Ausland

Nordkorea zu Abbau von Raketenanlagen unter Aufsicht bereit

Nordkorea hat sich zur Schließung seiner größten Raketenanlagen unter internationaler Aufsicht bereiterklärt. Machthaber Kim Jong Un und der südkoreanische Präsident Moon Jae In sagten gestern bei ihrem Treffen in Pjöngjang, sie wollten die Koreanische Halbinsel zu einem Gebiet des Friedens ohne Atomwaffen machen.

Nordkorea sei auch zur Schließung seiner größten Nuklearanlage bereit, wenn die USA dem Land ebenfalls entgegenkämen. In welcher Form das passieren soll, sagte Kim nicht. Er kündigte an, bald Südkorea zu besuchen. Es wäre das erste Mal, dass ein nordkoreanischer Staatschef nach Seoul reist. US-Präsident Donald Trump begrüßte das Gipfelergebnis und sprach von einem „enormen Fortschritt“.

Internationale Experten als Beobachter erlaubt

Nordkorea werde internationalen Experten der „betroffenen Länder“ gestatten, die Schließung des Raketentestgeländes und der Abschussrampe in der Stadt Dongchang-ri zu beobachten, hieß es in der gemeinsamen Erklärung Moons und Kims. Auf dem Gelände wurden unter anderem die Interkontinentalraketen getestet, die eine Reichweite bis in die USA haben sollen. Nordkorea sei auch zu weiteren Maßnahmen wie der Schließung seiner wichtigsten Atomanlagen in Yongbyon bereit, falls die USA ebenfalls entsprechende Maßnahmen treffen sollten.

Dabei könnte es sich um eine offizielle Erklärung zur Beendigung des Korea-Kriegs handeln, sagte Südkoreas Nationaler Sicherheitsberater Chung Eui Yong. Nordkorea lehnt die einseitige Aufgabe seines Atomwaffenarsenals bisher strikt ab und betont, es müsse vorher eine formale Erklärung zum Ende des Korea-Krieges von 1950 bis 1953 geben, der nur mit einem Waffenstillstand gestoppt wurde, dem aber kein Friedensvertrag folgte.

Ziel: Denuklearisierung bis Jänner 2021

Die Vereinbarungen des dritten Korea-Gipfels heuer könnten auch den stockenden Abrüstungsverhandlungen zwischen den USA und Nordkorea neuen Schwung geben und die Basis für eine weitere Begegnung Kims mit Trump legen. US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, er habe für kommenden Woche seinen nordkoreanischen Kollegen Ri Yong Ho zu einem Treffen in New York am Rande der UNO-Vollversammlung eingeladen.

Ziel sei es, den Prozess der Denuklearisierung bis Jänner 2021 abzuschließen. Während der Vollversammlung sollen sich auch Trump und Moon treffen. Südkorea hofft, dass der US-Präsident dazu gebracht werden kann, die Atomverhandlungen mit Nordkorea wiederaufzunehmen. Im August hatte Trump eine Reise von Pompeo nach Pjöngjang abgesagt, weil es dafür nicht genug Fortschritte gebe.

Assad bekundet Putin nach Maschinenabschuss sein Beileid

Nach dem Abschuss einer russischen Militärmaschine vor Syriens Küste hat der syrische Präsident Baschar al-Assad Kreml-Chef Wladimir Putin sein „tiefes Beileid“ bekundet. Der Unfall sei das Ergebnis der „üblichen israelischen Arroganz“, die immer die „schmutzigsten Mittel“ für ihre „niederen Ziele“ anwende, heißt es in einem Kondolenzschreiben, wie Syriens Staatsagentur SANA morgen meldete. Assad drückte seine Zuversicht aus, dass der Vorfall den Kampf gegen den Terrorismus in Syrien nicht beeinflusse.

Syriens Luftabwehr hatte Anfang der Woche versehentlich ein russisches Aufklärungsflugzeug Il-20 abgeschossen und dabei 15 Soldaten getötet. Eigentlich zielten die Syrer auf angreifende israelische Kampfflugzeuge. Moskau wirft Israel vor, dessen Jets hätten hinter der russischen Maschine Deckung gesucht und sie in Gefahr gebracht. Israel gibt hingegen Syrien die Schuld.

