht auf der Tagesordnung, merkte Rendi-Wagner im Vorfeld der Parteivorstandssitzung am Montag an.

Kaiser bekräftigt Unterstützung für Rendi-Wagner

Kündigungen von SPÖ-Mitarbeitern haben in der Partei die Wogen hochgehen lassen, und es hat nicht an parteiinterner Kritik an Rendi-Wagner gemangelt. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) bekräftigte im Ö1-Gespräch seine Unterstützung für seine Parteivorsitzende. Er gehe davon aus, dass Rendi-Wagner auch nach den Parteigremien am Montag Parteichefin ist.

„Wenn ihre Person infrage gestellt wird, was ich nicht glaube, dann weiß sie, dass sie auf mich zählen kann“, sagte Kaiser. Viel wichtiger als Personalia sei, was die SPÖ parteilich organisatorisch und inhaltlich ändern könne. „Wie treten wir auf und wie gewinnen wir die unverzichtbare Qualität von Politik zurück?“, sagte Kaiser.

Audio dazu in oe1.ORF.at

Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war laut „profil“ von Anfang 2018 bis Mitte 2019 mit mehreren Unternehmern verabredet, die er im „Ibiza-Video“ als Spender an FPÖ-nahe Vereine nannte – u. a. dreimal mit Novomatic-Chef Harald Neumann und zweimal mit dem Investor Rene Benko. Die Genannten haben Zuwendungen an die FPÖ dementiert, auch Strache hat seine Behauptungen als „Prahlerei“ widerrufen.

Die Verabredungen finden sich – wie auch der Termin „Reitturnier Glock (Kärnten)“ – im Terminkalender des früheren Vizekanzlers, den „profil“ in seiner neuen Ausgabe auszugsweise veröffentlicht. Sieben Termineinträge gibt es mit Markus Braun – der in wechselnden Funktionen als Obmann und Kassier in mehreren FPÖ-nahen Vereinen tätig war.

Und auch Tabaklobbyisten hat Strache empfangen: Die Österreich-Niederlassungen von British American Tobacco und Philip Morris bestätigten auf „profil“-Anfrage, dass Vertreter ihres Konzerns mit dem Ex-FPÖ-Obmann zusammentrafen. Bei dem Termin habe es sich um einen „generellen Informationsaustausch über die Entwicklungen in der Tabakbranche“ gehandelt, erklärte eine Sprecherin von British American Tobacco. Bei Philip Morris war von einem „Kennenlernen mit der neuen Geschäftsleitung“ die Rede. Spenden an die FPÖ oder ihr nahestehende Vereine verneinten beide Unternehmen.

Die FPÖ und die ehemalige freiheitliche EU-Abgeordnete Barbara Kappel haben Vorwürfe wegen eines angeblichen Mandatskaufs entschieden zurückgewiesen. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt den Versuch unternommen, ein EU-Mandat zu kaufen, noch ist die Partei oder der ehemalige Parteiobmann mit so einem Ansinnen an mich herangetreten“, sagte Kappel heute gegenüber dem Ö1-Mittagsjournal.

Audio dazu in oe1.ORF.at

Der Vorwurf des versuchten Mandatskaufs durch Kappel sei unverständlich und unlogisch, da bereits klar gewesen sei, dass Kappel wegen inhaltlicher Differenzen nicht mehr von der FPÖ für die EU-Wahl 2019 aufgestellt werde, unterstrich der FPÖ-Delegationsleiter im Europaparlament, Harald Vilimsky, gegenüber dem ORF. Kappel saß von 2014 bis 2019 für die FPÖ im Europaparlament. Die frühere Abgeordnete zum Wiener Gemeinderat wich aber in vielen Fragen von der Parteilinie ab.

Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigte laut APA unterdessen, dass Kappel nicht als Beschuldigte geführt werde. „Bei der Behauptung, dass die FPÖ bzw. der Parlamentsklub für ein EU-Mandat Geld verlangt bzw. erhalten haben, handelt es sich um eine dreiste Lüge, die rechtliche Folgen haben wird“, teilte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker per Aussendung mit.

Auch Straches Anwalt weist Vorwürfe zurück

Zuvor hatte der „Standard“ (Samstag-Ausgabe) berichtet, dass jener bulgarische Unternehmer, der Kappel Ende 2018 insgesamt 55.000 Euro übergeben hatte, die diese in den FPÖ-Parlamentsklub brachte, Kappel ein Darlehen über 100.000 Euro gegeben haben soll. Kappel habe ihm gesagt, Heinz-Christian Strache wolle das Geld, damit sie wieder ins EU-Parlament komme. Der Rechtsanwalt Straches wies die Vorwürfe zurück.

