EU

Berichte: London will „Brexit“-Abstimmung verschieben

Die britische Regierung will die für morgen geplante Abstimmung zum „Brexit“-Abkommen im Parlament Medienberichten zufolge verschieben. Das meldete unter anderem die BBC unter Berufung auf Regierungskreise. Eine offizielle Bestätigung der Regierung gibt es dazu bisher nicht.

Bei der Abstimmung hatte sich eine Niederlage für Premierministerin Theresa May abgezeichnet. Am Vormittag hatte May ihr Kabinett zu einer dringenden Telefonkonferenz einberufen. Am Nachmittag will sie sich nach Angaben der Labour-Fraktion vor dem Parlament äußern.

Die EU-Kommission lehnt Nachverhandlungen des „Brexit“-Vertrags mit Großbritanniens nach wie vor kategorisch ab. „Dieser Deal ist der beste Deal und der einzig mögliche Deal“, bekräftigte eine Kommissionssprecherin heute in Brüssel. „Wir werden die Vereinbarung, die jetzt auf dem Tisch liegt, nicht nachverhandeln.“ Im Übrigen gehe die EU-Kommission davon aus, dass Großbritannien die Europäische Union wie angekündigt am 29. März verlassen werde.

Bericht sieht starke Zunahme bei Antisemitismus

Auch mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust sind europäische Juden in ihrem Alltag mit Antisemitismus konfrontiert. Vandalismus, Beleidigungen, Drohungen und sogar Gewaltverbrechen machten ein sorgenfreies jüdisches Leben in der EU unmöglich, so das Fazit des zweiten Antisemitismus-Berichts der EU-Agentur für Grundrechte (FRA), der heute in Brüssel vorgestellt wurde.

2012 war die erste Antisemitismus-Erhebung der Grundrechteagentur durchgeführt worden. Seit damals habe der Judenhass für 89 Prozent der Befragten zugenommen – eines der markantesten Ergebnisse der Studie. 85 Prozent der Befragten gaben an, sie hielten Antisemitismus für das derzeit größte gesellschaftliche Problem in ihrem Land.

Schleichende „Normalisierung“

Es gebe insgesamt, formulieren die Studienautoren, starke Anzeichen für eine „Normalisierung des Antisemitismus“. Das bedeute, dass manche Vorfälle gar nicht mehr als judenfeindlich wahrgenommen würden, weil sie so oft zu beobachten seien.

„Die Studienergebnisse legen nahe, dass Antisemitismus die öffentliche Sphäre durchdringt, wodurch negative Stereotype gegenüber Juden reproduziert und verfestigt werden. Jüdisch zu sein allein erhöht die statistische Wahrscheinlichkeit, mit einer Reihe von negativen Erlebnissen konfrontiert zu sein“, heißt es in dem Bericht.

Ausland

UNO-Migrationspakt in Marrakesch angenommen

Der UNO-Migrationspakt ist heute bei einer internationalen Konferenz in Marokko angenommen worden. Nasser Bourita, Präsident der Konferenz, verkündete die Verabschiedung des von Österreich und mehreren anderen Ländern abgelehnten Dokuments zur besseren Bewältigung der weltweiten Migration heute in Marrakesch.

Rechtlich nicht bindend

Mit dem UNO-Migrationspakt wurden erstmals globale Leitlinien für die internationale Migrationspolitik verabredet. Auf ihrer Basis soll die Zusammenarbeit der Länder verbessert werden, um gegen illegale und ungeordnete Migration vorzugehen und Migration sicherer zu machen.

Das Papier ist rechtlich nicht bindend und soll seine Kraft – wie bei anderen Abkommen – über die politische Absichtserklärung seiner Mitglieder entfalten. Es muss nach der Annahme in Marrakesch noch von der UNO-Generalversammlung im Jänner förmlich gebilligt werden.

Die große Mehrheit der 192 an den Verhandlungen beteiligten UNO-Staaten befürwortet das Papier. Doch obwohl es ausdrücklich die geltende Souveränität der Mitgliedsstaaten betont, fürchten einige Länder um ihre nationale Hoheit. Mehrere Regierungen hatten das Papier in den vergangenen Wochen letztlich abgelehnt – darunter auch Österreich. In Belgien war gestern die Regierung im Streit über den Pakt zerbrochen. Die USA hatten an den konkreten Verhandlungen gar nicht erst teilgenommen.

