Ausland

Der Iran hat Medienberichten zufolge vor dem Hintergrund des eskalierenden Nahost-Konflikts indirekte Gespräche mit seinem Erzfeind USA geführt. Die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtete gestern, dass „der Repräsentant der Islamischen Republik Iran bei den Vereinten Nationen indirekte Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA im Oman bestätigt“ habe.

Weiter hieß es in dem Bericht, nach Angaben des iranischen Repräsentanten seien es „nicht die ersten und werden nicht die letzten sein“. Zum Ort und Zeitpunkt der weiteren Gespräche äußerte er sich laut IRNA nicht. Zuvor hatte die US-Nachrichtenwebsite Axios berichtet, dass Regierungsvertreter der USA und des Iran im Oman indirekte Gespräche darüber geführt hätten, „wie eskalierende regionale Angriffe zu vermeiden“ seien.

Die USA und der Iran unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Die US-Interessen gegenüber dem Iran werden von der Schweiz diplomatisch vertreten. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder indirekte Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran, etwa über das iranische Atomprogramm und den Austausch von Gefangenen.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman und der Nationale US-Sicherheitsberater Jake Sullivan haben einander zu Beratungen über strategische Abkommen zwischen Riad und Washington getroffen. In der saudi-arabischen Stadt Dhahran hätten Sullivan und „MbS“ über die „halbfertige Fassung des Entwurfs der strategischen Abkommen zwischen dem Königreich und den USA“ gesprochen, berichteten saudi-arabische Staatsmedien heute. Die Arbeit daran stehe „kurz vor dem Abschluss“.

Den Medien zufolge berieten sich Sullivan und Prinz Mohammed auch darüber, „was zwischen den beiden Seiten in der palästinensischen Frage unternommen wird, um einen glaubwürdigen Weg zu einer Zweistaatenlösung zu finden“.

Es sei zudem um die Lage im Gazastreifen gegangen und „die Notwendigkeit, den Krieg dort zu beenden und die Einreise von humanitärer Hilfe zu erleichtern“, hieß es. Nach Angaben des Weißen Hauses soll Sullivan noch heute nach Israel reisen, um dort Gespräche über den Krieg zu führen.

Die Regierung von US-Präsident Joe Biden bemüht sich seit einiger Zeit darum, ein Abkommen zu erreichen, das Saudi-Arabien engere Beziehungen im Sicherheitsbereich zu den USA im Gegenzug für eine Anerkennung Israels einräumt. Washington ist schon jetzt der wichtigste Sicherheitspartner für Riad. Das Königreich strebt auch danach, Hilfe für ein ziviles Atomprogramm zu erhalten.

Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind nach Angaben eines Krankenhauses in dem Palästinensergebiet heute mindestens 20 Menschen getötet worden.

Sie hätten 20 Leichen bekommen, und es gebe „mehrere Verletzte“ nach dem Angriff auf ein Haus im Al-Nuseirat-Flüchtlingslager im Zentrum des Gazastreifens, teilte das Al-Aksa-Krankenhaus mit. Augenzeugen zufolge ereignete sich der Angriff in den frühen Morgenstunden. Die israelische Armee erklärte, die Angaben zu prüfen.

Kinder sollen unter Verletzten sein

Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtete, dass unter den Verletzten auch mehrere Kinder seien. Einsatzkräfte suchen demnach in den Trümmern weiter nach Vermissten.

Seit die israelische Armee Anfang Mai in die südlich gelegene Stadt Rafah eingerückt war, werden auch heftige Gefechte und starke israelische Bombardierungen aus dem Al-Nuseirat-Camp gemeldet. Zusammenstöße zwischen militanten Palästinensern und israelischen Soldaten ereigneten sich zuletzt auch im Lager Dschabalija im Norden des Gazastreifens.

Augenzeugen berichteten von weiteren Luftangriffen auf Häuser im Gazastreifen. Auch Teile der Stadt Rafah seien in der Nacht von Luftangriffen und Artilleriebeschuss getroffen worden.

Bericht: Ranghohes Mitglied der Hamas-Polizei in Gaza gezielt getötet

Unterdessen wurde Berichten zufolge bei einem gezielten Angriff Israels im zentralen Gazastreifen ein ranghohes Mitglied der Hamas-Polizei und sein Begleiter getötet. Ihr Fahrzeug sei in Deir al-Balah getroffen worden, hieß es am Sonntag aus Hamas-Kreisen.

