Inland

Nach dem Ministerrat hat die Regierung heute weitere Details zum gestern angekündigten Paket zur Unterstützung der Baukonjunktur verkündet.

Neben der Milliarde, die in die Errichtung und Sanierung von Wohnraum fließen soll, sollen beispielsweise die Länder mehr Kompetenzen bekommen. Sie sollen künftig Freizeitwohnungs-, Nebenwohnsitz- und Leerstandsabgaben einheben können. Zudem werden der „Wohnschirm“ aufgestockt und ein Handwerkerbonus aufgelegt.

Von 65 Millionen Euro soll der „Wohnschirm“ heuer um weitere 60 Millionen Euro auf insgesamt 125 Millionen Euro aufgestockt werden. Die Mittel dienen der Delogierungsprävention, Wohnungssicherung und Energieunterstützung. Mit der Aufstockung soll dem wegen der Inflation anhaltenden höheren Unterstützungsbedarf Rechnung getragen werden.

Ein Handwerkerbonus soll Handwerksbetriebe unterstützen sowie einen weiteren Anreiz für Wohnraumschaffung und Umbauarbeiten liefern. Handwerksarbeiten bis zu 10.000 Euro sollen mit einem Fördersatz von 20 Prozent, also mit höchstens 2.000 Euro, gefördert werden.

Bonus für Sanierungen

Auch eine erhöhte Absetzung für Abnutzung (AfA) für Wohngebäude zwischen 2024 und 2026 soll die Baukonjunktur beleben. Die erhöhte Absetzung ist an ökologische Standards gekoppelt. Die Regierung erhofft sich dadurch, dass Bauvorhaben vorgezogen oder rascher fertiggestellt werden.

Um klimafreundliche Sanierungen steuerlich attraktiver zu machen, soll es einen Sanierungsbonus geben. Bei vermieteten Wohnungen werden für die Jahre 2024 und 2025 Maßnahmen zu thermischer Sanierung und Heizungstausch gefördert.

Zudem sollen Länder günstige Wohnbaudarlehen für den Hausbau und künftiges Wohnungseigentum bereitstellen. Die Länder können Darlehen bis zu 200.000 Euro zu maximalen Zinssätzen von 1,5 Prozent vergeben. Damit das für die Länder finanzierbar wird, bezuschusst der Bund die Zinszahlungen der Länder an die Oesterreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA).

Michael Radasztics, Richter im Falschaussageprozess gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und einstiger Staatsanwalt in der Eurofighter-Causa, ist im Mai 2023 zu einer Disziplinarstrafe verurteilt worden.

Wie der „Kurier“ gestern berichtete, wurde die Entscheidung des zuständigen Disziplinargerichts, des Oberlandesgerichts (OLG) Graz, aber erst am Montag im Rechtsinformationssystem (RIS) veröffentlicht, drei Tage nach dem Urteil gegen Kurz.

Richter Michael Radasztics
ORF/Roland WInkler

Radasztics bestätigte die Causa gegenüber dem „Kurier“ und erklärte die zeitliche Komponente der Veröffentlichung damit, dass die Entscheidung zwar im Mai fiel, daraufhin aber die Oberstaatsanwaltschaft als Ankläger und er selbst als Beschuldigter Rechtsmittel eingelegt hätten. Die Causa ging zum Obersten Gerichtshof, dann hätten aber beide Seiten die Rechtsmittel zurückgezogen. Deshalb sei die Entscheidung erst im Dezember rechtskräftig geworden. Seine Strafe habe er heuer gezahlt, so Radasztics.

Pflichten „schuldhaft verletzt“

Der ehemalige Staatsanwalt, der erst seit 1. Jänner 2023 Richter ist, wurde laut „Kurier“ zu einer Geldstrafe in Höhe eines halben Monatsbezugs verurteilt. In der Eurofighter-Causa habe Radasztics dem OLG Graz zufolge seine auferlegten Pflichten „schuldhaft verletzt“, indem er das Ermittlungsverfahren erst abgebrochen und es 2012 dann unterlassen habe, den Beschuldigten, den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/parteilos), zu verständigen, dass gegen ihn ein Strafverfahren läuft.