EU

Das Insektizid Chlorpyrifos gilt als höchst giftig. Es steht unter dem Verdacht, Gehirne und Nerven von Embryos zu schädigen. Trotzdem wird es auch in der EU großflächig eingesetzt, unter anderem bei Zitrusfrüchten. Die Zulassung des Mittels, der angeblich eine falsche Studie zugrunde lag, wurde in den vergangenen Jahren trotz herber Kritik mehrfach verlängert. Nun einigte sich die EU aber auf ein Verbot.

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Sport

Wirtschaft

Nach den verheerendsten Waldbränden in der Geschichte des US-Bundesstaats Kalifornien im vergangenen Jahr will der Energieversorger Pacific Gas and Electric (PG&E) 13,5 Milliarden Dollar (12,2 Mrd. Euro) zur Beilegung von Klagen zahlen. Eine Untersuchung der Feuerwehr hatte ergeben, dass das Camp Fire durch marode Stromleitungen von PG&E ausgelöst worden war.

Das in San Francisco ansässige Unternehmen bekannte sich zu seiner Verantwortung und meldete mit Blick auf mögliche Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe im Jänner Insolvenz an. Die Milliardenzahlung soll ermöglichen, den Konkursschutz des Unternehmens vor Ablauf einer von der US-Regierung gesetzten Frist bis Juni 2020 aufzuheben, teilte das Unternehmen gestern (Ortszeit) mit. Die Zahlung müsse noch von einem Konkursgericht genehmigt werden.

„Wir wollen unseren Kunden, unseren Nachbarn und unseren Freunden in den betroffenen Gebieten helfen, sich von diesen tragischen Waldbränden zu erholen“, teilte PG&E-Chef Bill Johnson mit. Im Juni hatte sich das Unternehmen bereits mit örtlichen Behörden auf einen Vergleich in Höhe von einer Milliarde Dollar geeinigt – im September vereinbarte es zudem einen Vergleich über elf Milliarden Dollar mit Versicherungsunternehmen.

86 Tote

Das Camp Fire wütete im vergangenen November im Norden von Kalifornien. Neben den 86 Toten verursachte der Brand weitflächige Zerstörungen. Rund um die Kleinstadt Paradise verwüstete das Feuer mehr als 60.000 Hektar Land und zerstörte fast 19.000 Häuser und andere Gebäude. Der Brand gilt als der zerstörerischste und der mit den meisten Todesopfern in der Geschichte des US-Westküstenstaats.

Im Südosten von Mexiko sind die größten Ölvorkommen der vergangenen 30 Jahre entdeckt worden. Das Feld Quesqui im Bundesstaat Tabasco verfügt über bestätigte und mögliche Reserven, die 500 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl entsprechen, wie der staatliche Energiekonzern PEMEX gestern (Ortszeit) mitteilte.

In zwei Jahren könnten dort täglich bis zu 100.000 Barrel Öl gefördert werden, sagte Präsident Andres Manuel Lopez Obrador bei einem Rundgang. „Die Ölindustrie ist fundamental für die Entwicklung Mexikos.“

Die mexikanische Regierung hofft, mit der Entdeckung des Ölfeldes eine Trendwende einleiten zu können. Aufgrund fehlender Investitionen in moderne Technik sinkt die Ölproduktion in dem lateinamerikanischen Land seit 14 Jahren stetig. Während 2004 in Mexiko täglich noch 3,4 Millionen Barrel gefördert wurden, waren es zuletzt nur noch 1,7 Millionen Barrel.

Chronik

Nach der Tötung von vier mutmaßlichen Vergewaltigern durch die Polizei in Indien hat die staatliche Menschenrechtskommission Ermittlungen gegen die Beamten eingeleitet. Vertreter der Kommission besuchten heute den Tatort in der südindischen Metropole Hyderabad. Die Tötung der Verdächtigen sende „ein falsches Signal an die Gesellschaft“, erklärten die Menschenrechtsaktivisten. Hunderte Menschen feierten unterdessen weiter den Tod der mutmaßlichen Täter.

Sollten die Polizisten für schuldig befunden werden, würden sie vor Gericht gestellt, erklärte die Menschenrechtskommission. Ihre Experten begutachteten auch die Leichen der mutmaßlichen Vergewaltiger. Ein Gericht im südindischen Bundesstaat Telangana hatte zuvor die Festhaltung der Autopsie auf Video angeordnet.

