Inland

Die Koalition will bei der neuen Mindestsicherung weitere Zuschüsse von Ländern und Gemeinden erlauben. ÖVP-Klubobmann August Wöginger kündigte heute in der „Kleinen Zeitung“ an, dass zusätzliche Unterstützungsleistungen für Heizung oder Mieten die Ansprüche aus der Sozialhilfe nicht schmälern sollen: „Es ist notwendig, dass wir das klarstellen.“

Spenden werden nicht abgezogen

Beim Hearing zur Mindestsicherung im Sozialausschuss hatten ÖVP und FPÖ klargestellt, dass Spenden von privaten und öffentlichen Institutionen nicht von der neuen Sozialhilfe abgezogen werden sollen. Nun kündigt Wöginger an, dass auch zusätzliche Unterstützungsleistungen von Ländern und Gemeinden erlaubt werden sollen.

Das betrifft sowohl einmalige Maßnahmen wie Heizkostenzuschüsse, Schulstart- oder Weihnachtsgelder als auch monatliche Wohnbeihilfen. Letzteres müsse man sich aber noch ganz genau anschauen, um sozial treffsicher zu sein, so Wöginger.

Verhalten positiv reagiert auf diese Ankündigung der Sozialexperte der evangelischen Diakonie, Martin Schenk. Er verweist darauf, dass die in der neuen Mindestsicherung vorgesehenen Wohnzuschüsse allein nicht ausreichen, um die hohen Mietkosten in vielen Städten abzudecken. Er hofft daher, dass Länder und Gemeinden mit Wögingers Ankündigung nun mehr Flexibilität für zusätzliche Zuschüsse außerhalb der Sozialhilfe erhalten.

Reinhold Mitterlehners Abrechnung mit seiner Demontage als ÖVP-Chef und der jetzigen ÖVP-FPÖ-Regierung stößt auf großes Interesse: Die Startauflage des im Salzburger Ecowin-Verlag erschienen Buches „Haltung“ – 10.000 Stück – sei so gut wie ausverkauft, berichtete die „Tiroler Tageszeitung“ (Freitag-Ausgabe).

In der – stündlich aktualisierten – Amazon-Bestsellerliste schaffte es „Haltung: Flagge zeigen in Leben und Politik“ gestern schon bis auf Platz acht. Der Verlag hat bereits den Auftrag für die zweite Auflage erteilt, sodass in den nächsten Tagen die Buchhandlungen wieder beliefert werden können.

Edtstadler widerspricht Mitterlehners Demokratiebefund

In der innenpolitischen Debatte ist Mitterlehners Werk weiter Thema. ÖVP-Staatssekretärin Karoline Edtstadler – Listenzweite für die EU-Wahl – glaubt nicht, dass es den EU-Wahlkampf stört. Aber sie trat im Interview mit den „Oberösterreichischen Nachrichten“ einem Befund Mitterlehners entgegen: „Wie er darauf kommt, dass Österreich auf dem Weg in eine autoritäre Demokratie ist, verstehe ich überhaupt nicht. Das stimmt einfach nicht.“

Pühringer: „Hätte Buch nicht geschrieben“

Der frühere Landeshauptmann Oberösterreichs, Josef Pühringer (ÖVP), äußerte dem „Kurier“ gegenüber „Verständnis“ für Mitterlehners „Betroffenheit und seine Enttäuschung. Die Ablöse hätte anders laufen sollen.“

Es stelle sich aber die Frage, „ob es gut ist, so ein Buch zu schreiben. Es muss ja für ihn selbst belastend sein, diese alten Geschichten aufzuwärmen“, sagte Pühringer. Auf Inhalt und die von Mitterlehner erhobenen Vorwürfe hätte Pühringer nicht eingehen wollen, schrieb die Zeitung. Allerdings: „Ich an seiner Stelle hätte das Buch nicht geschrieben.“

Khol: „Wähler hat FPÖ salonfähig gemacht“

Der ehemalige Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP) warf Mittlerlehner in einem Gastbeitrag für die „Kleine Zeitung“ vor, „die größeren Zusammenhänge“ nicht sehen zu wollen. Sein „Scheitern“ an Ex-Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und die „Brüskierung“ durch Faymanns Nachfolger Christian Kern diskutiere Mitterlehner nicht.

