Ausland

Gipfeltreffen Süd- und Nordkorea wird fortgesetzt

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un setzen heute ihre Gespräche über den Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms und einen dauerhaften Frieden fort. Zum Auftakt der ersten Unterredungen heute in Pjöngjang äußerte Moon seine Hoffnung auf ein Gipfeltreffen, das „zahlreiche Ergebnisse“ für alle 80 Millionen Koreanerinnen und Koreaner liefern werde.

Mit ersten inhaltlichen Details wird zum Ende der zweiten Gesprächsrunde gerechnet. Moon setzte sich unter anderem als Ziel, die festgefahrenen Verhandlungen zwischen Nordkorea und den USA wieder in Gang zu bringen. Kim hatte bei seinem ersten Zusammenkunft mit Moon im April sowie später bei seinem Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump im Juni seine Bereitschaft zur „Denuklearisierung“ bekräftigt. Doch gab es bisher keine konkreten Zusagen, wie und bis wann abgerüstet werden könnte und wie genau die Gegenleistung der USA aussehen soll.

IStGH beginnt Vorermittlungen zu Rohingya-Vertreibung

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hat Vorermittlungen gegen Myanmar wegen der Vertreibung der Rohingya-Minderheit eingeleitet. Das teilte IStGH-Chefanklägerin Fatou Bensouda gestern in Den Haag mit.

Eine UNO-Untersuchungsmission hatte Ende August in einem Bericht empfohlen, Myanmars Armeeoberbefehlshaber und fünf Generäle wegen Völkermords an der muslimischen Minderheit vor ein internationales Gericht zu stellen.

Anklage wegen Völkermords droht

Bensouda erklärte, sie werde eine „vollständige“ Voruntersuchung der vorliegenden Situation vornehmen – der erste Schritt in einem Prozess, der zu offiziellen Ermittlungen und einer Anklage führen könnte. Der UNO-Bericht verurteilte das Vorgehen der Armee als „grob unverhältnismäßig“. Bei dem Militäreinsatz seien rund 10.000 Menschen getötet worden, wobei das eine „vorsichtige“ Schätzung sei.

Die muslimische Minderheit der Rohingya wird in Myanmar seit Jahrzehnten unterdrückt und diskriminiert. Die Lage eskalierte im vergangenen Jahr, nachdem Rohingya-Rebellen bei Angriffen mehrere Grenzwächter getötet hatten. Das Militär in dem mehrheitlich buddhistischen Land reagierte mit brutaler Gegengewalt. Rund 700.000 Rohingya flohen daraufhin ins benachbarte Bangladesch.

Trump: FBI soll Vorwurf gegen Kavanaugh nicht untersuchen

US-Präsident Donald Trump hat sich gegen eine FBI-Untersuchung des gegen seinen Höchstrichterkandidaten Brett Kavanaugh erhobenen Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung ausgesprochen. Die Bundespolizei solle sich nach seiner Meinung „nicht einschalten“, sagte Trump gestern in Washington. Er begründete das damit, dass sich das FBI auch gar nicht mit der Angelegenheit befassen wolle.

Anschuldigung „so schnell wie möglich“ erledigen

Der Präsident bezeichnete Kavanaugh erneut als „herausragenden“ Kandidaten. Er forderte, dass der Senat seine angekündigte Prüfung der von der Hochschullehrerin Christine Blasey Ford erhobenen Anschuldigung „so schnell wie möglich“ erledigen solle.

Trumps Kandidat für das oberste Gericht wurde im Laufe seines Nominierungsverfahrens bereits mehrfach von der Bundespolizei durchleuchtet, was zum üblichen Prozedere gehört. Die Demokraten fordern nun, dass die Bundespolizei den Vorwurf der sexuellen Gewalt in umfassender Weise in diese Überprüfungen mit einbezieht.

Laut der Zeitung „Washington Post“ hatte sich Ford Anfang August freiwillig einem Lügendetektortest durch einen FBI-Agenten unterzogen. Dieser Test soll der Zeitung zufolge ihre Anschuldigung als glaubhaft bestätigt haben. Trump hatte den 53-jährigen Bundesberufungsrichter Kavanaugh im Juli für das oberste Gericht ernannt. Die erforderliche Bestätigung der Personalie durch den Senat steht aber noch aus.

