Ausland

Als Reaktion auf die anhaltenden Angriffe der islamistischen Huthi-Miliz auf Handelsschiffe im Roten Meer haben die G-7-Staaten nach italienischen Angaben einen dauerhaften runden Tisch eingerichtet.

Die Verkehrsminister der sieben Industriestaaten hätten dafür bei ihrem Treffen im norditalienischen Mailand „grünes Licht gegeben“, sagte der italienische Verkehrsminister Matteo Salvini gestern vor Journalisten.

Die G-7-Staaten brauchten durch das dauerhafte Gesprächsformat keine weiteren formellen G-7-Treffen, sondern könnten sich „im Notfall auch per Telefon unterhalten“, so Salvini.

Kosten für Transporte steigen

Er verwies zudem auf die erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Huthi-Angriffe: Da zahlreiche Handelsschiffe statt der Durchfahrt durch das Rote Meer nun Afrika umrundeten, seien die Kosten für Containertransporte gestiegen. „Das Problem ist, dass diese Preissteigerungen auf die Verbraucher zurückfallen.“

In ihrer gemeinsamen Abschlusserklärung forderten die G-7-Verkehrsminister die vom Iran unterstützten Huthis aus dem Jemen auf, „ihre Angriffe auf Handelsschiffe sofort einzustellen“. An die iranische Führung appellierten sie, „davon abzusehen, den Huthis Unterstützung zu gewähren und solche Angriffe zuzulassen“. Zur G-7 zählen neben Italien die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan und Kanada.

Ein vermisster israelischer 14-Jähriger ist nach Angaben der israelischen Armee gestern „ermordet“ im Westjordanland aufgefunden worden. Die Leiche sei bei der Siedlung Malachei Ha Schalom gefunden worden.

Das Verschwinden des Jugendlichen hatte gestern eine großangelegte Suche und Angriffe von jüdischen Siedlern auf palästinensische Dörfer ausgelöst. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von einem „verabscheuungswürdigen Verbrechen“.

Über die Todesursache wurde zunächst nichts mitgeteilt. Bei den Angriffen von Siedlern am Vortag starb in der Nähe von Ramallah ein Palästinenser, weitere 25 wurden verletzt.

Neue Angriffe von Siedlern

Nach der Todesnachricht kam es erneut in verschiedenen Orten des Westjordanlandes zu gewalttätigen Angriffen jüdischer Siedler gegen Palästinenser, wie Augenzeugen und Medien berichteten.

Es werde geschossen, Autos würden in Brand gesetzt und Fahrzeuge mit Steinen beworfen, hieß es. Mindestens 16 Palästinenser seien verletzt worden, teilte der Rote Halbmond mit. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Israels Verteidigungsminister Joav Galant warnte vor Selbstjustiz.

Die iranische Polizei geht wieder verschärft gegen Verstöße gegen islamische Kleidungsregeln vor. Wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim auf Telegram unter Berufung auf einen Kommandeur berichtete, wurden die Kontrollen gestern landesweit verschärft. Das Tragen eines Kopftuchs sei Gesetz und die Missachtung dessen eine Straftat, zitierte die Agentur den Polizeikommandeur weiter.

Die berüchtigte Religionspolizei hatte seit den von Frauen angeführten Massenprotesten im Herbst 2022 weniger streng kontrolliert – auch weil sie mehr Gegenwehr erlebte. Stattdessen verstärkten die Sicherheitsbehörden Verstöße mittels Videoüberwachung. So wurden etwa Autos von Frauen festgesetzt, die mehrfach ohne Kopftuch am Steuer erwischt worden waren.

Die Behörden verfolgten auch Verstöße im Netz, darunter fallen in der Regel etwa Bilder von Frauen ohne Kopftuch auf Instagram. Geschäfte und Restaurants, deren Kundschaft die Kleidungsregeln missachtete, wurden auf Anordnung geschlossen.