„Nicht Kurz hat die FPÖ salonfähig gemacht, sondern der Wähler“, so Khol in seinem Fazit. Die „planmäßige Vorbereitung“ von Kurz auf die Übernahme der ÖVP-Obmannschaft „konnte wohl niemanden überraschen“, so Khol weiter: „Sollte er antreten, so musste er wohl vorbereitet sein, alles andere wäre fahrlässig gewesen!“

Drozda weist Vergleich mit Faymann-Demontage zurück

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda rechnete es Mitterlehner unterdessen hoch an, „dass er den Vorhang gelüftet“ hat – denn: „Was Kurz getan hat, war Meuchelmord hinter dem Vorhang, das war eine der verlogensten Darbietungen der Politik.“ Den Vergleich mit der Demontage Werner Faymanns in der SPÖ ließ er im „Tiroler Tageszeitung“-Interview nicht gelten, da gebe es „einen großen Unterschied“.

Seit 1. Jänner sind statt Landesschulräten bzw. Schulabteilungen der Landesregierungen die neuen Bildungsdirektionen für die Verwaltung aller Schulen und des Lehrpersonals zuständig. An der Spitze der neuen Behörden stehen aber auch nach dieser Reform formal die jeweiligen Landeshauptleute, zeigt die Beantwortung einer aktuellen parlamentarischen Anfrage durch NEOS.

Weisungen an Bildungsdirektoren möglich

Chefs der neuen Schulverwaltungsbehörden sind eigentlich die Bildungsdirektorinnen und -Direktoren. Diese sind nicht mehr wie früher von den Landeshauptleuten eingesetzte politische Akteure, sondern von einer Kommission bestellte Bundesbedienstete.

Laut der Beantwortung durch ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann haben allerdings alle Bundesländer die Möglichkeit genutzt, erneut die Landeshauptleute zu Präsidenten der neuen Behörde zu bestimmen. Diese haben wiederum in bisher fünf Ländern ihre Bildungslandesrätinnen und -Landesräte mit der Aufgabe betraut.

Damit können in allen neun Ländern die Landeshauptleute bzw. -räte den Bildungsdirektoren Weisungen erteilen. Freies Spiel haben sie dabei jedoch nicht: Laut Gesetz ist der Präsident selbst wiederum in Bundesangelegenheiten (Lehrereinsatz und Direktorenbestellung an AHS und BMHS, Lehrpläne, Organisation der Schulaufsicht) an die Weisungen des Bildungsministers gebunden. In Landesangelegenheiten (Lehrer und Schulleiter Volks- und Neue Mittelschulen, pädagogische Schwerpunkte) ist er dem Bildungslandesrat weisungsgebunden.

NEOS übt Kritik

Für NEOS-Bildungssprecher Douglas Hoyos ist die Einsetzung von Präsidenten der Bildungsdirektion in allen Bundesländern ein Beleg dafür, dass politische Einflussnahme – anders als von der Regierung versprochen – noch immer nicht von den Schulen verbannt wurde. „Es kann nicht sein, dass der Bund zahlt, während die Landeshauptleute anschaffen“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

Positive Aspekte des Reformpakets wie eine einheitliche Verrechnung der Lehrer über das Bundesrechenzentrum oder die Erfassung der Daten zu Schulorganisation und Lehrfächerverteilung auch für Pflichtschulen seien hingegen anscheinend noch nicht implementiert.

Ausland

Am Rande der nordirischen Stadt Londonderry ist es zu gewaltsamen Ausschreitungen und tödlichen Schüssen auf eine junge Frau gekommen. Der Tod der 29-Jährigen in der Wohnsiedlung Creggan werde als „terroristischer Vorfall“ behandelt, teilte die örtliche Polizei in der Nacht auf heute über Twitter mit.

