COV Ausland

Wegen eines Anstiegs von Coronavirus-Neuinfektionen verschiebt Israel die geplante pauschale Einreiseerlaubnis für geimpfte Individualtouristinnen und Individualtouristen um einen Monat. Erst ab 1. August sollen Urlauberinnen und Urlauber ohne vorherige Genehmigung ins Land kommen dürfen, wie eine Sprecherin des Tourismusministeriums heute bestätigte.

Noch am Sonntagabend hatte Innenministerin Ayelet Shaked von der ultrarechten Jamina-Partei auf Facebook geschrieben, geimpfte Individualtouristinnen und Individualtouristen dürften ab 1. Juli einreisen. Am Montag stieg allerdings die Zahl der registrierten Coronavirus-Neuinfektionen auf mehr als 100 innerhalb von 24 Stunden – das erste Mal seit zwei Monaten. Die meisten davon stehen nach offiziellen Angaben in Verbindung mit der Delta-Variante des Virus.

Im Neun-Millionen-Einwohner-Land Israel haben mehr als 5,5 Millionen Menschen bereits eine erste Coronavirus-Impfung erhalten, rund 5,2 Millionen Menschen auch die zweite Dosis. Die Impfkampagne war besonders zu Beginn sehr erfolgreich und sorgte international für Aufsehen.

Die hoch ansteckende Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Frankreich weiter aus. Sie stehe inzwischen für „neun bis zehn Prozent“ der Neuansteckungen, sagte Regierungssprecher Gabriel Attal heute nach der wöchentlichen Sitzung des Coronavirus-Kabinetts unter Leitung von Präsident Emmanuel Macron.

Am Freitag hatte Macron ihren Anteil in Frankreich bei einem Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel noch mit rund sechs Prozent beziffert.

In dem Departement Landes an der Atlantikküste macht die zuerst in Indien festgestellte Variante dem Sprecher zufolge sogar bereits 70 Prozent der Neuansteckungen aus. Das Gebiet zwischen Bordeaux und der spanischen Grenze sei das einzige in Frankreich, in dem die Zahl der Neuansteckungen wieder über den europäischen Alarmwert von 50 pro 100.000 Einwohnern gestiegen sei, sagte Attal.

Um die Ausbreitung der Delta-Variante zu stoppen, setzte die Regierung Russland und die Seychellen auf ihre „rote Liste“. Sie umfasst Länder, in die Franzosen nur mit triftigem Grund reisen dürfen. Bei der Rückkehr gelten strenge Test- und Quarantänepflichten.

Griechenland erleichtert die Einreise aus Österreich. So reicht nun auch ein negativer Antigen-Schnelltest innerhalb der letzten 48 Stunden vor der Ankunft in Griechenland für die Einreise, wie der Homepage des österreichischen Außenministeriums heute zu entnehmen war. Bisher war bei der Einreise ein negativer PCR-Test, ein Impf- oder ein Genesungszertifikat vorzulegen.

Nach Auskunft des griechischen Zivilschutzes werde ein „Absonderungsbescheid“ ebenfalls akzeptiert, so das Außenministerium auf seiner Homepage. Diese Verpflichtung gelte auch für Minderjährige ab zwölf Jahren. Weiterhin notwendig ist die Onlineregistrierung vor der Einreise nach Griechenland (https://travel.gov.gr/#/), um einen QR-Code bei der Einreise vorweisen zu können.

Vergangene Woche hatte Spanien Österreich von der Liste der Risikogebiete gestrichen. Österreicher müssen seit Montag bei der Einreise nach Spanien keinen negativen CoV-Test mehr vorlegen, auch wenn sie nicht geimpft sind. Die PCR-Pflicht bei der Einreise hatte Spanien schon am 7. Juni aufgehoben.

COV Inland

Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei 10,5 (Stand: heute, 14.00 Uhr).

Kein Bundesland hat einen Wert über 25, viele haben einen Wert unter 10,0, Tendenz zuletzt weiter fallend. Die Steiermark (3,6) hat den niedrigsten, Wien mit 21,6 den höchsten Wert.

Ministerien melden 117 Neuinfektionen

Das Gesundheits- und das Innenministerium meldeten 117 neu registrierte Coronavirus-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden (Stand: heute, 9.30 Uhr). Diese Zahlen meldeten die Bundesländer an den nationalen Krisenstab.