Abstimmung verschoben

Der jetzt von Ford erhobene Vorwurf hat den Nominierungsprozess ins Stocken gebracht. Eine ursprünglich für morgen geplante Abstimmung im Justizausschuss über Kavanaugh wurde verschoben. Stattdessen soll nun am Montag eine öffentliche Anhörung zu dem Vorwurf der sexuellen Attacke stattfinden. Der Ausschussvorsitzende Chuck Grassley hatte zunächst angekündigt, dass sowohl Kavanaugh als auch Ford an dieser Anhörung teilnehmen würden. Gestern sagte er aber, das Erscheinen der Psychologieprofessorin sei noch nicht gesichert.

Vorfall geschildert

In einem am Sonntag veröffentlichen Interview der „Washington Post“ hatte die 51-jährige geschildert, dass sie Anfang der 80er Jahre während einer Teenager-Party von Kavanaugh und einem Freund – beide in „sturzbetrunkenem“ Zustand – bedrängt worden sei. Kavanaugh habe sie dann auf ein Bett gedrückt, begrapscht und versucht, sie auszuziehen. Als sie um Hilfe habe rufen wollen, habe er ihr den Mund zugedrückt. Erst als der Freund dann auf sie beide gesprungen sei und alle drei auf den Boden gefallen seien, habe sie flüchten können. Kavanaugh weist die Vorwürfe entschieden zurück.

SVP: Doppelpass „symbolischer Wert für Südtiroler“

Die doppelte Staatsbürgerschaft könne eine Gelegenheit sein, um die Beziehungen zwischen Italien und Österreich weiter zu intensivieren. Das betonte die Senatorin der Südtiroler Volkspartei (SVP), Julia Unterberger, in einer Presseaussendung gestern. „Der Vorschlag Österreichs würde zu keinen substanziellen Änderungen führen – und so muss er auch verstanden werden“, so Unterberger.

Kein Verständnis für Protest gegen Pläne

Den Protest des italienischen Außenministers Enzo Moavero Milanesi gegen Österreichs Pläne könne sie nicht ganz verstehen. „So werden nur trennende Reibungsflächen geschaffen, die nichts bringen“, sagte die SVP-Senatorin. Das Vorhaben Österreichs beziehe sich auf Menschen, die allesamt Bürger der Europäischen Union seien. „Die doppelte Staatsbürgerschaft hätte vielmehr einen symbolischen Wert für alle jene Südtiroler, die sich nach wie vor stark mit Österreich verbunden fühlen“, meinte die Parlamentarierin.

„Für viele Südtiroler steht das Ende des Ersten Weltkrieges noch immer für den Beginn einer Zeit der Entwurzelung und des Leides“, betonte SVP-Parlamentarier Dieter Steger. Die doppelte Staatsbürgerschaft könne eine Geste zur vollständigen Versöhnung darstellen, eine weitere Gelegenheit, um den Wert des Zusammenlebens im gegenseitigen Respekt und vor dem Hintergrund der jeweiligen Geschichte zu bekräftigen.

Darüber hinaus könne sich diese doppelte Staatsbürgerschaft auch auf die Idee der Europäischen Union auswirken. „Zwei starke EU-Staaten stellen sich gemeinsam hinter eine Initiative, welche die grundlegenden Werte des Zusammenlebens und der Freundschaft zwischen den Völkern unterstreicht“, meinte der SVP-Parlamentarier Meinhard Durnwalder. Das könne auch positive Folgen für andere Staaten haben. Deshalb sei zu hoffen, dass die italienische Regierung der Diskussion mit den österreichischen Kollegen nicht aus dem Weg gehe.

Weiteres Buch heizt vor Midterms Debatte über Trump an

Knapp zwei Monate vor den Kongresswahlen (Midterm Elections) in den USA heizen nicht nur die Details in den Memoiren der Pornodarstellerin Stephanie Clifford (Stormy Daniels), die behauptet, eine Affäre mit Präsident Donald Trump gehabt zu haben, die Diskussion über Charakter und Regierungsstil des Staatschefs an. Auch der entlassene Vizechef der Ermittlungsbehörde FBI, Andrew McCabe, tritt mit einem Buch in Erscheinung.