Brennendes Auto in Creggan, Londonderry
AP/PA/Niall Carson

Es wurden Mordermittlungen eingeleitet. Zuvor hatte die Polizei darüber informiert, dass in Creggan Brandsätze geschleudert und mehrere Schüsse abgefeuert worden seien. Auf Bildern vom Ort des Geschehens waren brennende Autos und verkohlte Fahrzeugwracks zu sehen.

Seit Jahresbeginn immer wieder Vorfälle

Londonderry hat rund 85.000 Einwohner und liegt im äußersten Nordwesten der nordirischen Provinz an der Grenze zur Republik Irland. Dort wohnen vor allem Katholiken, die ihre Stadt schlicht Derry nennen.

In dem britischen Landesteil treiben paramilitärische Gruppierungen ihr Unwesen. Seit Jahresbeginn sind wiederholt Sprengsätze in Londonderry explodiert, ohne dass es dabei Verletzte gegeben hätte. Einer davon detonierte im Jänner vor einem Gericht mitten in der Stadt, nachdem kurz zuvor eine Warnung bei den Behörden eingegangen war. Unklar war zunächst, ob die neuerlichen Unruhen im Zusammenhang mit dem Osterwochenende stehen, das traditionell für politische Kundgebungen genutzt wird.

Der UNO-Sicherheitsrat kann sich weiterhin nicht auf die Forderung nach einer Waffenruhe in Libyen einigen. Das sagten Diplomaten gestern nach einer Dringlichkeitssitzung des wichtigsten UNO-Gremiums in New York. Demnach widersetzen sich die USA und Russland dem von Großbritannien vorgelegten Resolutionsentwurf, um den schon seit Tagen gerungen wird.

Bei dem Treffen informierte der UNO-Gesandte für Libyen, Ghassan Salame, die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats über die Lage. Er warnte nach Diplomatenangaben vor einer weiteren Zunahme der Gewalt über das kommende Wochenende. Demnach nähern sich die bewaffneten Einheiten den Wohngebieten der libyschen Hauptstadt Tripolis. Auch rücke anscheinende auf beiden Seiten Verstärkung an.

Der libysche General Chalifa Haftar hatte Anfang April eine Offensive auf Tripolis gestartet, wo die UNO-gestützte Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch ihren Sitz hat. Der General unterstützt das international anerkannte Parlament in Tobruk, das wiederum die Regierung in Tripolis nicht anerkennt. Bei den heftigen Gefechten wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 200 Menschen getötet und mehr als 900 weitere verletzt.

Die Regierung des westafrikanischen Krisenlandes Mali unter Ministerpräsident Soumeylou Boubeye Maiga ist zurückgetreten. Präsident Ibrahim Boubacar Keita habe das gestern eingereichte Rücktrittsgesuch des Regierungschefs und seines Kabinetts angenommen, teilte das Präsidialbüro in der Nacht auf heute über Twitter mit.

Ein Nachfolger für Maiga und eine neue Regierung würden in Kürze ernannt – „nach Beratungen mit allen politischen Kräften der Mehrheit und der Opposition“. Gründe für den Abtritt der Regierung wurden nicht genannt.

Sicherheitslage verschlechterte sich

Der seit 2013 amtierende Staatschef Keita hatte die von Betrugsvorwürfen der Opposition überschattete Präsidentenwahl im August gewonnen. Allerdings hat sich die Sicherheitslage in dem westafrikanischen Staat während seiner Amtszeit verschlechtert. Bewaffnete Gruppen greifen neben Zivilisten auch immer wieder einheimische und internationale Streitkräfte an.

Seit 2013 gibt es eine UNO-Friedensmission in Mali, sie gilt als gefährlichster Blauhelmeinsatz weltweit. Vor allem im Norden Malis greifen radikale Islamisten die Blauhelme immer wieder an, während sich im Zentrum des Landes gewaltsame ethnische Konflikte zuspitzen.