Merkel: Vertrauen zu Maaßen „nicht mehr gegeben“

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Beförderung des deutschen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen zum Staatssekretär verteidigt. Zugleich machte sie morgen vor Beginn eines informellen EU-Gipfels in Salzburg deutlich, dass der im Innenministerium bisher für den wichtigen Bereich Wohnen und Bauen zuständige Staatssekretär Gunther Adler, ein SPD-Mann, eine neue Aufgabe bekommen soll.

Adler soll wegen des Wechsels von Maaßen ins Innenministerium als Staatssekretär abgelöst werden. CSU-Chef und Innenminister Horst Seehofer hatte morgen angekündigt, dass der 55-Jährige in den einstweiligen Ruhestand versetzt werde. Der Plan hat den Unmut in der SPD über die Beförderung Maaßens erheblich verstärkt.

„Richtige und wichtige Entscheidung“

Merkel machte nun deutlich, dass sie die Arbeit Adlers sehr schätze und dass sich alle Seiten darauf verständigt hätten, dass dieser „sehr schnell“ eine „angemessene Position“ bekommen solle. Es ist eigentlich ungewöhnlich, dass Merkel im Ausland von sich aus Stellung zu innenpolitischen Themen nimmt.

Zu Maaßen sagte sie, es sei notwendig, „dass alle die Koalition tragenden Parteien auch Vertrauen haben in die Arbeit des Präsidenten des Verfassungsschutzes. Dieses Vertrauen ist in Teilen der Koalition nicht gegeben gewesen.“ Deshalb hätten die drei Vorsitzenden der Koalitionsparteien entschieden, dass Maaßen in Zukunft für diese Aufgabe nicht mehr zuständig sei, „weder als Präsident des Bundesamtes noch im Bundesinnenministerium. Ich glaube, das war eine richtige und wichtige Entscheidung“.

Trump verteidigt Richterkandidaten Kavanaugh

US-Präsident Donald Trump hat seinen Wunschkandidaten für das oberste Gericht nach Vorwürfen der versuchten Vergewaltigung verteidigt. Brett Kavanaugh sei ein „außergewöhnlicher Mann“ und ein großer Intellektueller, sagte Trump gestern. Es sei für ihn „sehr schwer vorstellbar, dass irgendwas passiert ist“.

Trump begrüßte jedoch die Pläne, am Montag die Aussage des mutmaßlichen Opfers vor dem zuständigen Senatsausschuss zu hören. „Wenn sie auftaucht, wäre das wunderbar. Wenn sie nicht auftaucht, wäre das bedauerlich.“ Sollte sie „glaubwürdig auftreten, wäre das sehr interessant, und wir müssten eine Entscheidung treffen“.

Vorwurf der versuchten Vergewaltigung

Der erzkonservative Jurist war von Trump für einen Richterposten am Supreme Court nominiert worden. Die Ernennung muss vom Senat bestätigt werden, weswegen Anhörungen vor dem Justizausschuss der Kongresskammer stattfinden. Die Professorin Christine Blasey Ford warf Kavanaugh nach dem Beginn der Befragungen eine versuchte Vergewaltigung während ihrer Schulzeit Anfang der 80er Jahre vor. Kavanaugh soll damals 17 Jahre alt gewesen sein, Ford 15 Jahre. Der Jurist hat den Vorwurf kategorisch zurückgewiesen.

Ursprünglich sollten Kavanaugh und Ford am Montag vor dem Ausschuss aussagen. Allerdings erklärte die Professorin, zunächst müsse das FBI den Fall untersuchen. Insidern zufolge befasst sich die Ermittlungsbehörde jedoch nicht damit. Das republikanische Ausschussmitglied Lindsey Graham schrieb auf Twitter, bei der Forderung gehe es „nicht darum, die Wahrheit zu finden, sondern darum, den Vorgang bis nach den Zwischenwahlen hinauszuzögern“.

