Ausland

Der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell, hat sich mit ungewohnt harschen Worten gegen den Syrien-Kurs von US-Präsident Donald Trump gestellt. „US-Truppen aus Syrien abzuziehen, ist ein schwerer strategischer Fehler“, schrieb McConnell in einem Gastbeitrag für die „Washington Post“, der gestern (Ortszeit) veröffentlicht wurde. Das mache Amerika unsicherer, stärke die Feinde der USA und schwäche wichtige Partner.

„Schafft strategischen Alptraum für unser Land“

Aus dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus habe er in den vergangenen Jahren drei Lehren gezogen: Die Bedrohung verschwinde nicht einfach, eine Führungsrolle der USA sei hier alternativlos, und Amerika führe diesen Kampf nicht alleine, sondern sei auf lokale Partner in der jeweiligen Region angewiesen. „Leider spiegeln die jüngsten Schritte der Regierung in Syrien diese wichtigen Lehren nicht“, beklagte McConnell. „Die Kombination aus einem Rückzug der USA und den eskalierenden Feindseligkeiten zwischen Türken und Kurden schafft einen strategischen Alptraum für unser Land.“

Der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell
AP/Timothy D. Easley

McConnell: US-Truppen in Syrien belassen

Er mahnte: „Selbst wenn die am Donnerstag verkündete Waffenruhe von fünf Tagen hält, haben die Geschehnisse der vergangenen Woche den Kampf der USA gegen den Islamischen Staat und andere Terroristen zurückgeworfen.“ Der Rückzug amerikanischer Truppen werde – wenn er nicht gestoppt werde – dem syrischen Machthaber Präsident Baschar al-Assad, dem Iran und Russland in die Hände spielen. McConnell rief dringend dazu auf, eine begrenzte Zahl von US-Soldaten in Syrien zu belassen, auch die Militärpräsenz im Irak und anderswo in der Region aufrechtzuerhalten und Afghanistan nicht zu verlassen, bevor der Job dort erledigt sei. „Amerikas Kriege sind nur dann ‚endlos‘, wenn Amerika sich weigert, sie zu gewinnen.“

Trump verfolgt seit Langem das Ziel, US-Truppen aus Auslandseinsätzen heimzuholen und die US-Beteiligung an „endlosen Kriegen“ zu beenden. Mit dem Abzug amerikanischer Soldaten aus Nordsyrien hatte der Republikaner Anfang Oktober den Weg für eine Militäroffensive der Türkei gegen Kurdenmilizen in dem Gebiet freigemacht, was national wie international auf schwere Kritik stieß. Selbst enge Verbündete in der eigenen Partei wie der republikanische Senator Lindsey Graham liefen öffentlich Sturm gegen Trumps Kurs. Mit McConnell ist nun eine noch gewichtigere Stimme in den eigenen Reihen hinzugekommen.

Bei den Protesten katalanischer Unabhängigkeitsbefürworter ist die Gewalt in Barcelona in der Nacht auf heute eskaliert. Radikale Separatisten lieferten der Polizei Straßenschlachten, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Rettungskräfte meldeten 60 Verletzte. In der Früh schien sich die Lage wieder etwas zu beruhigen.

Demonstranten vor einem Brand in Barcelona
AP/Emilio Morenatti

Gestern hatte sich mehr als eine halbe Million Menschen zu einer Großkundgebung in der Stadt versammelt. Etwa 525.000 Menschen protestierten laut der Polizei gegen die langjährigen Haftstrafen für prominente Separatisten, wie die Polizei der Stadt mitteilte. Die Großkundgebung war der vorläufige Höhepunkt der seit Montag anhaltenden Proteste in der Region.

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Die ehemalige demokratische US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat vor einer von Russland unterstützten dritten Kandidatin aus dem Lager der Opposition bei der US-Wahl im kommenden Jahr gewarnt. Russland habe eine Politikerin „im Auge, die derzeit an der demokratischen Vorwahl teilnimmt“, sagte Clinton in dem gestern gesendeten Podcast „Campaign HQ“. „Sie bauen sie auf, um die dritte Kandidatin zu sein.“ Einen Namen nannte Clinton nicht.

US-Präsidentschaftskandidatin Tulsi Gabbard
APA/AFP/Saul Loeb

„Sie ist die Favoritin der Russen“, sagte die Ex-US-Außenministerin, die 2016 bei der Präsidentschaftswahl gegen den heutigen Staatschef Donald Trump unterlag. Die verdächtigte Politikerin erhalte im Internet breite Unterstützung. Ziel sei es, dem Kandidaten der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr entscheidende Stimmen abzujagen und so Trump eine zweite Amtszeit zu ermöglichen.