10.686 Menschen verstarben bisher an den Folgen des Coronavirus. Derzeit befinden sich 236 Personen aufgrund des Coronavirus in Spitalsbehandlung, davon 69 auf Intensivstationen.

Das Berichtsschema der AGES zeigt die Zahlen vom Vortag – wie die Meldung der Ministerien. Wesentlicher Unterschied zu den Ministeriumsmeldungen: Laborbestätigte Fälle, Tote etc. werden nicht zum Meldezeitpunkt dargestellt, sondern zum Diagnose- bzw. Sterbedatum. In der Darstellung in ORF.at wird auch täglich transparent gemacht, welchen Tagen die neu gemeldeten Fälle zugeordnet werden.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Erklärung zur Zählweise und weiteren Fragen in ORF.at/corona

Ausland

In der Affäre um illegale Parteispenden aus der Schweiz droht dem AfD-Bundesvorsitzenden und EU-Parlamentarier Jörg Meuthen laut einem Medienbericht ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren. Die Berliner Staatsanwaltschaft habe beantragt, Meuthens Immunität als Europaabgeordneter aufzuheben, berichtete der „Spiegel“ unter Berufung auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Quellen heute. Ein entsprechendes Ersuchen sei an das EU-Parlament gerichtet worden.

Demnach sieht die Staatsanwaltschaft Berlin einen Anfangsverdacht auf eine Straftat im Zusammenhang mit der Annahme illegaler Parteispenden gegen den AfD-Chef. Ein Behördensprecher bestätigte auf Anfrage des „Spiegel“, man habe bereits seit längerer Zeit einen „medial bekannt gewordenen Sachverhalt betreffend den Bundessprecher der AfD Jörg Meuthen“ juristisch geprüft.

Zum Ergebnis und zur möglichen Aufhebung der Immunität Meuthens wollte sich der Sprecher nicht äußern. Meuthen sei für eine Stellungnahme nicht erreichbar gewesen. Sollte das Europaparlament dem Antrag der Berliner Staatsanwaltschaft auf Aufhebung der Immunität stattgeben, wäre der Weg für strafrechtliche Ermittlungen gegen den AfD-Chef frei, hieß es in dem Bericht weiter.

Wahlkampfhilfe aus Schweiz im Fokus

Dem Magazin zufolge geht es in dem Fall um verschleierte Wahlkampfhilfen der Schweizer PR-Firma Goal AG. Diese habe Meuthen im baden-württembergischen Landtagswahlkampf 2016 mit einer rund 90.000 Euro teuren Werbekampagne unterstützt. Die Bundestagsverwaltung hatte bereits im Oktober 2019 ein Bußgeld von 269.400 Euro gegen die AfD wegen Annahme anonymer Spenden verhängt. Eine Klage der AfD gegen die Strafzahlung wies das Berliner Verwaltungsgericht Anfang des vergangenen Jahres ab.

Mehrere Medien haben nach eigenen Angaben und nach gemeinsamer Recherche Pushbacks an der kroatischen Grenze zu Bosnien-Herzegowina dokumentiert. Bei Pushbacks handelt es sich um illegale Zurückweisungen von Migranten und Geflüchteten, nachdem diese die Grenze zu einem Land bereits übertreten haben.

Der „Spiegel“ hat nach eigenen Angaben gemeinsam mit Lighthouse Reports, dem Schweizer SRF, dem ARD-Studio Wien und der kroatischen Zeitung „Novosti“ solche Aktionen an der Grenze gefilmt. Ein Zusammenschnitt des Videomaterials wurde heute von mehreren der beteiligten Medien online veröffentlicht.

Die Aufnahmen sollen zeigen, wie kroatische Polizisten und Grenzschützer mehrere Personen aus Kroatien und damit aus der EU zurück in bosnische Wälder schicken. Die Migranten und Geflüchteten, darunter auch Kinder, berichten den Journalisten in dem Video unter anderem, dass sie geschlagen worden seien. Zudem seien ihnen in Kroatien die Handykameras zerstört worden, damit sie keine Aufnahmen der Geschehnisse machen können.

Über Pushbacks an der kroatischen Grenze, einer Außengrenze der EU, wird immer wieder berichtet. Die kroatische Regierung teilte nach Angaben des „Spiegel“ zu den neuen Aufnahmen mit, dass es sich um legale Einreiseverweigerungen direkt an der Grenze handle. Nach Angaben des „Spiegel“ berichteten die angetroffenen Migranten, dass sie zum Teil schon tief ins kroatische Territorium vorgedrungen seien.

