Inland

Nach der Befragung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) durch einen Richter wegen des Verdachts auf Falschaussage im „Ibiza“-Untersuchungsausschuss hat das 151-seitige Einvernahmeprotokoll den Weg an die Medien gefunden. Auch der ZiB2 liegt das Protokoll vor.

Die Protokolle der Einvernahme des Bundeskanzlers

Wie intensiv war Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) unter der ÖVP-FPÖ-Regierung in die Reform der Staatsholding ÖBAG und der Bestellung ihres mittlerweile ehemaligen Chefs Thomas Schmid involviert? Nach einer Anzeige von NEOS wurden Ermittlungen gegen den Kanzler geführt. Kurz wurde Anfang September befragt. Der ZIB2 liegen die Protokolle vor.

Kurz weist darin wie auch öffentlich mehrfach jeglichen Verdacht auf eine Falschaussage von sich. Die Befragung habe fünf Stunden gedauert und sei teils hitzig verlaufen, heißt es dazu unter anderem beim „Standard“. „Ich weiß nicht, wie Sie mich einschätzen, aber ich bin kein Vollidiot“, meinte er laut „Kronen Zeitung“ bei seiner Befragung.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt nach einer Anzeige gegen Kurz wegen des Verdachts, den U-Ausschuss in mehreren Punkten falsch informiert zu haben. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie intensiv er in der ÖVP-FPÖ-Koalition in die Reform der Staatsholding Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG) involviert war.

Differenzen mit der WKStA

Bei seiner Befragung im Ausschuss hatte der Bundeskanzler eine Rolle bei der Auswahl des Aufsichtsrats sowie bei der Bestellung des umstrittenen Ex-ÖBAG-Chefs Thomas Schmid heruntergespielt und sinngemäß von normalen Vorgängen gesprochen. Später aufgetauchte Chatprotokolle legten allerdings eine Abstimmung zwischen Schmid und Kurz nahe.

Kurz war bereits am 3. September einvernommen worden, publik wurde das allerdings erst Mitte dieser Woche. Dass die Befragung durch einen Richter und nicht durch die WKStA erfolgte, mit der die ÖVP seit Längerem im Clinch liegt, war ein Anliegen von Kurz’ Anwalt Werner Suppan gewesen. Im Juli hatte Justizministerin Alma Zadic (Grüne) entsprechend entschieden – „ausschließlich aus rechtlichen Erwägungen“, wie betont wurde.

Am Ende der Befragung soll Kurz-Anwalt Suppan laut „Kurier“ erklärt haben, dass der Kanzler keine Fragen des anwesenden Staatsanwalts beantworten werde. Es folgte laut „Kurier“ ein Wortgefecht mit Oberstaatsanwalt Gregor Adamovic. „Sie drehen mir schon wieder jedes Wort im Mund um, das ist ja unglaublich. Ich würde jetzt wirklich einen Punkt machen. Das funktioniert nicht so gut zwischen uns“, habe Kurz gemeint.

Die Zahl der Schulabmeldungen hat sich heuer pandemiebedingt auf rund 7.500 verdreifacht. Im Bildungsministerium hat man darauf mit strengeren Regeln für die Anmeldung zum häuslichen Unterricht reagiert. Gestern wurde der dazugehörige Erlass veröffentlicht. Neben einem freiwilligen Reflexionsgespräch am Ende des ersten Semesters sieht er u. a. vor, dass die Bildungsdirektionen die Prüfungskommission festlegen, bei der am Jahresende die Externistenprüfung abzulegen ist.

Das Reflexionsgespräch ist vorerst freiwillig, für eine Verpflichtung wären gesetzliche Änderungen notwendig. Die zuständige Sektionschefin im Bildungsministerium, Doris Wagner, spricht deshalb von einer „Serviceleistung“, damit die Eltern den Lernfortschritt ihrer Kinder sehen und einschätzen können, wie weit diese im Vergleich zu einer normalen Klasse gekommen sind.

Gespräch kann abgelehnt werden

Stattfinden soll das Reflexionsgespräch an jener Schule, an der das Kind grundsätzlich seine Schulpflicht zu erfüllen hätte, und zwar nicht in einer Prüfungssituation, sondern wie beim an Pflichtschulen etablierten Kind-Eltern-Lehrer-Gespräch. Ein Leitfaden für das Gespräch wird gerade im Ministerium ausgearbeitet.