„Destruktiver Effekt für ganzes Land“

Er habe sein Buch geschrieben, weil Trumps Angriffe auf ihn zeigten, „welchen destruktiven Effekt er für das ganze Land“ habe, erklärte McCabe gestern. Der Band, der am 4. Dezember erschienen soll, hat den Titel „Die Bedrohung: Wie das FBI Amerika im Zeitalter von Terror und Trump schützt“. Nach Angaben seines Herausgebers zeichnet das Buch die 22-jährige Karriere McCabes beim FBI nach, einschließlich seiner Rolle bei den Ermittlungen der Al-Kaida-Anschläge vom September 2001 bis hin zu seiner Untersuchung einer möglichen russischen Einflusses auf die Präsidentschaftswahl 2016.

Trump untergrabe die Sicherheit der USA und das Vertrauen der Bürger in deren Institutionen, sagte McCabe. Dagegen sollte jeder Amerikaner aufstehen. McCabe hatte seine Entlassung als Vergeltung des Präsidialamtes bezeichnet, weil er die Darstellung des früheren FBI-Direktors James Comey bestätigt habe, Trump habe ihn zur Einstellung der Russland-Ermittlungen gedrängt.

Mehrere Bücher erschienen

Es sind bereits mehrere Bücher und Zeitungsbeiträge erschienen, die Trump in einem wenig schmeichelhaften Licht zeigen. Darunter sind ein Enthüllungsbuch des prominenten Journalisten Bob Woodward und die Erinnerungen der früheren Mitarbeiterin im Weißen Haus, Omarosa Manigault Newman. Die „New York Times“ veröffentlichte zudem den Artikel eines anonymen Regierungsvertreters, der von einem „stillen Widerstand“ im Präsidialamt sprach.

Inland

BVT: Wahllos Datenträger des Extremismusbüros konfisziert

Bei der Hausdurchsuchung im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) wurden offenbar wahllos Datenträger des Extremismusreferats beschlagnahmt. Das hat der mit der Durchsuchung des entsprechenden Büros betraute Beamte Gernot S. im gestrigen U-Ausschuss bestätigt. Außerdem berichtete er, dass die geladenen Polizisten von der Sicherheitsakademie auf die Aussage vorbereitet wurden.

Gernot S. gab an, die bevorstehende Vernehmung sowohl mit Kollegen in der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) besprochen zu haben als auch mit seinem Chef Wolfgang Preiszler. Der Beamte schilderte das als nicht ungewöhnlich. „Bei uns bei der EGS muss man sich das ein bisschen wie eine Familie vorstellen“, sagte der Polizist. Oberst Preiszler schaue häufig auf einen Kaffee vorbei und habe ihm geraten, die Wahrheit zu sagen.

Zusätzlich gab es laut Gernot S. auch eine Schulung für alle in den Ausschuss geladenen Beamten über das Verhalten vor Gericht und vor U-Ausschüssen durch die Sicherheitsakademie. Dass Vertrauensanwalt Michael Sommer die Fragen der Abgeordneten Alma Zadic (Liste Pilz) mehrmals unterbrach, brachte ihm einen Rüffel durch den Vorsitzenden Klaus Uwe Feichtinger (SPÖ) ein. Der Verfahrensrichter teilte Sommer schließlich mit, dass Fragen über mögliche Absprachen im Vorfeld der Aussage durchaus üblich und zulässig seien.

Einsatzleiter am Vorabend informiert

Gernot S. wurde nach eigenen Angaben am Vorabend der Hausdurchsuchung über den bevorstehenden Einsatz im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) informiert. Dass er die Durchsuchung des Büros der Leiterin des Extremismusreferats übernehmen werde, habe er erst am Tag des Einsatzes erfahren, sagte der Beamte.