Die von der UEFA nicht genehmigte Regenbogenbeleuchtung des Münchner Stadions hat auch am Tag des letzten deutschen EM-Gruppenspiels gegen Ungarn für heftige Debatten gesorgt. Von einem „Eigentor“, Glaubwürdigkeitsverlust und einer vertanen Chance des Europäischen Fußballverbands (UEFA) war die Rede.

Fans mit Fähnchen

Im Stadion schwenkten dafür etliche Fans Regenbogenfähnchen, ein Flitzer in Deutschland-Trikot und mit Regenbogenfahne stürmte aufs Spielfeld. Zeitungen und TV-Sender zeigten die Farbenvielfalt, Institutionen und Unternehmen präsentieren sich in sozialen Netzwerken in bunter Optik. Zahlreiche Gebäude wurden entsprechend beflaggt.

Die Menschrechtsorganisation Amnesty International hatte in Zusammenarbeit mit Christopher Street Day Deutschland vor dem Stadion Regenbogenfähnchen an die Fans verteilt – bis zu 10.000 Stück, wie es hieß. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) unterstützte die Aktion. Zudem hatten viele Fans auch selbst größere Regenbogenfahnen mitgebracht, die sie vor und im Stadion fröhlich schwenkten.

Flitzer mit Regenbogenflagge während Ungarn-Hymne

Kurz vor dem Spiel stürmte ein Flitzer mit einer Regenbogenfahne aufs Spielfeld. Der junge Mann, der ein Deutschland-Trikot trug, legte sich während des Abspielens der ungarischen Nationalhymne vor den Mannschaften auf den Rasen und ließ sich dann widerstandslos von Ordnern abführen. Torwart Manuel Neuer trug auch gegen Ungarn wieder seine Regenbogen-Kapitänsbinde – das wurde von der UEFA erlaubt. Weitere sonstige offizielle Aktionen gab es nicht.

Die UEFA verteidigte indes ihre Entscheidung. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban appellierte an die deutsche Politik, das UEFA-Verbot zu akzeptieren. „Ob das Münchner Fußballstadion oder ein anderes europäisches Stadion in Regenbogenfarben leuchtet, ist keine staatliche Entscheidung“, sagte Orban der dpa. Auch in Budapest gehören Orban zufolge „die Regenbogenfarben selbstverständlich zum Straßenbild“.

Hintergrund der Debatte ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt und vor Kurzem vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Orban.

Nach einem Bericht über die Kritik des Vatikans über den Entwurf eines Anti-Homophobie-Gesetzes in Italien hat Regierungschef Mario Draghi die Freiheit des Parlaments betont. Italien sei ein säkularer Staat, und deshalb sei das Parlament frei in seiner Diskussion, sagte der frühere EZB-Chef heute im Senat, der kleineren der beiden Parlamentskammern.

Italiens Rechtssystem garantiere, dass die Gesetze verfassungsrechtliche Grundsätze und internationale Verpflichtungen respektierten, zu denen auch die Vereinbarung mit der Kirche gehöre.

Vatikan kritisierte Entwurf

Die Zeitung „Corriere della Sera“ hatte am Vortag berichtet, Vatikan-Vertreter seien am 17. Juni in der italienischen Botschaft am Heiligen Stuhl erschienen und hätten mit einer Verbalnote um die Änderung des Gesetzestextes gebeten. Der Vatikan bestätigte die Übermittlung des Schriftstücks.

Die katholische Kirche sorgt sich dem Bericht zufolge wegen des Gesetzes um die ihr zugesicherten Freiheiten. Eine Vereinbarung zwischen dem Vatikan und Italien von 1984 regelt etwa die Organisationsfreiheit der Kirche. Eine Sorge: Das Gesetz sieht vor, alle Privatschulen, also auch die katholischen, nicht davon zu befreien, etwas für den nationalen Tag gegen Homo- und Transphobie zu organisieren, wie es in dem Bericht weiter hieß.

Das Anti-Homophobie-Gesetz hat erst eine der beiden italienischen Kammern passiert und braucht noch grünes Licht vom Senat. Seit Monaten streiten Politiker und Aktivisten darum.