In der Causa Eurofighter geht es um den Vorwurf, dass Radasztics dem Ex-Grünen-Abgeordneten Peter Pilz im Jahr 2018 Informationen aus Ermittlungsakten gesteckt haben soll. Konkret betraf es eine Weisung aus dem Verteidigungsministerium, wonach Aktenstücke aus Gründen der nationalen Sicherheit an das Ressort zurückzustellen seien. Strafrechtliche Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs und Verletzung des Amtsgeheimnisses wurden damals fallengelassen.

Kurz-Anwalt wollte Richterwechsel

Das Thema kam bereits am ersten Prozesstag gegen Ex-Kanzler Kurz im vergangenen Oktober auf. Kurz’ Verteidiger Otto Dietrich beantragte aus Befangenheitsgründen einen Richterwechsel. Die Begründung: Radasztics sei mit Pilz befreundet und Pilz sei ein Gegner von Kurz.

Der Richter wies den Antrag ab und konterte: „Ich habe weder ein freundschaftliches noch ein Vertrauensverhältnis zu Dr. Pilz.“ In der Eurofighter-Causa sei Pilz als Zeuge einvernommen worden, mehr habe nicht stattgefunden, so der Richter.

Ausland

Der iranische Wächterrat hat die umstrittene Disqualifikation des früheren Präsidenten Hassan Rouhani für die Wahl des Expertenrats verteidigt. „Der Qualifizierungsprozess ist abgeschlossen, und die Juristen des Wächterrats haben ihre Bewertungen vorgenommen“, sagte Hadi Tahan Nasif, Sprecher des Wächterrats, heute.

Jede Wahl habe ihre eigenen Umstände, fügte er hinzu. Es sei möglich, dass auch frühere Ratsmitglieder ihre Voraussetzungen verlieren. Der als gemäßigt eingestufte Rouhani war mehr als 20 Jahre Mitglied des Expertenrats. „Wir erleben einen neuen Ausmerzungsprozess seitens einer politischen Minderheit im Land, der ganz klar verfassungswidrig ist“, hatte der 75-Jährige jüngst den Ausschluss kommentiert.

Expertenrat bestimmt im Todesfall neuen Religionsführer

Rouhani war zwischen 2013 und 2021 Präsident und auch jahrelang Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats. Dem einflussreichen Expertenrat gehören 88 islamische Gelehrte an, die im Todesfall die Nachfolge des Religionsführers bestimmen.

Dieses Jahr wurden nur 144 Kandidaten zugelassen. Der oberste geistliche Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, gilt als mächtigster Mann im Land, im April wird er bereits 85 Jahre alt.

Am Freitag wählt der Iran ein neues Parlament und den Expertenrat. Bei der Parlamentswahl wird der Machtkampf vor allem unter Konservativen ausgefochten. Beobachtern zufolge könnte die Wahlbeteiligung ein historisches Tief erreichen.

Nach der zweiten Festnahme im Fall der RAF-Terroristin Daniela Klette ist der Verdächtige wieder freigelassen worden. Wie das Landeskriminalamt im deutschen Hannover heute mitteilte, handelt es sich zweifelsfrei nicht um einen der beiden noch flüchtigen Straftäter aus dem Bereich der RAF.

Die Polizei fahndet weiter nach den mutmaßlichen RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg. Heute wurde der Einsatz in der Wohnung der festgenommenen RAF-Terroristin Klette fortgesetzt.

Den Beschuldigten Staub, Klette und Garweg werden unter anderem versuchter Mord sowie eine Serie von schweren Raubüberfällen vorgeworfen. Die drei tauchten bereits in den 1990er Jahren unter. DNA-Spuren brachten die Ermittler darauf, dass die drei für Raubüberfälle auf Geldtransporte und Supermärkte im Zeitraum zwischen 1999 und 2016 verantwortlich sein könnten.