EU

Am 26. Mai wählt Österreich seine Abgeordneten für das Europäische Parlament. Fünf Spitzenkandidaten und zwei Spitzenkandidatinnen sind für ihre Parteien in den Wahlkampf für das Rennen ums EU-Parlament gezogen.

Neben der Durchführung des Brexits ist die Zukunft der EU so viel diskutiert wie schon lange nicht. Was halten Sie für die zentrale Frage für die Zukunft der EU? Welche Rolle soll das Parlament spielen? Wie intensiv sollen die Vorgaben sein, „die aus Brüssel kommen“? Soll Europa wieder eine losere Föderation mit Wirtschaftsschwerpunkt werden oder sich politisch noch enger vernetzen und zu einer Art Bundesstaat werden?

Was liegt Ihnen zu Europa am Herzen, und was wollen Sie welchen Spitzenkandidaten fragen?

Illustration eines gelben Sessels
ORF.at

Im Rahmen der Serie „Ihre Frage zu Europa“ reist ORF.at den Spitzenkandidaten in den Wahlkampf nach und stellt die Fragen unseres Publikums. Und Ihre Frage kann dabei zum Zug kommen. Weil sie besonders prägnant ist oder eine Sorge zum Ausdruck bringt, die vielen anderen, die uns schreiben, ebenso am Herzen liegt. Stellen Sie auf ORF.at bis 29.4. Ihre Frage zu Europa!

Um Ihre Fragen zu stellen, nutzen Sie bitte das Onlineformular.

Sport

Mit einem neu nominierten Quintett nimmt das österreichische Eishockey-Nationalteam seine letzten beiden Heimspiele im Rahmen der Euro Hockey Challenge in Angriff. Lukas Herzog, Erik Kirchschläger, Daniel Jakubitzka, Alexander Cijan und Konstantin Komarek stehen für die Duelle mit der Slowakei heute in Salzburg (18.00 Uhr) und morgen in Innsbruck (17.30 Uhr, jeweils live in ORF Sport +) im Kader.

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Chronik

Ein „großer Regenschirm“ soll die schwer beschädigte Pariser Kathedrale Notre-Dame vor Wasser schützen. Dabei handle es sich um eine große Plane, die über dem Gebäude angebracht werden soll, sagte heute die Präsidentin der Architektenvereinigung für historische Gebäude, Charlotte Hubert, dem Sender BFM TV.

Der Chefarchitekt werde einen „großen Regenschirm“ schaffen, der die Form eines Spitzdaches haben soll. Die Konstruktion müsse größer sein als das ursprüngliche Dach, damit die Handwerker darunter arbeiten können.

Regen könnte Gebäude weiter beschädigen

Das Dach der weltberühmten Kathedrale war bei dem Brand am Montagabend in großen Teilen zerstört worden. Für kommende Woche ist in Paris Regen vorhergesagt. Bereits das Löschwasser hatte in der Kathedrale großen Schaden angerichtet. Regen könnte das Gebäude weiter beschädigen. Kulturminister Franck Riester hatte dem Sender gesagt, dass es besonders gefährlich wäre, wenn sich Wasser auf dem Dach der Kathedrale ansammeln würde. Das würde die Einsturzgefahr erhöhen.

Indessen ist in Frankreich Kritik an dem Spendenwettlauf für Notre-Dame aufgekommen. Milliardärsfamilien versprachen Hunderte Millionen Euro – rasch war eine Summe von über 850 Mio. Euro erreicht. Kritikerinnen und Kritiker zeigten sich daraufhin frustriert: Bei sozialen Problemen würde weggeschaut.