Es war wohl das letzte Mal, dass sie den Abgeordneten des Deutschen Bundestags Rede und Antwort gestanden ist – und sie hat es offenbar genossen: Jedenfalls gab sich die deutsche Kanzlerin Angela Merkel heute in der Regierungsbefragung teils launig, teils amüsiert.

So listete die CDU-Politikerin auf die Frage des SPD-Abgeordneten Carsten Schneider nach der Nettokreditaufnahme in den kommenden Jahren im Detail die Zahlen bis 2025 auf und fragte dann zurück: „Stimmt das mit Ihrem Wissen überein?“

„Das iPhone gab’s noch nicht“

In der Antwort auf eine Frage des FDP-Mannes Manuel Höferling zum Stand der Digitalisierung merkte sie an: „Man glaubt’s nicht, aber als ich Bundeskanzlerin geworden bin, gab’s das iPhone noch nicht.“

Für Amüsement sorgt Merkel auch mit einem Hinweis auf die unter ihrer Kanzlerschaft eingeführte Grundrente. „Ein sehr umstrittenes Mittel, aber seitdem wir sie haben, spricht keiner mehr von ihr, deshalb würde ich sie gerne noch mal erwähnen.“

Gedanken nicht „durcheinander purzeln“ lassen

Als eine ihrer Antworten zu lang ausfiel, versprach Merkel: „Ich hole das bei der nächsten Frage rein.“ Das aufleuchtende gelbe Licht, das bei jeder Antwort auf die ablaufende Redezeit hinweist, irritierte die Kanzlerin. „Da ich noch so viele Gedanken im Kopf habe, muss ich aufpassen, dass sie nicht durcheinander purzeln.“

Wirklich gefordert wurde Merkel in den gut 60 Minuten nicht – dazu machten ihr es die Abgeordneten mit ihren oft langatmig formulierten Fragen zu leicht. Wehmut über den bevorstehenden Abschied aus der Politik war bei ihr nicht zu verspüren.

Inland

Der Bund will mit gutem Beispiel vorangehen und nachhaltiger einkaufen. Dazu beschloss der Ministerrat heute den Aktionsplan nachhaltige Beschaffung, den Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne), Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), Justizministerin Alma Zadic (Grüne) und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) gemeinsam präsentierten.

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Die Reform der Lehrerzuteilung an Wiener Pflichtschulen stößt auf heftigen Widerstand bei Direktorinnen und Direktoren, Lehrkräften und Eltern sowie bei jenen Schulen, die eigentlich profitieren sollten. Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) will für Härtefälle „gemeinsame Lösungen“ finden.

Mehr dazu in wien.ORF.at

Mit einem Freispruch im Zweifel vom Vorwurf des Amtsmissbrauchs hat heute in Wiener Neustadt der Prozess in der Stimmzettel-Causa bei der Gemeinderatswahl 2020 in Ebreichsdorf (Niederösterreich) geendet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Angeklagte hatte am 26. Jänner des Vorjahres als Beisitzerin fungiert.

Mehr dazu in noe.ORF.at

EU

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen will wegen des umstrittenen Gesetzes zur Einschränkung von Informationen über Homosexualität gegen Ungarn vorgehen. Das ungarische Gesetz sei „eine Schande“, sagte von der Leyen heute in Brüssel. Auch Österreich schloss sich der Kritik an.

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Das Europaparlament hat der EU-Kommission eine letzte Frist gesetzt, um die neue Möglichkeit zur Kürzung europäischer Gelder bei Rechtsstaatsverfehlungen zur Anwendung zu bringen. Parlamentspräsident David Sassoli startete heute ein Verfahren nach den EU-Verträgen, das zu einer Untätigkeitsklage gegen die Behörde vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) führen kann. Nun läuft eine Frist von zwei Monaten, bevor das Parlament klagen kann.

Der Rechtsstaatsmechanismus ist seit Anfang dieses Jahres in Kraft. Ungarn und Polen, die seit Jahren wegen rechtsstaatlicher Verfehlungen in der EU am Pranger stehen, hatten sich vergangenes Jahr vehement gegen das neue Instrument gewehrt. Sie blockierten dabei über Wochen ein billionenschweres Finanzpaket aus dem EU-Haushalt und dem CoV-Hilfsfonds.

