COV Inland

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) plädiert für eine Verpflichtung, die derzeit freiwillige „Stopp Corona“-App des Roten Kreuzes zu nutzen. „Wenn evident ist, dass wir die Menschen schützen können und jeder Kontakt festhalten wird, dann sage ich dazu Ja“, sagte er laut Vorausmeldung im Nachrichtenmagazin „profil“. Zudem hält er Teilverstaatlichungen im Gegenzug für Hilfen für sinnvoll.

Wenn die Rote-Kreuz-App einen gewissen Verpflichtungsgrad habe, könnte sie noch mehr helfen, glaubt der Nationalratspräsident. Verfassungsrechtlich geprüft werde derzeit, ob für Menschen, welche die App nicht installieren, die Bewegungsfreiheit eingeschränkt bleiben soll. Wenn man die Verpflichtung zur App zeitlich befristet und mit einer Sunset-Klausel versieht, die ein Außerkrafttreten vorsieht, dann sei das mit der EU-Datenschutzverordnung und der Verfassung vereinbar, berief er sich auf nicht näher genannte Experten.

Laut „Standard“ gibt es derzeit Diskussionen über eine Kooperation des Roten Kreuzes mit den Entwicklern von Novid20, einem gemeinnützigen Zusammenschluss von Experten, Softwareentwicklern und Datenschutzrechtlern. Auch mit dem gerade erst vorgestellten, europaweiten Pepp-PT-Projekt sei man im Gespräch, bestätigte die Firma Accenture, die für das Rote Kreuz die App entwickelt.

Weiters kann sich Sobotka im Gegenzug für Hilfen des Staates Beteiligungen an Unternehmen vorstellen: „Man muss zumindest bei der kritischen Infrastruktur Beteiligungen prüfen. Wie weit das bei anderen Unternehmen geht, muss man diskutieren.“ Diese möglicherweise befristeten Maßnahmen könnten durchaus sinnvoll sein. Auf der Hand liegt für den Nationalratspräsidenten auch: „Wer staatliche Hilfe beansprucht, kann keine Dividende ausschütten.“

Kogler setzt weiterhin auf Freiwilligkeit

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) setzt bei der Nutzung der App des Roten Kreuzes weiter auf Freiwilligkeit. „Die Hoffnung ist aber, dass es möglichst viele machen“, sagte er in einer Pressekonferenz. „Wir haben als Bundesregierung auch intensiven Kontakt mit dem Roten Kreuz. Das war immer davon getragen, dass es freiwillig genutzt wird“, sagte Kogler. Es habe auch keinen Sinn, die Verwendung zwangsweise zu verordnen, „wenn ich nicht sicherstellen kann, dass alle mitmachen“.

Auch die grüne Klubobfrau Sigrid Maurer verteidigte die App: „Es werden keine Daten zentral gespeichert, sondern nur lokal anonymisiert“, sagte sie in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“. Es gebe dabei keine Sammlung von Bewegungsdaten, vielmehr handle es sich um ein „Safe Tracking zum Schutz der Bürger“. „Selbstverständlich“ sei dies eine sehr sinnvolle Maßnahme. Maurer geht davon aus, dass diese nach Ostern „voll einsatzfähig“ sein werde.

Kickl übt scharfe Kritik

FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl konterte indessen Sobotka. „Unter dem Deckmantel des Coronavirus“ nutze die ÖVP die Ängste der Menschen, „um Österreich zu einem totalitären Bespitzelungs- und Überwachungsstaat umzubauen“, schrieb er in einer Aussendung. Was Sobotka gefordert hatte, sei „ein weiterer massiver Schritt in Richtung der Ausschaltung demokratischer Grund- und Freiheitsrechte“.

Laut der Klubobfrau der Grünen im Parlament, Sigrid Maurer, sind in allen Gesetzespaketen im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie auch Vorschläge der Oppositionsparteien enthalten. Dass die Koalition von ÖVP und Grünen diese ignorieren würde, stimme nicht, sagte Maurer heute im Ö1-„Journal zu Gast“. Die Opposition sei eingebunden, es gebe regelmäßige Gespräche. Im Moment sei jedenfalls „nicht die Zeit für parteipolitische Spielchen“. Maurer versicherte: „Wir geben wirklich unser Bestes“, allerdings herrsche aktuell ein „Riesentempo“.