Der EGS-Polizist beschrieb seinen Auftrag einerseits mit der Suche nach E-Mails zwischen der Referatsleiterin und einem konkreten Beschuldigten in der BVT-Affäre sowie mit der Beschlagnahmung aller elektronischen Datenträger. Letzteres sorgte für einiges Aufsehen, weil die Referatsleiterin nur als Zeugin geführt wird, nicht aber als Beschuldigte – und weil sie auch für Ermittlungen in die FP-nahe rechte Szene zuständig ist, also etwa in Richtung Burschenschaften und Identitäre.

„Beispielloses Chaos“ im Büro

Tatsächlich wurde u. a. auch eine DVD des deutschen Verfassungsschutzes mit Bildern vom „Ulrichsberg-Treffen“ 2015 mitgenommen. „Wir haben auch CD-ROMs mit Kinderliedern mitgenommen“, begründete Gernot S. sein Vorgehen. Außerdem habe im Büro beispielloses Chaos geherrscht. Und während der Polizist die Referatsleiterin als „voll kooperativ“ beschrieb, zitierte NEOS-Abgeordnete Stephanie Krisper aus deren Beschwerde gegen die Hausdurchsuchung. Darin beschwert sich die BVT-Mitarbeiterin, dass ihr Mitwirkungsangebot nicht angenommen worden sei und „nur unnötige physische Gegenstände/Unterlagen sichergestellt“ worden seien.

Heute steht dann u. a. die Befragung von EGS-Leiter Preiszler sowie weiteren EGS-Beamten auf dem Programm.

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Prozess: Richterin konfrontiert Grasser mit Widersprüchen

Am ersten Verhandlungstag im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) und andere nach der Sommerpause hat Richterin Marion Hohenecker ihre Einvernahme des Hauptangeklagten fortgesetzt. Am 48. Verhandlungstag in dem MegvVerfahren hielt sie ihm einige frühere Aussagen vor, die im Widerspruch zu seiner jetzigen Verteidigung stehen.

Spannend wurde es für die Zuhörenden im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts, als sie mit Grasser die Protokolle des parlamentarischen Untersuchungsausschusses durchging. Damals waren die einzelnen Schritte in der – unter Korruptionsverdacht stehenden – Privatisierung der Bundeswohnungen im Jahr 2004 ganz genau nachgefragt und beleuchtet worden. Grasser hatte im U-Ausschuss von einem „Finanzierungsrahmen“ von 960 Mio. Euro gesprochen, daher hätte man mehr herausholen können, und daher habe er die zweite Runde empfohlen.

Grasser versuchte, Widerspruch zu erklären

Das ist deswegen bemerkenswert, weil Grasser im laufenden Strafprozess immer gesagt hat, bei den 960 Mio. Euro im Angebot des – letztlich unterlegenen – Bieters CA Immo sei es nicht um einen Finanzierungsrahmen, sondern um ein „Gesamtinvestitionsvolumen“ gegangen. Daher wäre daraus auch kein endgültiger Kaufpreis absehbar gewesen. Wie Richterin Hohenecker gestern herausarbeitete, hatte Grasser im U-Ausschuss 2012 allerdings vom „Finanzierungsrahmen“ gesprochen. Auch in Notizen von Grassers damaligem Kabinettschef im Finanzministerium, Heinrich Traumüller, taucht „Fin.Zusage“ von 960 Mio. Euro auf.

„Ich habe mich damals im U-Ausschuss fälschlicherweise dazu hinreißen lassen, das zu sagen, was in der Zeitung steht, zu sagen, der Finanzierungsrahmen“, versuchte Grasser gestern, diesen Widerspruch zu erklären. De facto sei es aber der Zinsabschlag gewesen, aus dem man schließen konnte, dass in einer zweiten Runde mehr herauszuholen gewesen wäre, nicht die „Gesamtinvestitionskosten“. Hätte dann Traumüller nicht auch von einem „Gesamtinvestitionsvolumen“ schreiben müssen, und nicht von einer Finanz- oder Finanzierungszusage?, hakte die Richterin nach. „Die Frage ist nur, wie man Fin.Zusage interpretiert“, sah Grasser Interpretationsspielraum.