Polen und Ungarn auf der Bremse

Warschau und Budapest stimmten dem Rechtsstaatsmechanismus erst zu, nachdem die Staats- und Regierungschefs zugesichert hatten, dass Kürzungen von EU-Geldern erst erfolgen können, nachdem der EuGH das Instrument rechtlich geprüft hat. Die entsprechenden Klagen reichten Ungarn und Polen im März in Luxemburg ein. Auch ein beschleunigtes EuGH-Verfahren wird wohl bis zu ein Jahr dauern.

„Wir sind überzeugt, dass es eklatante Verstöße gegen die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit durch bestimmte Mitgliedsstaaten gegeben hat, die sanktioniert werden müssen“, sagte Sassoli. Nach einer Entschließung des Parlaments vom 10. Juni habe er nun die Kommission formal aufgefordert, „ihren Verpflichtungen als Hüterin der Verträge nachzukommen und die vollständige und sofortige Anwendung der Verordnung über die Achtung der Rechtsstaatlichkeit sicherzustellen“.

Die Kommission hat nun nach Artikel 265 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union zwei Monate Zeit, tätig zu werden. Tue sie das nicht, „werden wir den Europäischen Gerichtshof anrufen“, sagte Sassoli.

Zum fünften Jahrestag des Brexit-Votums hat der britische Premierminister Boris Johnson, der damals an der Spitze der „Vote Leave“-Kampagne für den EU-Austritt gestanden war, heute noch einmal die Chancen des Brexits betont.

„Während wir uns von der Pandemie erholen, werden wir das wahre Potenzial unserer wiedergewonnenen Souveränität ausschöpfen und das gesamte Vereinigte Königreich enger zusammenbringen und auf ein höheres Niveau heben“, sagte Johnson.

Man werde die Freiheiten nutzen, die der Brexit bringe, um im ganzen Land Investitionen und Innovationen voranzubringen und Arbeitsplätze zu schaffen, so der konservative Politiker.

EU-Kommissar zieht negative Bilanz

EU-Kommissar Thierry Breton zog indes eine negative Bilanz. Die Brexit-Versprechen hätten sich nicht erfüllt. „Was wir sehen, ist so ziemlich das Gegenteil“, sagte Breton dem „Guardian“. Die Wirtschaftsleistung in Großbritannien sei während der Pandemie 2020 stärker gefallen als in Deutschland, Frankreich und Italien.

Der Warenhandel zwischen Großbritannien und der EU habe einen „spektakulären Rückgang“ erlebt, sagte Breton. Die Abwanderung von gelernten und ungelernten Arbeitskräften aus Großbritannien habe stark zugenommen, und in vielen Branchen fehlten Arbeitskräfte.

Briten gespalten

Die Britinnen und Briten sind in der Frage zu einer EU-Mitgliedschaft ihres Landes noch immer tief gespalten. Der Brexit dominiere zwar nicht mehr die Schlagzeilen, aber das Thema sei weiterhin umstritten und polarisierend, schrieb der renommierte britische Wahlforscher John Curtice von der Universität Strathclyde in Glasgow zum fünften Jahrestag des Referendums auf der Nachrichtenwebsite Independent.

Bei den Schottinnen und Schotten sei die Zustimmung zur Unabhängigkeit Schottlands seit dem Brexit-Referendum deutlich gestiegen, so Curtice. Der Historiker Timothy Garton Ash warnte im „Guardian“ vor einem Auseinanderbrechen des Vereinigten Königreichs.

Der Brexit habe nicht nur die Chancen auf eine Abspaltung Schottlands erhöht, sondern auch ein Referendum über die Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland wahrscheinlicher gemacht, so Garton Ash.

Bei der Volksabstimmung 2016 hatten die Britinnen und Briten mit 52 zu 48 Prozent knapp für den Austritt aus der EU votiert – jüngste Umfragen im Lichte der Entwicklungen seither ergaben hingegen ein Patt. Der Abschied aus der Staatengemeinschaft erfolgte nach langen Verhandlungen Ende Jänner 2020, seit dem 1. Jänner 2021 ist Großbritannien auch nicht mehr Mitglied der EU-Zollunion und des Binnenmarkts.

Wirtschaft

Der französische Autovermieter Europcar hat Kreisen zufolge ein milliardenschweres Übernahmeangebot durch den Autohersteller Volkswagen abgelehnt. Der VW-Konzern habe früher in diesem Monat 44 Eurocent je Aktie geboten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg heute unter Verweis auf mit der Sache vertraute Personen. Das entspräche einer Unternehmensbewertung von rund 2,2 Mrd. Euro.