Auf die Frage, wer oder was garantiere, dass die gegenwärtig geltenden Maßnahmen, inklusive starker Einschränkungen der Freiheitsrechte, wieder zurückgenommen werden, erklärte Maurer, dass das die Gesetze selbst seien. Vieles habe eine Art Ablaufdatum, sagte Maurer sinngemäß unter Verweis auf „Sunset-Klauseln“ in den Gesetzen. Es sei jedenfalls „absolut garantiert“, dass die Situation nicht so bleibe, wie sie ist, die doch „massiven“ Eingriffe in die Freiheitsrechte würden wieder zurückgenommen, schließlich sei Österreich eine starke Demokratie.

Audio dazu in oe1.ORF.at

Rechtzeitig vor Ostern hat das Sozialministerium seine Vorgaben zu häuslichen Zusammenkünften in Zeiten der Coronavirus-Pandemie konkretisiert. Laut einem heute veröffentlichten Erlass werden Treffen in einem geschlossenen Raum, an denen mehr als fünf Personen teilnehmen, die nicht im selben Haushalt leben, untersagt. An Begräbnissen dürfen höchstens zehn Personen teilnehmen, an Hochzeiten fünf.

Der Erlass des Gesundheitsministeriums erging an die Landeshauptleute. Diese sollen die Bezirksverwaltungsbehörden anweisen, die privaten Zusammenkünfte bis auf Weiteres zu untersagen. Die Anweisung ist vor allem in Zusammenhang mit Ostern zu sehen. Die Bundesregierung empfahl zuletzt, auf Osterfeiern im großen familiären Rahmen aufgrund der Bedrohung durch das Coronavirus in diesem Jahr zu verzichten.

Ausdrücklich erwähnt wird auch, dass Begräbnisse nur im „engsten Familienkreis“ stattfinden dürfen. Befristet ist der Erlass mit 13. April, also Ostermontag.

FPÖ sieht „Erlass im Geiste der Blockwart-Mentalität“

Das Verbot stellt für die FPÖ „ein Misstrauensvotum gegen die Bevölkerung“ und einen „Aufruf zur Vernaderung“ dar. Klubchef Herbert Kickl sprach gegenüber der APA von einem „Erlass im Geiste der Blockwart-Mentalität“. Missbrauch sei damit Tür und Tor geöffnet. Ein Anruf bei der Polizei genüge, „und schon ist auch das Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens ausgehebelt“.

„Mir reicht es. Ich will in keinem Land leben, in dem mir der Gesundheitsminister per Erlass vorschreibt,wie viele Personen in meiner Wohnung sein dürfen und die Polizei an meiner Tür klingeln darf und das dann kontrolliert!“, schrieb NEOS-Klubvize Nikolaus Scherak indessen auf Twitter.

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in Österreich liegt bei 11.781 (Stand: 9.30 Uhr). Laut Gesundheitsministerium starben 168 Menschen (Stand: 9.30 Uhr). Es wurden 104.134 Tests vermeldet (Stand: 9.30 Uhr).

Die meisten Infektionen (Stand: 9.30 Uhr) wurden mit 2.817 bisher in Tirol verzeichnet. In Oberösterreich wurden 1.868 Fälle registriert, in Niederösterreich 1.831. In Wien gibt es 1.701 bestätigte Fälle.

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SPÖ-Justizsprecherin Selma Yildirim zeigt sich besorgt über die Situation in den heimischen Gefängnissen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie. „Zwar wurden in den Justizanstalten umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen, und es gibt bis jetzt glücklicherweise nur einzelne Fälle von Covid-19. Aber es gibt trotzdem Problembereiche, wo gehandelt werden muss“, gab Yildirim heute zu bedenken.

Problematisch seien der Überbelag in manchen Haftanstalten sowie der Umstand, dass es zu wenig Testungen und Schutzausrüstung in den Justizanstalten (JA) gebe, meinte Yildirim in einer Presseaussendung. Sie kündigte diesbezüglich eine parlamentarische Anfrage an Justizministerin Alma Zadic (Grüne) an.