Der Fall birgt vor der Kongresswahl Anfang November politischen Zündstoff. Trumps Republikaner haben im Senat eine hauchdünne Mehrheit und können sich für die Ernennung keine Abweichler leisten. Ein Scheitern wäre eine schwere Niederlage für Partei und Präsident. Sollte Kavanaugh allerdings ohne eine Aufarbeitung der Vorwürfe in das oberste Gericht einziehen, könnte ihm das über Jahrzehnte nachhängen. Zudem sind die Republikaner Umfragen zufolge bei Wählerinnen deutlich unbeliebter als die Demokraten. Eine Befragung vor dem Ausschuss könnte den Vorwurf unterstreichen, Trumps Partei habe ein Problem mit Frauen: Alle elf republikanischen Ausschussmitglieder sind Männer.

Kürzungen bei UNO-Hilfswerk: Tausende bei Demo in Gaza

Tausende Beschäftigte des UNO-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) haben gestern im Gazastreifen gegen geplante Stellenkürzungen demonstriert. Mehr als 5.000 Menschen nahmen an einem Protestzug teil, nachdem das Hilfswerk angekündigt hatte, mehr als 250 Arbeitsplätze in Gaza und dem Westjordanland zu streichen und mehr als 500 weitere in Teilzeitstellen umzuwandeln.

Trump ordnete Zahlungsstopp an

Mit den Stellenkürzungen reagiert das UNRWA auf den Zahlungsstopp der USA. US-Präsident Donald Trump hatte Anfang September entschieden, alle Zahlungen an das Hilfswerk einzustellen. Die USA waren mit mehr als 350 Millionen Dollar (299 Mio. Euro) lange der größte Geldgeber des UNRWA. Gewerkschaftsvertreter Amir al-Mashal kündigte für Montag einen Streik an allen UNRWA-Behörden an.

Das UNO-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge kümmert sich um die rund fünf Millionen registrierten Flüchtlinge, die im Zusammenhang mit der Staatsgründung Israels 1948 vertrieben wurden oder geflohen sind. Washington hatte seine Zahlungen an das Hilfswerk bereits Anfang des Jahres drastisch gekürzt.

An Bereitschaft zu Friedensgesprächen gebunden

Trump will die Hilfen für die Palästinenser so lange zurückhalten, wie diese nicht zu Friedensgesprächen mit Israel bereit sind. Die Palästinenser hatten ihrerseits nach der Entscheidung, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, ihre offiziellen Kontakte zu Washington abgebrochen; sie beanspruchen Ostjerusalem als Hauptstadt eines Palästinenser-Staates. Am Donnerstag stellte die diplomatische Vertretung der Palästinenser in Washington auf Druck des Weißen Hauses ihre Arbeit ein.

EU

Bettel übt Kritik an EU-Vorsitz wegen Salvini-Videos

Der luxemburgische Premier Xavier Bettel hat gestern Österreichs EU-Vorsitz zum Auftakt des Salzburger Gipfels kritisiert. Bezogen auf ein heimlich gefilmtes Video von Italiens Innenminister Matteo Salvini sagte Bettel, er sei „enttäuscht von der österreichischen Präsidentschaft“. Er hätte erwartet, dass die österreichische Präsidentschaft sagt, „dass das nicht geht“, betonte Bettel.

Zu dem Eklat war es am Freitag bei einem EU-Afrika-Ministertreffen in Wien gekommen, das unter Vorsitz von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) stattfand. Dieser gab am Rande des Treffens eine eigene Pressekonferenz mit Salvini, bei dem er dessen Rolle in der EU-Migrationspolitik lobte. Der italienische Rechtspopulist räumte bei dem Auftritt ein, dass einer seiner Mitarbeiter das Video aufgenommen habe. Asselborn war nach dem Eklat dem Familienfoto der Minister ferngeblieben, während sich Salvini in die Mitte, zwischen Kickl und EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos, postierte.

Bettel äußerte sich in Salzburg auch zum „Brexit“. Diesbezüglich forderte er Bewegung von Großbritannien. Ein „No-Deal“ wäre schlecht für Großbritannien und für Europa, sagte er.

Trotz Rechtsstaatsverfahrens: EVP hält an Orban fest

Die Europäische Volkspartei (EVP) hält nach dem Beschluss des EU-Parlaments zur Einleitung eines Rechtsstaatsverfahrens am ungarischen Premier Viktor Orban und seiner FIDESZ fest. „Die Presse kann mich nicht zwingen, Viktor Orban auszuschließen“, antwortete EVP-Chef Joseph Daul gestern auf eine entsprechende Journalistenfrage.