Ein Volkswagen-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern. Bereits vergangenes Jahr hatte es in Medienberichten geheißen, die Wolfsburger hätten ein Interesse daran, die Franzosen wieder in den Konzern zu holen, nachdem sie sie 2006 an Finanzinvestoren verkauft hatten.

VW wolle mit einer Übernahme Zugang zur Infrastruktur und Technologie von Europcar bekommen, hieß es bei Bloomberg weiter. Derzeit denke VW nicht über ein erhöhtes Offert nach – Europcar halte das Angebot für zu niedrig. Volkswagen könnte mit dem unter der Pandemie leidenden Autovermieter seine Plattform für Mobilitätsangebote wie Carsharing und Autoleasing ausbauen. Die Aktie von Europcar zog in Paris auf die Nachricht hin um gut sechs Prozent auf fast 0,42 Euro an.

Der Eigner des im März im Sueskanal havarierten Containerschiffes „Ever Given“ hat eigenen Angaben zufolge eine Einigung mit der ägyptischen Kanalbehörde über eine Entschädigungszahlung erzielt.

Man habe sich prinzipiell auf einen Schadenersatz für die tagelange Blockade der vielbefahrenen Wasserstraße einigen können, wie ein Vertreter des japanischen Eigentümers Shoei Kisen und dessen Versicherers heute mitteilte.

Frachtschiff „Ever Given“ im Sueskanal
APA/AFP/Maxar Technologies

Es werde daran gearbeitet, so schnell wie möglich zu einer Unterschrift zu kommen. Sobald die Formalitäten erledigt seien, werde die Freigabe des von der Behörde festgehaltenen Schiffs vorbereitet. Diese forderte zunächst 916 Millionen Dollar für Bergung, Reparatur und Einnahmeausfälle, ging dann aber auf 550 Millionen Dollar (462 Mio. Euro) herunter.

Beide Seiten hatten wegen der Festsetzung des Schiffes vor Gericht gestritten. Dessen Entscheidung war eigentlich für vergangenen Sonntag angesetzt, wurde aber nach Angaben aus Justizkreisen auf Antrag des Eigners auf den 4. Juli verschoben, um eine gütliche Einigung zu erzielen.

Frachter seit Ende März festgesetzt

Die „Ever Given“ war am 23. März bei starkem Wind auf Grund gelaufen, hatte sich schräg gestellt und so den Kanal sechs Tage lang blockiert. Hunderte Schiffe konnten die Wasserstraße nicht passieren, was den weltweiten Handel erheblich störte.

Am 29. März wurde das riesige Containerschiff wieder freigelegt und liegt seither auf Basis eines ägyptischen Gerichtsurteils in einem See zwischen zwei Kanalabschnitten vor Anker.

Sport

Cristiano Ronaldo hat bei der EM 2021 zum Abschluss der Gruppe F heute Abend mit einem Doppelpack nicht nur Titelverteidiger Portugal ins Achtelfinale verholfen, sondern beim 2:2 gegen Frankreich auch einen weiteren Meilenstein erreicht. Der 36-Jährige erhöhte in Budapest mit zwei erfolgreichen Elfmetern sein Torkonto in Länderspielen auf insgesamt 109 Treffer und zog damit mit dem iranischen Rekordhalter Ali Daei gleich.

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Spanien ist mit einer überzeugenden Leistung ins Achtelfinale der EM 2021 gestürmt. Die Gastgeber fertigten heute in Sevilla nach davor schwachen Leistungen die Slowakei mit 5:0 (2:0) ab und stiegen als Zweiter der Gruppe E hinter Schweden (3:2 gegen Polen) letztlich souverän in die K.-o.-Phase auf. Sprichwörtlich schoss sich das Team von Luis Enrique den Frust vom Leib. Für die Slowakei und Polen ist das Turnier vorbei.

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Schweden hat sich heute bei der Europameisterschaft mit einem 3:2 über Polen in St. Petersburg den Sieg in Gruppe E geholt. Polen ist hingegen ausgeschieden. Emil Forsberg mit einem Blitztor nach 82 Sekunden und einem Treffer in der 59. Minute ebnete den Skandinaviern den Weg ins Achtelfinale. Zwei Tore von Robert Lewandowski (61., 84. Minute) brachten Polen wieder heran, ehe in der 94. Minute doch die Entscheidung zugunsten Schwedens fiel.