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In Bangladesch ist eine 19-Jährige laut Polizei auf Anordnung ihres Schulleiters in Brand gesteckt worden, weil sie ihm sexuelle Belästigung vorwarf. Die Polizei teilte heute mit, einer von insgesamt 17 Festgenommenen in dem Fall habe den Leiter eines Islamischen Seminars beschuldigt, den Angriff beauftragt zu haben. Der Lehrer habe sie angewiesen, „Druck“ auf die junge Frau auszuüben, die Vorwürfe fallen zu lassen, „oder sie zu töten, wenn sie sich weigert“, sagte Ermittler Mohammad Iqbal.

Mit Kerosin übergossen

Der Fall der 19-jährigen Nusrat Jahan Rafi sorgt in ganz Bangladesch für Entsetzen. Rafi hatte ihren Schulleiter Ende März wegen sexueller Belästigung bei der Polizei angezeigt. Wenige Tage später wurde sie auf das Dach der Schule gelockt, mit Kerosin übergossen und in Brand gesteckt. Die junge Frau erlitt Verbrennungen an 80 Prozent ihres Körpers und starb am 10. April im Krankenhaus.

Vor ihrem Tod zeichnete Rafi ein Video auf, in dem sie ihre Vorwürfe gegen den Schulleiter bekräftigte. „Der Lehrer hat mich angefasst, ich werde gegen dieses Verbrechen bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen.“ Sie nannte darin auch einige der Angreifer, die ihr aufgelauert hatten.

Sollte wie Selbstmord aussehen

Laut Polizei hatten mindestens fünf der Festgenommenen, darunter drei Mitschüler, die junge Frau mit einem Schal gefesselt. „Der Plan war, den Vorfall als einen Selbstmord auszugeben. Aber er scheiterte, als es Rafi gelang, die Treppe hinunterzulaufen, nachdem das Feuer den Schal durchgebrannt und ihre Hände und Füße wieder frei waren“, sagte Ermittler Iqbal.

Nach dem Tod der jungen Frau hatte es in der vergangenen Woche landesweit Proteste gegeben. Regierungschefin Sheikh Hasina versprach, dass „keinem der Täter gerichtliche Schritte erspart bleiben“.

Menschenrechtsorganisationen beklagen in Bangladesch wegen unzureichender Strafverfolgung eine steigende Zahl von Vergewaltigungen und Belästigungen. Auch Rafis Anzeige war bei der Polizei als „keine große Sache“ abgetan worden, wie aus einem geleakten Video hervorging.

Auf der australischen Insel Fraser Island hat ein campender Vater seinen 14 Monate alten Sohn offenbar im letzten Moment aus dem Maul eines Dingos befreit. Mehrere Wildhunde waren in der Nacht in den Wohnwagen der Familie des Buben eingedrungen und hatten ihn von seinen schlafenden Eltern weggezerrt, wie örtliche Medien heute berichteten.

Demnach wachte der Vater erst vom Schreien des Kindes auf, als sich einer der Dingos bereits mit seinem Sohn in die Büsche schlagen wollte. Der Mann sei sofort nach draußen gerannt, habe das Kind befreit und die Tiere weggescheucht, schilderte ein Rettungssanitäter dem Sender ABC zufolge. Anschließend konnte der Vater einen Notruf absetzen, obwohl die Familie in einem abgelegenen Teil der Insel campiert hatte und das Handynetz schlecht war.

Dritter Vorfall binnen kurzer Zeit

Der schwer verletzte Bub wurde per Hubschrauber in den Küstenort Hervey Bay gebracht und von dort in eine Kinderklinik nach Brisbane geflogen. Er erlitt einen Schädelbruch und Fleischwunden am Kopf und Nacken.

Australischen Medien zufolge war es der dritte Vorfall dieser Art auf Fraser Island binnen kurzer Zeit. Im Jänner war dort ein sechsjähriger Bub von Dingos angefallen und schwer verletzt worden, als er eine Sanddüne hinaufrennen wollte. Im Februar fügte eine Meute der in Australien heimischen Wildhunde einem Neunjährigen und dessen Mutter Bisswunden zu.