Eltern können das für Februar vorgesehene Reflexionsgespräch auch ablehnen. Zeigen sie allerdings trotz mehrfacher Kontaktaufnahme keine Reaktion, wird die Kinder- und Jugendhilfe eingeschaltet. Kommen Eltern im Zuge des Gesprächs zum Schluss, dass der häusliche Unterricht doch nicht so gut funktioniert, können die Kinder jederzeit zurück in die Schule, wie Wagner betont.

Ministerium will „Prüfungstourismus“ entgegentreten

Der Erlass schreibt außerdem vor, dass die Bildungsdirektionen die zum häuslichen Unterricht abgemeldeten Schüler per Verordnung zu einer Prüfungsschule zuweisen kann, an der die Schüler und Schülerinnen ihre Externistenprüfung ablegen müssen. So soll „Prüfungstourismus“ verhindert werden.

Den Bildungsdirektionen wird zudem ein Instrumentarium zur Hand gegeben, um zu unterscheiden, ob erlaubter häuslicher Unterricht in einer Gruppe etwa von Geschwistern, die von einem Elternteil daheim unterrichtet werden, vorliegt, oder eine nicht genehmigte Privatschule.

Noch nicht in dem Erlass zu finden ist etwa das angekündigte verpflichtende Beratungsgespräch, bevor die Anmeldung zum häuslichen Unterricht genehmigt wird.

Ausland

ie seit Jahren in Kanada festsitzende Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou kam nach einem Deal mit der US-Justiz frei. Gestern ließ Kanada die Ende 2018 in Vancouver festgesetzte Top-Managerin des chinesischen Konzerns ausreisen, nachdem sie sich auf einen Deal mit den US-Behörden eingelassen hatte. China ließ umgehend zwei kanadische Geschäftsleute nach Hause fliegen, die fast genauso lange festgehalten worden waren.

Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou
Reuters/Tae Hoon Kim

Die Huawei-Finanzchefin und Tochter des Unternehmensgründers Ren Zhengfei war im Dezember 2018 auf Betreiben der US-Behörden im kanadischen Vancouver festgenommen worden. Die US-Regierung warf der Top-Managerin des Netzwerk-Ausrüsters und Smartphone-Anbieters unter anderem Bankbetrug vor. Meng beteuerte stets ihre Unschuld und warf den Behörden vor, ihre Rechte bei der Festnahme verletzt zu haben.

Huawei-Geschäfte im Iran

In Peking wurde das Verfahren als Teil des Handelskrieges des damaligen US-Präsidenten Donald Trump mit China gewertet. Als Teil ihrer Vereinbarung mit dem US-Justizministerium räumte Meng nun indirekt ein, eine Bank falsch über Huawei-Geschäfte im Iran informiert zu haben.

Gemäß dem Deal soll das Verfahren gegen Meng zunächst bis zum 1. Dezember 2022 auf Eis gelegt und danach eingestellt werden, wenn sie sich an die Konditionen der Vereinbarung hält. So verpflichtete sich Meng unter anderem, nicht der Darstellung einzelner Sachverhalte durch die US-Seite zu widersprechen. Bei ihrer Unschuldsbehauptung blieb sie indes bis zuletzt. Das Dokument enthält auch eine ausführliche Beschreibung der Informationen zu Geschäften einer Huawei-Tochterfirma im Iran, die Meng einer Bank unterschlagen habe.

„Geiseldiplomatie“

Der Fall Meng hatte schnell politische Dimensionen größeren Ausmaßes angenommen. Kurz nachdem die Managerin festgesetzt worden war, ließen Chinas Behörden zwei kanadische Geschäftsleute festnehmen. Im August dieses Jahres wurde einer von ihnen schließlich der Spionage und Beschaffung von Staatsgeheimnissen schuldig gesprochen und zu elf Jahren Haft verurteilt.

China erntete dafür Proteste aus dem Ausland und den Vorwurf der „Geiseldiplomatie“. Auch der zweite Kanadier musste sich in China wegen Spionagevorwürfen vor Gericht verantworten. Zu einem Urteil gegen den ehemaligen Diplomaten kam es jedoch letztlich nicht mehr. Stattdessen konnte Kanadas Premierminister Justin Trudeau nach der Einigung in der Causa Meng in der Nacht auf heute verkünden, dass seine beiden Landsleute in einem Flieger auf dem Weg nach Hause seien.