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Chronik

Am Landesgericht Innsbruck ist heute ein 34-jähriger Mann wegen Mordes zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er soll im Juni des Vorjahres in Imst seine Ehefrau erwürgt und in den Inn geworfen haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Mehr dazu in tirol.ORF.at

Ein 56 Jahre alter Vater ist heute am Landesgericht Feldkirch (Vorarlberg) wegen sexueller Übergriffe an Kindern zu einer unbedingten Haftstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Er soll Buben aus der Verwandschaft wiederholt sexuell genötigt haben.

Mehr dazu in vorarlberg.ORF.at

Durch die heftigen Unwetter gestern, vor allem in Salzburg und Oberösterreich, ist enormer Schaden entstanden. „Ein einzelnes Schadensereignis wie noch nie in der Geschichte der Österreichischen Hagelversicherung“, sagte deren Chef Kurt Weinberger. Entspannung ist nicht in Sicht.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

In Krispl (Salzburg) ist heute ein Auto im Steilgelände abgestürzt. Zuerst rollte der Pkw fast 200 Meter über eine Bergwiese und stürzte dann laut Einsatzkräften circa 30 Meter in einen Graben.

Mehr dazu in salzburg.ORF.at

Ein Medienbericht über die angebliche Zehnlingsgeburt einer 37-Jährigen war laut südafrikanischen Behörden erfunden. Die für den Großraum Johannesburg und Pretoria zuständige Provinzregierung veröffentlichte heute eine Erklärung, wonach eine medizinische Untersuchung der Frau eine Geburt in jüngster Zeit ausgeschlossen hat.

„Es stellte sich auch heraus, dass sie in jüngerer Zeit nicht schwanger war“, heißt es in dem Schreiben. Die Provinzregierung sei sehr besorgt über das Verhalten der „Pretoria News“, des verantwortlichen Redakteurs sowie der Mediengruppe, zu der die Zeitung gehöre. Die Staatsanwaltschaft sei mittlerweile mit entsprechenden Ermittlungen beauftragt.

Zeitung bezeichnete Geburt als Rekord

Die Zeitung hatte am 8. Juni unter Berufung auf den Ehemann in einer Exklusivgeschichte über die Mehrlingsgeburt berichtet und sie als neuen Weltrekord bezeichnet. Gosiame Thamara Sithole, die bereits Mutter von Zwillingen sei, soll die Kinder in einem ungenannten Krankenhaus in Pretoria auf normalem Wege und auch per Kaiserschnitt zur Welt gebracht haben.

Ihr aus dem Township Tembisa stammender Ehemann Tebogo Tsotetsi berichtete der Zeitung, seine Frau habe drei Mädchen und sieben Buben zur Welt gebracht, nachdem sie sieben Monate und sieben Tage schwanger gewesen sei. Die Exklusivgeschichte war zunächst von Medien in aller Welt aufgegriffen worden.

Die Zeitung hatte darauf hingewiesen, dass sie schon einen Monat zuvor mit der Familie gesprochen habe, auf deren Wunsch hin aber mit einer Veröffentlichung bis nach der Geburt gewartet habe. Auf dem Bild war eine Frau mit kugelrundem Bauch zu erkennen, die neben ihrem Ehemann saß und über ihre vermeintliche Schwangerschaft sprach.

Beim Einsturz einer Fußgängerbrücke über einer Autobahn in der US-Hauptstadt Washington sind mehrere Menschen verletzt worden. Vier Verletzte seien heute ins Krankenhaus gebracht worden, teilten die Rettungskräfte auf Twitter mit. Niemand sei unter den Trümmern begraben. Aus einem Lastwagen, der teilweise unter der kollabierten Brücke stecke, sei Diesel ausgelaufen. Mindestens ein weiteres Fahrzeug sei von Trümmern getroffen worden.

Die Autobahn – die Interstate 295 – sei in beide Richtungen gesperrt worden. Über den Grund des Einsturzes lagen keine Informationen vor. US-Präsident Biden wirbt derzeit im US-Kongress für ein massives Finanzierungspaket, um die oftmals marode Infrastruktur in den Vereinigten Staaten zu modernisieren.