Beobachter gehen davon aus, dass Clintons Äußerungen auf die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard zutreffen. Keine der anderen Frauen, die sich um die demokratische Kandidatur bewerben, wird so nah mit Moskau in Verbindung gebracht wie Gabbard. US-Medien hatten unter anderem berichtet, dass mit Russland verbundene Seiten im Internet den Wahlkampfbeginn Gabbards gefeiert und ihre Politik verteidigt hatten.

Albaniens Regierungschef Edi Rama hat sich enttäuscht über die beim EU-Gipfel ausgebliebene Entscheidung über mögliche Aufnahmegespräche mit seinem Land geäußert. Dennoch wolle sein Land am Ziel der EU-Mitgliedschaft festhalten und weitere Reformen vorantreiben, sagte Rama Medienberichten zufolge gestern Abend in Tirana.

Kein Startsignal

„Der nächste Schritt ist die Fortsetzung der Justiz- und Wahlrechtsreformen“, sagte er. Die Teilnehmer des EU-Gipfels in Brüssel hatten in der Nacht auf gestern trotz sechsstündiger Diskussion keine Einigung über den Start von Beitrittsverhandlungen mit Skopje und Tirana erzielt. Eigentlich sollte das Startsignal für Gespräche jetzt gegeben werden. Doch Frankreich und einige andere Staaten stellten sich quer. Eine solche Entscheidung müsste jedoch einstimmig getroffen werden.

Rama verwies darauf, dass es dazu „weder einen Text noch sonst etwas Schriftliches“ gebe: „Null.“ Daher könne er seinen Landsleuten Hoffnung machen: „Der Traum von Europa ist nicht verblasst.“

„Keine Entwicklung ist endgültig“

Auch Nordmazedoniens Präsident Stevo Pendarovski nahm die fehlende Einigung der Teilnehmer des Gipfels auf den Start von Beitrittsverhandlungen mit seinem Land enttäuscht auf. Allerdings verwies er gestern in seiner Ansprache an die Bürger, dass das ein Ergebnis „gewisser nationaler Interessen“ sei, ohne konkret einem der EU-Länder dafür die Verantwortung zuzuweisen.

Zugleich aber machte er den Bürgerinnen und Bürgern Nordmazedoniens Hoffnung: „Keine politische Entscheidung ist ewig, keine Entwicklung ist endgültig.“

Neue Enthüllungen über ein mutmaßliches Korruptionsnetz enormen Ausmaßes haben gestern Demonstrationen Tausender Menschen in zahlreichen Städten der Slowakei ausgelöst. Auch vor slowakischen Botschaften und Konsulaten in den USA, Australien und mehreren europäischen Staaten wurden kleinere Kundgebungen organisiert. Zu den Protesten aufgerufen hatte die nach einem weltweit beachteten Journalistenmord gegründete Initiative „Für eine anständige Slowakei“.

Mord als Auslöser für Ermittlung

In den laufenden Ermittlungen im Fall des Mordes am Investigativjournalisten Jan Kuciak vor eineinhalb Jahren fand die Polizei bereits zahlreiche Hinweise auf gigantische Korruptionsnetzwerke: bestechliche Staatsanwälte, die sich von zwielichtigen Unternehmern wie Untergebene zur Manipulation von Gerichtsverfahren benutzen ließen, und mächtige Oligarchen, die sich von Politikern Staatsaufträge und Privatisierungsentscheidungen erkauften.

Das vorläufig brisanteste Dokument ist eine diese Woche den Medien zugespielte 39-stündige Tonaufnahme von Abhöraktionen, die der Inlandsgeheimdienst SIS in den Jahren 2005 und 2006 unter dem Codenamen „Gorilla“ durchgeführt haben soll, um Wirtschaftskriminalität im Umfeld der damaligen neoliberalen Reformregierung zu dokumentieren.

Sollten die Aufnahmen authentisch sein, würden sie belegen, dass die bis heute gültigen Verkäufe der vorher staatlichen Energiewirtschaft und anderer Schlüsselbetriebe an westliche Konzerne auf Bestechung beruhten.