Zu diesem Zeitpunkt hatte auch Meng Kanada bereits verlassen – mit einem von der chinesischen Regierung gecharterten Flugzeug, wie der chinesische Staatssender CCTV berichtete.

Die US-Regierung hat Ausnahmen ihrer Afghanistan-Sanktionen beschlossen, um Hilfslieferungen in das Land zu erleichtern. Wie das US-Finanzministerium gestern mitteilte, wird der US-Regierung, Hilfsorganisationen und internationalen Organisationen damit gestattet, sich an humanitären Hilfslieferungen und anderen Aktionen zur „Unterstützung menschlicher Grundbedürfnisse“ in Afghanistan zu beteiligen. Erlaubt sind demnach auch „bestimmte Transaktionen“ für den Export von Verbrauchsgütern, Medikamenten und Medizinprodukten.

Darüber hinaus will die US-Regierung ihre Sanktionen gegen die radikalislamischen Taliban, das Haqqani-Netzwerk und andere Organisationen in Afghanistan aber weiter „aufrechterhalten und durchsetzen“, wie die Leiterin der Abteilung zur Kontrolle von Auslandsvermögen, Andrea Gacki, betonte.

Afghanistan ist seit Jahren auf internationale Hilfen angewiesen. Nach UNO-Angaben ist inzwischen die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren von Hunger bedroht. Das Land leidet unter einer starken Dürre, seit der Machtübernahme der Taliban befindet es sich zudem in einer Wirtschaftskrise. Die Taliban haben keinen Zugang zu Finanzmitteln der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Washington hat seine Finanzhilfen für die afghanische Regierung eingefroren.

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien sind nach Angaben der UNO inzwischen mehr als 350.000 eindeutig identifizierte Menschen getötet worden. Wie aus einer gestern veröffentlichten Bilanz des UNO-Menschenrechtsbüros (OHCHR) hervorgeht, starben zwischen März 2011 und März 2021 insgesamt 350.209 Menschen, deren Namen sowie Todesort und Sterbedatum feststehen. Die tatsächliche Zahl der Toten liege weit höher, erklärte Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet vor dem UNO-Menschenrechtsrat.

Die – nicht offizielle – Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte die Zahl der Todesopfer seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 in einem Bericht im Juni mit fast 495.000 angegeben. Die meisten Opfer wurden mit mehr als 51.700 Toten im Raum Aleppo verzeichnet.

Die ins Stocken geratenen Verhandlungen über das internationale Atomabkommen mit dem Iran sollen nach Angaben aus Teheran „sehr bald“ wieder aufgenommen werden. „Wir sichten derzeit die Wiener Verhandlungsunterlagen“, sagte der iranische Außenminister Hossein Amir-Abdollahian gestern am Rande der UNO-Generaldebatte vor Journalisten in New York. „Sehr bald“ könnten die Gespräche über das Atomprogramm wieder aufgenommen werden.

Der Minister kritisierte „widersprüchliche Aussagen“ der USA bezüglich ihrer Rückkehr zum Atomabkommen. Teheran sei für eine „konstruktive Verhandlung, die zu greifbaren und überprüfbaren Ergebnissen führt“.

Trump kündigte Abkommen einseitig auf

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) hatte am Mittwoch nach einem Treffen mit Amir-Abdollahian bestätigt, dass es demnächst in Wien Gespräche mit dem Iran zur Wiederbelebung des Atomabkommens von 2015 geben soll.

Das internationale Atomabkommen von 2015 soll den Iran am Bau von Atomwaffen hindern. Unter anderem verpflichtete sich das Land, seine Kapazitäten für die Urananreicherung einzuschränken und regelmäßige Inspektionen seiner Nuklearanlagen zuzulassen. Im Gegenzug wurden internationale Sanktionen gegen den Iran aufgehoben. 2018 stiegen dann aber die USA unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump einseitig aus dem Abkommen aus und verhängten erneut Sanktionen. Danach zog sich Teheran ebenfalls schrittweise aus der Vereinbarung zurück.

Island wählt heute ein neues Parlament. Dabei hofft Regierungschefin Katrin Jakobsdottir von den Grünen auf die nötigen Stimmen für eine neue Amtszeit.

