Ausland

Nach neuen Erkenntnissen über den Ablauf des Polizeieinsatzes während des verheerenden Schulmassakers gerät der Gouverneur des US-Bundesstaats Texas unter Druck. „Ich wurde in die Irre geführt“, sagte Greg Abbott gestern. Er habe der Öffentlichkeit die Informationen weitergeben, die ihm nach dem Blutbad in der Grundschule geschildert worden seien. „Die Informationen, die mir gegeben wurden, erwiesen sich zum Teil als ungenau, und ich bin absolut wütend darüber.“

Kurz zuvor hatte die zuständige Sicherheitsbehörde schwere Fehler bei dem Einsatz eingeräumt. So wurde etwa bekannt, dass bereits zu einem frühen Zeitpunkt 19 Polizisten im Flur vor dem Klassenraum postiert gewesen waren, in dem der Schütze sich mit den Kindern verschanzt hatte. Diese unternahmen den Angaben nach mehr als 45 Minuten lang keine Versuche, in den Raum einzudringen und den Schützen zu stoppen. Der 18-jährige Schütze tötete in der Klasse am Dienstag 19 Kinder und zwei Lehrerinnen.

Abbott hatte am Mittwoch mit der Aussage Aufsehen erregt, das alles hätte noch viel schlimmer kommen können. „Der Grund, warum es nicht schlimmer war, ist, dass die Strafverfolgungsbehörden taten, was sie taten“, sagte er etwa. Gestern sprach Abbott das Thema zunächst gar nicht an und redete über finanzielle Hilfen für Opfer.

Behörden räumen Polizeifehler ein

Der Leiter der Behörde für öffentliche Sicherheit des US-Bundesstaates, Steven McCraw, hatte zuvor gesagt, es sei die „falsche Entscheidung“ gewesen, die Klasse, in der der Schütze sich befand, nicht früher zu stürmen. Die Polizisten hatten die Klasse, in der der 18-jährige Angreifer sich am Dienstag verbarrikadiert hatte, erst nach mehr als einer Stunde gestürmt.

McCraw sagte, die Einsatzkräfte seien zwischenzeitlich davon ausgegangen, dass der Angreifer kein „aktiver Schütze“ mehr sei und dass keine weiteren Kinder mehr in Gefahr seien. „Der Einsatzleiter an Ort und Stelle dachte zu diesem Zeitpunkt, dass es von einem aktiven Schützen zu einem verbarrikadierten Individuum übergegangen ist.“

Der 18-jährige Schütze hatte am Dienstag in der Volksschule Robb Elementary School in Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen erschossen. In der Folge wurde zunehmende Kritik an der Polizei laut. Den Einsatzkräften wird vorgeworfen, nicht schnell und entschieden genug eingegriffen zu haben. Die Behörden gerieten auch wegen falscher und unpräziser Angaben zu dem Schulmassaker in die Kritik.

Mutter bittet um Vergebung

Die Mutter des 18 Jahre alten Amokläufers bat unterdessen um Vergebung. „Ich habe keine Worte, ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat“, sagte Adriana Martinez gestern auf Spanisch dem Sender Televisa nach einer Übersetzung des Partnersenders CNN. „Vergeben Sie mir, vergeben Sie meinem Sohn.“ Der Amokläufer lebte nach Angaben der Behörden bei seinen Großeltern. Über sein Motiv ist weiterhin nichts bekannt.

US-Waffenlobby begeht Jahrestagung

Im Schatten des Massakers ist gestern die mächtige US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) zu ihrer Jahrestagung zusammengekommen. Auf ihrer Website spricht die Organisation den Familien der 21 Toten ihr „tiefes Mitgefühl“ aus und will in den kommenden drei Tagen „Freiheit, Schusswaffen und den Zweiten Verfassungszusatz feiern“.

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Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat nach dem Schulmassaker in Texas das vielerorts laxe Waffenrecht in den USA verteidigt. „Die Existenz des Bösen ist einer der allerbesten Gründe, gesetzestreue Bürger zu bewaffnen“, sagte Trump am Freitagabend (Ortszeit) in Houston im Bundesstaat Texas bei der Jahrestagung der mächtigen Waffenlobby NRA.

„Zynische Politiker“ würden versuchen, weinende Familien auszunutzen, um ihre eigene Macht zu vergrößern und die verfassungsmäßigen Rechte zu beschneiden. Sie würden ihre „extreme politische Agenda“ vorantreiben, meinte Trump.

Nach dem Blutbad, bei dem ein 18-Jähriger 19 Schulkinder und zwei Lehrerinnen erschossen hatte, hatte US-Präsident Joe Biden mit deutlichen Worten strengere Waffengesetze gefordert. Trump argumentierte, der Grund für solche Taten seien psychische Probleme und zerrüttete Familien. Er forderte für jede Schule in den USA Metalldetektoren und eine bewaffnete Sicherheitskraft. Mit „neuen Technologien“ solle sichergestellt werden, dass keine unbefugte Person die Schule mit einer Waffe betreten könne. Auch Lehrkräften sollte das Tragen von Waffen erlaubt sein.

Mit Blick auf die Finanzierung lieferte Trump einen Seitenhieb gegen die Ukraine. „Wenn die Vereinigten Staaten 40 Milliarden Dollar in die Ukraine schicken können, sollten wir in der Lage sein, alles zu tun, was nötig ist, um unsere Kinder zu Hause zu schützen“, sagte er. Trump nannte das Massaker eine „grausame und barbarische Gräueltat“ eines „außer Kontrolle geratenen Verrückten“.