Die im Roten Meer zum Schutz von Handelsschiffen eingesetzte deutsche Fregatte „Hessen“ hat den ersten Angriff der aus dem Jemen agierenden Huthi-Miliz abgewehrt.

Das an der EU-Militärmission „Aspides“ beteiligte Schiff habe gestern Abend „zwei feindliche Flugziele erfolgreich bekämpft“, hieß es. Es war der erste scharfe Waffeneinsatz der deutschen Marine in dem am Freitag begonnenen Einsatz. Dieser gilt als relativ gefährlich. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz will mit dem Beschuss von Handelsschiffen im Roten Meer ein Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen erzwingen.

Reedereien meiden Route

Der Seeweg durch das Rote Meer und den Sueskanal ist eine der wichtigsten Handelsrouten weltweit. Wegen der Angriffe der Huthis meiden große Reedereien zunehmend die kürzeste Seeverbindung zwischen Asien und Europa – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

In der vergangenen Woche hatte die Huthi-Miliz erklärt, Angriffe auf Handelsschiffe vor der Küste des Landes ausweiten zu wollen. Man setze auf Eskalation als Antwort auf die Eskalation Israels im Gazastreifen, sagte der Anführer der Gruppe, Abdel-Malik al-Huthi, in einer Fernsehansprache.

Der Anwalt des verstorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny ist verhaftet worden. Er wurde gestern in Moskau in Gewahrsam genommen, berichteten mehrere russische Medien. Der Jurist Wassili Dubkow hatte vergangene Woche die Mutter Ludmilla Nawalnaja zum Straflager „Polarwolf“ begleitet, in dem Nawalny gestorben war. Nawalny war vor zehn Tagen überraschend gestorben. Er war zu mehr als 30 Jahren Haft verurteilt worden.

Die Mutter des verstorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny mit seinem Anwalt, Wassili Dubkow
Reuters/Maxim Shemetov

Die Organisation einer Trauerfeier für Nawalny wird nach Angaben seines Teams von den Behörden in Russland behindert. „Nach einem Tag Suche haben wir immer noch keinen Trauersaal gefunden“, schrieb Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch auf X (Twitter). Einige Bestattungsunternehmen hätten erklärt, sie seien ausgebucht, andere hätten abgelehnt, sobald der Name Nawalny gefallen sei.

„An einer Stelle wurde uns gesagt, dass den Beerdigungsinstituten verboten worden sei, mit uns zu arbeiten.“ Nawalny starb am 16. Februar nach Behördenangaben in einem Straflager in der sibirischen Arktisregion Jamal. Die Umstände seines Todes sind nicht geklärt. Der durch den Giftanschlag 2020 und wiederholte Einzelhaft im Lager geschwächte Politiker soll bei einem Rundgang auf dem eisigen Gefängnishof zusammengebrochen und trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben sein.

Die ohnehin im weltweiten Vergleich niedrigste Geburtenrate in Südkorea ist im vergangenen Jahr weiter gefallen. Die Geburtenrate sank auf das Rekordtief von 0,72, wie das Statistikamt heute in Seoul mitteilte. 2022 lag sie noch bei 0,78.

Diese Zahl gibt die erwartete durchschnittliche Kinderzahl für Frauen zwischen dem 15. und 49. Lebensjahr an. Wegen der hohen Kosten für die Kindererziehung und aus Furcht vor beruflichen Nachteilen verzichten viele Südkoreanerinnen auf Nachwuchs.

Die nun ermittelte Fertilitätsrate liegt weit unter dem Wert von 2,1 pro Frau, der für eine stabile Bevölkerung erforderlich wäre. Seit 2018 ist Südkorea das einzige Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit einer Rate unter eins.

Und das, obwohl das Land viele Milliarden ausgibt, um den Negativtrend zu stoppen. Die Bevölkerungszahl ist 2023 bereits das vierte Jahr in Folge gesunken.