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UNO-Generalsekretär Antonio Guterres appellierte an jene Staaten, die sich nicht an dem Pakt beteiligen, ihre Entscheidung zu überdenken. „Ich kann nur hoffen, dass sie den Wert des Paktes für ihre eigenen Gesellschaften sehen werden und sich unserem gemeinsamen Unternehmen anschließen“, sagte er in Marrakesch vor den Vertretern von mehr als 150 Staaten.

In seiner Rede lobte Guterres die historische Vereinbarung als „inspirierend“. Sie sei ein „Fahrplan, um Leid und Chaos zu vermeiden sowie Strategien zur Zusammenarbeit bereitzustellen, die uns allen nützen werden“. Guterres betonte auch die „Masse an Falschinformationen“, die über den Pakt kursierten.

Steuergeld für Thronbesteigung: Japaner klagen Regierung

Mehr als 200 Japanerinnen und Japaner wollen verhindern, dass die Regierung Steuergeld für die geplante Thronbesteigung von Kronprinz Naruhito im kommenden Jahr ausgibt. Die Gruppe klagte daher die Regierung, wie sie heute Tokio mitteilte.

Nach ihrer Ansicht verletzt die Regierung mit der Kostenübernahme die in der Verfassung festgeschriebene Trennung von Religion und Staat. An der Klage beteiligen sich Mitglieder christlicher Gruppen und buddhistische Mönche.

Am 30. April 2019 soll Kaiser Akihito abdanken und Naruhito ihm auf dem Chrysanthementhron folgen. Nach Angaben der Kläger betrugen die Kosten bei Akihitos Thronbesteigung 1989 umgerechnet rund 100 Millionen Euro.

Rituale teils „sehr religiös“

Der Klage vorausgegangen war eine ungewöhnliche öffentliche Kritik von Akishino, dem jüngeren Bruder des Kronprinzen. Er hatte eines der Rituale als „sehr religiös“ beschrieben und die Frage aufgeworfen, ob es angemessen sei, das mit staatlichen Mitteln zu finanzieren.

Bei Akihitos Thronbesteigung vor 30 Jahren hatte es ähnliche Klagen gegeben, die alle abgewiesen wurden. Ein Gericht hatte jedoch zugestanden, dass die Zeremonien unter dem Verdacht stünden, die Trennung von Religion und Staat zu verletzen.

CNN: „Ich bekomme keine Luft“ waren Khashoggis letzte Worte

Die letzten Worte des getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi (Dschamal Chaschukdschi) sollen einem US-Medienbericht zufolge „Ich bekomme keine Luft“ gewesen sein. Das berichtete der US-Nachrichtensender CNN gestern unter Berufung auf eine Quelle, die eine Abschrift einer Tonaufnahme von Khashoggis Tötung gelesen hat.

Laut CNN dokumentiert die Abschrift auch, wie der regierungskritische Journalist gegen seine Mörder kämpfte und wie sein Leichnam später „mit einer Säge zerteilt“ wird.

Telefonate mit höchsten Kreisen

Den Angaben zufolge macht die Abschrift zudem deutlich, dass die Tötung geplant war und dass die Täter mehrere Telefonate führten, um über den Stand der Dinge zu informieren. Türkische Behördenvertreter gehen laut CNN davon aus, dass diese Telefonate mit ranghohen saudi-arabischen Vertretern geführt wurden.

Jamal Khashoggi
APA/AFP/Mohammed Al-Shaikh

Khashoggi war am 2. Oktober im Konsulat seines Landes in Istanbul in der Türkei von saudi-arabischen Agenten getötet worden. Die Führung in Riad bestreitet, die Tötung angeordnet zu haben. Gestern wies Außenminister Adel al-Dschubair die Forderung der Türkei nach einer Auslieferung von zwei verdächtigten Vertrauten von Kronprinz Mohammed bin Salman zurück.

Ai Weiwei sieht Stimmung „wie in 1930ern“ in Europa

Der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei hat eine „sehr beängstigende“ Stimmung in Deutschland und Teilen Europas ausgemacht. Es herrsche eine Stimmung „wie in den 1930ern“, sagte der Regierungskritiker in einem heute veröffentlichten Interview der britischen Zeitung „Guardian“.