Das Thema ist deswegen so heikel, weil die mitangeklagten Peter Hochegger und Walter Meischberger für die Weitergabe der Information an die Immofinanz, sie sollten „mehr als 960 Mio. Euro“ bieten, eine Millionenprovision von 9,6 Mio. Euro erhielten. Die Anklage sieht Grasser hinter der – profitablen – Information, er habe auch von der Millionenprovision mitgeschnitten – was Grasser dementiert.

Der Prozess wird heute mit der weiteren Einvernahme Grassers durch die Richterin fortgesetzt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

EU

EU-Gipfel als Höhepunkt des österreichischen Ratsvorsitzes

Es ist der Höhepunkt der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft: Heute Abend und morgen kommen die 28 EU-Staats- und Regierungschefs nach Salzburg, um über Flüchtlingspolitik, innere Sicherheit und über den „Brexit“ zu reden. Ein Durchbruch in der Asylpolitik, etwa bei den von den EU-Staaten angepeilten Plattformen außerhalb der EU, ist aber nicht zu erwarten.

Start mit Debatte zu Flüchtlingspolitik

Offiziell beginnt der informelle EU-Gipfel mit einer Debatte zur Flüchtlingspolitik heute Abend in der Felsenreitschule. Morgen stehen die Themen Terrorbekämpfung und Cybersicherheit sowie der aktuelle Stand der Verhandlungen mit Großbritannien über den Austritt aus der EU auf dem Programm. In den vergangenen Wochen gerieten die „Brexit“-Gespräche ins Stocken, weshalb erwartet wird, dass die Staats- und Regierungschefs in Salzburg eine Verlängerung der Verhandlung bis November vereinbaren.

Während sich das offizielle Salzburg über den „unbezahlbaren“ touristischen Werbewert freut, müssen sich die Salzburger auf erhebliche Verkehrsbehinderungen einstellen, zudem sind Teile der Altstadt komplett abgesperrt. Für Sicherheit sorgen rund 1.750 Polizisten und mehr als 850 Soldaten. Am Rande des Gipfels sind auch Protestveranstaltungen gegen die europäische Asylpolitik geplant.

Auch Anti-Terror-Filter sind Thema

Die Copyright-Novelle ist nach der Abstimmung im EU-Parlament samt implizierter Filterpflicht für alle hochgeladenen Inhalte nun im Trilog angelangt. Dieses Verfahren hinter verschlossenen Türen wird bei besonders umstrittenen Gesetzesentwürfen eingesetzt. Wie die Detailergebnisse der Abstimmung zeigen, sind alle sieben Fraktionen vor allem in der Filterfrage auch weiterhin gespalten.

Mit der der neuen Verordnung zur „Bekämpfung terroristischer Inhalte im Web“, die von der EU-Kommission am selben Tag präsentiert wurde, kündigen sich schon neue Filtervorgaben an. Unter den „proaktiven Maßnahmen“ wird nämlich „die Einführung von Instrumenten zur automatischen Erkennung“ als oberste Option angeführt. Betroffen sind alle Services, die Kommentare oder Uploads der Benutzer zulassen. Dieser Entwurf wird auf dem EU-Gipfel diskutiert.

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Salzburg ist bereit

Gestern landeten vier Eurofighter auf dem Salzburg Airport – jeweils zwei aus Österreich und Deutschland. Die Kampfpiloten sichern Salzburg und angrenzende Regionen während des EU-Gipfels. Vor und hinter den Kulissen fanden die letzten Vorbereitungen für den Gipfel statt.

Mehr dazu in salzburg.ORF.at

Kurz: „Migrationsfrage“ nur an Außengrenzen zu lösen

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat vor dem Salzburger EU-Gipfel heute und morgen in einem „Standard“-Interview (Mittwoch-Ausgabe) betont, dass „fast alle“ eingesehen hätten, „dass die Frage der Migration nur an den EU-Außengrenzen gelöst werden kann“.

Daher gebe „es jetzt zu Recht einen Fokus auf die Stärkung der EU-Grenzschutzbehörde Frontex und die bessere Kooperation mit den Herkunfts- und Transitländern.“ Einige Mitgliedsstaaten, die „da noch etwas skeptisch“ seien, müsse man noch überzeugen. Kurz nannte Italien, Spanien, Griechenland.