Es war die Rede von dem Leiter der Untersuchungsabteilung der Hamas-Polizei. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht zu den Berichten. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor mehr als sieben Monaten hatte die Armee immer wieder gezielt Mitglieder der islamistischen Terrororganisation getötet.

Der Vizevorsitzende der ungarischen Oppositionspartei Respekt und Freiheit (TISZA) und aktuell gefährlichste Gegner von Ministerpräsident Viktor Orban, Peter Magyar, geht gegen den ungarischen Regierungschef und Vorsitzenden der Regierungspartei FIDESZ mit einer Anzeige vor, berichteten Medien heute.

Laut Magyar erfolge die Anzeige wegen Verleumdung, die aus „niedrigen Beweggründen in der Öffentlichkeit“ erstattet werde und unter anderem zur Rufschädigung beitrage.

Magyar warf Orban, dessen Propagandisten und FIDESZ auf Facebook vor, sie würden seit Wochen eine Kampagne führen, in der sie Oppositionspolitiker als Kriegsbefürworter darstellen. Diese Botschaft würden sie nun bereits auch auf Plakaten und in Videobotschaften verbreiten. „Jetzt reicht es“, konstatierte der TISZA-Spitzenkandidat bei den EP-Wahlen.

„Seien Sie kein Feigling“

Die TISZA-Partei und ihre Wählerinnen und Wähler seien alle für den Frieden, wollten weder Krieg noch Waffenlieferungen, so Magyar. Jeder, der das Gegenteil behaupte, müsse sich vor Gericht verantworten.

„Herr Ministerpräsident, seien Sie kein Feigling, verstecken Sie sich nicht hinter Ihrer Immunität“, forderte Magyar. Der Jurist erinnerte zugleich daran, dass auf diesen Tatbestand laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren verhängt werden könne.

Magyar gilt vor den Europawahlen als größter Herausforderer von Orban und seiner FIDESZ-Partei. Laut jüngsten Meinungsumfragen hinsichtlich der EP-Listen wurde TISZA mit 26 Prozent an Wählerstimmen zur stärksten Oppositionspartei, überholte damit das Parteienbündnis Demokratische Koalition- Sozialisten-Dialog, das auf 17 Prozent kam. FIDESZ wiederum sicherte sich 39 Prozent.

Der frühere US-Präsident Donald Trump hat bei einer Rede auf der Jahresversammlung des einflussreichen Waffenlobbyverbands NRA den amtierenden Präsidenten Joe Biden erneut scharf kritisiert. Biden sei der „mit Abstand schlechteste Präsident in der Geschichte unseres Landes“, sagte Trump gestern (Ortszeit) vor Tausenden NRA-Mitgliedern. „Du bis gefeuert, verschwinde, Joe!“, rief Trump unter dem Gelächter der Anwesenden. Trump bezeichnete Biden als „korrupt“ und als eine „Gefahr für die Demokratie“.

der ehemalige US-Präsident Donald Trump
APA/AFP/Getty Images/Justin Sullivan

Bereits am Freitag hatte Trump bei einem Fundraisingdinner in Minnesota erklärt, dass Waffenbesitzer und -besitzerinnen die Republikaner wählen müssen, weil „die Demokraten ihnen die Waffen wegnehmen werden“. Trump, der bei der Präsidentschaftswahl im November voraussichtlich erneut für die Republikaner kandidieren wird, ist ein enger Verbündeter der NRA.

Über 40.000 Tote durch Schusswaffen letztes Jahr

Biden von den Demokraten, der sich um eine zweite Amtszeit bewirbt, tritt dagegen angesichts der vielen tödlichen Schusswaffenangriffe im Land für eine deutliche Verschärfung des Waffenrechts ein, konnte das aber bisher nicht durchsetzen. Im vergangenen Monat ergriff das Weiße Haus Maßnahmen, um den Verkauf von Schusswaffen auf Waffenmessen und im Internet zu unterbinden.