Einige Redner hatten nach dem schrecklichen Blutbad ihre Teilnahme an dem NRA-Treffen abgesagt. Der erzkonservative Gouverneur von Texas, Greg Abbott, äußerte sich nicht mehr persönlich, sondern schickte ein Videostatement – und mehrere Country-Musiker sagten den Auftritt bei einem für Samstagabend geplanten Konzert ab. Auch der Hersteller des Sturmgewehres, mit dem der 18-Jährige das Blutbad anrichtete – die Firma Daniel Defense – verzichtete auf eine Teilnahme an der NRA-Tagung.

Nordrhein-Westfalen steuert knapp zwei Wochen nach der Landtagswahl auf seine erste schwarz-grüne Landesregierung zu. CDU und Grüne einigten sich am Abend nach viertägigen Sondierungsgesprächen auf ein Positionspapier, das nun die Grundlage für formelle Koalitionsverhandlungen bilden soll. Am Wochenende sind im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands die Parteigremien am Zug.

„Nach der einstimmigen Beschlussfassung in unserem Landesvorstand am heutigen Abend werden wir unseren Mitgliedern empfehlen, der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zuzustimmen“, teilten die NRW-Grünenmit. Auch die Verhandlungsdelegation der CDU wollte dies dem erweiterten Landesvorstand empfehlen. Abgestimmt wird über ein bereits sehr detailliertes zwölfseitiges Papier mit dem Titel „Für die Zukunft von Nordrhein-Westfalen“.

Die Grünen wollten in NRW eine „wertschöpfende Klimaschutzpolitik, eine teilhabeorientierte Verkehrswende und chancengerechte Bildungspolitik etablieren“, sagte ihre Landeschefin Mona Neubaur. Dafür sei gemeinsam mit der CDU eine Grundlage erarbeitet worden. Der CDU gehe es um ein „klimaneutrales Industrieland, ein modernes, soziales und sicheres Nordrhein-Westfalen“, erläuterte CDU-Landeschef und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. Ein neues Bündnis mit den Grünen könne eine Chance für NRW sein.

Bei der CDU stimmt am Sonntag der erweiterte Landesvorstand in Düsseldorf und bei den Grünen ein kleiner Parteitag in Essen endgültig über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen ab. Die CDU war bei der Landtagswahl am 15. Mai mit 35,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Die Grünen konnten sich im Vergleich zu 2017 auf 18,2 Prozent fast verdreifachen und landeten auf dem dritten Platz. Ministerpräsident Wüst hatte nach der Abstimmung gesagt, die CDU habe einen klaren Regierungsauftrag erhalten. Ziel sei ein „Zukunftsbündnis auf Augenhöhe (…) geprägt von gegenseitigem Respekt und Vertrauen“.

Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben im Persischen Golf zwei griechische Öltanker festgesetzt. Die Schiffe hätten maritime Vorschriften missachtet, hieß es auf dem IRGC-Webportal gestern. Weitere Details zu den beiden Tankern und der Crew sollten demnächst bekanntgegeben werden. Griechenland protestierte auf das Schärfste und sprach von einem Akt der Piraterie.

Beobachter vermuten hinter der Aktion einen Vergeltungsakt. Jüngst war in griechischen Gewässern ein Tanker mit iranischem Öl festgesetzt worden. Aus Protest dagegen wurden gestern bereits Geschäftsträger der griechischen und Schweizer Botschaft ins Außenministerium einbestellt. Die Schweiz vertritt in Teheran auch Interessen der USA.

Athen bestellt Botschafter ein

Das griechische Außenministerium bestellte gestern den iranischen Botschafter ein. Es sei Protest eingelegt worden, teilte ein Sprecher mit. „Diese Aktionen sind praktisch Piraterie“, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Athen.

Griechenland forderte die sofortige Freilassung der Besatzungen. Den Schiffen solle die Weiterfahrt erlaubt werden. Diese Aktionen hätten „sehr negative Auswirkungen“ auf die griechisch-iranischen Beziehungen, so das Außenministerium.

Nach Angaben aus Athen hatte die Besatzung eines Hubschraubers der iranischen Kriegsmarine gestern das griechische Schiff „Delta Poseidon“ in internationalen Gewässern rund 22 Seemeilen vor der Küste des Iran geentert. Bewaffnete Iraner hätten dann die Besatzung festgenommen. Auch ein zweites griechisches Schiff sei gestoppt und die Besatzung festgenommen worden, teilte das griechische Außenministerium mit.

Offenbar iranisches Öl aus russischem Tanker abgezapft

Griechische Medien wie die Zeitung „Kathimerini“ haben über den Zwischenfall mit dem russischen Tanker berichtet. Demzufolge herrschte am 14. April in der Ägäis ein schwerer Sturm. Die aus dem türkischen Marmaris kommende „Lana“ suchte Zuflucht in einer Bucht der griechischen Insel Euböa vor dem Kleinhafen von Karystos.