Anhaltende Proteste

Seit Herbst 2022 ignorieren immer mehr Iranerinnen die strengen Kleidungsvorschriften. Religiöse Hardliner versuchen dagegen anzukämpfen. Ein neues Gesetz sieht drakonische Strafen vor. Die Reform wurde bereits vom Parlament verabschiedet, ist aber weiterhin nicht in Kraft getreten. In den kommenden Wochen soll eine überarbeitete Version erneut dem Wächterrat, einem erzkonservativen Kontrollgremium, vorgelegt werden.

Ausgelöst wurden die Proteste vom Tod der jungen iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini. Die Religionspolizei hatte die junge Frau wegen eines angeblich schlecht sitzenden Kopftuchs festgenommen. Eine Expertenkommission im Auftrag der Vereinten Nationen kam zu dem Schluss, dass körperliche Gewalt nach der Festnahme zu deren Tod führte.

Inland

In der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck findet heute die mit Spannung erwartete Gemeinderats- und Bürgermeisterdirektwahl statt. 100.564 wahlberechtigte Personen, davon 20.788 nicht österreichische EU-Bürger und -Bürgerinnen, sind aufgerufen, den 40 Mandate umfassenden Gemeinderat neu zu wählen. 13 Listen treten diesmal an, jede von ihnen schickt auch einen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen.

Eine Bürgermeisterstichwahl am 28. April gilt als sehr wahrscheinlich, da nicht damit zu rechnen ist, dass einer der Anwärter auf den Bürgermeistersessel bereits im ersten Durchgang die erforderliche absolute Stimmenmehrheit erreicht.

Zuletzt wurde ein Vierkampf zwischen dem seit 2018 amtierenden Grünen-Bürgermeister Georg Willi, FPÖ-Bürgermeisterkandidat Markus Lassenberger, „das Neue Innsbruck“-Frontmann und Ex-ÖVP-Staatssekretär Florian Tursky sowie dem mit einer eigenen Liste antretenden Ex-ÖVP-Vizebürgermeister Johannes Anzengruber erwartet.

Spannung verspricht auch die Listenwahl, bei der die Grünen im Jahr 2018 mit 24,16 Prozent bzw. zehn Mandaten in Führung gelegen waren. Die Wahllokale schließen um 16.00 Uhr.

Bei NEOS ist Parteichefin Beate Meinl-Reisinger in der ersten Stufe der Vorwahlen zur Listenersten für die Nationalratswahl designiert worden. Unter knapp 10.000 registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern kam sie auf 8.648 Punkte, wie aus dem veröffentlichten Resultat hervorgeht.

Für die Plätze dahinter erhielten Sepp Schellhorn, Stephanie Krisper, Yannick Shetty und Sophie Wotschke die meiste Zustimmung. Meinl-Reisinger bedankte sich auf X (Twitter) für die Unterstützung.

Als Nächstes ist am 15. April der Erweiterte Vorstand am Wort, bevor die Liste bei einer Bundesmitgliederversammlung am 20. April in Graz fixiert wird. Bei der letzten Nationalratswahl 2019 hatte NEOS 8,1 Prozent der Stimmen bzw. 15 Mandate erreicht. Diesmal hofft die Partei auf ca. zehn Prozent bzw. 20 Mandate.

Wirtschaft

Italien hat in den letzten 20 Jahren seine Weinexporte fast verdreifacht. Die Ausfuhren von italienischem Wein stiegen von 2004 bis ins Jahr 2023 um 188 Prozent. Wein besetzt den ersten Platz unter den im Ausland verkauften italienischen Agrar- und Lebensmittelprodukten, wie aus einer Analyse des italienischen Landwirtschaftsverbands Coldiretti anlässlich der Weinmesse Vinitaly, die gestern in Verona eröffnet wurde, hervorgeht.

In den USA, dem ersten Absatzmarkt für italienischen Wein, kletterte der Weinexport seit 2004 um 148 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. In Deutschland, dem zweitgrößten Markt, war bis 2023 ein Anstieg um 69 Prozent auf 1,19 Mrd. Euro zu verzeichnen. Italien exportierte 2023 in den ersten zehn Monaten nach Österreich Wein im Wert von 114,8 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 6,8 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2022, wie aus den jüngsten Angaben des Statistikamts ISTAT hervorgeht.