Sie steht derzeit an der Spitze einer Koalition ihrer Bewegung mit der konservativen Unabhängigkeitspartei und der Fortschrittspartei, die Mitte-rechts-Positionen vertritt. Jüngsten Umfragen zufolge wird es für eine Neuauflage der Koalition jedoch nicht reichen.

Die isländische Parteienlandschaft ist stark zersplittert. Laut Umfragen könnten neun Parteien in das isländische Parlament Althing einziehen – ein Rekord. Allerdings dürfte das Koalitionsverhandlungen erschweren. Thema im Wahlkampf waren unter anderem der Klimawandel und die Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf das Gesundheitssystem und die isländische Wirtschaft, die stark vom Tourismus abhängig ist.

COV Ausland

Angesichts hoher Coronavirus-Fallzahlen in britischen Schulen geht ein Experte davon aus, dass sich die meisten Kinder im Winter mit dem Virus anstecken werden oder schon angesteckt waren. „Ich denke, dass sich in sechs Monaten die Mehrheit infiziert haben wird“, sagte der Public-Health-Experte Azeem Majeed vom Imperial College London laut dpa.

Seit Ende der Schulferien in England sind die Fallzahlen unter den fünf- bis 14-Jährigen enorm gestiegen. Die Inzidenz liegt mehr als doppelt so hoch wie in anderen Altersgruppen, wie etwa in einer Auswertung der „Financial Times“ zu erkennen ist.

Großbritannien impft erst seit kurzem auch zwölf- bis 15-Jährige. „Es wäre besser gewesen, damit früher zu beginnen“, sagte Majeed. „Da waren wir im Vergleich zu anderen europäischen Ländern spät dran.“ Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es bislang keine zugelassenen Coronavirus-Impfstoffe, allerdings erkranken sie auch seltener schwer. Das Risiko sei eher, dass Kinder das Virus an Erwachsene weitergäben, die nicht oder weniger wirksam durch Impfstoffe geschützt seien.

In den USA hat eine großangelegte Kampagne für Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus begonnen. Präsident Joe Biden sagte gestern (Ortszeit), rund 20 Mio. Erwachsene hätten ab sofort Anrecht auf eine Drittimpfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer. „Holen Sie sich den Booster“, sagte der Präsident im Weißen Haus.

Zuvor hatte die Chefin der Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) ein Machtwort in dem Streit darüber gesprochen, welche Bevölkerungsgruppen Anrecht auf die Impfung bekommen.

CDC empfiehlt eine Drittimpfung für alle Menschen ab 65 Jahren, für Menschen mit erhöhtem Risiko für eine schwere Erkrankung und für Beschäftigte in Berufen mit hohem Ansteckungsrisiko, etwa für Gesundheitspersonal und Lehrpersonal. Möglich ist die zusätzliche Impfdosis sechs Monate nach der zweiten Dosis.

COV Inland

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hat gestern eine neue Clusteranalyse veröffentlicht. Der Anteil der Coronavirus-Fäll mit Reisehintergrund ist deutlich zurückgegangen – von 40,1 Prozent in Kalenderwoche 33 auf 6,4 Prozent in der vorigen Kalenderwoche.

Der Prozentsatz im Bereich Bildung stieg im gleichen Zeitraum trotz Schulbeginns nur von 1,1 auf 6,3 Prozent. Die meisten geklärten Fälle gehen mittlerweile wieder auf Ansteckungen im Haushalt zurück (63,7 Prozent). Die effektive Reproduktionszahl sank laut AGES unterdessen erstmals seit Anfang Juli für Gesamtösterreich unter 1,0 und lag bei 0,96.

Experte: Weitere 800.000 Impfungen nötig

In den vergangenen Tagen kam es zu einer Stagnation bzw. einem leichten Rückgang der 7-Tage-Inzidenz. Simulationsforscher Niki Popper sprach diesbezüglich von „einer vorübergehenden Delle“.

Das relativ warme Wetter, das funktionierende Testen an Schulen und die weniger gewordenen Reiserückkehrer und -rückkehrerinnen seien ausschlaggebend dafür.

800.000 Impfungen müssten noch geschafft werden, dann wäre jetzt schlagend werdenden Effekten wie schlechterem Wetter und mehr Aufenthalt in Innenräumen „allein durchs Impfen“ ohne zusätzliche starke Maßnahmen genügend entgegenzusetzen. „Dann sind wir wirklich aus dem Schneider“, so Popper.