Dort stellten die griechischen Behörden fest, dass der Tanker der russischen Promswjasbank gehörte. Weil die EU gegen die Bank Sanktionen verhängt hatte, wurde der Tanker gestoppt. Als klar wurde, dass die Bank den Tanker bereits im März an eine nicht sanktionierte russische Bank verkauft hatte, sollte er eigentlich weiterfahren.

Inzwischen wurde aber festgestellt, dass der russische Tanker iranisches Öl transportierte. Deshalb meldeten sich nach Angaben der griechischen Medien US-Behörden und forderten, dass die Griechen Unterstützung leisten und die „Lana“ weiter festhalten. Wegen der gegen den Iran verhängten US-Sanktionen hätte das Öl auf einen anderen Tanker gepumpt und auf US-Kosten in die USA gebracht werden sollen.

Aufruf gegen Iran-Reisen

Athen habe alle zuständigen internationalen Organisationen über die Zwischenfälle informiert und alle griechischen Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, Reisen in den Iran zu meiden, hieß es weiter. Auch seien alle griechischen Schiffe, die sich in der Region des Persischen Golfes bewegten, benachrichtigt worden.

Das Parlament der Zentralafrikanischen Republik hat gestern für die Abschaffung der Todesstrafe gestimmt. Das teilte der Sprecher der Nationalversammlung, Simplice Mathieu Sarandji, unter dem Applaus der Abgeordneten mit.

Präsident Faustin-Archange Touadera muss das Gesetz noch durch seine Unterschrift in Kraft setzen. Amnesty International begrüßte die „guten Nachrichten“ auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und forderte den Präsidenten auf, das Gesetz offiziell zu verkünden.

Das letzte Todesurteil in dem Land wurde 1981 vollstreckt. In der Zentralafrikanischen Republik herrscht seit nahezu neun Jahren ein Bürgerkrieg, der in Folge eines Putsches im Jahr 2013 begonnen hatte. Der Konflikt hat sich in den vergangenen drei Jahren aber abgeschwächt. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist es das zweitärmste Land der Welt. Im Jahr 2020 hatte der Tschad die Todesstrafe abgeschafft, im Jahr 2021 Sierra Leone.

Im besetzten Westjordanland ist ein Jugendlicher nach palästinensischen Angaben bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten getötet worden. Der 15-Jährige sei in der Nähe der Stadt Bethlehem von einer Kugel in den Nacken getroffen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah gestern mit.

Palästinensische Medien berichteten, der Jugendliche sei zunächst in ein Krankenhaus eingeliefert worden und dort an den Folgen seiner Verletzungen gestorben. Israels Armee teilte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit, eine Gruppe habe in dem Dorf bei Betlehem Steine und Molotowcocktails auf Soldaten geworfen. Diese hätten daraufhin das Feuer eröffnet und schließlich einen Verletzten medizinisch erstversorgt. Ob es sich dabei um den später verstorbenen Jugendlichen handelte, teilte die Armee nicht mit.

Seit März sind bei einer Terrorwelle in Israel 18 Menschen getötet worden, außerdem wurden im Westjordanland ein israelischer Wachmann und ein Soldat von Palästinensern erschossen. Seit Wochen führt die israelische Armee in Teilen des Westjordanlands Razzien durch. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums sind seit Ende März mehr als 30 Palästinenser getötet worden. Sie wurden zum Teil bei Militäreinsätzen getötet, aber auch bei eigenen Anschlägen oder bei Zusammenstößen mit der Armee.

Vor zwei Wochen war zudem eine Journalistin des TV-Senders al-Jazeera bei einem solchen Einsatz in Dschenin tödlich verletzt worden. Die Palästinenser machen Israel für ihren Tod verantwortlich. Nach Darstellung der israelischen Armee ist dagegen nicht eindeutig, von wo der tödliche Schuss kam.

Ukraine-Krieg

Im Poker um das sechste EU-Sanktionspaket und damit das bisher umstrittene Ölembargo zeichnet sich im Vorfeld des Brüsseler Sondergipfels ein Kompromiss ab – und dieser sieht offenbar zunächst nur einen Stopp für Öllieferungen per Schiff vor. „Die Idee ist, ein Ölembargo in Pipeline- und Seelieferungen aufzuteilen“, zitierte Reuters dazu einen mit der Sache vertrauten EU-Beamten: „Die Pipeline würde für eine gewisse Zeit ausgenommen werden, um einen Ersatz zu organisieren."

Kritik an der langen Entscheidungsfindung kam vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Jeden Tag zahlten die EU-Staaten eine Milliarde Euro für Gas und Öl, mit denen die Kriegsanstrengungen des Kreml finanziert würden, wie Selenskyj gestern per Videobotschaft mitteilte: „Der Druck auf Russland ist buchstäblich eine Frage der Rettung von Leben. Jeder Tag des Zögerns, der Schwäche, der verschiedenen Streitigkeiten oder der Vorschläge zur ‚Befriedung‘ des Aggressors auf Kosten des Opfers bedeutet lediglich, dass noch mehr Ukrainer getötet werden.“

Gouverneur deutet Rückzug aus Sjewjerodonezk an

Auf den Kriegsschauplätzen im Osten der Ukraine haben die russischen Streitkräfte zuletzt den stärksten Vorstoß seit Wochen unternommen. Prorussische Separatisten haben eigenen Angaben zufolge die Kontrolle über die strategisch wichtige Stadt Lyman übernommen.