Zwei Tage nach dem Busunglück mit 29 Toten auf der portugiesischen Insel Madeira sind heute noch 16 Verletzte im Krankenhaus behandelt worden. In Lebensgefahr sei niemand mehr, zwei Patienten lägen aber weiterhin auf der Intensivstation, zitierte die Onlinezeitung „Observador“ die Direktion der Klinik in der Inselhauptstadt Funchal. In ganz Portugal galt eine dreitägige Staatstrauer.

Ein Reisebus mit Dutzenden deutschen Urlaubern war am frühen Mittwochabend in dem Ort Canico von der Straße abgekommen, hatte sich überschlagen und war einen Abhang hinunter auf ein Haus gestürzt. Augenzeugen zufolge könnte das Unglück auf Bremsversagen zurückgehen. Der Bus sei immer schneller geworden, während der Fahrer verzweifelt versucht habe, das Fahrzeug zum Halten zu bringen.

Fast alle Passagiere aus Bus geschleudert

Fast alle Passagiere seien bei dem Unfall aus dem Bus herausgeschleudert worden, zitierten Medien den Koordinator der medizinischen Notfalldienste, Antonio Coelho. „Nur fünf Menschen, darunter der Fahrer, waren beim Eintreffen der Rettungsteams im Bus. Alle anderen befanden sich außerhalb.“ Wahrscheinlich hatten sie keine Sicherheitsgurte angelegt.

Bis dato gab es noch keine offizielle Bestätigung der deutschen Bundesregierung, ob die Todesopfer – nach portugiesischen Berichten elf Männer und 18 Frauen – ausschließlich Deutsche waren. Nach portugiesischen Medienberichten könnten auch zwei Einheimische ums Leben gekommen sein.

Wirtschaft

Die Verschmelzung der Essenslieferservices Foodora und Mjam ist im Gange. Die Fahrerinnen und Fahrer wurden bereits mit neuem Equipment ausgestattet und sind nun statt in Pink in Grün und unter dem Namen MjamPlus unterwegs. „MjamPlus ist sozusagen eine Submarke von Mjam und liefert für alle Restaurants, die über keinen eigenen Lieferservice verfügen“, sagte Mjam-Chef Artur Schreiber.

Der Umstellungsprozess erfolgte schleichend und zog sich von Mitte März beginnend über rund zwei Wochen. Den Job verlor dabei niemand. Laut Schreiber wurden alle Foodora-Fahrer zu Mjam geholt, eine Neubewerbung war dafür nicht nötig.

Foodora-Website besteht vorerst weiter

Die Bestellungen erfolgen aber nach wie vor über die pinke Foodora-Website. Diese wird es auch noch länger geben. Denn, so Schreiber: „Würden wir die Website morgen abstellen, würde das eventuell den Umsatz für unsere Restaurantkunden belasten.“ Mjam sei daher bei der Umstellung sehr vorsichtig und wolle die Bestellkunden nur langsam auf Mjam umgewöhnen. Ein genaues Datum, wann die beiden Bestellseiten zusammengeführt werden, gebe es dementsprechend noch nicht, so Schreiber.

Die KV-Verhandlungen in der Zusteller-Branche sind ebenfalls bereits angelaufen. Vor etwa zwei Wochen habe das erste Treffen stattgefunden, sagte Schreiber. Es werde wahrscheinlich noch mehrere Treffen zwischen Arbeitgebern und -nehmern dafür brauchen, Schreiber rechnet aber damit, dass eine Lösung gefunden werden wird. Die Arbeitssituation von Fahrradzustellern ist derzeit oft ungeordnet und variiert von Unternehmen zu Unternehmen.

Von den Vertretern der Staatsholding ÖBAG im OMV-Aufsichtsrat sollen nur der Grazer Uniprofessor Karl Rose und der ehemalige Procter-&-Gamble-Manager Wolfgang Berndt in dem Kontrollgremium verbleiben, berichtet „Die Presse“ gestern (Onlineausgabe). Sie bezieht sich dabei auf den Personenvorschlag, den die ÖBAG erstellt habe und der vom jetzigen OMV-Aufsichtsrat dieser Tage abgesegnet worden sei.