„Abkommen mit Transit- und Herkunftsländern“

Es brauche „eine Verständigung aller, dass wir mit den Transitländern und Herkunftsländern in Kontakt treten müssen, Abkommen schließen müssen.“ Es gehe den skeptischen Staaten „vor allem um ihre Souveränitätsrechte und darum, dass manche Sorge vor einer besseren Registrierung der Migranten haben. Sie dürften nicht wirklich unglücklich darüber sein, dass viele Ankommende unbemerkt nach Mitteleuropa weiterziehen oder weitergewunken werden.“

„Kein Rosinenpicken“ für Großbritannien

Zweites Hauptthema des Salzburger Gipfels wird der „Brexit“ sein. Zur Aussage der britischen Premierministerin Theresa May, es werde entweder ihren Deal oder keinen geben, sagte Kurz „solche Zuspitzungen bringen uns nicht weiter. Es kann einen Deal nur geben, wenn es einen Kompromiss gibt.“ Es sei „klar, dass es kein Rosinenpicken geben kann“. Es brauche aber auch „keine Bestrafungsaktionen für Großbritannien. Ich hoffe, dass wir einen ,harten Brexit‘ ohne Abkommen vermeiden können.“

Man werde beim Salzburger Gipfel für Mitte November einen „Brexit“-Sondergipfel vorschlagen. „Ich hoffe, dass es eine Zustimmung zu diesem Vorschlag gibt und es dann gelingt, bis zu diesem Sondergipfel wirklich einen fertigen Deal auszuhandeln“, sagte der Bundeskanzler.

EU bessert „Brexit“-Grenzvorschlag nach

Die Europäische Union ist nach den Worten von „Brexit“-Unterhändler Michel Barnier bereit, ihren Vorschlag zum künftigen Umgang mit dem Warenverkehr an der irischen Grenze nachzubessern. Es gehe darum, welche Güter, die in Nordirland aus dem Rest des Vereinigten Königreichs ankämen, kontrolliert werden müssten, und wo, wann und von wem diese Kontrollen ausgeführt werden sollten, sagte Barnier gestern Abend.

Die EU und Großbritannien wollen verhindern, dass nach dem „Brexit“ zwischen dem britischen Nordirland und dem zur EU gehörenden Irland wieder eine Grenze aufgebaut wird. Die EU hat angeboten, dass Nordirland nach dem „Brexit“ innerhalb des EU-Wirtschaftsraumes bleiben könne. Zugleich will sie sichergehen, dass Großbritannien diesen Sonderstatus nicht ausnutzt, um die EU-Kontrollen seiner Waren zu umgehen.

Sport

Wirtschaft

US-Justizministerium ermittelt gegen Tesla

Die Überlegungen von Tesla-Gründer Elon Musk zum Börsenrückzug des Autoherstellers werden einem Medienbericht zufolge nun auch vom US-Justizministerium untersucht. Die Staatsanwaltschaft habe ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs eröffnet, meldete die Agentur Bloomberg gestern unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen.

Stellungnahmen des E-Auto-Herstellers und des Ministeriums lagen zunächst nicht vor. Die Tesla-Aktie verlor an der Wall Street im Verlauf fast fünf Prozent. Musk hatte am 7. August auf Twitter erklärt, das Unternehmen für 72 Milliarden Dollar von der Börse nehmen zu wollen. Später ruderte er zurück. Mit dem Fall beschäftigt sich bereits die US-Börsenaufsicht SEC.

Weltweite Nachfrage nach Städtereisen massiv gestiegen

Die Beliebtheit internationaler Städtereisen hat sich in den vergangenen zehn Jahren spürbar verstärkt. Im Vergleich zu allen weltweiten Urlaubsreisen legten Citytrips fast viermal so kräftig zu, wie aus einer Sonderauswertung des World Travel Monitors der Beratungsgesellschaft IPK International hervorgeht. Der Umfang hat sich der Erhebung zufolge seit 2007 auf 190 Millionen verdreifacht.

Strand- und Badeurlauben erstmals Rang abgelaufen

Städtereisen haben somit den Strand- und Badeurlauben erstmals den Rang abgelaufen, die jahrelang als gefragteste Urlaubsart dominierten. Der starke Anstieg der Städtetrips wurde laut IPK durch günstige Flüge und „neue Unterkunftsarten ausgelöst durch die Sharing Economy“, also Airbnb & Co., unterstützt.