Auch in Sjewjerodonezk werde die Lage für die ukrainischen Truppen immer schwieriger. Russische Einheiten seien in die Stadt eingedrungen, so der Gouverneur der Provinz Luhansk, Serhij Gajdaj. Diesem zufolge hätten die ukrainischen Soldaten zwar genügend Kraft und Ressourcen, um sich zu verteidigen. „Trotzdem ist es möglich, dass wir uns zurückziehen müssen, um uns nicht ergeben zu müssen.“

Liveticker zum Nachlesen

Der Kreml erwägt einem Medienbericht zufolge einen weiteren Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew. Wie das unabhängige Nachrichtenportal Meduza mit Verweis auf kremlnahe Quellen dazu weiter berichtete, sei Moskau zudem davon überzeugt, bis zum Herbst einen umfassenden Sieg in der Ukraine zu erzielen.

„Absolutes Minimum“ für eine Siegeserklärung sei dem Bericht zufolge die vollständige Einnahme der Donbas-Region. „Maximalziel“ sei die Einnahme von Kiew.

Die offizielle Kreml-Rhetorik über die Ziele Russlands in der Ukraine bleibe hingegen weiter „vage und offen für Interpretationen“, wie Meduza dazu anmerkt. So werde vom Verteidigungsministerium die „Befreiung des Donbas“ als Hauptziel des von Russland als „militärische Sonderoperation“ bezeichneten Krieges genannt, „obwohl sich russische Truppen bereits jenseits dieser Grenzen in den ukrainischen Regionen Cherson und Saporischschja verschanzt haben“.

China sperrt nach einem Medienbericht seinen Luftraum für russische Flugzeuge vom Typ Boeing und Airbus. Das Verbot betreffe Maschinen, deren rechtlicher Status nach den westlichen Sanktionen und der Umregistrierung in Russland nicht geklärt sei, berichtete die russische Nachrichtenagentur RBK gestern. China habe von den russischen Fluggesellschaften einen Nachweis dafür gefordert, dass die Flugzeuge nicht mehr im Ausland registriert seien.

Hintergrund sind die westlichen Sanktionen nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die EU und die USA haben wegen der vom Kreml befohlenen Invasion die Lieferung von Zivilflugzeugen und Ersatzteilen nach Russland sowie deren Wartung und Versicherung verboten. Ein Großteil der in Russland betriebenen Luftflotte gehört westlichen Leasingfirmen, die ihren russischen Vertragspartnern kündigten. Moskau wiederum weigert sich, die Flugzeuge zurückzugeben, und hat die Maschinen kurzerhand umregistriert.

China hat nun dem Vernehmen nach im Mai eine Aktualisierung der Flugzeugdaten angefordert. Von den russischen Airlines, die nach China fliegen, habe das Land eine Bestätigung dafür verlangt, dass ihre Luftfahrzeuge offiziell nicht mehr im Ausland gelistet sind. Ein entsprechendes Dokument hätten die Fluggesellschaften nicht vorlegen können, berichtete RBK. Damit sei den entsprechenden Boeing- und Airbus-Maschinen die Lande- und Überflugerlaubnis entzogen worden.

Der russische STRABAG-Großaktionär und Putin-Vertraute Oleg Deripaska ist infolge der EU-Sanktionen gegen Russland im Konzern entmachtet worden. Dagegen geht der Geschäftsmann nun gerichtlich vor.

Der russische Oligarch Oleg Deripaska
APA/AFP/Olga Maltseva

Konkret hat die Rasperia Trading Limited, die von dem Oligarchen kontrolliert wird und knapp 28 Prozent an der österreichischen STRABAG hält, am Mittwoch vor dem Landesgericht Klagenfurt Klage gegen den Vorstand des Bauriesen eingebracht, wie „Der Standard“ gestern berichtete.

Die Rasperia verlange, dass die Beschlüsse der außerordentlichen Hauptversammlung von Anfang Mai „für nichtig erklärt“ werden. Konkret ist die Enthebung des Aufsichtsratsmitglieds Thomas Bull nach Ansicht der Rasperia als ungesetzlich rückgängig zu machen.

Die Anfechtungsklage wurde beim Landesgericht Klagenfurt eingebracht, weil sich der offizielle STRABAG-Firmensitz in Villach befindet. All das geht aus einer Veröffentlichung im Amtsblatt der „Wiener Zeitung“ vom 25. Mai hervor, wo aufgrund aktienrechtlicher Bestimmungen derartige Informationen publiziert werden müssen.

Beziehung „komplett zerrüttet“

Deripaska war 2007 bei Österreichs größtem Baukonzern eingestiegen. Damals stand die STRABAG noch unter der Leitung des Gründers Hans Peter Haselsteiner, der in diesem Schritt „unseren Türöffner nach Russland“ sah. Inzwischen ist viel passiert, aktuell der Krieg Russlands gegen die Ukraine. 15 Jahre später ist die Beziehung „komplett zerrüttet“, schreibt der „Standard“.

Bei der STRABAG sieht man sich für das Verfahren gut gerüstet, hieß es laut „Standard“ seitens der Unternehmenssprecherin Marianne Jakl. Unter anderem habe sie auf Gutachten verwiesen, die die Position des STRABAG-Vorstands untermauern würden.