Bisher zwei infizierte Häftlinge bestätigt

Aufgrund der „außerordentlich intensiven Anstrengungen“ und der „hohen Professionalität der JustizwachebeamtInnen“ sei die Situation im Strafvollzug in der Coronavirus-Krise „unter Kontrolle“. Bisher sind bundesweit nur zwei infizierte Häftlinge behördlich bestätigt, wobei einer davon schon im Wissen um seine Erkrankung in die betroffene JA Josefstadt eingeliefert wurde. Infektionen unter dem Wachpersonal sind bisher in zwei weiteren JA bekannt.

Yildirim sprach sich – analog zur Polizei – auch für die Justizwache für einen Bonus für ihre Arbeit in der gegenwärtigen Ausnahmesituation aus. Außerdem unterstütze sie die Forderung sozialdemokratischer Gewerkschafter der Justizwache nach flächendeckenden Tests in den Gefängnissen, wo deren Darstellung zufolge mit Stichtag 1. März 9.366 Insassen untergebracht waren, meinte die SPÖ-Justizsprecherin abschließend.

Für Unverständnis bei der Ärzteschaft sorgt der gestern im Nationalrat aufgrund der Coronavirus-Krise erfolgte Beschluss, wonach Bürgermeister Informationen über mit Covid-19 infizierte Menschen erhalten können, nicht jedoch die behandelnden Ärzte. Diese Entscheidung setze sowohl die Ärzte als auch andere Patienten einem erhöhten Infektionsrisiko aus, kritisierte Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

„Wir haben schon vor zwei Tagen vehement gefordert, dass auch Ärztinnen und Ärzte während der Coronakrise entsprechend informiert werden“, betonte Szekeres heute in einer Aussendung. Informationen über den Infiziertenstatus seien essenziell, um den betroffenen Patienten eine adäquate Behandlung und ein entsprechendes Monitoring anbieten zu können. Außerdem schützten die Informationen die betroffenen Ärzte sowie andere sich in Betreuung befindende Patienten vor einer Ansteckung mit Covid-19.

Szekeres fordert Erweiterung von gesetzlicher Bestimmung

Szekeres fordert vom Gesetzgeber raschest eine entsprechende Erweiterung der entsprechenden gesetzlichen Bestimmung. Zum Beispiel sollten die Bürgermeister die Information an die behandelnden Ärzte weitergeben müssen, hieß es im Statement der Ärztekammer. Nur so können das Infektionsrisiko und damit auch die Gefahr von Schließungen von Ordinationen durch Quarantänemaßnahmen verhindert werden sowie die Infizierten entsprechende medizinische Betreuung erhalten.

Coronavirus-Tests werden im Auftrag der Gesundheitsbehörde, also von Bezirks- beziehungsweise Landesgesundheitsämtern, durchgeführt. Im Falle einer positiven Testung erlassen die Bezirksverwaltungsbehörden die Bescheide zur Quarantäne. Diese Behörden waren bisher per Gesetz zur Verschwiegenheit verpflichtet gewesen. Im Nationalrat wurde nun beschlossen, dass die jeweiligen Bürgermeister Informationen über infizierte Personen erhalten, wenn und soweit es zur Versorgung dieser Personen mit notwendigen Gesundheitsdienstleitungen oder mit Waren des täglichen Bedarfs unbedingt notwendig ist.

Ein Ausreisemanagement soll nach der Aufhebung der Quarantäne in Lech am Arlberg ein Chaos wie im Skiort Ischgl in Tirol verhindern. Seit Mitternacht ist eine Verordnung in Kraft, die die Ausreise der ca. 1.000 Saisonmitarbeiter und Gäste regeln soll.

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Ausreise aus Sölden hat begonnen

Gestern hat die Ausreise aus dem Quarantänegebiet Sölden (Bezirk Imst) in Tirol begonnen. Bereits rund 340 Personen aus Österreich und sieben anderen Nationen verließen den Ort noch am Nachmittag. Der Rest werde am Wochenende die Heimreise antreten, teilte das Land mit.