Weiterer Rückgang erwartet

Südkoreas demografische Krise ist zum größten Risiko für das Wirtschaftswachstum und das Sozialsystem geworden. Prognosen zufolge wird sich die Einwohnerzahl von aktuell 51 Millionen bis zum Ende dieses Jahrhunderts etwa halbieren. Südkorea rechnet für dieses Jahr mit einem weiteren Rückgang der Geburtenrate auf 0,68.

Die Hauptstadt Seoul, die die höchsten Wohnkosten des Landes aufweist, wies schon im vergangenen Jahr mit 0,55 den landesweit niedrigsten Wert auf. Dabei wurden seit 2006 mehr als 360 Billionen Won (fast 250 Mrd. Euro) ausgegeben, um den Trend umzukehren. Das Geld floss etwa in Zuschüsse für die Kinderbetreuung.

EU

Die Lobbyisten des US-Konzerns Amazon haben künftig keinen Zugang mehr zu den Gebäuden des Europaparlaments in Brüssel und Straßburg. Amazon bestätigte gestern Abend, dass den Mitarbeitenden des Unternehmens ihre Zugangskarten entzogen wurden.

Gewerkschaften und Organisationen wie Lobby Control werfen dem Unternehmen vor, bei der Kontrolle der Arbeitsbedingungen an Amazon-Standorten die Zusammenarbeit mit dem Europaparlament zu verweigern.

„Wir haben sie zweimal zu Anhörungen über ihre Arbeitsbedingungen ins Europaparlament eingeladen, und sie haben sich geweigert, zu kommen“, erklärte die Abgeordnete des Arbeits- und Sozialausschusses, Agnes Jongerius.

Konzern „enttäuscht“

Amazon habe im Dezember zudem den Besuch einer Parlamentsdelegation an Standorten in Deutschland und Polen kurzfristig abgesagt. „Warum sollten wir einem Unternehmen Zugang gewähren, das uns nicht bei sich willkommen heißt?“, fügte die niederländische Sozialdemokratin hinzu.

Der Konzern zeigte sich „enttäuscht“ über die Entscheidung und verwies auf „wiederholte Versuche, konstruktiv mit den Mitgliedern des Arbeits- und Sozialausschusses zusammenzuarbeiten“. Amazon-Mitarbeitende dürfen sich demnach weiter mit Abgeordneten des Europaparlaments treffen, der Zugang zu den Gebäuden bleibt ihnen allerdings verwehrt.

Die Zahl der Asylwerber und -werberinnen in Europa hat die Marke von einer Million im vergangenen Jahr deutlich überschritten. Die Asylagentur der Europäischen Union mit Sitz in Malta registrierte in den 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie in Norwegen und der Schweiz insgesamt 1,14 Millionen Anträge.

Das geht aus dem heute in Valletta veröffentlichten Jahresbericht hervor. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Plus von 18 Prozent. Im Jahr zuvor war die Gesamtzahl der Anträge mit 996.000 noch knapp unter der Millionenmarke geblieben. Hingegen wurden in den Jahren 2015 (1,4 Millionen) und 2016 (1,3 Millionen) noch deutlich mehr registriert.

Meiste Anträge aus Syrien und Afghanistan

Die meisten Antragsteller kamen nach Angaben der Asylagentur abermals aus dem Bürgerkriegsland Syrien, gefolgt von Afghanistan. Gegen Ende des Jahres, nach Beginn des neuen Gaza-Krieges im Oktober, wollten zunehmend auch Palästinenser nach Europa.

Nicht eingerechnet sind mehr als 4,4 Millionen Menschen aus der Ukraine, die infolge des russischen Angriffskrieges Zuflucht in der EU gesucht haben und temporären Schutz bekamen.

Wichtigstes Zielland Deutschland

Mit Abstand wichtigstes Zielland blieb Deutschland, wo zwischen Jänner und Dezember 2023 nach diesen Angaben 334.000 neue Anträge registriert wurden. Vorläufigen Zahlen aus Österreich zufolge wurden im vergangenen Jahr hier rund 58.700 Asylanträge gestellt.