Inland

Hat der oberösterreichische ÖVP-Seniorenbund (OÖSB) Teile der CoV-Hilfsgelder auch für Personalkosten verwendet? OÖSB-Obmann Josef Pühringer hatte in einem Interview mit den „Oberösterreichischen Nachrichten“ („OÖN“) gemeint, das Geld sei auch in Gehälter geflossen. Dem widersprach gestern allerdings Landesgeschäftsführer Franz Ebner. Unterdessen wurden auch Zahlungen in weiteren Bundesländern bekannt.

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Die Wiener SPÖ veranstaltet heute in der Messe einen Landesparteitag. Der Landesvorsitzende, Bürgermeister Michael Ludwig, wird sich dort den rund 1.000 Delegierten zur Wiederwahl stellen. Auch eine Rede von Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner steht auf dem Programm. Die Großveranstaltung hätte ursprünglich schon 2020 über die Bühne gehen sollen, die Coronavirus-Pandemie sorgte aber für zwei Verschiebungen.

Der Wiener Parteitag steht unter dem Motto „Entschlossen den Wiener Weg gehen“. Er startet um 9.00 Uhr. Erwartet wird angesichts mehrerer Anträge auch eine Diskussion über Verkehrsprojekte wie Lobautunnel und Stadtstraße.

Ganz große Konflikte innerhalb der Partei gibt es nicht, wohl aber den einen oder anderen in der Stadtpolitik. Geplant war auch eine Kundgebung von Projektgegnern vor der Messehalle. Diese wurde zumindest dort aber untersagt. Peter Filzmaier analysiert die Lage der Wiener Parteien.

Mehr dazu in wien.ORF.at

Dornauer stellt sich Wiederwahl

Auch in Tirol findet heute ein ordentlicher SPÖ-Parteitag statt. Georg Dornauer, der die Tiroler Landespartei seit März 2019 führt, stellt sich in der Bezirkshauptstadt Schwaz erneut dem Votum. Zuletzt hatte er 85 Prozent der Stimmen erreicht. Damals wie heute gab es keinen Gegenkandidaten.

Zum Parteitag werden laut Parteiangaben rund 250 Delegierte erwartet. Auf dem Programm steht ferner die Kür des 39-Jährigen zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl Anfang kommenden Jahres. Der Landesparteivorstand hatte Dornauer bereits Anfang Mai einstimmig vorgeschlagen.

COV Inland

Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei 183,5 (Stand: gestern, 14.00 Uhr).

Am höchsten ist die Zahl in Wien (275,1), gefolgt von Niederösterreich (221,1). Am niedrigsten ist der Wert in Kärnten (116) und der Steiermark (117,9).

Das Berichtsschema der AGES zeigt die Zahlen vom Vortag – wie die Meldung der Ministerien. Wesentlicher Unterschied zu den Ministeriumsmeldungen: Laborbestätigte Fälle, Tote etc. werden nicht zum Meldezeitpunkt dargestellt, sondern zum Diagnose- bzw. Sterbedatum. In der Darstellung in ORF.at wird auch täglich transparent gemacht, welchen Tagen die neu gemeldeten Fälle zugeordnet werden.

Ministerien melden 1.572 Neuinfektionen

Das Gesundheits- und das Innenministerium haben 1.572 neu registrierte Coronavirus-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden (Stand: gestern, 9.30 Uhr) gemeldet. Diese Zahlen meldeten die Bundesländer an den nationalen Krisenstab.

18.643 Menschen verstarben bisher am oder im Zusammenhang mit dem Coronavirus. 498 infizierte Personen werden derzeit in einem Spital behandelt, davon 46 auf Intensivstationen.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Erklärung zur Zählweise und weiteren Fragen in ORF.at/corona

Sport

Charles Leclerc hat auch im zweiten Freien Training für den morgigen Grand Prix von Monaco in Monte Carlo (Start 15.00 Uhr, live in ORF1) die schnellste Runde auf seinem Heimatkurs gedreht. Der 24-jährige Monegasse verwies gestern seinen spanischen Ferrari-Teamkollegen Carlos Sainz aber nur um 44 Tausendstelsekunden auf den zweiten Platz. Dritter wurde Sergio Perez vor dessen Red-Bull-Kollegen Max Verstappen.

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Der Widerstand gegen Johan Eliasch, den Präsidenten des Internationalen Ski- und Snowboardverbandes (FIS), wächst. Bei der Wiederwahl des Briten in Mailand hatten Österreich und andere nationale Skiverbände aus Protest gegen die Wahlprozedur den Saal verlassen. Nun überlegt der Österreichische Skiverband (ÖSV) sogar rechtliche Schritte gegen die FIS-Führung.

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Die beiden Favoriten Novak Djokovic und Rafael Nadal haben gestern bei den French Open in Paris locker den Einzug ins Achtelfinale geschafft. Der serbische Titelverteidiger Djokovic setzte sich klar mit 6:3 6:3 6:2 gegen Aljaz Bedene aus Slowenien durch. „Sandplatzkönig“ Nadal gewann ebenfalls in drei Sätzen mit 6:3 6:2 6:4 gegen den Niederländer Botic van de Zandschulp.

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Wirtschaft

Der Vizepräsident der Hoteliervereinigung (ÖHV), Alexander Ipp, erwartet heuer bei Hotelübernachtungen im Schnitt einen Preisanstieg von „in etwa zehn Prozent“. Die Kosten für Hoteliers seien stark gestiegen, etwa für Energie und Lebensmittel, sagte Ipp gestern Abend in der ZIB2. Großes Thema im heimischen Tourismus ist auch der Personalmangel. Die Gastronomie und Hotellerie sucht dringend noch Tausende Arbeitskräfte für die Sommersaison.