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COV Ausland

Das Außenministerium hat wegen der Coronavirus-Epidemie für weitere vier Länder eine volle Reisewarnung ausgegeben. Die höchste Sicherheitsstufe 6 gilt nun auch für Indien, Pakistan, Südafrika und Senegal. Vor allen Reisen wird aufgrund der raschen Ausbreitung des Coronavirus gewarnt. Es wird dringend geraten – sofern noch möglich – zurückzureisen, hieß es heute.

Außerdem wurde für die USA eine partielle Reisewarnung verhängt. Aufgrund der raschen Ausbreitung der Covid-19-Erkrankungen gilt eine partielle Reisewarnung (Sicherheitsstufe 5) für New York State und New Jersey – mit Ausnahme der Flughäfen John F. Kennedy und Newark – sowie ganz Louisiana. Vor Reisen in diese Gebiete wird gewarnt. Ein hohes Sicherheitsrisiko (Sicherheitsstufe 4) gilt im Zusammenhang mit der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus und damit einhergehenden massiven Einschränkungen im Reiseverkehr im Rest des Landes. Es wird dringend geraten, von derzeit noch bestehenden Rückreisemöglichkeiten Gebrauch zu machen.

Das bedeutet, dass aufgrund der Coronavirus-Pandemie nun für 17 Länder eine Reisewarnung (Stufe 6) ausgesprochen wurde: Frankreich, Iran, Italien, Südkorea, Niederlande, Peru, Russland, San Marino, Schweiz, Spanien, Ukraine, Vatikan, Vereinigtes Königreich und jetzt eben zusätzlich Indien, Pakistan, Senegal und Südafrika.

In Spanien stabilisieren sich die Zahlen der Coronavirus-Krise drei Wochen nach Beginn der strikten Ausgehsperre weiter. Die Zuwachsrate der Neuinfektionen ging bis heute Mittag erneut zurück und lag bei weniger als sechs Prozent. Insgesamt wurden rund 7.000 neue Ansteckungen nachgewiesen, die Gesamtzahl belief sich auf mehr als 124.700, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Gleichzeitig wurden den amtlichen Angaben zufolge fast 4.000 an Covid-19 erkrankte Patienten innerhalb eines Tages als genesen entlassen. Damit sind schon mehr als 34.000 Betroffene wieder gesund. Spanien ist weltweit eines der am stärksten von der Krise betroffenen Länder.

Auch die Zahl der Todesfälle ging zurück. Dennoch wurden innerhalb von 24 Stunden zum achten Mal in Folge mehr als 800 Tote verzeichnet. Die Gesamtzahl belief sich auf rund 11.700. Das waren 809 mehr als am Freitag. Besonders stark betroffen sind weiterhin die Regionen Madrid und Katalonien.

Ministerpräsident Pedro Sanchez wollte nach Gesprächen mit Gesundheitsexperten und Parteiführern darüber entscheiden, ob der Alarmzustand samt strikten Ausgangsbeschränkungen ein weiteres Mal bis zum 26. April verlängert wird. Eigentlich sollen die Maßnahmen nur noch bis zum 11. April gelten.

Die lombardischen Behörden beklagen zunehmende Verstöße gegen die Ausgangssperre. Die Zahl der Personen, die unterwegs seien, sei seit dem 20. März noch nie so hoch gewesen. Die Mobilität in der Region sei diese Woche um zwei Prozent auf 38 Prozent gestiegen. „Das bedeutet, dass Tausende Menschen auf den Straßen sind“, beklagte der Vizepräsident der Lombardei, Fabrizio Sala.

Sala wiederholte in einem TV-Interview nun seinen Appell an die Bürger, die Wohnung nur in dringenden Fällen zu verlassen. Lediglich eine Person pro Familie solle Einkäufe erledigen. Die Polizei werde die Kontrollen verschärfen.

„Wir setzen unseren Kampf gegen die Epidemie fort, wir haben noch nicht gewonnen. Daher dürfen die Menschen nicht denken, dass sie wieder ihr normales Leben aufnehmen können“, sagte der für die Coronavirus-Krise zuständige Regierungskommissar Domenico Arcuri.