Nahezu 60 Prozent aller ausländischen Städtetouristen und Städtetouristinnen wählten 2017 einen Aufenthalt in Europa, rund ein Viertel bereiste den Raum Asien/Pazifik. Dahinter folgten Nord- und Südamerika. Afrika rangierte an fünfter Stelle. Nach Ländern betrachtet waren die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien die beliebtesten Zielländer – dorthin gingen 35 Prozent aller internationalen Städtereisen. Der World Travel Monitor basiert laut Angaben der IPK auf 500.000 repräsentativen Interviews in mehr als 60 Reisemärkten weltweit und bildet globale Reisetrends ab.

„Brexit“ bremst Mini: BMW schließt Werk für vier Wochen

BMW schließt sein Werk für den Kleinwagen Mini im englischen Oxford unmittelbar nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union im März 2019 für vier Wochen. Der Autohersteller bereitet sich, wie zuvor schon andere Unternehmen, mit dem Schritt auf einen „Brexit“ ohne Folgeabkommen mit der Europäischen Union vor.

Risiken sollen minimiert werden

Die sonst im Sommer übliche Wartungsphase werde vorgezogen und beginne im kommenden Jahr bereits am 1. April, sagte eine BMW-Sprecherin gestern. „Damit wollen wir Risiken einer möglichen Unterbrechung der Teilelieferung durch einen Brexit ohne Folgeabkommen mit der EU minimieren.“

Großbritannien will die EU nach derzeitigem Stand am 29. März verlassen. Wie das ablaufen soll, ist unklar, die Verhandlungen über ein Folgeabkommen sind ins Stocken geraten. EU-Ratspräsident Donald Tusk warnte einen Tag vor einem informellen EU-Gipfel in Salzburg vor „katastrophalen“ Folgen eines chaotischen „Brexits“.

Standort in Oxford gesichert

BMW schätzt die Wahrscheinlichkeit als gering ein, dass es zu einem chaotischen Ausscheiden Londons kommt. Das Unternehmen sei aber auf Sicherheit angewiesen, „und die schaffen wir uns damit ein Stück weit selbst“, sagte die Sprecherin. Die Entscheidung, die sonst im Sommer übliche Wartungs- und Umbauphase vorzuziehen, sichere den Standort in Oxford.

BMW will ab kommendem Jahr in dem Werk in Südengland den Elektro-Mini herstellen. Im vergangenen Jahr bauten die Münchner in dem Werk fast 220.000 Autos, das sind 13 Prozent aller Fahrzeuge, die in Großbritannien produziert wurden.

Autohersteller fürchten höhere Kosten

Auch Marktführer Jaguar Land Rover warnte zuletzt vor den Folgen des „Brexits“ und kündigte gestern an, von Oktober bis Anfang Dezember eine Dreitagewoche im Werk in Castle Bromwich einzuführen. Die Autohersteller, die in Großbritannien insgesamt 850.000 Mitarbeiter beschäftigen, befürchten höhere Kosten und Verzögerungen, wenn Grenzkontrollen für Teile aus der EU eingeführt werden.

Chronik

Zwölf Tote bei Busunglück in Ecuador

Bei einem Busunglück in Ecuador sind zwölf Menschen ums Leben gekommen und 23 weitere verletzt worden. Unter den Toten seien neun Männer und drei Frauen, teilte die Gouverneurin der südwestlichen Provinz El Oro im Kurzbotschaftendienst Twitter mit.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in dem südamerikanischen Land kam der Bus von einer Straße ab und stürzte in eine mehr als hundert Meter tiefe Schlucht.

Es ist bereits das siebte Busunglück in Ecuador seit dem 12. August. Dabei starben insgesamt 63 Menschen. Mehr als 175 Menschen wurden verletzt.

Zug kollidierte in Graz mit Bus: Lenkerin tot

Im Westen von Graz ist es gestern Früh zu einem Zugsunglück gekommen. Ein Linienbus kollidierte im Bereich eines Bahnübergangs mit einem Zug. Die Buslenkerin wurde getötet, mehrere Personen wurden verletzt.