Laut Arbeitsmarktservice (AMS) fehlten der Branche im April mehr als 15.000 Mitarbeiter. „Die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher“, sagte der ÖHV-Vertreter. Im Tourismus gehe es darum, die Arbeitszeiten „attraktiver zu gestalten“. „Die Viertagewoche könnte ein probates Mittel sein. Das ist ein spannendes Thema“, so Ipp. Anstatt geteilter Dienste mit langer Pause seien auch durchgängige Dienste vorstellbar. Von der Politik wünscht sich der ÖHV-Vizepräsident „bessere Rahmenbedingungen“.

Die US-Ratingagentur S&P drückt ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit der Ukraine weiter nach unten. Die Bonitätsnote wurde wegen der Auswirkungen des Krieges von „B-/B“ auf „CCC+/C“ herabgestuft.

„Erhebliche Schäden an der ukrainischen Wirtschaft und der Fähigkeit zur Steuererhebung haben die Abhängigkeit der Staatsschulden von internationaler finanzieller Unterstützung erhöht“, erklärt die Agentur .

S&P erwarte, dass das reale Bruttoinlandsprodukt der Ukraine um 40 Prozent schrumpfen werde, wenn der Konflikt bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2022 andauere.

In Ungarn können seit gestern nur mehr Fahrzeuge mit ungarischem Kennzeichen zum billigeren Deckelungspreis tanken. Der Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät, Walter Obwexer, sieht darin eine indirekte Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit.

Mehr dazu in burgenland.ORF.at

Der staatlich subventionierte Einheitspreis von 480 Forint (1,24 Euro) je Liter gilt nur noch für Einheimische, Ausländer sollen den Marktpreis zahlen. Das ist laut Autofahrerclubs EU-rechtlich nicht haltbar. Auch die praktische Umsetzung ist unklar. „Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass das an der Kassa hinterlegt ist“, sagte ein ARBÖ-Sprecher. Das funktioniert aber noch nicht, wie das Beispiel OMV zeigt.

An den Zapfsäulen an Ort und Stelle sorgt die Verordnung jedenfalls für Stress – sowohl bei nicht ungarischen Autofahrern als auch bei den Angestellten dort. Konkret soll es etwa auch an einer OMV-Tankstelle in Sopron zu Problemen kommen.

„Derzeit arbeitet die OMV an der Umsetzung, zum Beispiel Kassensysteme, IT etc., die voraussichtlich im Laufe des heutigen Abends implementiert ist“, hieß es. Bis zur Umstellung gelte bei der OMV die Regelung des Einheitspreises von 480 Forint je Liter für alle. Die Tankstellenpartnerinnen und -partner seien „entsprechend informiert“.

Den ungarischen Vorgaben zufolge soll an den Kennzeichen unterschieden werden, welcher Preis zu verrechnen ist. Die Regierung des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban hatte den amtlich festgesetzten Benzinpreis im November verfügt. Die Regelung soll bewirken, dass die Autofahrer nicht unter den weltweit steigenden Treibstoffpreisen leiden müssen.

Chronik

Zwei Personen sind gestern auf dem Grand-Combin im Schweizer Wallis bei einem Eissturz ums Leben gekommen. Weitere neun Personen wurden bei dem Unglück verletzt. Die Rettungskräfte haben zudem weitere Bergsteiger in Sicherheit gebracht.

Das Bergmassiv Grand-Combin in der Schweiz
APA/AFP/Fabrice Coffrini

Der Alarm war gegen 6.20 Uhr von anderen Alpinisten ausgelöst worden, teilte die Walliser Kantonspolizei mit. Die Unfallstelle befindet sich auf 3.400 Meter Seehöhe. An dieser Stelle befanden sich insgesamt 17 Bergsteiger, aufgeteilt in mehrere Gruppen.

Zwei Personen starben noch auf der Unfallstelle. Es handelt sich um eine 40-jährige französische Staatsbürgerin mit Wohnsitz in Frankreich und einen 65-jährigen Spanier mit Wohnsitz in Spanien. Neun Bergsteiger wurden mit dem Helikopter ins Spital von Sitten sowie ins Universitätsspital in Lausanne geflogen. Darunter befanden sich zwei Schwerverletzte. Weitere Personen wurden mit dem Helikopter vom Ort des Geschehens gerettet.

Im Rettungseinsatz standen insgesamt sieben Hubschrauber. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung zu den Umständen des Ereignisses eingeleitet.

In einem Vergnügungspark im südniederländischen Valkenburg aan de Geul sind bei einem Gondelunglück vier Menschen verletzt worden. Zwei Erwachsene und ein Kind seien ins Krankenhaus eingeliefert worden, wie die Behörden gestern auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mitteilten. Ihr Zustand sei stabil.

Aus bisher ungeklärter Ursache stürzte zuvor ein Wagen aus einer Art Riesenrad ab. Ein Sprecher des „Märchenwaldes“ sagte Medienvertretern, dass es sich um eine Attraktion handelte, bei dem Besucher in Gondeln etwa zehn Meter nach oben gezogen und dann rundherum gedreht werden. Der „Märchenwald“ ist einer der ältesten Vergnügungsparks der Niederlande und wird vor allem von Familien mit kleinen Kindern besucht.