Im Vergleich zu früheren Jahren wurden von den EU-Staaten deutlich mehr Anträge bewilligt. Die Anerkennungsquote lag bei 43 Prozent, so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Ukraine-Krieg

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist im Vorfeld einer Sicherheitskonferenz der westlichen Balkan-Länder zu einem Besuch in Albanien eingetroffen.

Albaniens Außenminister Igli Hasani nannte die Ankunft des ukrainischen Staatschefs gestern Abend in Tirana „einen entscheidenden Moment für die Förderung der bilateralen Beziehungen und die Solidarität mit der Ukraine in ihrem heldenhaften Kampf gegen die russische Aggression“.

Es ist Selenskyjs erster Besuch in dem Land seit Beginn der russischen Invasion vor zwei Jahren. Heute wird Selenskyj an einem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der westlichen Balkan-Länder teilnehmen. Dabei soll es auch um Unterstützung für die Ukraine gehen.

Selenskyj hat in den vergangenen Wochen in zahlreichen Ländern für weitere Unterstützung und Waffenlieferungen für sein Land geworben. Die Reisen erfolgten vor dem Hintergrund von Befürchtungen, dass die Unterstützung für die Ukraine aus dem Westen fast zwei Jahre nach dem russischen Einmarsch nachlassen könnte.

Wirtschaft

In der laufenden Immobilienkrise Chinas muss sich erneut ein großer und hoch verschuldeter Bauträger vor Gericht gegen einen Antrag auf Abwicklung wehren.

Der betroffene Konzern Country Garden bestätigte in einer Börsenmitteilung heute Früh (Ortszeit), dass sein Gläubiger Ever Credit Limited das vor einem Gericht in Hongkong erwirken will.

Es gehe um einen nicht gezahlten Kredit in Höhe von 1,6 Milliarden Hongkong-Dollar (rund 188,6 Mio. Euro) zuzüglich Zinsen. Das Gericht setzte die erste Anhörung laut Country Garden für den 17. Mai fest.

Nach China Evergrande im Jänner

Nach der angeordneten Zerschlagung des mit umgerechnet mehr als 300 Milliarden US-Dollar weltweit am höchsten verschuldeten Immobilienentwicklers China Evergrande Ende Jänner droht damit erneut einem wichtigen Bauträger in China die Liquidation.

Die Krise in dem Sektor, der rund ein Fünftel zur jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes beiträgt, lastet schwer auf der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Regierung in Peking versuchte bereits, mit Lockerungen bei der Kreditvergabe und einer Liste von Bauprojekten gegenzusteuern, in die Banken investieren sollen.

Frankreich und Katar haben eine strategische Partnerschaft besiegelt, in deren Rahmen Katar eine Milliardensumme in Schlüsselsektoren der französischen Wirtschaft investieren will. Das französische Präsidialamt teilte gestern mit, dass Katar zwischen 2024 und 2030 zehn Milliarden Euro in Start-ups und Investmentfonds in Frankreich stecken werde.

Die Investitionen „zum beiderseitigen Nutzen beider Länder“ würden in Schlüsselsektoren wie Energiewende, Halbleiter, Luft- und Raumfahrt, künstliche Intelligenz, Digitaltechnik, Gesundheit, Gastgewerbe und Kultur getätigt.

Die Investitionen wurden im Rahmen eines Besuchs des Emirs von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, in Frankreich angekündigt. Es ist sein erster Staatsbesuch in dem Land seit seiner Inthronisation 2013.

Chronik

In Mexiko ist es wegen einer 2.000 Meter hohen Aschewolke über dem Vulkan Popocatepetl zu zahlreichen Flugausfällen gekommen.

Der internationale Flughafen von Mexiko-Stadt teilte gestern mit, dass nationale und internationale Fluggesellschaften 22 Flüge gestrichen hätten, „weil bei Sicherheitskontrollen Asche gefunden“ worden sei. Es sei aber nicht nötig, den Flugbetrieb einzustellen.