Die EVP habe Demokratie, Freiheit und Regeln. Die EVP wolle jetzt wissen, wo der Rechtsstaat nicht eingehalten wurde. Das werde man auch von Malta und der Slowakei verlangen, Fragen gebe es auch zu Rumänien, sagte Daul. „Es ist ein großes Problem, dass man nur von Viktor Orban redet, und von der Korruption der anderen redet man nicht.“ Er werde beim EVP-Kongress im November in Helsinki einen Vorschlag für eine Kommission machen, die sich damit befassen soll, sagte der EVP-Chef.

Inland

BVT: Zugang zum Verfassungsschutz „ständig gesichert“

Wenig Neues hat der letzte gestern befragte EGS-Beamte im BVT-Untersuchungsausschuss beigetragen. Wolfgang R. wurde im Vorfeld der Razzia im Verfassungsschutz beigezogen, weil er als ehemaliger Mitarbeiter des BVT Ortskenntnis hatte. Am 2. Oktober kommt dann die für die Hausdurchsuchung zuständige Staatsanwältin Ursula Schmudermayer. Wie sein zuvor angehörter Kollege betonte Wolfgang R., dass der Zugang zum Verfassungsschutz während der Hausdurchsuchung „ständig gesichert“ war.

Der Beamte war 2017 nach mehreren Jahren bei der EGS für einige Monate ins Terrorismusreferat des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) beschäftigt, kehrte dann aber zurück. Weil er eine gewisse Ortskenntnis hatte, erhielt er am Tag der Hausdurchsuchung auch eine zentrale Schlüsselkarte des BVT und war dann damit beschäftigt, den Zutritt der Kollegen zu allen Räumen zu garantieren.

Anweisung „Sicherstellungen“ durchzuführen

Wie andere EGS-Beamte vor ihm schilderte auch Wolfgang R., dass die Einsatzgruppe ursprünglich nicht den Auftrag hatte, Unterlagen des Verfassungsschutzes zu sichten und sicherzustellen. Sie sollte lediglich die (laut IT-Experten des BVT gar nicht mögliche, Anm.) „Fernlöschung“ von Daten verhindern. Für die Beschlagnahmung von Daten wurden zur Hausdurchsuchung eigene IT-Experten der Finanz beigezogen. Wobei im Lauf des Tages allerdings auch EGS-Beamte mit der Sichtung und Sicherstellung von Unterlagen betraut wurden, wie Wolfgang R. schilderte: „Aufgrund der Vielzahl der Unterlagen kam im Lauf des Tages die Anweisung, Sicherstellungen durchzuführen.“

Den Zentralschlüssel übergab R. nach Ende seines Dienstes an EGS-Chef Wolfgang Preiszler. Dass er selbst wegen seiner früheren Tätigkeit für das BVT persönlich befangen sein könnte, schloss R. aus. Er sei im Terrorismusreferat tätig gewesen, bei dem keine Durchsuchung vorgenommen werden sollte. Zu BVT-Chef Peter Gridling habe er keinen dienstlichen Kontakt gehabt.

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Prozess: Grasser hat sich „nichts vorzuwerfen“

Die Befragung des Hauptangeklagten im Korruptionsprozess rund um die Buwog-Privatisierung durch Richterin Marion Hohenecker ist gestern Nachmittag beendet worden. Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) war acht Tage lang von ihr zu Anklagevorwürfen befragt worden. Der frühere Politiker wies alle Vorwürfe zurück und sieht sich als Opfer politischer Gegner und medialer Vorverurteilung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Ab heute können dann Staatsanwälte, Privatbeteiligtenvertreter und Verteidiger anderer Angeklagten Fragen an Grasser stellen. Grasser ist von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft angeklagt wegen Amtsmissbrauchs und Geschenkannahme. Er soll Schmiergeld bei der Privatisierung der Bundeswohnungen vom letztlich siegreichen Bieter genommen haben und auch für die Einmietung der Finanz in das Linzer Bürohaus Terminal Tower Geld kassiert haben, so die Anklagevorwürfe.