Präsidentin fordert Aufklärung

Die erst seit Juni amtierende Staatspräsidentin Zuzana Caputova forderte in einer Ansprache vor Beginn der Demonstrationen lückenlose Aufklärung. Die Korruption von damals habe „eine ganze Generation geprägt“ und sei unter fünf Nachfolgeregierungen nicht aufgeklärt worden, kritisierte sie.

Nach schweren Ausschreitungen in Chiles Hauptstadt Santiago hat Staatschef Sebastian Pinera den Ausnahmezustand über die Stadt verhängt. Darüber hinaus habe er das Militär beauftragt, für Sicherheit zu sorgen, erklärte Pinera gestern Abend (Ortszeit).

Demonstranten hatten den Sicherheitskräften zuvor schwere Ausschreitungen geliefert. Auslöser der Proteste war eine Erhöhung der Ticketpreise für den öffentlichen Nahverkehr von 800 auf 830 Pesos (1,04 Euro). Im Jänner hatte es bereits eine Preiserhöhung um 20 Pesos gegeben.

Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein

Aus Protest gab es zunächst Aufrufe, ohne Fahrschein die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Später gab es Angriffe auf U-Bahn-Stationen. In verschiedenen Stadtteilen errichteten Demonstranten Barrikaden, es gab Zusammenstöße mit der Polizei. Diese setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

Alle U-Bahn-Stationen geschlossen

Die Behörden schlossen daraufhin alle U-Bahn-Stationen in der Stadt. Die Betreibergesellschaft teilte im Kurznachrichtendienst Twitter mit, es könne „nicht ein Minimum an Sicherheit für Passagiere und Mitarbeiter gewährleistet werden“. Alle 164 U-Bahn-Stationen in der Stadt seien attackiert worden. Die Schäden belaufen sich den Angaben zufolge auf umgerechnet 630.000 Euro. Das U-Bahn-Netz in Santiago gilt als das größte und modernste in Südamerika.

Pinera bezeichnete die Demonstranten als Straftäter. „Dieser Drang, alles kaputtzumachen, ist kein Protest, das ist kriminell“, sagte der Präsident in einem Radiointerview.

Inland

Nach dem ersten Treffen der Verhandlungsteams gestern gehen die Sondierungsgespräche zwischen ÖVP und Grünen am Montag in kleinerem Rahmen weiter. Dem Vernehmen nach haben sich ÖVP-Obmann Sebastian Kurz und Grünen-Sprecher Werner Kogler auf ein Vieraugengespräch geeinigt. Das Treffen soll am Nachmittag im Winterpalais des Finanzministeriums stattfinden.

Mit NEOS ist nach Angaben aus Verhandlerkreisen ein weiteres Treffen der jeweils sechsköpfigen Sondierungsteams am Donnerstag angesetzt.

Alle drei Parteien hatten sich von den ersten Gruppengesprächen gestern durchaus angetan gezeigt. „Wir haben eine erste – zugegeben – sehr gute Runde gedreht. Aber die Betonung liegt auf erste Runde“, meinte Kurz im Anschluss. NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger lobte ein „intensives, offenes, vertrauensvolles Gespräch“, und Kogler kündigte danach „vertiefende Sondierungen“ an.

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Erste Nationalratssitzung am Mittwoch

Der Zeitplan für die Parteichefs ist durchaus straff, denn am Mittwoch steht auch die erste Sitzung des neu gewählten Nationalrats an, und am Tag davor finden die ersten Sitzungen der Parlamentsklubs statt.

SPÖ und FPÖ sind an den Sondierungsgesprächen nicht mehr beteiligt. Die SPÖ hatte sich nach einem ersten Treffen mit den ÖVP-Verhandlerinnen und -Verhandlern zu „echten“ Regierungsverhandlungen bereiterklärt, will aber keine Parallelgespräche mit anderen Parteien führen. Und die FPÖ hat nach der Wahlniederlage angekündigt, in Opposition zu gehen und nur für Regierungsverhandlungen bereitzustehen, wenn alle anderen Verhandlungen der ÖVP scheitern sollten.

EU

Der scheidende EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat gestern seinen letzten EU-Gipfel absolviert. Zum Abschied versagte ihm die Stimme: „Ich werde bis zum Ende meines Lebens stolz darauf sein, Europa gedient haben zu dürfen“, so Juncker mit Tränen in den Augen. Es war wohl sein letzter EU-Gipfel, der 147. insgesamt in seiner jahrzehntelangen Karriere als luxemburgischer Premierminister und seit 2014 im jetzigen Amt.