„Kippelige Situation“

13.401 Impfungen wurden gestern durchgeführt. Insgesamt haben laut den Daten des E-Impfpasses 5.685.519 Menschen in Österreich zumindest eine Teilimpfung erhalten, das sind 63,6 Prozent der Einwohner. 5.371.741 Menschen und somit 60,1 Prozent der Bevölkerung sind grundimmunisiert.

Dass die 7-Tage-Inzidenz seit neun Tagen zurückgeht, habe nichts mit den Entwicklungen in anderen Coronavirus-Wellen zu tun, als mit massiven Gegenmaßnahmen gegengesteuert werden musste. „Wir haben jetzt eine sehr kippelige Situation“, analysierte der Forscher im Ö1-Mittagsjournal.

Viele Menschen, wenn auch noch nicht ausreichend viele, seien geimpft und somit „aus den Ausbreitungsnetzwerken draußen“. Gleichzeitig gebe es aber immer noch genug Ressourcen in Bevölkerungsgruppen, die sich infizieren können.

Ansteckungen gehen weiter

Die Ansteckungen würden also weitergehen, aber ohne exponentielles Wachstum wie davor. „Die Frage ist, wie hoch kommen wir da und können wir diesen Anstieg, den wir durchlaufen müssen, niedrig halten“, sagte Popper. Er sprach von einem „logistischen Wachstum“, dabei gehe die Ansteckungskurve zunächst noch exponentiell nach oben, dann werde sie gerade und schmiege sich an die Herdenimmunität an, deren Ausmaß noch nicht bekannt sei.

Die Folge sei eine schrittweise Eindämmung, die Krankheit brauche „immer mehr Kraft“, um neue zu Infizierende zu finden. Österreich stehe „ganz am Anfang dieser Phase“.

Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei 133 (Stand: gestern, 14.00 Uhr).

Am höchsten ist die Zahl in Oberösterreich (179) und Wien (174,7). Am niedrigsten ist der Wert im Burgenland (72,6) und in Tirol (86,3).

Das Berichtsschema der AGES zeigt die Zahlen vom Vortag – wie die Meldung der Ministerien. Wesentlicher Unterschied zu den Ministeriumsmeldungen: Laborbestätigte Fälle, Tote etc. werden nicht zum Meldezeitpunkt dargestellt, sondern zum Diagnose- bzw. Sterbedatum. In der Darstellung in ORF.at wird auch täglich transparent gemacht, welchen Tagen die neu gemeldeten Fälle zugeordnet werden.

Ministerien melden 1.754 Neuinfektionen

Das Gesundheits- und das Innenministerium meldeten 1.754 neu registrierte Coronavirus-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden (Stand: gestern, 9.30 Uhr). Diese Zahlen nannten die Bundesländer dem nationalen Krisenstab.

Landesweit verstarben bisher laut Ministerium 10.953 Menschen an den Folgen des Coronavirus. Derzeit befinden sich 860 Personen aufgrund des Coronavirus in Spitalsbehandlung, davon 220 auf Intensivstationen.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Erklärung zur Zählweise und weiteren Fragen in ORF.at/corona

In den vergangenen Tagen sind vor Wiener Schulen Flugzettel verteilt worden, die auf angebliche Gefahren der Coronavirus-Impfung hinweisen und Maßnahmen scharf kritisieren. Die Flyer enthalten viele falsche und irreführende Behauptungen – ein Faktencheck überprüft die wichtigsten von ihnen.

Mehr dazu in science.ORF.at

EU

Nach einem Tiefstand im Vorjahr ist die Anzahl der in den EU-Staaten gestellten Asylanträge nach oben geschnellt.

Im zweiten Quartal 2021 beantragten 103.895 Personen zum ersten Mal Schutz in den Mitgliedsstaaten, das sind um 115 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahr und um neun Prozent mehr als im Vergleich zum ersten Quartal, wie das EU-Statistikamt Eurostat gestern mitteilte. Der Wert lag jedoch immer noch unter dem Niveau vor der Coronavirus-Pandemie.

Gegenüber dem zweiten Quartal 2019 wurde ein Rückgang von 28 Prozent verzeichnet. Ein Minus gab es auch bei der Anzahl der Personen, die einen Folgeantrag stellten. Waren es im ersten Quartal 2021 noch 28.150 Folgeanträge, beantragten im darauffolgenden Quartal nur noch 13.805 einen.