Kultur

Maria Lassnigs Gemälde „Wilde Tiere sind gefährdet“ hat bei der laufenden Auktionswoche im Wiener Dorotheum heute Rekorde gebrochen. Das Toplos der 2014 verstorbenen Malerin ist für 1.378.175 Euro versteigert worden – Weltrekord für ein Lassnig-Werk, wie das Dorotheum am Abend mitteilte. Gegenüber ORF.at bestätigte das Dorotheum einen weiteren Rekord: Es handle sich um das höchste Auktionsergebnis eines zeitgenössischen österreichischen Künstlers oder Künstlerin.

Schätzpreis deutlich überboten

Der Schätzpreis für das drei mal zwei Meter große Gemälde aus dem Jahr 1980 lag bei bis zu 800.000 Euro. Das Bild Lassnigs war an einem Wendepunkt in der Karriere der Künstlerin entstanden.

Maria Lassnig bei Dorotheums Auktion
Dorotheum

Als das Werk 1985 in der ersten großen Retrospektive im Museum des 20. Jahrhunderts in Wien ausgestellt wurde, schrieb der damalige Angewandte-Rektor Peter Gorsen im Katalog: „Man sieht eine als Mars gekennzeichnete Symbolfigur auf einer anderen Figur reiten, die durch ihre Fortbewegung auf einer Lafette als ausgebeutetes Arbeitstier und ‚Kanonenfutter‘ kenntlich gemacht ist. Der Dressurakt wird in der grünen Landzone der unteren Bildhälfte durch eine mörderische Szene ergänzt, die unschwer als eine allegorische Chiffre der Ausrottung von Exoten und des fortgesetzten Lebensentzugs der Bevölkerung in diesem Kontinent gelesen werden kann.“

In der Debatte über Raubkunst und deutschen Kolonialismus wollen die Verantwortlichen des Humboldt Forums in Berlin auf Transparenz und Ehrlichkeit setzen. Die zunehmende Bedeutung der Debatte über Kolonialgeschichte werde sich dort widerspiegeln, versicherte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. „Es wird Rückgaben geben.“ Es sei wichtig, das Humboldt Forum im Prozess zu verstehen. „Es wird sich vieles verändern im Laufe der nächsten Jahre.“

Schrittweise Eröffnung

Das rund 680 Millionen Euro teure Zentrum für Kultur, Kunst und Wissenschaft hinter einer historisierenden Schlossfassade wird derzeit schrittweise eröffnet. Künftig nutzen es zwei Museen der Preußen-Stiftung, das Land Berlin und die Humboldt-Universität.

Gezeigt werden Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins. Neben dem Bau selbst ist auch die geplante Präsentation von Benin-Bronzen umstritten, die als Raubgut aus kolonialen Zeiten gelten. Museen aus Deutschland und Nigeria sowie die politische Ebene verhandeln aktuell über Rückgaben vom kommenden Jahr an.

Heute gab es erste Einblicke in die 14.000 Quadratmeter große Präsentation des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, die in der zweiten September-Hälfte bzw. 2022 für das Publikum öffnen.

Leute

Hollywood-Star Harrison Ford hat sich bei den Dreharbeiten für den neuen „Indiana Jones“-Film an der Schulter verletzt. Der 78-Jährige zog sich die Verletzung bei Proben für eine Action-Szene zu, wie der Filmriese Disney heute mitteilte. Angaben zur Schwere der Verletzung wurden nicht gemacht. „Die Produktion wird weitergehen, während die angemessene Behandlungsmethode erwogen wird, und der Drehplan wird in den kommenden Wochen wenn nötig angepasst“, erklärte Disney.

Die Dreharbeiten für den fünften und letzten Teil der „Indiana Jones“-Saga hatten im Mai in Großbritannien begonnen. Der Kinostart des von Regisseur James Mangold gedrehten Actionfilms ist für Sommer 2022 geplant. Das Filmprojekt war bereits 2016 angekündigt worden, es gab aber immer wieder Verzögerungen.

Harrison Ford war bereits 2014 bei den Dreharbeiten zu „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ verletzt worden. Er brach sich ein Bein, als am Set eine vertikal schließende Hydrauliktür seines Raumschiffs „Millennium Falcon“ plötzlich auf ihn niederschoss.

Erster „Indy“-Auftritt vor 40 Jahren

Der Schauspieler hatte seinen ersten Auftritt als abenteuerlustiger Archäologe Henry Walton Jones alias Indiana Jones 1981 in „Jäger des verlorenen Schatzes“ von Regisseur Steven Spielberg. Auf den Kassenhit folgten „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (1984), „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989) und knappe 20 Jahre später „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (2008).