Ai: Wort „Menschenrechte“ wird vermieden

Anlässlich des 70. Jahrestages der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sagte Ai, immer mehr Menschen würden vermeiden, das Wort „Menschenrechte“ gegenüber China in den Mund zu nehmen. „Sie nutzen stattdessen Worte wie ‚gemeinsame Werte‘, sodass sie bei der chinesischen Führung, mit der sie Geschäfte machen wollen, keinen Anstoß erregen“, sagte der 61-Jährige.

Der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei
Reuters/Pierre Albouy

Der in Deutschland im Exil lebende Künstler berichtete der Zeitung von seinen Erfahrungen mit Berlinern, die ihm sagten, er als Flüchtling solle ihnen dankbar sein, dass sie sein Leben finanzierten. „Das ist die aktuelle Stimmung in Deutschland – die Plakate, die ich auf den Straßen sehe, sagen: Wir können unsere eigenen Babys machen, wir brauchen keine Ausländer.“ Ähnlich sei die Stimmung in vielen Teilen Europas und auch in Großbritannien.

Die deutsche Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel habe ihn dagegen sehr unterstützt, fügte er an. Der Künstler lebt seit 2015 in Deutschland, davor war er in China mehrere Jahre lang unter Hausarrest gestanden.

Inland

BUWOG-Prozess geht in das zweite Jahr

Der Prozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/parteilos) und andere wegen Korruptionsverdachts jährt sich am Mittwoch zum ersten Mal. Am 12. Dezember 2017 begann das Strafverfahren gegen Grasser, seinen Trauzeugen Walter Meischberger und den Lobbyisten Peter Hochegger sowie zahlreiche andere Angeklagte. Wann der Prozess mit einem Urteil endet ist offen.

Im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts müssen sich die Beschuldigten wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch, Bestechung, Beweismittelfälschung und Untreue verantworten.

Es geht um zwei Komplexe: Bei der Privatisierung der Bundeswohnungen (BUWOG und andere) im Jahr 2004 soll laut Anklage fast zehn Millionen Euro Schmiergeld geflossen sein. Und bei der Einmietung der Finanzbehörden in den Linzer Terminal Tower sollen 200.000 Euro Bestechungsgeld gezahlt worden sein. Die Strafdrohung reicht bis zu zehn Jahren Haft. Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Teilgeständnis von Hochegger

Alle Angeklagten haben bisher die Vorwürfe bestritten, bis auf den früheren Lobbyisten Hochegger, der zu Prozessbeginn ein überraschendes Teilgeständnis abgelegt und damit seine Mitangeklagten belastet hat.

Hingegen betonen Grasser und Meischberger ihre Unschuld. Grasser will mit der Millionenprovision an Hochegger und Meischberger nichts zu tun gehabt haben. Meischberger gibt an, er habe alleine acht Millionen Euro durch den Deal verdient. Der mitangeklagte Immobilienmakler Ernst Karl Plech ist wegen Krankheit verhandlungsunfähig geworden und seitdem im Prozess nicht mehr dabei.

Nulldefizit wird wohl schon 2018 erreicht

Der Fiskalrat erwartet bereits für 2018 das Erreichen des Nulldefizits. Das gab Fiskalratspräsident Gottfried Haber heuer bei der Vorstellung des „Berichts über die öffentlichen Finanzen 2017–2019“ bekannt. Auch würden die Fiskalregeln der Europäischen Union 2018 und 2019 eingehalten werden, sagte Haber.

„Rückenwind gibt die Konjunktur“

Grund für das rasche Erreichen des ausgeglichenen Haushalts ist die gute Wirtschaftslage. „Rückenwind gibt die Konjunktur“, so Haber. Dazu komme noch ein weiterer Rückgang bei den Zinsausgaben.

Für das Jahr 2019 prognostiziert der Fiskalrat zwar eine etwas abgeschwächte Staatseinnahmenentwicklung infolge zusätzlicher Steuerabsetzmöglichkeiten durch den Familienbonus und durch die erwartete leichte Konjunkturabschwächung.

0,2 Prozent plus für 2019 erwartet

Dennoch sei 2019 – sofern sich die konjunkturelle Lage nicht verschlechtert und keine zusätzlichen defiziterhöhenden Maßnahmen gesetzt werden – der prognostizierte leichte Budgetüberschuss von etwa 0,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) zu erwarten.