Gesundheitsminister Roberto Speranza berichtete, dass der Infektionsindex gesunken sei. Eine infizierte Person steckte im Februar und Anfang März durchschnittlich drei Personen an, was zu einer starken Verbreitung der Seuche beitrug. Dank der rigorosen Vorbeugungsmaßnahmen, die Italien ab dem 10. März ergriffen habe, sei die Ansteckungskraft des Virus stark gesunken. „Der Krieg ist aber noch im Gange“, sagte Speranza.

China hat mit drei Schweigeminuten der Coronavirus-Toten gedacht. Landesweit heulten am chinesischen Totengedenktag heute um 10.00 Uhr Ortszeit (4.00 Uhr MESZ) die Sirenen. Auch hupten Autos, und Schiffe ließen ihre Hörner ertönen. In Peking blieben die U-Bahnen für drei Minuten stehen. Die Menschen auf den Straßen chinesischer Metropolen hielten inne und trauerten um die Opfer.

Menschen in Peking währen der Trauerminuten
Reuters/Thomas Peter

Das Gedenken sei zu Ehren der „Märtyrer und Landsleute, die im Kampf gegen die Epidemie ums Leben gekommen sind“, teilte der Staatsrat mit. Staats- und Parteichef Xi Jinping und die chinesische Führung, mit weißen Trauerblumen am Revers ihrer dunklen Anzüge, verneigten sich bei einer Zeremonie in Peking vor einer auf halbmast wehenden Nationalflagge. Die Nationalflaggen auf öffentlichen Gebäuden und in chinesischen Botschaften weltweit wehten auf halbmast.

Mehr als 3.300 Tote

Am „Qingming-Fest“ trauern die Chinesen traditionell um ihre Toten und gehen auf die Friedhöfe, um die Gräber zu säubern. Normalerweise werden Blumen, Essen und andere Gegenstände für die Toten abgelegt und Papiergeld sowie Räucherstäbchen verbrannt. Da aber weiter Einschränkungen in Kraft sind, um die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus zu verhindern, haben viele Provinzen die Menschen aufgefordert, in diesem Jahr nicht zu den Gräbern zu pilgern. Vielmehr solle daheim der Toten gedacht werden.

In Festlandchina sind seit dem Ausbruch des Coronavirus vor gut vier Monaten nach amtlichen Angaben von heute 3.326 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben. Mehr als 80.000 Menschen haben sich demnach infiziert. Die wahren Zahlen dürften allerdings deutlich höher liegen, da die Art der Erhebung immer wieder geändert wurde und viele Fälle nicht in der offiziellen Statistik auftauchen.

Auch hatten sich nach Angaben der Behörden mehr als 3.000 medizinische Kräfte infiziert. Von ihnen sind 14 gestorben. Einige von ihnen wurden in den kommunistischen Ehrenstatus des „nationalen Märtyrers“ erhoben – darunter auch der Arzt Li Wenliang, der schon früh vor der Gefahr durch das Virus gewarnt hatte, aber zunächst von den Behörden mundtot gemacht worden war.

Ausland

In Großbritannien hat die wichtigste Oppositionspartei Labour Keir Starmer zum neuen Parteichef ernannt. Er folgt Jeremy Corbyn nach, der nach der Niederlage bei der Parlamentswahl Mitte Dezember seinen Rückzug angekündigt hatte.

Neuer Labour-Chef Keir Starmer
Reuters/Simon Dawson

Starmer setzte sich in der Abstimmung am Samstag gegen die Corbyn-Vertraute Rebecca Long-Bailey und gegen Lisa Nandy durch. Er war früher Chef der britischen Staatsanwaltschaft. Im Rennen um die Corbyn-Nachfolge hat er versucht, Corbyns linkes Lager für sich zu gewinnen, ohne gemäßigtere Mitglieder zu verschrecken.

Debakel bei Wahl im Dezember

Die Labour-Partei hatte bei der Parlamentswahl im Dezember ihr schlechtestes Ergebnis seit 1935 eingefahren und viele ihrer Hochburgen an die konservativen Torys verloren. Der 70-jährige Corbyn, der seit 2015 an der Parteispitze stand, kündigte daraufhin seinen Rückzug an.