„Habe mir nichts vorzuwerfen“

Grasser betonte auch gestern in der Einvernahme durch die Richterin, dass er sich nichts vorzuwerfen habe. Die Privatisierung der Bundeswohnungen sei korrekt und im Interesse der Republik abgewickelt worden. Die Einmietung der Finanzbehörden in das Linzer Bürohaus hätten seine Beamten verhandelt, er habe nicht einmal den Mietvertrag unterschrieben. Das ihm von den Ermittlern zugeordnete Konto der Briefkastenfirma Mandarin bei der Raiffeisenbank Liechtenstein (RBL) sei nicht seines, auch das Liechtensteiner Konto 400.815, auf dem ein Teil der BUWOG-Millionenprovision landete, habe nichts mit ihm zu tun.

Bareinzahlungen erklärte Grasser so, dass er für seine Frau Fiona Ausgaben getätigt habe, die diese ihm in bar aus ihrem Vermögen rückerstattet habe – von den Hochzeitskosten über Restaurantbesuche, Reise- und Hotelrechnungen bis zu Ausgaben für Schuhe etc. Der Ex-Finanzminister las eine Eidesstattliche Erklärung seiner Frau vor, in der diese seine Angaben bestätigte. Mit Barabhebungen von Walter Meischberger bzw. mit der BUWOG-Millionenprovision hätten seine Bareinzahlungen nichts zu tun gehabt, so Grasser.

Nannte Anklage „Science-Fiction“

Kein Blatt vor den Mund nahm sich Grasser, wenn er über Belastungszeugen, die Staatsanwaltschaft und Ermittler, sowie politische Gegner sprach. Die Ermittler rückte er in die Nähe von Amtsmissbrauch, die Anklage der Staatsanwaltschaft nannte er „Science-Fiction“, Belastungszeugen gegen ihn warf er Neid und Gier als Motive für ihr Handeln vor, mit dem sie sich an ihm rächen wollten.

Oppositionspolitiker von den Grünen und der SPÖ hätten ihn fertigmachen wollen, weil er politisch so erfolgreich gewesen sei und bei der Bevölkerung so beliebt. Anders könne er sich die Anzeigen gegen ihn und die Rufe nach U-Haft für ihn nicht erklären. Bei der BUWOG gebe es zwar durch die Millionenprovision für Meischberger eine schiefe Optik, er habe sich aber nichts vorzuwerfen.

Jobgipfel als Auftakt für Arbeitsmarktoffensive

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ), Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und die Arbeitgeber sind mit den gestrigen Ergebnissen des Jobgipfels zufrieden. Für Schramböck war es ein „sehr guter gemeinsamer Auftakt“, Hartinger-Klein ortete eine „sehr gute konstruktive Zusammenarbeit“. Weitere Gespräche mit den Sozialpartnern sollen folgen. AK und ÖGB vermissten konkrete Zusagen.

Der Arbeitsmarktgipfel war am 10. September überraschend angekündigt worden. Anwesend waren gestern Nachmittag neben den Ministerinnen zahlreiche Vertreter und Vertreterinnen der Sozialpartner und die AMS-Vorstände Johannes Kopf und Herbert Buchinger. Nicht teilnehmen konnten IV-Präsident Georg Kapsch, ÖGB-Chef Wolfgang Katzian, AK-Präsidentin Renate Anderl und Landwirtschaftskammer-Österreich-Chef Josef Moosbrugger. Eine Reform des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe war kein Thema beim Jobgipfel. In sechs Monaten soll ein nächstes hochrangiges Treffen zum Arbeitsmarkt stattfinden.

Senkung der Arbeitslosen auf 100.000

Hartinger-Klein und Schramböck präsentierten gestern nach dem rund 90-minütigen Treffen die Ergebnisse bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien. Dem AMS stehen für die aktive Arbeitsmarktpolitik im Jahr 2019 wie bereits berichtet rund 1,25 Mrd. Euro zur Verfügung und nicht wie kolportiert 1,05 Mrd. Euro. Es sei „nie ein Ziel von ihr gewesen“, das AMS-Förderbudget auf eine Milliarde zu kürzen, betonte Hartinger-Klein. Die Regierung will die Zahl der Arbeitslosen um rund 100.000 senken.

Jobgipfel gegen Arbeitslosigkeit

Die Regierung hat zum Jobgipfel gerufen, um gemeinsam mit Sozialpartnern und Experten über Pläne gegen die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit nachzudenken.