Der Schuldenstand dürfte laut den Prognosen schon im Jahr 2019 auf unter 70 Prozent des BIP sinken. Für Ende 2019 prognostiziert der Fiskalrat eine gesamtstaatliche Schuldenquote von 69,5 Prozent des BIP. Für heuer erwartet der Rat eine Quote von 73,4 Prozent. Ende 2017 war dieser Wert noch bei 78,3 Prozent gelegen.

Amnesty kritisiert Menschenrechtslage in Österreich

Amnesty International kritisiert die aktuelle Menschenrechtslage in Österreich. Das Jahr 2018 sei „turbulent“ verlaufen. Als Beispiel nennt die Menschenrechtsorganisation in einer Aussendung aktuelle Verstöße gegen die Menschenrechte: Der Skandal um das Asylheim im niederösterreichischen Drasenhofen und die geplante neue Mindestsicherung „gefährden die Rechte von Kindern und Jugendlichen“.

Amnesty forderte die ÖVP-FPÖ-Regierung auf, „Menschen nicht gegeneinander auszuspielen“. Insbesondere bei den Themen Meinungsfreiheit, Privatsphäre und Diskriminierung habe die Regierung „strikt menschenrechtskonform“ zu handeln. Anlass der Kritik ist der jährliche Bericht der Menschenrechtsorganisation, der heute präsentiert wurde.

Patzelt: „Kinder nur für Eliten“

Amnesty-Österreich-Generalsekretär Heinz Patzelt sagte im Ö1-Morgenjournal, durch die Neuregelung der Mindestsicherung würden Kinder und Jugendliche zunehmend in die Armut getrieben. Es mache den Anschein, dass Familien mit mehreren Kindern offenbar nicht mehr erwünscht seien, so Patzelt. Das Signal „Kinder nur für Eliten“ sei verheerend.

„Mit dem Hintergrund natürlich, dass unterstellt wird, ausländische Familien haben mehr Kinder – und die sollen leiden. Das bedient den Neidkomplex, meinen offensichtlich manche in der Regierung“, so der Amnesty-Generalsekretär weiter.

Audio dazu in oe1.ORF.at

Amnesty: Auch Fortschritte in Österreich

Der Amnesty-Jahresbericht verweist aber auch auf positive Entwicklungen der Menschenrechtssituation in Österreich – etwa die rege Teilnahme der Bevölkerung an Volksbegehren.

Durch Entscheidungen des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) und des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) seien zudem wichtige Fortschritte zum Schutz der Menschenrechte erzielt worden. Als Beispiel führt Amnesty das Recht auf ein drittes Geschlecht an, das der VfGH in Prüfung des Personenstandsgesetzes im Juni dieses Jahres festgestellt hat.

Wirtschaft

100.000 Jobs betroffen: Dienstleister ISS verlässt 13 Länder

Der dänische Dienstleistungskonzern ISS hat heute den Rückzug aus insgesamt 13 Ländern angekündigt – betroffen sind Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Ungarn, Rumänien, Estland, Israel, Thailand, Malaysia, Brunei, die Philippinen, Brasilien und Chile. Nach Angaben des Wirtschaftsportals Bloomberg trennt sich ISS damit von seinen „weniger profitablen“ Märkten. Betroffen sind 100.000 Jobs.

ISS bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer bei Dienstleistungen wie Reinigung, Sicherheitspersonal, Immobilienservice und Catering und beschäftigt derzeit noch 488.000 Mitarbeiter in 75 Ländern. ISS hat eigenen Angaben zufolge 125.300 Kunden. Nach dem Abschied der nun zum Verkauf stehenden Unternehmensteile werde die Zahl auf 62.700 sinken.

Im Jahr 2017 betrug der Umsatz 79,9 Milliarden dänische Kronen (10,7 Mrd. Euro). Die Geschäftsbereiche, von denen sich ISS nun trennen will, stünden für einen Umsatz von 9,7 Mrd. Kronen (1,3 Mrd. Euro), heißt es in der Mitteilung des Konzerns.

Rosenberger-Insolvenzantrag verschoben

Der Raststättenbetreiber Rosenberger mit Sitz in Loosdorf (Niederösterreich) wird erst morgen und nicht wie ursprünglich geplant heute einen Insolvenzantrag stellen. Das kündigte Unternehmenssprecherin Marion Zotter an. Man arbeite mit Hochdruck an der Erstellung des Antrags. Laut Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) bekamen Hunderte Beschäftigte bereits ihr November-Gehalt nicht.