Seit Jahren vermehren sich in weiten Teilen Italiens Wildschweine ungebremst. Das sehen viele zunehmend als Problem. Nicht zuletzt die Bäuerinnen und Bauern des Landes fühlen sich durch die „Invasion“ der Borstentiere bedroht. Gestern gingen sie in Rom erneut auf die Straße – mit einer recht simplen Botschaft.

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Ein Vierjähriger ist gestern in einem Schwimmbad in Stainach in der Steiermark von einem Bademeister reanimiert worden. Der Bub war laut Polizeiaussendung mit seiner Familie in dem Bad, als er gegen 17.00 Uhr in einem unbeobachteten Moment seine Schwimmflügel von den Oberarmen zog und in das rund 1,30 Meter tiefe Becken sprang.

Der Bademeister sah das Kind kurz darauf bewusstlos unterhalb der Wasseroberfläche treiben und zog es an den Beckenrand.

Nach kurzer Reanimation erlangte der Bub wieder das Bewusstsein, berichtete die Polizei am Abend. Er wurde nach der Erstversorgung vom Rettungshubschrauber Christophorus 14 in die Kinderabteilung des LKH Leoben eingeliefert.

Religion

Russlands Krieg gegen die Ukraine führt zu einer Spaltung der russisch-orthodoxen Kirche. Ihr ukrainischer Zweig beschloss gestern in Kiew seine völlige Unabhängigkeit vom Moskauer Patriarchat. Nach einem Landeskonzil, an dem Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien teilnahmen, erklärte die Ukrainisch-orthodoxe Kirche (UOK) des Moskauer Patriarchats: „Wir teilen nicht die Position des Patriarchen von Moskau und ganz Russland Kyrill zum Krieg in der Ukraine.“

Das Konzil habe Änderungen des Kirchenstatuts angenommen, „die die volle Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche bescheinigen“, berichteten Kathpress und die Katholische Nachrichtenagentur. Weitere Einzelheiten zu der Loslösung vom Moskauer Patriarchat wurden zunächst nicht bekannt. Für Russlands Kirche wäre der Verlust ihres ukrainischen Zweigs mit Millionen Gläubigen und Geistlichen ein schwerer Schlag.

Im Gegensatz zu Kyrill I. verurteilte das ukrainische Landeskonzil Russlands Angriffskrieg als Verstoß gegen das Gebot „Du sollst nicht töten!“. Die Versammlung sprach allen Menschen, die unter dem Krieg litten, ihr Beileid aus. Die Regierungen der Ukraine und Russlands sollten den Verhandlungsprozess fortsetzen und das „Blutvergießen“ beenden.

An die mit ihr konkurrierende Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) gerichtet, drückte das Konzil sein „tiefes Bedauern über den Mangel an Einheit in der ukrainischen Orthodoxie“ aus. Man gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass ein Dialog aufgenommen werden könne. Dazu müssten die Vertreter OKU aber unter anderem „die Beschlagnahme von Kirchen und die Zwangsversetzung von Gemeinden der Ukrainisch-orthodoxen Kirche stoppen“.

Science

Selbst wenn Individuen keine eigenen Nachkommen haben, kann die Mitgliedschaft in einer Gruppe die Überlebenschancen und die Chance auf Weitergabe ihrer eigenen Gene steigern. Das zeigt eine neue Studie. Scheinbare Selbstlosigkeit bei der Aufzucht von Jungtieren anderer Eltern sei durch natürliche Selektion erklärbar, denn die eigene genetische Fitness könne dadurch wachsen.

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Kultur

Superstar Elton John hat auf seiner Abschiedstournee erneut Station in Deutschland gemacht. Vor knapp 33.000 Zuschauern spielte der Brite gestern Abend in Frankfurt am Main eine umjubelte Open-Air-Show. Dabei lieferte der im März 75 Jahre alt gewordene Künstler eine große Auswahl seiner berühmten Songs aus den letzten Jahrzehnten: von „Rocket Man“, „Don’t Let the Sun Go Down on Me“, „I’m Still Standing“ und „Your Song“ bis zu seinem jüngsten Hit „Cold Heart (Pnau Remix)“.

Nach mehr als fünf Jahrzehnten auf der Bühne will sich John zurückziehen. 2018 hatte er seine Abschiedstournee gestartet, die krankheits- und coronavirusbedingt unterbrochen werden musste. In Anspielung an einen seiner größten Hits wurde die Konzertreise „Farewell Yellow Brick Road“ genannt. Für Sonntag ist eine weitere Show in Deutschland geplant – in Leipzig. 2023 soll es dann noch Konzerte etwa in Hamburg und München geben.

Die luxemburgische Schauspielerin Vicky Krieps ist bei den 75. Filmfestspielen in Cannes gestern Abend mit dem Darstellerpreis der Sektion „Un Certain Regard“ für ihre Leistung in Marie Kreutzers Sisi-Film „Corsage“ ausgezeichnet worden. Auch Adam Bessa erhielt einen Darstellerpreis für seine Rolle im tunesischen Drama „Harka“. Den Großen Preis dieser Sektion vergab die Jury unter dem Vorsitz von Valeria Golino an den Film „The Worst Ones“ von Lise Akoka und Romane Gueret.