Für die Regionalisierung der Mangelberufsliste richten Hartinger-Klein und Schramböck eine gemeinsame Arbeitsgruppe ein. „Wenn es in Salzburg an Köchen mangelt, muss das nicht auch für Wien gelten“, so Schramböck. Die neue Mangelberufsliste soll mit 1. Jänner 2019 gelten. Wie viele Arbeitskräfte aus Staaten von außerhalb der EU angeworben werden sollen, wollten beide Ministerinnen nicht näher beziffern. Es gehe darum, „Potential im Inland besser abzurufen“, so der Tenor. Die Wirtschaftsministerin erinnerte daran, dass es inklusive Schulungsteilnehmern 60.000 Arbeitslose unter 25 Jahren gebe. Im Wirtschaftsministerium werden die Mittel im Fördertopf „Integration“ von zehn Mio. auf 20 Mio. Euro verdoppelt, etwa für zusätzliche Deutschkurse, Mathematikkurse und interkulturelle Kompetenzen.

Um den Fachkräftemangel zu mildern, soll das Anwerben von Fachkräften in der EU forciert werden. Die Austrian Business Agency (ABA), bisher eine Ansiedelungsagentur, wird zu einer Standortagentur umgebaut. Die ABA soll sich künftig um die Anwerbung von Fachkräften in der EU kümmern, speziell in England wegen des „Brexits“.

Weiters kündigten die Ministerinnen einen Fokus auf die Lehre an. Unter anderem soll es Fördermodelle zur Steigerung der Mobilität von Jugendlichen geben. Außerdem kündigten sie eine Qualitätsprüfung zur Lehrzeithälfte an und wollen das Image der Lehre steigern.

Sport

Wirtschaft

Metaller-KV: Verhandlungen starten mit Forderungsübergabe

Heute starten die richtungsweisenden Kollektivvertragsverhandlungen der Metaller. Die KV-Verhandlungen stehen heuer im Zeichen des gewerkschaftlichen Kampfes gegen das neue Arbeitszeitregime – also Zwölfstundentag und 60-Stunden-Woche.

Traditionell beginnen die Verhandlungen mit der Forderungsübergabe der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen an die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen in der Wirtschaftskammer. Nach diesem Brauch um 11.30 Uhr gibt es eine erste Gesprächsrunde. Vereinbart wurden bisher vier Gesprächstermine. Neben dem 20. September sind der 2., 16. und 19. Oktober eingeplant.

Im Vorjahr gab es ein Lohn- und Gehaltsplus von drei Prozent. Die Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen wollen heuer mehr, denn sie wollen sich „zurückholen“, was ihnen durch die neuen Arbeitszeitregeln genommen worden sei. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Zeit – also um eine Viertagewoche und Mitbestimmung bei den Freizeitblöcken. Die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen wollen weniger als drei Prozent: Die Abschlüsse in den vergangenen Jahren seien für die Metallindustrie zu hoch und schädlich für die Wettbewerbsfähigkeit gewesen.

Medien: Amazon plant 3.000 Geschäfte ohne Kassierer bis 2021

Der Onlinehändler Amazon will laut einem Medienbericht Supermarktketten in den kommenden Jahren spürbare Konkurrenz an Ort und Stelle machen. Bis zum Jahr 2021 werde die Schaffung von 3.000 AmazonGo-Geschäften ohne Kassierer erwogen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg gestern mit Bezug auf mit der Sache vertraute Personen.

Eine Amazon-Sprecherin habe den Bericht nicht kommentieren wollen. Die Aktien von Amazon reduzierten zuletzt in Reaktion auf die Veröffentlichung ihre Verluste etwas. Die Papiere der US-Supermarktketten Walmart und Target dagegen gaben leicht nach. Amazon hatte bereits 2016 nahe seinem Hauptsitz in Seattle sein erstes Geschäft ohne Kassenkräfte eröffnet, in dem Lebensmittel verkauft werden.

Chronik

27 Tote bei Bootsunglück in Demokratischer Republik Kongo

Bei einem Bootsunglück in der Demokratischen Republik Kongo sind mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. Wie ein örtlicher Regierungsvertreter gestern sagte, kenterte das Boot bereits gestern auf dem Fluss Mongala im Norden des Landes. Die Unglücksursache war noch unklar. Zeugen zufolge war das Boot stark überladen. Wie viele Menschen sich an Bord befanden, war zunächst unklar.