Die Gruppenvergewaltigung und Ermordung einer 27-jährigen Tierärztin vor gut einer Woche hatte in ganz Indien heftige Proteste ausgelöst. Landesweit wurden Rufe nach harten Strafen laut, ein Abgeordneter forderte „Lynchjustiz“ gegen die in Untersuchungshaft sitzenden Täter. Menschenrechtsaktivisten werfen Polizei und Behörden immer wieder vor, mit außergerichtlichen Tötungen Gerichtsverfahren zu verhindern. Den amtlichen Statistiken zufolge wurden 2017 in Indien 33.000 Vergewaltigungen gemeldet. Experten zufolge verzichten jedoch viele Opfer aus Angst vor einer Stigmatisierung auf eine Anzeige.

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Tesla-Chef Elon Musk ist vom Vorwurf der Verleumdung freigesprochen worden. Die Geschworenen in Los Angeles sprachen den Milliardär gestern von dem Vorwurf der Beleidigung frei, den der britische Höhlenforscher Vernon Unsworth gegen ihn erhoben hatte. Unsworths Anwalt Lin Wood hatte zuvor 190 Millionen Dollar (172 Millionen Euro) Schadenersatz von Musk gefordert, weil dieser ihn im Sommer 2018 auf dem Kurznachrichtendienst Twitter unter anderem als „Pädo-Typ“ attackiert hatte.

Musk umarmte seinen Anwalt bei der Urteilsverkündung und sagte anschließend vor Journalisten, sein „Glaube an die Menschheit ist wieder hergestellt“.

Hintergrund war die Rettungsaktion für eine Bubenfußballmannschaft aus einer Höhle in Thailand, an der Unsworth maßgeblich beteiligt war. Der Brite hatte ein von Musk angebotenes Mini-U-Boot zur Rettung der Fußballmannschaft abgelehnt und als „PR-Trick“ bezeichnet. Der 64-Jährige hatte Musk außerdem aufgefordert, sich das U-Boot dorthin zu stecken, „wo es wehtut“. Der Tesla-Chef setzte daraufhin eine Reihe von Twitter-Botschaften ab, darunter der Tweet zu dem „Pädo-Typen“. Musk hat sich mehrfach für die Beleidigung entschuldigt und erklärt, diese nicht wörtlich gemeint zu haben.

Gesundheit

In neun europäischen Ländern gibt es sie schon, in Österreich ist sie weiter umstritten: die Masernimpfpflicht. Aktuell flammt auch hier die Diskussion über eine Einführung auf – entsprechende Forderungen kommen jüngst aus der Steiermark und Niederösterreich. Laut Gesundheitsministerium will man weiterhin auf Freiwilligkeit setzen, dabei aber mit anderen Mitteln die Durchimpfungsrate erhöhen.

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Kultur

Der US-amerikanische Schauspieler Robert Walker Jr., der in den 1960er Jahren in einer Folge der TV-Serie „Raumschiff Enterprise“ (engl. Titel „Star Trek“) mitspielte, ist tot. Er starb mit 79 Jahren im kalifornischen Malibu, wie das US-Branchenblatt „Hollywood Reporter“ unter Berufung auf Walkers Familie berichtete.

US-Schauspieler Robert Walker Jr.
APA/AFP/Getty Images/Ethan Miller

In der „Star Trek“-Episode „Charlie X“ (1966) spielte er einen rebellischen Jugendlichen, der als einziger ein Shuttle-Unglück überlebt. Der Sohn der Hollywood-Schauspieler Robert Walker und Jennifer Jones stand auch für TV-Serien wie „Bonanza“ und „Dallas“ vor der Kamera. In Spielfilmen wie „Operation Pazifik“, „Easy Rider“ und „Der gnadenlose Rächer“ hatte er kleine Rollen.

Beethovens „Unvollendete“ wird nun doch noch vollendet: Ein Computerprogramm soll mit Hilfe künstlicher Intelligenz die 10. Sinfonie zu Ende komponieren, die Beethoven im Alter nicht mehr abschließen konnte, wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtete. Seit dem Sommer arbeite ein internationales Team aus Musikwissenschaftlern, Komponisten und Informatikern daran, den Algorithmus so zu trainieren, dass er die fehlenden Passagen im Geiste Beethovens nachkomponiert.

Das Stück soll im Beethoven-Jahr 2020 dann vom Beethoven-Orchester in Bonn uraufgeführt werden. Was dabei herauskommt, weiß noch keiner der Beteiligten. „Der Algorithmus ist unberechenbar, er überrascht uns jeden Tag aufs Neue“, sagte Projektkoordinator Mattias Röder, Direktor des Karajan-Instituts, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Morgen wird Arnulf Rainer, Österreichs berühmtester lebender Maler, 90 Jahre alt. Für viele ist er der Inbegriff des Übermalers. Sein Werk hat sich aber bis heute stets weiterentwickelt, ohne dass der für Rainer typische, dynamische Strich verlorenging. Mehrere Ausstellungen sind dem in Baden geborenen Künstler derzeit gewidmet.