Viele Labour-Anhänger machten ihn wegen seiner unklaren Position zum Brexit für die Wahlschlappe verantwortlich. Bis Donnerstag konnten die 600.000 Parteimitglieder nun über seine Nachfolge abstimmen.

EU

In der Debatte über europäische „Corona-Bonds“ zur Bewältigung der finanziellen Folgen der Coronavirus-Krise hat sich EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni für gemeinsame Anleihen der Mitgliedsstaaten ausgesprochen. „Wir brauchen ein europäisches Konjunkturprogramm, und das sollte durch die Ausgabe von Anleihen finanziert werden“, sagte Gentiloni der Zeitung „Die Welt“ (Samstag-Ausgabe).

„Die Ausgabe von Anleihen soll zweckgebunden sein und eine einmalige Maßnahme in außergewöhnlichen Umständen. Ich denke, Deutschland und andere nordeuropäische Länder können das akzeptieren.“

Italien und Spanien dafür

Die EU-Staaten hatten sich bei einem Videogipfel vorige Woche über die Frage zerstritten, ob „Corona-Bonds“ – also gemeinsame europäische Anleihen zur Finanzierung der EU-Staaten – in der Krise nötig sind. Italien, Spanien und andere wollen sie, andere wie Deutschland und die Niederlande sind dagegen. Die EU-Finanzminister sollen bis Dienstag neue Modelle entwickeln.

„Die Botschaft nach Nordeuropa lautet aber: Wir reden nicht über die Vergemeinschaftung von Schulden“, sagte Gentiloni. „Jetzt geht es um gemeinsame Schulden im Kampf gegen das Coronavirus und seine Folgen, nicht um die Schulden der vergangenen 30 Jahre.“ Zuletzt hatte sich ein Kompromiss angebahnt, der ein Paket aus drei Teilen vorsieht: vorsorgliche Kreditlinien des Euro-Rettungsschirms ESM, Bürgschaften der Europäischen Investitionsbank (EIB) und das von der EU-Kommission vorgeschlagene Programm zur Unterstützung von Kurzarbeitergeldmodellen.

Das von der Krise schwer getroffene Italien beharrt allerdings auf Bonds. „Die gemeinsame europäische Antwort ist nur angemessen, wenn sie die gemeinsame Ausgabe europäischer Bonds beinhaltet, um die nationalen Coronavirus-Notfallpläne zu finanzieren“, betonte Finanzminister Roberto Gualtieri zuletzt.

Inland

Ab Montag gilt das Tragen von Schutzmasken in Supermärkten und Drogerien als verpflichtend. Das kündigte die ÖVP-Grünen-Regierung diese Woche an und erarbeitete einen Erlass, der sich auf Hygieneregeln rund ums Lebensmittelrecht stützt. Doch gestern wurde im Nationalrat auch die rechtliche Grundlage für eine Verordnung für eine Schutzmaskenpflicht an „Arbeitsplatz oder Betriebsstätten“ und an „bestimmten Orten“ geschaffen.

In letzter Minute brachten ÖVP und Grüne einen Abänderungsantrag zum Covid-19-Maßnahmengesetz ein. Das Gesetz hatte dem Gesundheitsminister bisher nur ermöglicht, Betretungsverbote an bestimmten Orten und Betriebsstätten zu verordnen. Mit der Änderung kann er jetzt aber auch regeln, „unter welchen bestimmten Voraussetzungen oder Auflagen Betriebsstätten oder Arbeitsorte betreten werden dürfen“.

Das könnte bedeuteten, dass der Minister eine Maskenpflicht verordnet, was in Fachkreisen erwartet wurde. Denn ein Erlass, den es bisher zu den Schutzmaskenregeln im Supermarkt gibt, ist bloß eine interne Anordnung an den Verwaltungsapparat. Man könne damit keine Außenstehenden, also weder Supermärkte noch Kunden, verpflichten, schrieb etwa die „Presse“.