Italien ist vor Frankreich der weltweit größte Weinproduzent. In Italien werden 674.000 Hektar Weinberge bebaut. Der Weinsektor beschäftigt im Land 1,3 Millionen Personen und generiert einen Jahresumsatz von elf Milliarden Euro. Im Land werden 332 DOC-Weine mit garantierter Herkunft hergestellt.

Chronik

Im russischen Überschwemmungsgebiet steigen die Pegelstände weiter: In der besonders betroffenen Großstadt Orenburg stieg der Fluss Ural bis gestern Nachmittag auf einen Stand von fast zwölf Metern und damit weit über die kritische Hochwassermarke.

Mehr als 19.000 Einwohner und Einwohnerinnen wurden laut Behördenangaben bereits in Sicherheit gebracht, auch gestern wurden weitere Menschen aus ihren überschwemmten Häusern gerettet. Tausende Häuser stehen bereits unter Wasser.

Regionalgouverneur Denis Pasler erklärte am Abend, die Situation sei weiter „komplex“. „In Orenburg hat das Hochwasser seinen Höhepunkt erreicht“, fügt er hinzu. Der Ural fließt durch das Stadtzentrum von Orenburg.

Proteste gegen Behörden

In der Region Kurgan weiter östlich stieg nach Angaben des Ministeriums der Pegel des Flusses Tobol weiterhin stark an. Mehr als 6.000 Menschen wurden den Angaben zufolge hier in Sicherheit gebracht.

Anfang der Woche hatte es in Orsk in der Ural-Region Proteste wegen des Umgangs der Behörden mit der Hochwasserkatastrophe gegeben. Auslöser der Überschwemmungen sind starke Regenfälle und die Schneeschmelze bei frühlingshaften Temperaturen.

Gesundheit

Afrikas bevölkerungsreichster Staat Nigeria hat als erstes Land der Welt einen 5-in-1-Impfstoff gegen Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, eingeführt. Das Präparat Men5CV schützt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor fünf Serotypen von Meningokokken. Meningokokken sind Bakterien und werden durch Tröpfchen, etwa beim Husten und Niesen, auf andere Menschen übertragen.

Der neue Kombinationsimpfstoff biete einen umfassenderen Schutz als bisher verwendete Vakzine, die jeweils nur gegen einen Serotyp des Erregers wirksam sind, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus. Er habe das Potenzial, „künftige Ausbrüche zu verhindern und viele Leben zu retten“. Die Einführung in Nigeria bringe die Welt näher an das Ziel, Meningitis bis 2030 zurückzudrängen.

Das westafrikanische Land mit seiner rund 220 Millionen Menschen zählenden Bevölkerung liegt im „Meningitis-Gürtel“ Afrikas, der 26 Länder einschließt. Im vergangenen Jahr erlebte der Kontinent laut WHO einen 50-prozentigen Anstieg gemeldeter Meningitis-Fälle. Ein Meningokokken-Ausbruch in Nigeria führte demnach zwischen 1. Oktober und 11. März zu 1.742 Verdachtsfällen, darunter 101 bestätigten Fällen und 153 Todesfällen.

Medien

Die Journalistinnen und Journalisten des ORF trauern um Susanne Newrkla. Sie verstarb nach langer, schwerer Krankheit. Newrkla prägte jahrzehntelang die Auslandsberichterstattung vor allem der Radiojournale auf Ö1, Ö3, und FM4 und der ORF-Regionalradios mit, so der Redaktionsrat in einer Mitteilung. Sie war eine Stütze der Redaktion, unter anderem als Korrespondentin des ORF in Washington.

Der Redaktionsrat erinnert an Newrkla: „Sie war ein positiver Mensch, nie zynisch oder abgeklärt, und sie hat an das Gute mit aller Kraft geglaubt. Sie hat mit ihrem Lachen und ihrem unverbrüchlichen Optimismus ihre Kolleginnen und Kollegen bezaubert. Sie galt als Seele der Radioaußenpolitik, bis zuletzt hat sie sich um Probleme anderer gekümmert und zugehört. Wir vermissen sie.“