Rauchsäule über dem Vulkan Popocatepetl in Mexiko
Reuters/Henry Romero

Die Behörden hatten zuvor die Warnstufe zwei ausgegeben. Sie warnten davor, dass in den Bundesstaaten Morelos, Puebla und Mexiko sowie im rund 90 Kilometer von dem Vulkan entfernten Mexiko-Stadt Asche niedergehen könnte.

77 Ausbrüche in 24 Stunden

In einem gestern am späten Nachmittag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht des Zivilschutzes hieß es, dass binnen 24 Stunden 77 Ausbrüche, 952 Minuten Erschütterungen und ein Erdbeben an dem 5.452 hohen Popocatepetl festgestellt worden seien.

Der in Zentralmexiko zwischen Mexiko-Stadt und Puebla gelegene Popocatepetl gilt als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt, da in einem Umkreis von 100 Kilometern etwa 25 Millionen Menschen leben. Zuletzt war die Warnstufe für den Vulkan im Mai vergangenen Jahres erhöht worden. Damals hatten die Behörden den Ausstoß von Rauch, Asche und glühenden Gesteinsbrocken als Gefahr für die Luftfahrt und die Bevölkerung in der weiteren Umgebung eingestuft.

Mehr als 20 Jahre nach dem Mord am US-amerikanischen Hip-Hop-Musiker Jam Master Jay hat eine Jury in New York zwei einst mit ihm befreundete Männer schuldig gesprochen.

Das teilte die Staatsanwaltschaft gestern (Ortszeit) mit. Die 40- und 59-jährigen Verurteilten müssen nun mit langen Haftstrafen rechnen, die zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden.

Murel in New York zeigt den 2002 ermordeten US-amerikanischen Hip-Hop-Musiker Jam Master Jay
APA/AFP/Charly Triballeau

Der 1965 mit dem bürgerlichen Namen Jason Mizell geborene Musiker war in den 80er Jahren als DJ der legendären Rap-Band Run-DMC weltberühmt geworden. Die Ermordung des 37-Jährigen, der mit mehreren Schüssen niedergestreckt wurde, gab Ermittlern jahrzehntelang Rätsel auf.

Staatsanwaltschaft: Mordkomplott geschmiedet

Der Prozess gegen die beiden Angeklagten begann im Jänner. Den Männern wird vorgeworfen, Jam Master Jay im Oktober 2002 in einem Musikstudio im New Yorker Stadtteil Queens erschossen zu haben. Die Beschuldigten und der Ermordete stammen alle aus derselben Gegend von New York. Der Musiker war auch der Pate von einem der Männer. Mizell war verheiratet und Vater von drei Kindern.

Nach Darstellung der Anklage hatte Jam Master Jay vermehrt mit Kokain gedealt, als sein musikalischer Erfolg nachließ. Als es zum Streit mit den nun Verurteilten über das Drogengeschäft kam, schmiedeten diese nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ein Mordkomplott.

Beim Verfahren war die Todesstrafe im Vorfeld bereits ausgeschlossen worden. Auch ein dritter Mann wird beschuldigt, der separate Prozess gegen ihn soll aber erst im Jahr 2026 anlaufen.

Gesundheit

E-Zigaretten enthalten gefährliche Chemikalien. In einer Laboranalyse wurden in elektronischen Zigaretten der Marke IQOS mehrere krebserregende und ätzende Stoffe nachgewiesen. Die Schweizer Analyse wurde vom Blauen Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg in Auftrag gegeben.

Untersucht wurden vier IQOS-Tabaksticks auf Ewigkeitschemikalien (PFAS, per- und polyfluorierte Chemikalien), wie das Blaue Kreuz heute mitteilte.

Diese Chemikalien werden mit einer Reihe von Gesundheits- und Umweltproblemen in Zusammenhang gebracht. Sie werden „ewig“ genannt, weil sie in der Umwelt nicht abgebaut werden.

Nachweisen konnte das österreichische Labor vier verschiedene Ewigkeitschemikalien: Perfluordecansäure, Perfluorcapronsäure, Perfluorbutansäure und 4:2-Fluortelomersulfonsäure. Diese können schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden verursachen und sind krebserregend, wie das Blaue Kreuz mitteilte.