Wirtschaft

Für kleine und mittlere Unternehmen wird die Republik nun auch 100-prozentige Staatshaftungen für Notkredite übernehmen können – das hat Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) am Samstag mitgeteilt. Möglich werde das nun durch eine Ausnahmeregel der EU-Kommission für Beihilfen bis zu einem Wert von 800.000 Euro.

„Mit der Entscheidung der Kommission ist der Weg frei, dass der Staat zumindest bei kleineren und mittleren Unternehmen 100 Prozent der Haftung übernehmen kann, wie das auch in der Schweiz bereits der Fall ist. Gerade in der jetzigen Situation braucht es schnelle und flexible Lösungen, um unseren Betrieben Liquidität zu ermöglichen und damit Tausende Arbeitsplätze zu sichern“, so Blümel laut Mitteilung. „Ich gehe davon aus, dass die Banken jetzt bei der Kreditvergabe noch schneller und unbürokratischer agieren können.“

Für Personen, die wegen der Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie ihre Miete nicht mehr bezahlen können, gibt es eine Atempause. Mieterinnen und Mieter haben bis Ende des Jahres Zeit, ihre Mietrückstände aufzuholen, ohne dass ihr Mietvertrag gekündigt wird. Eine Übersiedlung wäre derzeit ohnedies schwierig. Denn auch beim Transport von Möbeln muss der Sicherheitsabstand eingehalten werden.

Mehr dazu in help.ORF.at

Ob Sportgeräte, Kabel für das Homeoffice, Bücher oder die neue Frühjahrsmode: Da ein Großteil der Geschäfte derzeit geschlossen ist, nutzen viele Menschen das Internet für Besorgungen. Was nicht gefällt oder nicht passt, kann wieder zurückgeschickt werden – und das, ohne das Haus zu verlassen. Die Post und andere Paketzusteller bieten entsprechende Abholservices an.

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Hinweis

Hinweis zum Umgang von ORF.at mit statistischen Daten zur Coronavirus-Krise in Österreich: Es gibt auf Landes- und Bundesebene verschiedene staatliche Quellen, die in unterschiedlichem Rhythmus Daten zum Stand der Coronavirus-Krise veröffentlichen.

Dabei kann es zu plötzlichen Sprüngen in den Fallzahlen kommen, etwa weil viele Datensätze auf einmal ins Epidemiologische Meldesystem – eine zentrale medizinische Datenbank – eingetragen werden.

Anders als in Italien gibt es in Österreich derzeit keine täglich veröffentlichten maschinenlesbaren Berichte der verantwortlichen staatlichen Stelle, sodass alle Daten händisch eingeben werden müssen.

Verbindlich sind für ORF.at nach wie vor die halbtäglichen Meldungen der durchgeführten Tests, der bestätigten Infektionen und Todesfälle auf der Website des Gesundheitsministeriums. Gegen 8.00 Uhr werden die Anzahl der Tests vom Vortag sowie die aktuellen Summen von bestätigten Fällen und Todesfällen auf Bundes- und Landesebene veröffentlicht. Gegen 15.00 Uhr werden diese Zahlen und auch die Verlaufsgrafiken aktualisiert.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Nähere Informationen zu Quellen und Aktualisierungsrhythmus finden Sie in einem erläuternden Zusatzartikel.

Sport

Chronik

Bei einem Messerangriff in Frankreich hat ein Mann heute mindestens zwei Menschen getötet und sieben weitere verletzt. Der Angriff habe sich in der Kleinstadt Romans-sur-Isere südlich von Lyon ereignet, wie es aus Ermittlerkreisen hieß. Der Verdächtige sei festgenommen worden.

Der 33-jährige Angreifer attackierte die Menschen den Angaben zufolge in einem Geschäft und auf der Straße. Einer der Verletzten schwebt demnach in Lebensgefahr. Der Verdächtige wurde gegen 11.00 Uhr am Vormittag festgenommen.

Die Kriminalpolizei in Lyon übernahm die Ermittlungen. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob sie die Ermittlungen an sich zieht.