Die höchste Zahl an Erstantragstellern im zweiten Quartal 2021 registrierte Deutschland (29.545), gefolgt von Frankreich (22.015) und Spanien (12.335). Auf diese drei Mitgliedsstaaten entfielen 61 Prozent aller erstmaligen Asylwerber und Asylwerberinnen in der EU.

Antragssteller aus Syrien und Afghanistan

Die höchste Zahl unbegleiteter Minderjähriger, die Asyl beantragten, verzeichneten Belgien, Österreich und Deutschland. Insgesamt stellten im zweiten Quartal 2021 4.240 unbegleitete Minderjährige in der EU einen Asylantrag – das waren um 19 Prozent mehr als im ersten Quartal 2021.

In Belgien waren es 620 Anträge, in Österreich 615 und in Deutschland 610. In Tschechien, Estland, Lettland und Malta suchte hingegen kein unbegleiteter Minderjähriger um Asyl an.

Was die Herkunftsländer angeht, stehen Syrien (20.640 Erstantragsteller), Afghanistan (13.860) und Pakistan (4.430) an der Spitze. Staatsangehörige dieser Länder machten im zweiten Quartal 2021 mehr als ein Drittel (37 Prozent) aller erstmaligen Asylwerber aus.

Wirtschaft

Nach der Ankündigung einer kräftigen Gaspreiserhöhung durch den Anbieter Montana setzt der niederösterreichische Energieversorger EVN hinsichtlich einer möglichen Anhebung auf Abwarten, ebenso die Vertriebskooperation EnergieAllianz, der auch die Energie Burgenland und die Wienenergie angehören.

In Oberösterreich verwies der Landesversorger Energie AG auf die noch bis Anfang 2022 geltende Preisgarantie. Derzeit „prüft man eine Verlängerung dieser Preisgarantie“. Bei der Linz AG beruft man sich ebenfalls auf eine Preisgarantie, und zwar bis Ende März 2022 – „daran halten wir fest“.

Auf die Kunden und Kundinnen des Landesversorgers Salzburg AG haben die steigenden Energiepreise auf dem europäischen Großhandelsmarkt vorerst keine weiteren Auswirkungen auf die Kunden – es habe mit 1. August eine Preisanpassung gegeben

Sport

Die dritte Runde der ICE Hockey League hat für Österreichs Meister KAC, Salzburg und die Vienna Capitals mit Misserfolgen geendet. Als Tabellenführer nach Tschechien gereist, ging der KAC gestern gegen Znojmo sogar mit 0:6 (0:2 0:2 0:2) unter und musste in der Folge die Leaderrolle abgeben.

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Austria Lustenau hat sich vom Out in der zweiten ÖFB-Cup-Runde gegen Regionalligist Weiz nicht aus der Bahn werfen lassen. Die Vorarlberger feierten gestern in der neunten Runde der Admiral 2. Liga gegen die Juniors Oberösterreich einen 5:0 (3:0)-Erfolg und gewannen damit zum fünften Mal in Folge. Insgesamt war es Sieg Nummer acht im neunten Spiel, womit die Lustenauer mit nun 24 Punkten weiter klar die Tabelle anführen.

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Max Verstappen droht nach einem Motorenwechsel der Verlust der WM-Führung in der Formel 1. Der 23-Jährige startet morgen vom letzten Platz in den Grand Prix von Russland und nimmt damit einen Nachteil im Titelkampf mit Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes in Kauf. Gestern wählten der Niederländer und sein Red-Bull-Team, die Antriebseinheit zu wechseln. Da nun bereits der vierte Motor eingesetzt wird, aber nur drei erlaubt sind, erfolgt in Sotschi die Rückversetzung als Strafe.

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Chronik

Zwei Frauen haben gestern in Ellmau (Tirol) aus dem Speichersee der Hartkaiserbahn gerettet werden müssen. Zuerst waren ihre drei Hunde ins Wasser gefallen, beim Rettungsversuch stürzten auch die Frauen in den See.

Mehr dazu in tirol.ORF.at

Wien bekommt eine neue Straßenbahnlinie. Die Arbeiten für die Linie 27 nehmen immer mehr Gestalt ein. Der 27er fährt ab 2025 von Strebersdorf bis zur U2-Station Aspern. 100 Millionen Euro werden investiert.