Während seiner Amtszeit von 2017 bis 2021 hatte Trump deutliche Einschränkungen des Rechts auf den privaten Schusswaffenbesitz verhindert. Die NRA stemmt sich seit Jahrzehnten erfolgreich gegen Verschärfungen des laxen US-Waffenrechts. Trumps vergangene Präsidentschaftskampagnen hatte der Verband mit Millionensummen unterstützt. Nach Angaben des Gun Violence Archive gab es in den USA im vergangenen Jahr mehr als 40.000 Tote durch Schusswaffen.

Inland

Der britische Premier Rishi Sunak wird kommende Woche zu einem Besuch bei Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) in Wien erwartet. Thema seien Asylverfahren in Drittstaaten, teilte das Bundeskanzleramt gestern mit. Das britische Parlament hatte den umstrittenen Plan zur Abschiebung von Migranten nach Ruanda im April gebilligt. Nehammer will auch für Europa ein neues Asylmodell mit Verfahren außerhalb der EU. Der genaue Zeitpunkt des Besuchs wurde nicht bekanntgegeben.

Nehammer: Stehen auf derselben Seite

„Der einzige Weg, um illegale Migration wirklich zu verhindern, sind neben einem effektiven Außengrenzschutz Asylverfahren außerhalb der EU. Wir müssen das Problem vor den Toren der EU lösen. Nur so können wir das menschliche Leid verhindern, das die Menschen auf sich nehmen, wenn sie sich in die Hände von Schleppern begeben“, forderte Nehammer im Vorfeld des Besuchs. „Premier Rishi Sunak und ich stehen hier mit unserer klaren Haltung auf derselben Seite.“

Über die Rechtmäßigkeit des beschlossenen Ruanda-Abschiebungsgesetzes befindet Anfang Juni erst das britische Höchstgericht. Und es führt im irischen Aussöhnungsprozess zu Verwerfungen. Ein nordirisches Gericht befand Teile des Gesetzes, das Verstöße gegen Menschenrechte erlaubt, als gesetzeswidrig.

Nehammer sieht Verbündete in Italien und Dänemark

Nehammer und Sunak standen nach Angaben aus dem Bundeskanzleramt in den vergangenen Wochen aufgrund der britischen Asylpläne mehrfach im Austausch. Innerhalb der EU sieht sich Nehammer mit seiner Forderung auf Linie mit mehreren Regierungschefs, etwa der italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni oder der dänische Regierungschefin Mette Frederikson.

Derzeit würden die europäischen Rechtsnormen die Möglichkeit von Asylverfahren in Drittstaaten de facto nicht vorsehen. Über das Thema Migration hinausgehend sollen bei dem Treffen voraussichtlich auch aktuelle geopolitische Themen besprochen werden.

Ukraine-Krieg

Moskau und Kiew haben einander heute Früh gegenseitige Angriffe vorgeworfen. Russland hat demnach in der Nacht über der russisch besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim neun Raketen vom US-Typ ATACMS abgefangen. Zudem sei dort eine feindliche Drohne abgeschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau in der Früh auf Telegram mit. Kiew meldete unterdessen seinerseits, Russland habe die Ukraine in der Nacht auf heute erneut mit Drohnenattacken überzogen.

Die Luftabwehr in Sewastopol habe einen Raketenangriff abgewehrt, teilte der von Moskau eingesetzte Krim-Gouverneur Michail Raswoschajew auf seinem Telegram-Kanal mit. Nach Angaben des Rettungsdienstes von Sewastopol seien aber keine Schäden an der zivilen Infrastruktur gemeldet worden, so Raswoschajew.

Ölraffinerie getroffen

Aus Moskau hieß es außerdem, drei weitere Drohnen seien über dem grenznahen russischen Gebiet Belgorod abgefangen und zerstört worden und weitere 57 über der Region Krasnodar, hieß es. Örtlichen Behörden zufolge wurde eine Ölraffinerie bei Krasnodar getroffen. Sechs Drohnen seien in dem Werksgelände in der Stadt Slawjansk eingeschlagen. Laut der Nachrichtenagentur Interfax stellte die Raffinerie daraufhin den Betrieb zunächst ein.

Es sei aber kein Feuer ausgebrochen, meldete die staatliche Agentur TASS. Zudem habe die Luftabwehr neun von der Ukraine abgefeuerte Raketen vom US-Typ ATACMS über der annektierten Halbinsel Krim zerstört. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen.