Mehr dazu in noe.ORF.at

Mineralwasserabfüller Waldquelle kritisiert EU-Verordnung

Eine neue EU-Verordnung sorgt für Kritik beim burgenländischen Mineralwasserabfüller Waldquelle. Mehr Plastik, aber auch enorme Umstellungskosten würde diese Richtlinie verursachen, sagte Waldquelle-Geschäftsführerin Monika Fiala. Die Richtlinie verpflichtet Getränkeproduzenten, nur noch PET-Flaschen auf den Markt zu bringen, bei denen die Verschlusskappe mit einer Lasche mit der Flasche verbunden ist.

Mehr dazu in burgenland.ORF.at

Umweltbehörde verweigert Ölbohrung in Amazonas-Riff

Die brasilianische Umweltbehörde IBAMA hat den Ölförderplänen des Erdölriesen Total in der Nähe des Amazonas-Riffs eine Absage erteilt. Die Behörde verkündete am Wochenende, die Bohrgenehmigung werde „wegen einer Reihe technischer Probleme“, die sich im Antragsverfahren herausgestellt hätten, nicht erteilt.

IBAMA sagte in einer Stellungnahme: Im Falle einer Ölkatastrophe wären Teile des sensiblen Riffs betroffen, der Notfallplan von Total sei unzureichend. Der französische Ölkonzern darf damit vor der Küste Amapas rund um das Riff nicht nach fossilen Brennstoffen bohren, wie die Umweltorganisation Greenpeace heute mitteilte.

Greenpeace fordert Stopp der BP-Förderpläne

Die NGO hatte zuvor eine weltweite Kampagne gegen die Pläne von Total geführt, die laut eigenen Angaben von zwei Millionen Menschen unterstützt wurde. Die aktuelle Entscheidung von IBAMA bezeichnete Greenpeace als „Riesenerfolg“. Die Umweltschutzorganisation fordert nun auch vom britischen Ölkonzern BP, der in dieser Region ebenfalls Förderpläne verfolgt, diese zurückzuziehen.

Das Amazonas-Riff liegt vor der Küste Brasiliens und Französisch-Guyana und wurde erst 2016 entdeckt. Es erstreckt sich Schätzungen zufolge auf eine Fläche, die dreimal so groß ist wie Niederösterreich (rund 56.000 Quadratkilometer).

Seine Umweltbedingungen machen das Riff zudem weltweit einzigartig. Tropische Korallenriffe brauchen Sonnenlicht und sauerstoffreiches Meerwasser, der Amazonas ist jedoch einer der schlammigsten Flüsse der Welt. „Ein derart einzigartiges Ökosystem, das noch nicht einmal richtig erforscht ist, darf nicht der Profitgier eines internationalen Ölmultis zum Opfer fallen", so Lukas Meus, Meeresexperte bei Greenpeace Österreich.

Gewerkschaft beendet Bahnstreik in Deutschland

Bei der Deutschen Bahn (DB) hat die deutsche Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ihren Warnstreik beendet. Das sagte ein EVG-Sprecher heute. Kunden und Kundinnen müssen nach Angaben der DB aber noch den ganzen Tag mit Einschränkungen rechnen, vor allem im Fernverkehr.

Anzeige auf einem Bahnhof informiert über ausgefallene Züge
APA/AFP/Stefan Sauer

„Die Wucht des Streiks macht deutlich, wie groß die Verärgerung der Kollegen darüber ist, dass weiter kein abschlussfähiges Angebot vorliegt“, sagte der Gewerkschaftssprecher. Sobald die DB schriftlich ein verbessertes Angebot vorlege, sei die EVG bereit, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen.

Der vierstündige Warnstreik hatte heute um 5.00 Uhr begonnen. ICEs und Intercitys fuhren nicht, auch im Regionalverkehr kam es zu erheblichen Einschränkungen, in einzelnen Bundesländern fuhr kaum ein Zug. Die Reisezentren wurden ebenfalls bestreikt. Auch der Güterverkehr war betroffen: Er sei „erheblich eingeschränkt“, teilte die DB mit.

Auch Österreich betroffen

Auch im Fernverkehr zwischen Österreich und Deutschland kommt es laut ÖBB zu Beeinträchtigungen. Der Fernverkehr zwischen Salzburg und München musste eingestellt werden, hieß es. Die Railjets von und nach Tirol, die normalerweise über die DB-Korridorstrecke fahren, mussten über Zell am See umgeleitet werden und haben derzeit eine um rund 90 Minuten verlängerte Fahrzeit.