„Corsage“ ist ein Historiendrama der österreichischen Filmemacherin Marie Kreutzer, das unter Beteiligung mehrerer europäischer Länder – darunter Österreich – produziert wurde. Krieps spielt darin Kaiserin Elisabeth.

Heute gehen die Filmfestspiele in Cannes mit der Preisvergabe zu Ende. Im Wettbewerb ritterten 21 Filme um die begehrten Palmen, darunter die Goldene Palme für den besten Film. Regiestars wie David Cronenberg, Kelly Reichardt, Ruben Östlund und die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne dürfen sich Hoffnungen machen. Den Vorsitz der Jury führt heuer der französische Schauspieler Vincent Lindon. Das Festival, dessen 75. Geburtstag heuer begangen wurde, war vom Ukraine-Krieg überschattet.

Panorama

In Estland erinnert ein neues Denkmal an den berühmten Kreml-Flug des deutschen Freizeitpiloten Mathias Rust vor 35 Jahren. Im Park eines Gutshauses im Nordosten des baltischen EU-Landes wurde gestern eine symbolische 24 Meter lange Landebahn aus schwarzem Betonstein mit einer Gedenktafel enthüllt. Darauf ist in vier Sprachen die Geschichte der damaligen Weltsensation nachzulesen.

Inmitten des Kalten Krieges hatte Rust mit einem einmotorigen Kleinflugzeug ungehindert die Grenzen der Sowjetunion überquert. Er landete am 28. Mai 1987 in der Nähe des Roten Platz in Moskau – nur ein paar Meter vom Kreml entfernt. Die spektakuläre Aktion des damals 18-Jährigen aus der Nähe von Hamburg stellte nicht nur die scheinbar unüberwindbare Luftabwehr der Sowjetunion, sondern auch die Weltmacht als Ganzes bloß.

„Dieser Flug durch den Eisernen Vorhang gab dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Estlands einen zusätzlichen Schub“, sagte der estnische Gutshausbesitzer und Denkmalinitiator Tönis Kaasik dem Boulevardblatt „Öhtuleht“. Die Aktion habe die Geschichte verändert.

Für Rust Friedensmission

In den sowjetischen Luftraum eingedrungen war Rust bei seinem Flug vor 35 Jahren in der Nähe des Seeturms des direkt an der nordestnischen Küste gelegenen Gutshauss. Dort war damals ein Beobachtungsposten der sowjetischen Grenztruppen untergebracht, den Rust mit seiner Cessna überflog. Daran erinnerte bei der Enthüllung des Denkmals auch ein estnischer Pilot mit einem Gedenkflug in einem ähnlichen Flugzeug.

Rust schilderte den bis heute von Mythen und Spekulationen umrankten Flug mit der gemieteten Cessna als Friedensmission. Wegen illegalen Grenzübertritts und Rowdytums wurde er zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt. Er verbrachte seine Zeit in einem Gefängnis in Moskau und wurde bereits im Sommer 1988 begnadigt. Sein Flugzeug ist derzeit in einer Sonderausstellung in Berlin zu sehen.

Ein Südafrikaner ist als erster Mensch mit einem Gleitschirm und einer Genehmigung von nepalesischen Behörden vom Mount Everest geflogen. Der Flug von Pierre Carter vom vierten Höhenlager des welthöchsten Bergs habe 20 Minuten gedauert, sagte Dawa Steven Sherpa, der Chef der Expeditionsfirma Asian Trekking, die dessen Mission und die Bewilligung organisiert hatte. Carter sagte, er sei bei einem Dorf sechs Kilometer vom Basislager gelandet.

Der eigentliche Flug mit der Aussicht sei spektakulär gewesen, sagte Carter. Aber der Weg dorthin habe einige Herausforderungen gebracht. So sei der Aufstieg schwierig gewesen, er sei auf 6.500 Metern umgefallen und habe einige Zeit nicht weitergehen können. Auch der Abflug von 7.960 Metern sei schwierig gewesen. Und dann hätten er und sein Team noch länger auf die geeignete Windstärke und Sichtweite beim Abflug und der geplanten Landung warten müssen. Er sei sehr aufgeregt gewesen, aber Angst habe er nicht verspürt.

Ursprünglich wollte Carter eigentlich von der knapp 8.849 Meter hohen Spitze fliegen. Er habe dann aber nur eine Genehmigung für 8.000 Meter erhalten und sich schließlich – auch wegen des Wetters – für eine Stelle etwas darunter entschieden. Sollte er später eine Genehmigung für ganz oben erhalten, möchte er es wieder tun – sofern es mit dem Sponsoring passt. Denn ein Aufstieg auf den Mount Everest mit einer Expeditionsfirma kostet mehrere zehntausend Euro.

Sowohl Carter als auch seine Expeditionsveranstalter sehen ein Potenzial auf dem Everest für mehr Abenteuersport dieser Art. So gibt es bereits weltweit einen „Climb and Fly“-Trend – nach ihrem Aufstieg fliegen die Bergsteiger wieder zurück. Bisher gab es nach Behördenangaben einige unbewilligte Flüge vom Everest, aber Carters Flug sei der erste mit Genehmigung gewesen. Am Sonntag ist der 69. Jahrestag der Erstbesteigung des Mount Everest.