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Science

Der Sauerstoffverlust der Meere wird zu einer wachsenden Bedrohung für Fischbestände. Das geht aus einem neuen Bericht hervor, den die Weltnaturschutzunion (IUCN) heute in Madrid bei der Weltklimakonferenz vorstellte. Betroffen seien etwa 700 Meeresregionen in aller Welt.

„Das ist möglicherweise das letzte Alarmsignal, das wir von dem unkontrollierten Experiment bekommen, das die Menschheit in den Ozeanen der Welt ausgelöst hat“, sagte Dan Laffoley, einer der Herausgeber des Berichts. Der sinkende Sauerstoffgehalt in den Ozeanen habe in der Hauptsache zwei Gründe. Zum einen die Klimaerwärmung. Heizt sich das Meerwasser auf, enthalte es tendenziell weniger Sauerstoff.

Auch Verschmutzung problematisch

Zum anderen führe eine Verschmutzung der Gewässer mit Nährstoffen etwa aus Fischzuchten und Düngemitteln aus der Landwirtschaft insbesondere in Küstenregionen zu einem starken Algenwachstum. Bei ihrem Abbau verbrauchen sie Sauerstoff. In sauerstoffarmen Gewässern überlebten Mikroben, Quallen und Tintenfische besser als Fische.

Vom Sauerstoffrückgang betroffen sind auch die Ostsee und das Schwarze Meer. „Das sind die größten geschlossenen Meeresökosysteme mit niedrigem Sauerstoffgehalt“, heißt es in dem Bericht. Während es im Schwarzen Meer teils natürliche Gründe gebe, seien in der Ostsee vor allem die Düngemittel und der Klimawandel schuld.

In wärmeren Gewässern vermischten sich sauerstoffreiche und -arme Schichten weniger gut, heißt es in dem Bericht. Thunfische und Haie brauchten wegen ihrer Größe und ihres Energiebedarfs viel Sauerstoff. Sie würden in relativ sauerstoffreiche Schichten in höheren Lagen gezwungen und setzten sich dann der Gefahr aus, gefischt zu werden. Überfischung sei die Folge, so die IUCN.

Religion

Der designierte Kärntner Bischof Josef Marketz hat sich für die Abschaffung des Zölibats ausgesprochen. Wie Marketz in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ (Samstag-Ausgabe) weiters sagte, erwarte er eine Entschuldigung des ehemaligen Kärntner Bischofs Alois Schwarz, dessen Amtsführung für Kritik gesorgt hatte.

Schwarz müsse „einsehen, dass manche Dinge bei Menschen anders angekommen sind, als er es erlebt hat“, sagte Marketz. „So ergeht es uns allen immer wieder einmal. Da muss man dann die Größe haben und sich entschuldigen.“ Er wolle Schwarz auch motivieren, die Entschuldigung auszusprechen.

Marketz schließt Erpressbarkeit aus

Dem nunmehrigen St. Pöltner Bischof war vorgeworfen worden, wegen seiner Lebensführung bezüglich Zölibat erpressbar zu sein. „Für die Jetztzeit“ könne er bei sich selbst eine Erpressbarkeit ausschließen, sagte Marketz. Allerdings sei er 64 Jahre alt, „lebe schon ziemlich lange und habe Zuneigung von vielen Menschen, auch von Frauen erfahren. Jeder Mensch hat ein Recht auf Privatsphäre.“

Auf die Frage, ob der Zölibat abgeschafft werden soll, meinte Marketz, dass er sich dafür aussprechen würde: „Nicht so sehr, weil jeder Mann unbedingt eine Frau neben sich braucht. Doch ich sehe die Vereinsamung vieler alter Priester, deren eigene Familie oft nicht mehr da ist.“ Es gebe viele Gründe für die Abschaffung des Zölibats.

Leute

Ein Konzert des Wiener Rappers RAF Camora und seines deutschen Kollegen Bonez MC in München hat gestern zu einem Großeinsatz der Polizei geführt. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Onlineausgabe) berichtete, waren 170 Beamte im Einsatz, die die Fans wegen des Verdachts auf Drogenkonsum kontrollierten. Insgesamt seien 60 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie 31 Anzeigen wegen Fahrens unter Drogeneinfluss ausgestellt worden.

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Ohne Bonez und 187 wär ich nicht mehr hier. 🌴

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Solche Einsätze seien für das Duo nichts Neues, so die Zeitung weiter. Bereits bei früheren Konzerten seien Razzien durchgeführt worden, teils mit noch mehr Anzeigen. Die Fans seien jedoch dieses Mal von den Rappern auf Sozialen Netzwerken aufmerksam gemacht worden, dass Polizeikontrollen geplant seien.