„Komplize“ Tusk

Juncker dankte EU-Ratspräsident Donald Tusk für seine Freundschaft und „Komplizenschaft“ – und auch Tusk zeigte sich emotional, denn auch er scheidet bald aus dem Amt. Einen Kollegen und Freund nannte er Juncker und dankte den Journalisten dafür, „dass Sie so lange mit uns wach geblieben sind und sogar über einige unserer Witze gelacht haben“ – was wiederum einige Lacher provozierte.

Und damit hatten sich die beiden auch schon wieder gefangen. Auf die Frage nach seinem Vermächtnis frotzelte Juncker: „Es würde viel zu lange dauern, meine Erfolge aufzuzählen, und wenn noch die Niederlagen dazukämen, wären wir noch morgen hier.“ Darauf Tusk: „Für ihn würde es zu lange dauern, für mich zu kurz.“

Merkel dankte als Dienstälteste

Die ernsthafte Würdigung übernahm die deutsche Kanzlerin Angela Merkel in ihrer eigenen Pressekonferenz. Als Dienstälteste habe sie den beiden im Kreis der Staats- und Regierungschefs gedankt, so Merkel. Als sie im Dezember 2005 erstmals an einem EU-Gipfel teilgenommen habe, sei Juncker – damals als luxemburgischer Ministerpräsident – schon fast 10 Jahre dabei gewesen. „Man sieht, was für ein Urgestein der europäischen Geschichte er ist“, sagte Merkel.

Juncker scheidet aus dem Amt, sobald die neue EU-Kommission seiner Nachfolgerin Ursula von der Leyen vom EU-Parlament bestätigt und eingesetzt ist – nicht vor dem 1. Dezember. Zu dem Datum gibt auch Tusk sein Amt ab, an den Belgier Charles Michel.

Sport

England ist das Mutterland des modernen Fußballs. Hier wird das Spiel mit dem runden Leder nicht nur geliebt und gelebt, es wird verehrt. Doch der treue Anhänger ist seit einigen Jahren auf der Insel mit einer Entwicklung konfrontiert, die diese Liebe auf eine Belastungsprobe stellt. Der längst Einzug gehaltene Kommerz hat den Fußball verändert, nicht aber die Zuneigung der Menschen zum Sport.

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Wirtschaft

Wer Onlinebanking am Computer nutzt, muss sich mit Benutzernamen und Passwort identifizieren. Zusätzlich muss eine TAN-Nummer eingegeben werden, die separat auf das Handy gesendet wird. Moderne Banking-Apps machen es möglich, den gesamten Vorgang von einem einzigen Smartphone aus zu erledigen. Manche Konsumentinnen und Konsumenten zweifeln aber an der Sicherheit dieses Systems.

Mehr dazu in help.ORF.at

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat wegen angeblicher Versäumnisse im Zusammenhang mit Ermittlungen zur Zulassung des Krisenjets 737 Max Vorwürfe gegen Boeing erhoben. FAA-Chef Steve Dickson forderte in einem gestern veröffentlichten Brief an Boeing-Chef Dennis Muilenburg eine „sofortige Erklärung“, warum ein „beunruhigendes Dokument“ Aufsehern erst mit Monaten Verspätung vorgelegt worden sei. Boeing äußerte sich zunächst nicht.

Einer Mitteilung der FAA zufolge geht es um Nachrichten zweier Boeing-Mitarbeiter, in denen ein bestimmter Informationsaustausch zwischen der Behörde und dem Flugzeugbauer zur ursprünglichen Zulassung der nach zwei Abstürzen mit Startverboten belegten 737 Max im Jahr 2016 beschrieben wurde. Boeing habe dieses Dokument schon vor Monaten aufgetrieben, jedoch erst vor Kurzem dem Verkehrsministerium vorgelegt, so die FAA.

Abstürze mit 346 Toten

Sowohl Boeing als auch die FAA sind infolge der 737-Max-Abstürze, bei denen im Oktober und März insgesamt 346 Menschen starben, schwer in die Kritik geraten. US-Ermittler untersuchen, ob bei der Zulassung der Unglücksflieger alles mit rechten Dingen zuging. Die FAA soll wesentliche Teile der Zertifizierung Boeing selbst überlassen haben.

Ob und wann die 737 Max wieder abheben darf, ist derzeit unklar. Anleger reagierten nervös auf die Kritik der FAA, Boeings Aktien fielen im US-Handel zeitweise um über sechs Prozent.

Bereits 2016 über Probleme geklagt?