Neu in den Aufsichtsrat des heimischen Öl- und Gaskonzerns einziehen sollen erwartungsgemäß ÖBAG-Chef Thomas Schmid selbst und – wie bereits vor einigen Tagen bekanntwurde – Ex-Finanzminister Hans Jörg Schelling. Auf der Liste finden sich dem Bericht zufolge auch VIG-Vorstandschefin Elisabeth Stadler, Tyrolit-Geschäftsführer Christoph Swarovski und Stefan Doboczky, Chef des Faserherstellers Lenzing. Dass Schmid den Vorsitz im OMV-Aufsichtsrat übernimmt, sei nicht sicher, möglicherweise könnte auch Wolfgang Berndt das Gremium anführen.

Religion

Gesundheit

Kultur

Der französische Starautor Michel Houellebecq ist in die Ehrenlegion aufgenommen worden. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verlieh dem Schriftsteller („Elementarteilchen“, „Ausweitung der Kampfzone“, „Unterwerfung“) gestern den Orden eines Ritters der Legion d’honneur, wie der Elysee-Palast mitteilte. Unter den Gästen der Zeremonie war auch Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy.

Houellebecq ist einer der erfolgreichsten und international bekanntesten Schriftsteller Frankreichs – und zugleich einer der polemischsten. Sein neuestes Buch „Serotonin“ kam im Jänner in den Handel. Der düstere Roman über die Hoffnungslosigkeit in ländlichen Regionen Frankreichs schien die Proteste der „Gelbwesten“ vorwegzunehmen.

„Serotonin“ ist der erste Roman des 63-Jährigen seit „Unterwerfung“, der am Tag des islamistischen Anschlags auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ im Jänner 2015 erschienen war. In „Unterwerfung“ wird ein Muslim französischer Präsident und führt islamisches Recht ein.

Leute

Günter Wallraff ist nach seinem schweren Fahrradsturz wieder zu Hause. Er sei nach zweieinhalb Wochen aus dem Krankenhaus entlassen worden, sagte der 76 Jahre alte Journalist und Schriftsteller gestern. „Der Abschied fiel mir fast schwer, so gut bin ich da operiert, behandelt und umsorgt worden“, sagte Wallraff über das St.-Franziskus-Krankenhaus in Köln.

Der Investigativjournalist („Der Aufmacher“, „Ganz unten“) war in Köln auf dem Nachhauseweg mit dem Vorderrad an einer Gehsteigkante hängen geblieben und gestürzt. Dabei zog er sich unter anderem einen komplizierten Trümmerbruch im Oberschenkel sowie Kopfverletzungen zu.

„Nehme das als Herausforderung“

Nun versuche er, in seiner Wohnung zurechtzukommen und langsam wieder gehen zu lernen. Termine könne er vorläufig nicht wahrnehmen. „Ich nehme das als Herausforderung und jammere nicht. Ich sage mir, das ist eine Art Prüfung. Für das, was ich jetzt noch mache, nehme ich mir mehr Zeit.“

Panorama

Im Londoner Kanalsystem ist ein riesiger „Betonberg“ entdeckt worden, der drei Abwässerkanäle aus der viktorianischen Zeit verstopft. Alex Saunders, Betriebsleiter beim Wasserversorger Thames Water, sagte, es handle sich um die größte Betonmasse, die das Unternehmen je gesehen habe. Die Kanäle seien auf einer Länge von 100 Metern verstopft. Der Betonklotz wiege geschätzte 105 Tonnen. Die Aufräumarbeiten werden wohl zwei Monate dauern und Hunderttausende Pfund kosten.

Betonberg in Londoner Kanalisationen
Thames Water

Es wird angenommen, dass der Schaden von einer Baufirma verursacht wurde, die überschüssigen Zement einfach in Abflüsse goss. Thames Water gab an, eine Untersuchung eingeleitet zu haben, um die Verursacher zu ermitteln und auf Schadenersatz zu klagen.