Mehr dazu in wien.ORF.at

Science

Menschen könnten den amerikanischen Doppelkontinent Tausende Jahre früher erreicht haben als bisher angenommen. Zu dieser Erkenntnis kommt ein Forschungsteam, das in New Mexico zahlreiche menschliche Fußabdrücke gefunden hat.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler datierten die gut erhaltenen versteinerten Abdrücke auf ein Alter zwischen 23.000 und 21.000 Jahre. Die bisher gängigste Annahme, wonach der Mensch den Kontinent erst vor 16.000 Jahren besiedelt habe, müsste somit zumindest um ein paar tausend Jahre nach vorne korrigiert werden, berichtete gestern unter anderem die BBC.

Population ausgestorben?

Die Forscherinnen und Forscher veröffentlichten ihre Erkenntnisse in der aktuellen Ausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift „Science“. Laut ihnen könnten die Funde ein Hinweis darauf sein, dass es große Wanderbewegungen gegeben habe, von denen wir noch nicht wissen. Und es bestehe die Möglichkeit, dass die frühen Populationen in Amerika ausgestorben seien.

Hinterlassen wurden die Fußabdrücke im weichen Schlamm am Rande eines damals seichten Sees, und zwar – aufgrund der Größe der Fußabdrücke – wohl vor allem von Kindern und Jugendlichen. Das Gebiet ist heute Teil des Alkali Flat – eines ausgetrockneten Seebetts im White-Sands-Nationalpark.

Heiß diskutiertes Thema

Wann Menschen tatsächlich das erste Mal den amerikanischen Doppelkontinent besiedelten, ist ein wissenschaftlich heiß diskutiertes Thema. Zwar werden immer wieder Artefakte gefunden, deren Alter mit über 16.000 Jahren datiert wird und die menschliche Werkzeuge sein könnten. Ob es sich dabei tatsächlich um von Menschen gemachte Stücke handelt oder sie doch nur auf natürlichem Weg – etwa durch Erosion – entstanden sind, ist aber umstritten.

„Einer der Gründe, warum es so viele Diskussionen gibt, ist der Mangel an eindeutigen und sicheren Daten“, sagte Matthew Bennett, Professor an der Universität Bournemouth und Erstautor der Studie, gegenüber BBC News. Der jetzige Fund könnte aber genau das liefern, so Bennett.

Schwierigkeiten der Radiokarbondatierung

Das Alter von Funden wie den Fußabdrücken wird durch Radiokarbondatierung ermittelt. Dazu wird der Zerfall von Kohlenstoffatomen in organischem Material berechnet. Und solches organische Material findet sich auch in dem Ufersediment, in dem die Menschen ihre Abdrücke hinterließen. Das Problem in Gegenden im oder am Wasser ist allerdings, dass in einem solchen Umfeld „alter Kohlenstoff“ neu eingebunden werden könnte – was die Radiokarbondatierung verfälschen dürfte.

In diesem Fall dürfte das aber nicht der Fall gewesen sein, sagte gegenüber BBC auch der an der Uni Wien lehrende britische Experte für Radiokarbondatierung, Tom Higham. Die Forscherinnen und Forscher argumentierten zu Recht, „dass der See zu der Zeit, als die Menschen dort spazieren gingen, seicht gewesen sein muss“. Das würde die Auswirkungen von solchen „Stausee-Effekten“ abschwächen. „Ich glaube, dass es sich insgesamt um eine 21.000 bis 23.000 Jahre alte Sequenz handelt“, so Higham.

Kultur

Der US-Schauspieler Michael K. Williams ist an einer Überdosis Drogen gestorben. Der 54-jährige Star der Serie „The Wire“ sei an einer „akuten Vergiftung durch das Zusammenwirken von Fentanyl, P-Fluorofentanyl, Heroin and Kokain“ gestorben, teilte die New Yorker Gerichtsmedizin gestern mit. Williams fügte sich die tödliche Überdosis demnach vermutlich versehentlich zu.

Williams war am 6. September tot in seiner Wohnung in New York gefunden worden. Zur Todesursache hatte die Polizei zunächst keine Angaben gemacht. In Medienberichten war aber bereits von einer Überdosis Drogen die Rede gewesen.