Die „New York Times“ zitierte später aus den brisanten Nachrichten der Boeing-Mitarbeiter. Laut dem Transkript klagte der für die Technik der 737 Max zuständige Pilot bereits im November 2016 über Probleme mit der Steuerungsautomatik MCAS, die inzwischen als Hauptursache der beiden Abstürze gilt. Zudem räumte er darin ein, die FAA angelogen zu haben – wenngleich angeblich unwissentlich.

Dem Zeitungsbericht nach hatte der Pilot acht Monate zuvor im Auftrag von Boeing grünes Licht bei der FAA dafür eingeholt, dass das MCAS-System in der Betriebsanleitung der 737 Max keine Erwähnung mehr findet. Die Aufsichtsbehörde sei aber davon ausgegangen, dass MCAS nur eine geringe Rolle bei der Steuerung der Maschine spielt und sich nicht im Klaren darüber gewesen, wie stark die Wirkung tatsächlich ist. Das war auch ein Hauptkritikpunkt des jüngst veröffentlichten Untersuchungsberichts einer unabhängigen Expertenkommission der FAA.

In der EU ist nach Angaben des französischen Wirtschaftsministers Bruno Le Maire ein Verbot der von Facebook angekündigten Kryptowährung Libra in Vorbereitung. Er arbeite mit den Regierungen in Deutschland und Italien daran, die Einführung von Libra in der Europäischen Union zu verhindern, sagte Le Maire gestern am Rande der Jahrestagungen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington.

„Libra ist auf europäischem Boden nicht willkommen“, so der französische Minister. Das Vorhaben gefährde die „Souveränität“ der Staaten. Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD), der sich ebenfalls zu den Finanztagungen in der US-Hauptstadt aufhielt, äußerte sich weniger konkret zum Umgang mit Libra. Er bekräftigte aber, dass er dem Facebook-Projekt „hochskeptisch“ gegenüberstehe.

Der US-Internetkonzern will Libra im kommenden Jahr einführen. Facebook verspricht den Nutzerinnen und Nutzern seiner Plattformen, das Einkaufen und Geldüberweisen im Internet werde dadurch so einfach wie das Versenden einer Textnachricht. Libra gehört bei den Kryptowährungen zu den „Stablecoins“, deren Preis durch bestimmte Mechanismen vor starken Schwankungen geschützt werden soll – in diesem Fall durch Anbindung an einen Währungskorb.

Chronik

Mindestens zehn Menschen sind bei einem Dammbruch in der sibirischen Region Krasnojarsk in Russland ums Leben gekommen. Weitere 15 Personen galten nach dem Zwischenfall in der Nacht auf heute als vermisst, teilten die Zivilschutzbehörden nach Angaben der Nachrichtenagentur TASS mit. Die Zahl der Verletzten wurde mit 19 angegeben.

Nach ersten Berichten war der zu einer Goldmine bei Schtschetinino gehörende Staudamm am Fluss Sejba aus noch unbekannter Ursache gebrochen, die Fluten erfassten zwei Wohngebäude der dort beschäftigten Arbeiter. Zur Unterstützung der Rettungskräfte wurden heute Früh Hubschrauber eingesetzt.

Der in einem aufsehenerregenden Prozess schuldig gesprochene und als „Hollywood Ripper“ bekannte Mörder Michael Gargiulo ist von US-Geschworenen zum Tode verurteilt worden. Die zwölfköpfige Jury entschied sich gestern nach mehrtägigen Beratungen für die Höchststrafe, wie das Gericht in Los Angeles mitteilte.

Der 43-Jährige war Mitte August wegen Mordes an zwei Frauen und versuchten Mordes an einem dritten Opfer schuldig gesprochen worden. Bei seinen Taten war der Mann äußerst brutal vorgegangen. Gargiulo wurde 2008 wenige Wochen nach einem Messerangriff auf eine Nachbarin in Santa Monica festgenommen. Die Frau überlebte. Durch DNA-Spuren wurde er dann mit der Ermordung von zwei Frauen in den Jahren 2001 und 2005 in Verbindung gebracht.

Die 22-jährige Ashley Ellerin war 2001 in ihrem Haus mit 47 Messerstichen getötet worden. Sie war eine Bekannte des Schauspielers Ashton Kutcher. Er sagte als Zeuge in dem mehrmonatigen Verfahren aus. In einem weiteren Prozess wird Gargiulo die Ermordung einer 18-Jährigen im Jahr 1993 in Chicago im US-Bundesstaat Illinois vorgeworfen.