Der Nahverkehr zwischen Freilassing und Salzburg konnte laut ÖBB trotz der Einschränkungen durch den Streik in Deutschland durchgeführt werden – es kam dabei aber zu leichten Verzögerungen im Frühverkehr.

Bis der Bahnverkehr wieder planmäßig geht, kann es im Laufe des Vormittags auch in Salzburg noch zu Verzögerungen kommen. Die Zugsbindung bei Tickets der ÖBB-Sparschiene für heute von und nach Deutschland wurde aufgehoben.

Automanager Ghosn nun offiziell angeklagt

Die Staatsanwaltschaft in Japan hat Medien zufolge Anklage gegen den Automanager Carlos Ghosn erhoben. Wie der Sender NHK und die Nachrichtenagentur Kyodo heute berichteten, wird Ghosn darin unter anderem vorgeworfen, jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen bei der Börse deklariert zu haben. Nissan werfen die Ermittler vor, den Fall betreffende Dokumente der Börsenaufsicht vorenthalten zu haben.

Carlos Ghosn
Reuters/Regis Duvignau

Ghosn war am 19. November festgenommen worden. Neben der Vertuschung von Teilen seines Einkommens soll er sich persönlich an Firmenkapital des Autoherstellers Nissan bereichert haben. Seine Festnahme vor einer offiziellen Anklage hatte vor allem außerhalb Japans für Kritik gesorgt. Bis zum 10. Dezember konnten die Strafverfolger den Manager in Gewahrsam halten. Ohne Anklage hätten sie ihn danach freilassen müssen.

Bei Renault weiter im Amt

Ghosn bestreitet die Vorwürfe. Nissan und Mitsubishi setzten ihn als Konsequenz aus der Affäre als Verwaltungsratsvorsitzenden ab. Beim französischen Autokonzern Renault ist der 64-Jährige formal weiterhin Konzernchef. Kommissarisch vertritt ihn allerdings derzeit die bisherige Nummer zwei Thierry Bollore.

Die Autokonzerne Renault, Nissan und Mitsubishi hatten zuletzt erklärt, sie wollten ungeachtet der Affäre um Ghosn an ihrer Allianz festhalten.

Sport

Nächster Dämpfer für NFL-Titelverteidiger

Die Hoffnung von Philadelphia auf eine erfolgreiche Titelverteidigung in der National Football League (NFL) ist gestern Nacht ein weiteres Stück in die Ferne gerückt. Die Eagles kassierten mit 23:29 nach Verlängerung bei den Dallas Cowboys den nächsten Dämpfer und stehen nun mit dem Rücken zur Wand. Nichts für schwache Nerven war die Schlussphase beim Spiel Miami Dolphins gegen New England Patriots.

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Fußball: River Plate holt Copa Libertadores

Nach wochenlangen Streitereien, hässlichen Vorkommnissen unter den Fans und gerichtlichen Auseinandersetzungen hat River Plate aus Buenos Aires die Copa Libertadores gewonnen. Im fernen Madrid gewann der Traditionsclub gestern Abend das Finalrückspiel des südamerikanischen Pendants der Champions League gegen den Stadtrivalen Boca Juniors mit 3:1 nach Verlängerung und sicherte sich damit zum vierten Mal den Titel.

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Chronik

Mindestens 78 Morde: Russischer Ex-Polizist erneut verurteilt

Ein Gericht im sibirischen Irkutsk hat heute einen ehemaligen Polizisten wegen 56 Morden schuldig gesprochen. Der bereits zuvor wegen 22 Frauenmorden zu lebenslanger Haft verurteilte Mann ist damit Russlands Serienmörder Nummer eins. Die weiteren 56 Morde wurden zwischen 1992 und 2007 verübt, wie die Staatsanwaltschaft von Irkutsk in einer von Medien verbreiteten Mitteilung erklärte.

„Pathologische Lust am Töten“

Die Staatsanwaltschaft warf Michail Popkow eine „pathologische Lust am Töten von Menschen“ vor. Bereits 2015 war der ehemalige Beamte wegen Mordes an 22 Frauen verurteilt worden. Später gestand er 59 weitere Morde, in 56 Fällen wurde er nun schuldig gesprochen. Drei Morde konnten ihm die Ermittler nicht nachweisen, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.