IT

Der US-Technologiekonzern Apple gibt einem Medienbericht zufolge die Entwicklung eines eigenen Elektroautos auf. Die zuletzt knapp 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Projekts seien gestern (Ortszeit) von der Ankündigung überrascht worden, schrieb die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. Viele von ihnen sollten künftig an künstlicher Intelligenz (KI) arbeiten, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Um Apples Autoprojekt ranken sich seit Jahren Gerüchte. Der US-Konzern soll schon vor Jahren potenziellen Partnern aus der Autobranche erste Prototypen gezeigt haben, dann wurde jedoch laut Medienberichten beschlossen, sich erst auf Software zum autonomen Fahren zu konzentrieren.

Definitiv bekannt war nur, dass Apple bis zuletzt zu selbstfahrenden Fahrzeugen umgebaute Testwagen im Silicon Valley auf die Straße schickte. Der als Projektleiter eingesetzte ehemalige Tesla-Manager Doug Field ging 2021 zu Ford, wo er die Elektroautosparte verantwortet.

Kultur

Vom Abenteuer Weltraum darf die Sentimentalität überbleiben, nicht zuletzt, wenn man den Rauch des Raketenantriebs einfängt und so wie die französische Band Air gestern für zwei Stunden im Wiener Konzerthaus konserviert.

Die gut 25 Jahre des Albums „Moon Safari“, eines jener Werke, die man laut Kritik gehört haben soll, bevor man Staub wird, war Anlass für eine Reunion von Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel, die in Wien nur mit ihrem banderfahrenen Drummer auf die Bühne traten.

Air bei ihrem Konzert in Wien
Georg Hochmuth/APA

„Es soll total ‚Moon Safari‘ werden“, hatte Dunckel im Interview mit Ö1 versprochen, und tatsächlich war das Konzert in Wiens vielleicht schönster Pop-Location nicht nur eine musikalische Bestandsaufnahme der Leistungen der Band, Downbeat im Viervierteltakt, sondern eine Art Gesamtkunstwerk in einer LED-Bentobox, in die von allen Seiten der Rauch kroch.

Es war eine unpeinliche, aber doch sentimentale Reise zurück in die französische Musikgeschichte, die im Westen von Paris, in Versailles, ihren Ursprung genommen hatte und zum Impuls für Projekte wie Phoenix und Daft Punk wurde.

Zuerst das Album, dann das Best-of

Spielte man im ersten Teil das Debütalbum ab, mit „Sexie Boy“ als frühem Highlight, so brachte der zweite Reprisenteil ein Best-of des ganzen Danach. „Playground Love“ durfte da ebenso wenig fehlen wie „Don’t Be Light“, der vielleicht beste Moment des Abends, an dem das genüsslich vor sich hin wippende Publikum gewarnt wurde, dass die Mars Attacks die Safari hinter dem Mond stören könnten.

Doch im Designer-All von Air ist alles sehr clean und aufgeräumt, der Mini Moog steht in Weiß auf einem weißen Fender-Piano, und wie im Raumschiff von Andrei Tarkowsi trägt man in diesem von Weltraummüll befreiten All edles Schuhwerk und nicht Moonboots. Die Band wirkt ohnedies genauso wie vor 25 Jahren – zurückhaltend, fit und höflich, so als läge auf diesem langen Weg durch die Geschichte gerade einmal eine Portion Tofu dazwischen.

Er habe Schauspielerinnen und Schauspieler vor zahlendem Publikum getreten oder geschlagen, er habe Nacktszenen unabgesprochen ausgedehnt: Die Vorwürfe gegen Paulus Manker unter anderem bezüglich Inszenierungen seines Stücks „Alma“ sind nicht neu. Eine vom NDR produzierte Doku rollt sie nun allerdings neu auf.