Williams hatte in der Vergangenheit in Interviews offen über seine Drogensucht gesprochen und erzählt, dass er einen Großteil seiner Einnahmen aus „The Wire“ für Rauschgift ausgegeben hatte. Durch seine Rolle als homosexueller Raubmörder Omar Little in der HBO-Erfolgsserie war Williams international bekannt geworden. Die fünf Staffeln der Serie über die Rivalitäten von Drogendealer-Banden in der US-Stadt Baltimore liefen von 2002 bis 2008.

Williams war mehrfach für den US-Fernsehpreis Emmy nominiert, dieses Jahr beispielsweise für seine Rolle in der Serie „Lovecraft Country“. 2015 wurde er für seine Rolle als Ehemann der Bluessängerin Bessie Smith in dem Film „Bessie“ nominiert, 2016 für „The Night Of – Die Wahrheit einer Nacht“, 2019 für „When They See Us“. Williams war außerdem in den Filmen „12 Years a Slave“, „The Road“ und „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ zu sehen.

Wenn es beim steirischen herbst heißt, man geht hinaus zu den Leuten, dann ist das durchaus ernst zu nehmen. Installationen im öffentlichen Raum, Kunstplakate, eine poetische Liebeserklärung als Postwurfsendung an alle Grazerinnen und Grazer, und dann: Stefanie Sargnagel, die im Stile Elizabeth T. Spiras die Stadt erkundet.

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Religion

Die katholischen Bischöfe in Kanada haben sich bei den Ureinwohnern des Landes offiziell für Unterdrückung und jahrzehntelangen Missbrauch in kirchlichen Internaten entschuldigt.

„Wir, die katholischen Bischöfe Kanadas, drücken unsere tiefe Reue aus und entschuldigen uns unmissverständlich“, erklärten sie gestern. In den vergangenen Monaten waren mehr als 1.000 anonyme Gräber in der Nähe ehemaliger katholischer Internate entdeckt worden.

Die Bischöfe erkannten „das in den Internaten erlebte Leid“ an und „den schwerwiegenden Missbrauch, der von einigen Mitgliedern“ der katholischen Gemeinde begangen worden sei. Zahlreiche religiöse Gemeinden und katholische Diözesen „haben in diesem System gedient, das zur Unterdrückung von Sprachen, der Kultur und der indigenen Spiritualität geführt hat, ohne den Reichtum der Geschichte, der Traditionen und der Weisheit der indigenen Völker zu respektieren“, erklärten sie.

Zwang zur Anpassung

In Kanada waren ab 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. Nach bisherigen Angaben starben mindestens 3.200 dieser Kinder, die meisten an Tuberkulose. Die letzten dieser Schulen schlossen erst in den 90er Jahren.

Viele indigene Gemeinschaften machen die Heime, die ganze Generationen geprägt haben, heute für soziale Probleme wie Alkoholismus, häusliche Gewalt und erhöhte Suizidraten verantwortlich.

Leute

Das frühere Supermodel Linda Evangelista hat nach einer offenbar verpfuschten Schönheitsoperation den Hersteller des dabei eingesetzten Gerätes auf 50 Mio. Dollar (etwa 42,6 Mio. Euro) Schadenersatz geklagt.

Die 56-Jährige reichte bei einem Bundesgericht in New York eine Klage gegen das Unternehmen Zeltiq Aesthetics ein. Darin begründet die Kanadierin die geforderte Summe mit „dauerhafter Verletzung und Entstellung, Schmerz und Leid, schwerwiegender emotionaler Belastung und Seelenqual und wirtschaftlichen Verlusten“.

„Karriere und Körper ruiniert“

Die schiefgegangene Fettreduzierung vor fünf Jahren habe „ihre Karriere und ihren Körper ruiniert“, heißt es in der Klageschrift, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag. So sei sie nicht mehr in der Lage, „ein Einkommen als Model zu verdienen“.

Seit den Eingriffen im Jahr 2016 erzeilte die Kanadierin den Angaben zufolge „keinerlei Einkommen durch Modeln“ mehr – mit Ausnahme einer nachträglichen Zahlung für eine frühere Werbekampagne für ein Parfüm. In ihrer Klageschrift wirft die einstige Modelikone dem Unternehmen vor, mögliche Nebenwirkungen verschleiert zu haben.