Hambacher Forst: Räumung nach Journalistentod vorerst beendet

Nach dem Tod eines Journalisten stoppt die Landesregierung des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalens die umstrittene Räumungsaktion der Polizei im Braunkohlerevier Hambacher Forst vorerst. „Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen, ich kann das zumindest nicht. Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) gestern Abend in Düsseldorf. Vor dem Hintergrund des schlimmen Ereignisses habe die Landesregierung beschlossen, bis auf Weiteres die Räumung des Geländes auszusetzen.

Gestern ist ein junger Journalist durch die Bretter einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gebrochen und 15 Meter in die Tiefe gestürzt, wie die Polizei mitteilte. Rettungskräfte konnten nichts mehr für ihn tun. Der Aachener Polizeisprecher Paul Kemen sprach von einem „tragischen Unglücksfall“. Der Journalist habe seit Längerem das Leben der Aktivisten und Aktivistinnen in den Baumhäusern dokumentiert, sagte er.

Kein Zusammenhang mit Polizeiaktion

„Ich möchte – ich muss – betonen, dass dieser Unglücksfall in keinem Zusammenhang steht mit polizeilichen Arbeiten hinsichtlich der Räumung der Baumhäuser“, so Kemen. Es habe zum Unglückszeitpunkt keine Polizeimaßnahmen in der Nähe der Unglücksstelle und am Baumhaus gegeben. Der Journalist habe gerade seine volle Speicherkarte eintauschen wollen, als er abgestürzt sei.

Die Polizeiaktion, bei der Baumhäuser geräumt und abgerissen werden, hatte am vergangenen Donnerstag mit einem Großaufgebot begonnen. Bis gestern waren laut Polizei 39 von 51 Baumhäusern geräumt. Die Waldbesetzer und Waldbesetzerinnen protestieren gegen das Vorhaben von RWE, weite Teile des Forstes abzuholzen. Es soll dort Braunkohle gebaggert werden. Der Wald gilt als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung. In bis zu 25 Metern Höhe haben Aktivisten und Aktivstinnen Baumhäuser gebaut. Sie halten den Wald so seit sechs Jahren besetzt.

Tote bei Sturm in Irland

Sturm „Ali“ hat in Irland und Großbritannien mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde Chaos und Zerstörung angerichtet. Zwei Menschen starben bei den gestrigen Unwettern. In Schottland wurde ein Kreuzfahrtschiff von seiner Verankerung losgerissen. In Irland starb eine Frau, die in ihrem Wohnwagen über eine Klippe geweht wurde. In Nordirland erschlug ein Baum einen Mann, ein weiterer Mensch wurde verletzt.

Tausende Haushalte waren ohne Strom, umgestürzte Bäume versperrten Straßen. Die schottische Bahngesellschaft ScotRail berichtete von „schweren Störungen“ im Zugsverkehr. Auf dem Flughafen Dublin wurden 70 Flüge gestrichen.

Touristin bei Sturz über Klippe gestorben

Alle Passagiere und Crewmitglieder des losgerissenen Kreuzfahrtschiffs in Schottland seien unversehrt, teilte die Gesellschaft Oceania auf Anfrage der dpa mit. Beinahe 500 Passagiere hätten sich an Land befunden, als die „Nautica“ am Nachmittag von ihrer Verankerung am Hafen von Greenock in der Nähe von Glasgow gerissen wurde. Die Passagiere würden so lange betreut, bis die Wetterverhältnisse wieder sicher seien und das Schiff sie wieder aufnehmen könne, hieß es in der Mitteilung.

Ein Sechser bei Lotto „6 aus 45“

Bei der gestrigen Ziehung von Lotto „6 aus 45“ gibt es einen Sechser. Beim Joker gibt es drei Gewinner. Es wurden folgende Gewinnzahlen gezogen:

1 10 24 25 39 45 / Zusatzzahl: 27

Die Gewinnzahlen der LottoPlus-Ziehung waren:

9 19 21 24 26 43

Der richtige Joker lautet:

9 7 0 9 3 4

Alle Angaben ohne Gewähr.

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