Anonymes Interview mit einem Crewmitglied
NDR

„Gegen das Schweigen – Machtmissbrauch bei Theater und Film“ nimmt den österreichischen Theatermacher als Beispiel für eine Branche, die augenscheinlich für Gewalt und Machtmissbrauch besonders anfällig ist. „Jeder der folgenden Fälle hilft zu verstehen, was grundsätzlich falsch läuft in einer Branche, in der Stars so gefeiert werden“, so Kira Gantner, eine der Autorinnen, in der Doku.

Schläge, Tritte, Nacktheit

Gantner und ihre Kollegin Zita Zengerling recherchierten über drei Jahre und sprachen mit 200 Film- und Theaterschaffenden. Etwa 70 davon legten eidesstattliche Erklärungen dazu ab, was sie den Journalistinnen berichteten. Viele der Berichte, das machten die Journalistinnen deutlich, schafften es nicht in die Doku, weil Betroffene Sorge hatten, keine Beschäftigung mehr in der Branche zu bekommen, teils weil ihnen damit auch gedroht wurde.

Von Schlägen, Tritten, verbalen Erniedrigungen berichten Betroffene, davon, sich ohne Anlass und ohne anwesende Vertrauensperson vor der Kamera nackt ausziehen zu müssen. Sie sprechen von sexualisierten Beschimpfungen, übergriffigen Berührungen, von angeblichen Castings in Privatwohnungen von Regisseuren und von Situationen, in denen Oralsex gefordert wurde als Gegenleistung für eine Vertragsverlängerung.

Die Namen bleiben in den meisten Fällen unausgesprochen. „Die Namen sind nicht egal“, so Verena Altenberger, die im Film nicht über eigene Erlebnisse spricht, wohl aber über die Notwendigkeit, die Branche zu ändern. „Aber wir dürfen nicht denken, wenn wir jetzt die Namen haben, und sie sind draußen, ist alles gut.“

Vorwürfe gegen „Polt“-Regisseur

Der zweite prominente Name aus Österreich ist Julian Pölsler, dessen größter Erfolg die Marlen-Haushofer-Verfilmung „Die Wand“ war und der für seine „Polt“-Krimiverfilmungen bekannt ist. Ihm wird unter anderem verschiedentlich verbal übergriffiges Verhalten bei Dreharbeiten vorgeworfen.

Im Film wird von einem Casting berichtet, bei dem Pölsler eine Szene mit einem sexuellen Übergriff ohne Notwendigkeit an mehreren jungen Schauspielerinnen handgreiflich nachspielte, und dass er eine junge Darstellerin bat, sich vor der Kamera auszuziehen, um ihr danach zu sagen, sie sei ohnehin zu jung für die Rolle.

Systemisches Problem

Den Journalistinnen gelingt es, das systematische Problem aufzuzeigen, etwa am Beispiel des deutschen Schauspielers und Regisseurs Kida Ramadan, dessen Ausbrüche an Filmsets berüchtigt sind – und der trotzdem immer weitere hoch dotierte Serienprojekte umsetzen darf, auch öffentlich-rechtlich finanziert.

Der Schwerpunkt auf österreichische Fälle dürfte damit zusammenhängen, dass es hier seit 2022 eine größere Bereitschaft als in Deutschland gibt, über Übergriffe zu sprechen. Damals waren es die Schauspielerin Luna Jordan, die in ihrer Dankesrede beim Filmpreis erlebte Übergriffe ansprach, und die Regisseurin Katharina Mückstein, die ihr anvertraute Erlebnisse von Betroffenen vor und hinter der Kamera öffentlich machte.

Der deutsche Blick auf österreichische Verhältnisse ist ernüchternd. Gerade am Beispiel Manker wird deutlich, wie sehr dem Theatermacher sein „Enfant terrible“-Image nicht schadet, sondern die Öffentlichkeit übergriffiges Verhalten eines Stars entschuldigt und kleinredet. Auf die Frage, ob man als Publikum eine Verantwortung hat, sagt im Film eine Zuschauerin von Manker: „Da dürfte ich in viele Theater nicht mehr gehen.“

„Gegen das Schweigen“ ist seit gestern online zu sehen, fast zwei Wochen vor der Fernsehausstrahlung.