Ukraine: „Luftabwehrschlacht“

Die Ukraine meldet die erfolgreiche Abwehr eines größeren russischen Luftangriffs. Russland habe in der Nacht mit 37 Angriffsdrohnen die Regionen Kiew, Odessa, Mykolajiw, Sumy, Winnyzja, Schytomy, Tscherkassy und Cherson attackiert, teilt die ukrainische Luftwaffe mit. Alle Drohnen vom iranischen Typ Schahed seien von der Luftabwehr abgeschossen worden.

Das Militär sprach dabei von einer „Luftabwehrschlacht“. Berichten zufolge waren an zahlreichen Orten Explosionen zu hören. In weiten Teilen des Landes hatte es zuvor Luftalarm gegeben. Über Schäden oder Opfer war zunächst nichts bekannt. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen.

Seit mehr als zwei Jahren führt Russland einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine. Infolgedessen gerät auch russisches Grenzgebiet immer wieder unter Beschuss sowie die ukrainische Krim, die Moskau bereits im Jahr 2014 völkerrechtswidrig annektiert hatte.

EU

Italien kritisiert die EU-Erklärung zur Förderung der europäischen Politik zugunsten der LGBTQ-Gemeinschaften, die der belgische Ratsvorsitz den EU-Mitgliedsstaaten vorgelegt hat. „Wir finden das Dokument sehr unausgewogen“, kritisierte Italiens Familienministerin Eugenia Roccella im Interview mit der römischen Tageszeitung „Il Messaggero“ (Sonntag-Ausgabe).

Italien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Litauen, Lettland, die Tschechische Republik und die Slowakei unterschrieben die Erklärung nicht, die dagegen von Österreich unterstützt wird.

Die Erklärung war anlässlich des Welttages gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie verfasst worden. Dem Text zufolge verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten zur Umsetzung nationaler Strategien für LGBTQ-Personen und für die Ernennung eines neuen EU-Kommissars für Gleichstellung in der neuen EU-Kommission, die aus den EU-Parlamentswahlen hervorgehen wird.

Ministerin beruft sich auf „Elternschaft“

„Jeder kann sich aussuchen, wen er lieben oder mit wem er sexuelle Beziehungen haben will. Aber die im Dokument befürwortete Freiheit, ‚zu sein, wer man will‘, ist ein ideologischer Zwang und eine Verleugnung der Realität, denn die Realität des Körpers und der sexuellen Zugehörigkeit kann nicht bis zum Ende verändert werden“, so Ministerin Roccella, die der postfaschistischen Partei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens – FdI) um Premierministerin Giorgia Meloni angehört.

„Ich denke, der sogenannte geschlechtliche Binarismus sollte weiterhin gelten: Es gibt Frauen und es gibt Männer. Wir wollen die Anthropologie bewahren, auf der die Elternschaft und die Kontinuität der Menschheit beruhen, denn wenn man Männer und Frauen abschafft, ändert sich auch die Elternschaft, und man darf sich nicht wundern, wenn keine Kinder mehr gezeugt werden“, so die Ministerin.

Mussolini für LGBTQ-Rechte

Ihre Worte sorgten für Diskussionen. Alessandra Mussolini, „Duce“-Enkelin und EU-Parlamentarierin der Forza Italia, kritisierte die Haltung der italienischen Regierung. Die 61-Jährige setzt sich für die Rechte der LGBTQ-Gemeinschaften ein.

„Die italienische Regierung schafft eine Atmosphäre der Feindseligkeit, die vielleicht nicht den Erwachsenen schadet, aber vielen jungen Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befinden, auch in einer schwierigen Familiensituation. Ich hoffe sehr, dass die Regierung es sich noch einmal überlegt und die Erklärung unterzeichnet“, so Mussolini.

Chinas Handelsministerium hat eine Anti-Dumping-Untersuchung gegen bestimmte Chemikalien aus der EU, den USA, Japan und Taiwan eingeleitet. Wie das Ministerium heute mitteilte, handelt es sich bei den betroffenen Chemikalien um „copolymerisiertes Paraformaldehyd“, welches „Kupfer, Zink, Zinn, Blei und andere metallische Werkstoffe teilweise ersetzen“ könne und unter anderem in Automobilteilen, elektrischen Geräten und Industriemaschinen verwendet wird.