Gerichtsverhandlung in Irkutsk
APA/AFP/Anton Klimov

Seine Opfer habe der Ex-Polizist in seiner Freizeit unter anderem mit dem Angebot nächtlicher Fahrten im Polizeiauto in seiner Heimatstadt Angarsk bei Irkutsk angelockt. Als bisher schlimmste Serienmörder in Russland und der ehemaligen Sowjetunion galten Alexander Pitschuschkin, der 2007 wegen 48 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, sowie Andrej Tschikatilo, der noch zu Sowjetzeiten wegen 52 Morden ins Gefängnis musste.

Science

Warum Schwarze Löcher Haare haben

Vernichten Schwarze Löcher Information – obwohl das die Naturgesetze eigentlich verbieten? Der britische Physiker Malcolm J. Perry hat eine mögliche Lösung für das Problem gefunden. Sie lautet: „Schwarze Löcher haben weiche Haare.“ Was das bedeutet, erklärt Perry – der einer der wichtigsten Vertrauten von Stephen Hawking war – im ORF-Interview.

Mehr dazu in science.ORF.at

Religion

Panorama

„Smocking Gun“: Trumps Rechtschreibfehler amüsiert Twitter

Einmal mehr sorgt US-Präsident Donald Trump heute für Lacher auf Twitter – wenn auch der Anlass bei den Userinnen und Usern für weniger Belustigung sorgt. Auslöser für die zahlreichen spöttischen Kommentare ist abermals ein Rechtschreibfehler des US-Präsidenten.

Trump benutzte den Begriff „Smocking Gun“ (sic!) – und meinte wohl „Smoking Gun“ , was auf Englisch so viel wie „eindeutiger Beweis“ (wörtlich: „rauchende Waffe“) bedeutet. „Smock“ kann im Deutschen etwa mit „Kittel“ übersetzt werden, hat also keine Bedeutung in diesem Zusammenhang.

„No Smocking Gun…No Collusion“

„No Smocking Gun…No Collusion“, schrieb Trump unter anderem. Auf Deutsch bedeutet das etwa: „Kein eindeutiger Beweis, kein Prozessbetrug.“ Bezug nahm er dabei auf die potenzielle Wahleinmischung Russlands in den US-Wahlkampf 2016 und die Ermittlungen dazu. „Die Demokraten können keinen eindeutigen Beweis finden, um die Trump-Kampagne mit Russland zu verknüpfen, nach James Comeys (früherer FBI-Chef, Anm.) Aussage“, twitterte Trump – inklusive Rechtschreibfehler.

Reaktionen gab es innerhalb kürzester Zeit zahlreiche, war es doch nicht der erste Rechtschreib-Fauxpas des US-Präsidenten. So twitterte ein User etwa das Bild eines Malerkittels, ein anderer fragt, wo er eine „Smocking Gun“ kaufen könne. Ein weiterer unterstellt Trump bezüglich seiner Rechtschreibfehler bereits Absicht.

Erst letztes Jahr hatte Trumps Twitter-Wortkreation „Cofveve“ den Userinnen und Usern Rätsel aufgegeben und weltweit für Erheiterung gesorgt.

Australien trauert um sein berühmtestes Känguru

Australien trauert um sein berühmtestes Känguru namens Roger. Das mehr als zwei Meter große und 90 Kilogramm schwere Tier, das durch Boxkünste und enorme Muskeln auch international bekannt geworden war, wurde zwölf Jahre alt. Nach Angaben des Känguruparks von Alice Springs, wo Roger praktisch sein ganzes Lebens verbracht hatte, starb er an Altersschwäche.

Roger war bereits als Baby in den Tierpark von Alice Springs gekommen, der einzigen größeren Stadt im Landesinneren. Der Parkbesitzer Chris Barnes hatte ihn auf einem Highway aufgesammelt, nachdem seine Mutter von einem Auto überfahren worden war. Im Lauf der Jahre wurde er zu einem Muskelprotz. Mit seinem mächtigen Oberkörper wurde er zur Attraktion der Stadt. Über Soziale Netzwerke schaffte er es dann auch international zu großer Prominenz.