Science

Religion

Kultur

Während ein Großteil ihrer Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt wurde und damit auch mit Gehaltseinbußen zurecht kommen muss, spenden einige heimische Kulturmanager Teile ihrer Gehälter. So geben etwa die Spitzen der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) und der Bundestheater-Holdinggewisse Prozentsätze ab, wie die „Salzburger Nachrichten“ heute berichten.

Bei den ÖNB fließen 30 Prozent der Gehälter vom Geschäftsführungsdoppel Johanna Rachinger und Richard Starkel in einen eigens eingerichteten Fonds, der vom Betriebsrat verwaltet wird und jenen Mitarbeiter zugutekommen soll, die mit den derzeitigen Gehaltseinbußen besonders zu kämpfen haben.

Die Geschäftsführung der Bundestheater-Holding spendet wiederum 20 Prozent ihres Gehalts an die Stiftung Philanthropie Österreich. Weitere Geschäftsführer der Bühnengesellschaften würden laut „SN“ diesem Beispiel folgen, „ohne groß darüber zu reden“.

Nach mehreren Aufschüben ist die lange geplante „Indiana Jones“-Fortsetzung weiter vom Pech verfolgt. Wegen der Coronavirus-Pandemie musste das Disney Studio zahlreiche Kinostarts und Drehs verlegen, jetzt trifft es auch „Indiana Jones 5“ mit Harrison Ford als Archäologie-Professor Henry Walton Jones.

Statt wie zuletzt geplant im Juli 2021, soll die Abenteuersaga nun erst im Sommer 2022 in die Kinos kommen, wie die Branchenblätter „Variety“ und „Hollywood Reporter“ gestern berichteten. Im Februar war bekanntgeworden, dass Steven Spielberg (73) nach vier „Indiana Jones“-Filmen die Regie des geplanten fünften Teils abgibt. Der Starregisseur will weiterhin als Produzent mitwirken, James Mangold („Walk the Line“, „Wolverine: Weg des Kriegers“) soll nun den Film inszenieren.

2016 hatte der Disney-Konzern das fünfte „epische Abenteuer“ für Juli 2019 groß angekündigt, mit Spielberg auf dem bewährten Posten hinter der Kamera. Doch es gab mehrere Aufschübe, der letzte für einen Kinostart im Juli 2021. Die Dreharbeiten sollten in diesem Sommer beginnen.

Seit 1981 spielte Ford die Rolle des draufgängerischen Professors viermal, zuletzt 2008 in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“.

Leute

Die US-Sängerin Pink hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Das gab die zweifache Mutter gestern Abend (Ortszeit) auf Instagram bekannt. Vor zwei Wochen hätten sie und ihr dreijähriger Sohn Jameson Anzeichen der Krankheit Covid-19 gehabt. Glücklicherweise habe ihr Arzt einen Test besorgen können, der bei ihr positiv ausfiel. Die Familie habe sich zwei Wochen isoliert, alle seien nun gesund, schrieb Pink.

Sängerin Pink
Reuters/Mario Anzuoni

Die Sängerin übte scharfe Kritik an Washington, nicht schnell und umfassend für Tests gesorgt zu haben. „Wir müssten Tests kostenlos und breitflächig ermöglichen, um unsere Kinder, Familien, Freunde und Gemeinden zu schützen“, forderte der Star. Sie werde eine Million Dollar für das Gesundheitswesen spenden – zu gleichen Teilen für eine Klinik in Philadelphia, an der ihre Mutter 18 Jahre lang arbeitete, und für eine Krisenkasse der Stadt Los Angeles. Pink dankte den „Helden“ im Gesundheitswesen und ermahnte ihre Fans: „Bitte bleibt zu Hause.“

Lifestyle

Die Ausbreitung des Coronavirus und die Maßnahmen zur Eindämmung haben das Leben auf den Kopf gestellt – gesundheitlich, sozial, wirtschaftlich, auf fast allen Ebenen des Alltags. ORF.at hat in den vergangenen Wochen verschiedene Aspekte beleuchtet und Infos zusammengetragen: von Gesundheit über Schule, Ängste und Sorgen bis zu Kultur und Unterhaltung.

Mehr dazu in ORF.at/corona

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