Unter Dumping versteht man im Außenhandel, dass ein Produkt unter dem Herstellungspreis veräußert wird, was gegen Handelsregeln verstößt. Die Untersuchung soll innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein, könne jedoch „unter besonderen Umständen“ um weitere sechs Monate verlängert werden, hieß es.

Die Maßnahme der chinesischen Regierung wird von Experten und Expertinnen als Gegenreaktion auf die jüngsten Handelsstreitigkeiten mit dem Westen gewertet. So hat US-Präsident Joe Biden vergangene Woche unter anderem Sonderzölle von 100 Prozent gegen Elektroautoimporte aus China verhängt. Die EU untersucht derzeit selbst, inwiefern China den Markt für E-Autos verzerrt. Eine Entscheidung, ob die EU etwa Strafzölle erhebt, steht noch aus.

Wirtschaft

In einer Umfrage der Arbeiterkammer (AK), die kürzlich veröffentlicht worden war, hat jeder zwölfte Befragte angegeben, schon einmal im Krankenstand gekündigt worden zu sein. Dass die Wirtschaftskammer (WKO) im Internet Tipps zur korrekten Kündigung Kranker gibt, verärgert unter anderem die Krebshilfe.

So beschreibt die WKO etwa, wie man im Spital ein Kündigungsschreiben wirksam zustellt, „wenn der Kündigungsbrief auf dem Nachtkästchen deponiert oder in einem für die Patienten bestimmten Postfach abgegeben wird“.

Krebshilfe: „Verstörend und grenzwertig“

Die WKO „wirbt“ im Internet öffentlich mit Kündigung im Krankenstand, kritisierte die Österreichische Krebshilfe scharf. „Wir empfinden das, gelinde gesagt, als äußerst verstörend und grenzwertig“, so Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda in einer Aussendung. Er wolle sich aber auch ausdrücklich bei jenen Arbeitgebern bedanken, die an Krebs erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer „nicht fallen lassen“.

Ein genereller Kündigungsschutz im Krankenstand besteht in Österreich nicht. Krebspatientinnen und -patienten haben zwar das Recht, einen Antrag auf einen „begünstigten Behindertenstatus“ zu stellen. Dieser schützt jedoch nur bedingt vor einer Kündigung.

Das Sozialministerium erklärte sich laut Ö1 und Zeit im Bild nicht zuständig, und das Arbeitsressort strebe keine Änderung an. Die WKO sagte in einer Reaktion, sie empfehle keineswegs die Kündigung von Kranken.

Chronik

Nach einer Raveparty in einer alten Befestigungsanlage in Köln mit mindestens 18 Verletzten hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Gestern waren 18 Teilnehmer einer illegalen Veranstaltung in der Location Fort X – Teil der alten Befestigungsanlage – mit einer Kohlenmonoxidvergiftung ins Krankenhaus gekommen.

Ein Polizeisprecher sagte heute, es müsse nun geklärt werden, wer für die Party und die gesundheitsgefährdende Situation verantwortlich sei. Beamte seien zur Spurensicherung dort gewesen, ein Strafverfahren wegen Körperverletzung sei eingeleitet.

„Drohende Lebensgefahr“

Die Feuerwehr war nach einem Notruf in der Nacht auf gestern ausgerückt. Schon beim Betreten der Anlage habe das Kohlenmonoxidwarngerät Alarm ausgelöst, der CO-Wert in der Umgebungsluft sei stark erhöht gewesen. „Dieser Messwert bedeutet eine drohende Lebensgefahr für jeden, der sich in der entsprechenden Umgebung aufhält“, so die Feuerwehr. Eine Teilnehmerin hatte die Rettungskräfte alarmiert, weil ihre Freundin zusammengebrochen war.

Rund 50 bis 100 Personen feierten in den Räumlichkeiten, als die Feuerwehr eintraf. Die Einsatzkräfte veranlassten die sofortige Räumung und riefen weitere Verstärkung von Feuerwehr und Rettungsdienst hinzu.

Suche nach Betroffenen im umliegenden Gebiet

Alle Feiernden wurden ärztlich untersucht, mehrere klagten über Kopfschmerzen, Unwohlsein und Schwindel. Kohlenmonoxidmessungen ergaben bei 18 Personen eine „relevante“ Kohlenmonoxidvergiftung, für einen Betroffenen sei eine Spezialbehandlung in einer Druckkammer erforderlich geworden.