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Auf einer Instagram-Seite hatte Roger zuletzt mehr als 900.000 Follower, bei Facebook mehr als eine halbe Million. Barnes schrieb in seinem Nachruf: „Er hatte ein schönes, langes Leben und wurde von Millionen Menschen überall auf der Welt gemocht. Wir werden dich auf ewig lieben und vermissen, Roger.“

Roger, der mehrere Weibchen hatte, legte früher ein ziemliches Imponiergehabe an den Tag. Er boxte sich auch durch die Gegend. Mit zunehmendem Alter wurde er jedoch ruhiger. Zuletzt litt er an Arthritis und sah auch nicht mehr so gut. In dem Tierpark soll Roger nun auch seine letzte Ruhestätte finden.

Kultur

„Tintenherz“-Autorin Cornelia Funke wird 60

Die deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke feiert heute ihren 60. Geburtstag. Zu Funkes größten Erfolgen gehören die „Tintenwelt“-Triologie, die „Reckless“-Reihe, „Drachenreiter“, „Die wilden Hühner“ und „Herr der Diebe“.

Seit ihrem ersten eigenen Bilderbuch „Die große Drachensuche“ (1988) hat sie nach Angaben des Dressler Verlags mehr als 60 Bücher veröffentlicht, die insgesamt in über 50 Sprachen übersetzt wurden. Ihre Romane, die vor allem junge Leserinnen und Leser ansprechen, verkauften sich weltweit bisher mehr als 26 Millionen Mal.

Kinderbuchautorin Cornelia Funke
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Funke wuchs in Dorsten in Nordrhein-Westfalen auf. Nach der Matura ging sie nach Hamburg, studierte Diplompädagogik und ließ sich zur Buchillustratorin ausbilden. In den USA fand sie später ihre Wahlheimat. 2005 zog Deutschlands international erfolgreichste Jugendbuchautorin nach Los Angeles, seit 2017 lebt sie auf einer Farm in Malibu. Aufgrund der dort wütenden Großbrände musste auch Funke ihr Haus kurzzeitig verlassen.

Funke sieht sich als „Weltbürgerin“

Ihren Zweitwohnsitz will Funke demnächst im britischen Cornwall beziehen. Sie selbst fühlt sich als „Weltbürgerin“. „Ob mir in Indien Kinder um den Hals fallen, weil sie ‚Drachenreiter‘ lieben, oder in Neuseeland Jugendliche jeden Satz aus meinen Büchern kennen – in diesen Momenten fühle ich mich durch sie genau da zu Hause“, sagte Funke kürzlich in einem Interview mit der dpa.

Mit wenigen Ausnahmen schrieb sie ihre Bücher bisher im Original auf Deutsch. Derzeit schreibt Funke am vierten Band von „Reckless“, an „Drachenreiter 3“ und an einem Bühnenprojekt mit einem Cellisten. Auch ein nächstes „Tintenwelt“-Buch sei in Arbeit, so die Autorin zur dpa.

Neue „BundesMuseenCard“ gilt ab morgen

Ab morgen gibt es eine gemeinsame Jahreskarte für die österreichischen Bundesmuseen und die Nationalbibliothek. Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) stellte heute gemeinsam mit den Direktorinnen und Direktoren die neue „BundesMuseenCard“ vor. Sie kostet 59 Euro, ist nicht übertragbar und berechtigt innerhalb eines Jahres zu je einem Eintritt in den acht beteiligten Institutionen.

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Leute

Boris und Lilly Becker bei Gerichtsanhörung zu Scheidung

Der deutsche Ex-Tennisstar Boris Becker (51) und seine Frau Lilly (42) sind persönlich zu einer Anhörung zu ihrer Scheidung vor einem Londoner Gericht erschienen. Sie hatten im vergangenen Mai verkündet, sich „einvernehmlich und freundschaftlich“ getrennt zu haben. In den vergangenen Monaten wurden allerdings viele Probleme öffentlich ausgetragen.

Model Lilly Becker, die aus den Niederlanden stammt, hält eine Wiederbelebung der Beziehung inzwischen für ausgeschlossen. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn, den achtjährigen Amadeus. Boris Becker ist vierfacher Vater. Mit seiner Ex-Frau Barbara hat er die Söhne Noah (24) und Elias (19). Aus der „Besenkammer-Affäre“ mit Angela Ermakova stammt Tochter Anna (18).

Neben seiner Scheidung hat Boris Becker auch noch Geldsorgen. Er steckt mitten in einem Insolvenzverfahren in London.