Kultur

Medien

Der Deutsche Werberat hat das Süßwarenunternehmen Katjes aufgefordert, sich zu Vorwürfen gegen einen umstrittenen Werbespot für vegane Schokolade zu äußern. Das sagte die Leiterin des Rats, Katja Heintschel von Heinegg, der dpa.

Eine Sprecherin von Katjes bestätigte, die Aufforderung des Werberats erhalten zu haben. Die Vorwürfe würden nun geprüft, hieß es. Wie die „Rheinische Post“ (Samstag-Ausgabe) berichtet, verteidigt Katjes den Spot: „Man sieht tagtäglich in der Werbung die Verkitschung der Milchindustrie. Da muss es auch einmal möglich sein, die andere Seite darzustellen“, zitiert die Zeitung eine Unternehmenssprecherin.

Verweis auf Massentierhaltung

In einem am Montag auf Facebook veröffentlichten Video zeigt Katjes in düster gezeichneten Bildern, wie zahlreiche Kühe im Gleichschritt zu Melkanlagen laufen. Eine Stimme sagt: „Jedes Leben ist wertvoll. Und Kühe sind keine Milchmaschinen.“ Das Unternehmen wirbt damit für eine vegane Schokolade, die mit einem Haferdrink hergestellt wird.

„Der Clip ist eine sehr einseitige und überzogene Visualisierung von Massentierhaltung“, kritisierte Heintschel von Heinegg. Es werde suggeriert, dass alle Molkereien ihre Tiere so hielten und jeder Milchkonsument Tiere ausbeute.

Bauernverband zürnt

Zuvor hatte bereits Markus Drexler vom Bayerischen Bauernverband getwittert: „Das ist diskriminierend und ungerechtfertigt.“ Für den Fall, dass Katjes den Werbespot nicht löscht, kann der Werberat das Unternehmen öffentlich rügen.

Der Rat habe den Fall nun zudem an die Wettbewerbszentrale weitergeleitet, sagte Heintschel von Heinegg. Diese prüfe, ob das Werbevideo gegen das Wettbewerbsrecht verstoße.

Lifestyle

Leute

Nach dem verheerenden Taifun „Hagibis“ hat Japans Regierung die anlässlich der feierlichen Thronbesteigung des neuen Kaisers Naruhito geplante Parade verschoben. Damit soll den mehr als 70 Toten Respekt gezollt werden, wie es heute nach der Ankunft von Bundespräsident Alexander Van der Bellen in Tokio aus Diplomatenkreisen hieß.

Naruhito hätte nach der Inthronisierungszeremonie gemeinsam mit seiner Kaiserin Masako in einer Toyota-Cabriolimousine durch den im Zentrum Tokios gelegenen Stadtteil Chiyoda fahren sollen. Tausende Menschen hätten dem Kaiserpaar dann wohl zugejubelt. In Chiyoda befindet sich auch die kaiserliche Residenz.

Andere Feierlichkeiten finden wie geplant statt

Alle anderen Feierlichkeiten werden aber wie geplant in den kommenden Tagen stattfinden. Nicht zuletzt deshalb, weil eine Änderung des Festprogramms, an dem Staatsgäste aus fast 200 Ländern – darunter Van der Bellen – teilnehmen werden, rein logistisch sehr problematisch geworden wäre.

Die japanische Regierung hatte den vom Taifun betroffenen Gebieten bereits am Mittwoch Millionenhilfen zugesagt. Ministerpräsident Shinzo Abe versprach, 710 Millionen Yen (rund 5,9 Millionen Euro) an Sofortmitteln bereitzustellen.

Der Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 216 km/h hatte am Wochenende in Japan eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Dabei richteten die schweren Regenfälle deutlich mehr Schäden an als der Wind. Erdrutsche brachten Häuser zum Einsturz, mehr als 140 Flüsse traten über die Ufer. Starkregen und heftige Sturmböen verursachten Schlammlawinen.

Van der Bellen eröffnet Ausstellung

Van der Bellen eröffnet heute Nachmittag (Ortszeit) zu Beginn seines Aufenthalts in der japanischen Hauptstadt im National Museum of Western Art die Ausstellung „The Habsburg Dynasty: 600 Years of Imperial Collections“. Diese basiert auf Exponaten aus dem Wiener Kunsthistorischen Museum (KHM). Daher war auch KHM-Generaldirektorin Sabine Haag nach Tokio gekommen.