Die Feuerwehr ging zunächst davon aus, dass einige Feiernde kurz vor dem Einschreiten von Ordnungsamt und Polizei in das umliegende Gebiet geflüchtet seien und womöglich behandlungsbedürftig sein könnten. Daher startete eine Suche mit Fußtrupps und einer Drohne mit Wärmebildkamera. Die Einsatzkräfte fanden aber keine weiteren betroffenen Personen. Bei der nächtlichen Aktion waren 60 Einsatzkräfte und 21 Fahrzeuge im Einsatz.

Laut Polizei war die Veranstaltung nicht beim Ordnungsamt gemeldet. Offen sei auch, wer die Verantwortung dafür trage, dass während der Party ein Stromaggregat betrieben wurde – mutmaßliche Ursache für die Kohlenmonoxidvergiftungen. Bleiben diese unbehandelt, kann das den Feuerwehrangaben zufolge zu dauerhaften Hirn- und Nervenschäden führen und kurzfristig Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen verursachen.

Auf dem Mount Everest haben Rettungskräfte den Tod eines zweiten vermissten mongolischen Bergsteigers bestätigt. Zwei Leichen wurden am Freitag gefunden, doch musste die Identität eines der beiden Opfer erst endgültig geklärt werden, hieß es heute.

Der 53-jährige Usukhjargal Tsedendamba und der 31-jährige Purevsuren Lkhagvajav hatten sich zuletzt vor einer Woche vom Camp vier aus gemeldet, das sich weniger als einen Kilometer unterhalb des höchsten Gipfels der Welt befindet.

Die Leiche von Tsedendamba war Freitagfrüh in 8.600 Meter Höhe entdeckt worden. Zuvor hatte schlechtes Wetter mehrere Tage lang die Suche behindert. „Wir versuchen, die Leichen herunterzubringen“, sagte Pemba Sherpa vom Anbieter 8k Expeditions, der den Aufstieg für das Duo organisiert hatte, der Nachrichtenagentur AFP.

Anbieter: Ohne Führer unterwegs

Sherpa teilte mit, die beiden Männer seien ohne Führer unterwegs gewesen, ihr Funkgerät sei in ihrem Zelt gefunden worden. Nepals Tourismusbehörde hatte am Dienstag gesagt, dass andere Bergsteiger die beiden Männer Montagfrüh gesehen hätten, als sie auf dem Weg zum Gipfel gewesen seien.

Hunderte Bergsteiger sind in diesem Frühjahr bereits nach Nepal geströmt, wo acht der 14 höchsten Berge der Welt zu finden sind. Nepal hat in diesem Jahr mehr als 900 Genehmigungen für seine Berge erteilt, darunter 419 für den Everest.

Rund 80 Bergsteiger haben dieses Jahr bereits den 8.849 Meter hohen Gipfel des Everest erreicht, nachdem eine Seilschaft dort im vergangenen Monat Fixseile befestigt hatte. Es handle sich um die ersten Toten der diesjährigen Mount-Everest-Saison.

In den Hochwassergebieten im Südwesten Deutschlands hat sich die Lage teils leicht entspannt – nun sollen die Schäden begutachtet werden. Im Landkreis Trier-Saarburg sei die Nacht ruhig verlaufen, die Pegel seien weiter gesunken, sagte eine Sprecherin des in Rheinland-Pfalz gelegenen Landkreises heute zu der Nachrichtenagentur AFP.

Deswegen habe das Lagezentrum über Nacht geschlossen werden können, und die ehrenamtlichen Einsatzkräfte konnten nach Hause gehen. Nun stünden vor allem Aufräumarbeiten an.

Schwere Überflutungen

Gestern seien bereits Drohnen und ein Polizeihubschrauber in Teilen des Landkreises eingesetzt worden, um einen Überblick über die Lage zu bekommen, sagte die Sprecherin weiter. Auch am Sonntag sollten in den betroffenen Gebieten Drohnen zum Einsatz kommen.

Heftige Regenfälle hatten vor allem im Saarland, aber auch in weiteren Regionen Südwestdeutschlands am Freitagabend und gestern Früh schwere Überflutungen mit hohen Sachschäden verursacht. Trotz nachlassender Regenfälle blieb die Lage zunächst vielerorts gestern weiter schwierig, an mehreren Flüssen stiegen die Pegel zunächst weiter an.