Erinnerung an Riesenfettberg

Normalerweise würden Verstopfungen durch Fett, Öl, Windeln und Feuchttücher im Abwasserkanal verursacht, sagte Sauders. „Aber in diesem Fall handelt es sich um steinharten Beton.“ Thames Water gibt laut eigenen Angaben jedes Jahr 18 Millionen Pfund aus, um Verstopfungen aus den Abwasserkanälen zu beseitigen. 42.000 Einsätze aus diesem Grund gab es allein 2018.

Für Schlagzeilen sorgte 2017 ein riesiger, 130 Tonnen schwerer Fettberg, der einen Abwasserkanal im Stadtteil Whitechapel verstopft hatte. Das Abtragen des Kolosses dauerte Wochen, er wurde zu Biodiesel umgewandelt. Ein kleiner Rest wurde später in einem Museum ausgestellt.

Der meteorologische Frühling ist zur Halbzeit rund zwei Grad wärmer als im Durchschnitt. Die Entwicklung der Natur ist um etwa zehn Tage früher dran als in einem durchschnittlichen Frühling der Vergleichsperiode 1981–2000, informierte heute die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Der Flieder blühe in wärmeren Regionen Österreichs schon jetzt – mehr als eine Woche früher.

Der März 2019 war einer der 15 wärmsten der Messgeschichte und beschleunigte die Entwicklung vieler Pflanzen. Zum Beispiel blühten Forsythie und Schlehdorn heuer rund eine Woche früher als im Mittel.

Vollfrühling ist angelaufen

Auch die relativ kühlen Tage dieser Woche habe die Entwicklung kaum verzögert. Der April sei insgesamt heuer etwas wärmer als im Durchschnitt, und die nächste Jahreszeit im Kalender der Natur beginne bereits. „In den wärmeren Regionen Österreichs blüht jetzt der Flieder, wie zum Beispiel im Weinviertel, im Raum Wien, Graz und Wels sowie im Burgenland. Damit beginnt der Vollfrühling, eine der zehn Jahreszeiten der Phänologie“, erklärte ZAMG-Phänologe Helfried Scheifinger.

Die Phänologie untersucht die Entwicklung der Natur im Zusammenhang mit dem Klima und liefert für die Klimaforschung wichtige Informationen, die nicht von instrumentellen Messungen abhängen. Die Klimaerwärmung habe die Vegetationsperiode in Österreich in den letzten Jahrzehnten bereits um zwei bis drei Wochen verlängert.

Kuckucke sind zurück

„Auch in diesem Frühling hält der Trend zu einem immer früheren phänologischen Frühling an“, so Scheifinger, „der Laubaustrieb von Birke und Rosskastanie ist in vielen Regionen schon abgeschlossen. Die Blüte der Kirsch- und Zwetschkenbäume neigt sich dem Ende zu. Apfelbäume blühen noch, und die Weinstöcke beginnen mit dem Austrieb.“ Auch der Kuckuck und die Rauchschwalbe seien schon aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurückgekehrt.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat mit Mischlingshündin „Juli“ ein neues Familienmitglied. Im Rahmen der Eröffnung des ersten Österreichischen Erlebnisweges „Klimawandel“ in Altenberg an der Rax gestern begleitete das Tier den Präsidenten und dessen Frau Doris Schmidauer.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit Hund „Juli“
APA/Bundesheer/Peter Lechner

„Die Hündin gehörte einer verstorbenen Bekannten der beiden“, zitierte der „Kurier“ (Onlineausgabe) die Präsidentschaftskanzlei. „Juli“ ist sieben Jahre alt und wird wohl den Platz von Van der Bellens früherer Hündin einnehmen. „Kita“
starb voriges Jahr im Alter von 14. Der Labrador war seit Beginn der Amtszeit Van der Bellens auch oft Gast in der Hofburg.