Mehr dazu in steiermark.ORF.at

Betrüger wollten Unfall ausnutzen

Betrüger wollten das Zugsunglück ausnutzen: Sie riefen bei mehreren Haushalten der Landeshauptstadt an und gaben sich als Polizisten aus. Sie sagten, dass ein Familienangehöriger in den Unfall verwickelt gewesen sei und nun eine Kaution in der Höhe von 70.000 Euro bezahlt werden müsse, sonst würde der Angehörige festgenommen. Die Polizei warnte vor den Anrufern.

Die Betrüger gaukelten den Opfern vor, dass es bei dem Familienmitglied Probleme mit der Zulassung und der Versicherung des verwickelten Autos gebe. Darum sei die Kaution fällig, sonst werde der Angehörige dem Haftrichter vorgeführt. Die Polizei bat jene Grazer, die von den falschen Polizisten angerufen wurden, sich sofort bei den echten Beamten zu melden. Keinesfalls soll Geld übergeben werden. Die Polizei fordere niemals per Telefon nach Kautionen, um Festnahmen zu verhindern.

Schulbus mit GKB-Zug kollidiert

Unterdessen wurde gestern Nachmittag ein weiterer Zugsunfall in der Steiermark bekannt: So war bereits am Montag ein Zug der GKB in Voitsberg mit einem Schulbus kollidiert.

Mehr dazu in steiermark.ORF.at

Science

Religion

Kultur

Philosoph und Kulturkritiker Paul Virilio tot

Der französische Philosoph und Kulturkritiker Paul Virilio ist tot. Der 86-Jährige sei bereits am 10. September an einem Herzstillstand gestorben, gab seine Tochter Sophie Virilio gestern in einer Erklärung bekannt, die der dpa von der Pariser Kunststiftung Fondation Cartier übermittelt wurde.

Virilio war unter anderem als Architekt und Stadtplaner tätig. Besonders bekannt wurde er für seine Überlegungen zur Auswirkung der Geschwindigkeit auf die Gesellschaft. Er sah die Beschleunigung durch die technische Entwicklung als zentralen Faktor, mit dem er sich etwa in den Büchern „Geschwindigkeit und Politik“ und „Rasender Stillstand“ kritisch auseinandersetzte.

Virilio wurde 1932 in Paris geboren. Er erlebte im Zweiten Weltkrieg die Bombardierung von Nantes durch die Alliierten, die ihn nach Angaben seiner Tochter sehr geprägt hat: Er habe sich als „ein Kind des totalen Krieges“ beschrieben. Virilio veröffentlichte auch Bücher über die Bunkerarchitektur des Krieges und zu den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA. Er wurde am Montag beigesetzt.

Gesundheit

Tuberkulose bleibt tödlichste Infektionskrankheit

Noch vor HIV und Aids ist Tuberkulose nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiterhin die tödlichste Infektionskrankheit der Welt. 1,6 Millionen Menschen starben 2017 an Tuberkulose, wie die WHO in ihrem neuen Jahresreport berichtet. An den Folgen von Aids starben nach UNO-Angaben im selben Jahr rund 940.000 Menschen. Mit Antibiotika ist Tuberkulose heilbar, ohne Behandlung kann sie tödlich sein.

Der gestern in New York veröffentlichte Tuberkulose-Bericht geht von schätzungsweise zehn Millionen Menschen aus, die 2017 weltweit an Tuberkulose erkrankten. Offiziell verzeichnete die WHO zwar nur 6,4 Millionen Fälle. Die Schätzung liegt aber deutlich höher, weil Fälle oft nicht gemeldet oder falsch diagnostiziert würden.

Tuberkulose wird teilweise als „Armutskrankheit“ bezeichnet, weil sie vor allem in strukturschwachen Regionen in Afrika, Osteuropa und Zentralasien verbreitet ist. Zwei Drittel der Neuinfektionen wurden 2017 in Indien, Indonesien, China, Pakistan, Bangladesch, Nigeria, Südafrika und auf den Philippinen registriert.