Ausland

Tschechischer Regierungschef lehnt Rücktritt ab

Nach den Enthüllungen über eine angebliche Entführung seines Sohnes steht der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis unter Druck. Der Gründer der liberal-populistischen Partei ANO traf sich heute mit dem Vorsitzenden des sozialdemokratischen Koalitionspartners CSSD, Innenminister Jan Hamacek. Dieser hatte klare und konkrete Antworten gefordert. Über das Ergebnis ist noch nichts bekannt.

Babis habe ihm gesagt, dass er keinen Grund zum Rücktritt sehe, sagte der Vorsitzende der Kommunisten (KSCM), Vojtech Filip, nach einem weiteren Krisentreffen. Seine Partei toleriert die Minderheitsregierung. Die Opposition will ein Misstrauensvotum anstrengen, das bereits nächste Woche stattfinden könnte. Für morgen Abend ist zudem eine Demonstration angekündigt.

Der tschechische Premierminister Andrej Babis
Reuters/Michele Tantussi

Sohn auf Krim verschleppt?

Der älteste Sohn von Babis hatte im Gespräch mit dem Nachrichtenportal Seznamzpravy.cz behauptet, er sei voriges Jahr von Mitarbeitern seines Vaters auf die von Russland annektierte ukrainische Halbinsel Krim verschleppt worden – wohl um nicht als Zeuge in einem mutmaßlichen Korruptionsfall gegen ihn aussagen zu können. Babis sagte daraufhin, sein Sohn sei psychisch krank und nehme Medikamente.

Der Regierungschef kam heute auch mit dem Vorsitzenden der ultrarechten Partei Freiheit und direkte Demokratie (SPD), Tomio Okamura, zusammen. Dieser bekundete seine Bereitschaft, die Sozialdemokraten als Partner zu ersetzen, falls die aktuelle Koalition zerbrechen sollte. Die tschechische SPD setzt sich unter anderem für ein Referendum zum Austritt aus der Europäischen Union ein.

IOM: Mehr als 700.000 Afghanen kehrten in Heimat zurück

Mehr als 700.000 Afghaninnen und Afghanen sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in diesem Jahr aus den Nachbarländern Iran und Pakistan in ihre Heimat zurückgekehrt. Die überwiegende Mehrheit von ihnen, rund 671.000 Menschen, kamen aus dem Iran zurück. Das geht aus einem heute veröffentlichten IOM-Bericht hervor.

Die Zahlen beziehen sich nur auf jene Afghanen, die nicht beim UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) offiziell als Flüchtlinge registriert sind – also Menschen, die keine gültige Aufenthaltserlaubnis haben.

Viele kehren wegen Wirtschaftskrise im Iran zurück

Das IOM führte den Anstieg der Heimkehrerzahlen vor allem auf die Wirtschaftskrise im Iran zurück. Der iranische Rial hat seit Jahresbeginn stark gegenüber dem Dollar verloren, aber auch gegenüber dem Afghani abgewertet. Afghanen sind zudem im Iran hauptsächlich in der Schattenwirtschaft beschäftigt, und die Nachfrage für diese Art Beschäftigung ist drastisch gesunken.

Ein zweiter Grund könnte laut IOM die schwere Dürre in Westafghanistan sein. Sie habe seit Frühsommer vermutlich einen Migrationskreislauf ausgelöst: Afghanen wurden durch sie erst aus ihren Dörfern in größere Städte getrieben, was dort auf die Löhne drückte. Daher hätten mehr Afghanen ihr Glück im nahe gelegenen Iran versucht. Aufgrund der Wirtschaftskrise im Nachbarland hätten sie aber auch dort keine Arbeit finden können und seien zurückgekehrt.

Hohe Arbeitslosigkeit in Afghanistan

Afghanistan selbst leidet unter hoher Arbeitslosigkeit, einer schwachen Wirtschaftsentwicklung und hat eine große Anzahl von Binnenflüchtlingen aufgrund der schlechten Sicherheitslage. Nach Ansicht der UNHCR-Expertin Katinka Ridderbos verschärft sich die humanitäre Situation in Afghanistan zunehmend. Einerseits attackierten die Taliban sowie die Terrormiliz Islamischer Staat immer öfter gezielt Zivilisten, um ihre Macht zu demonstrieren, so Ridderbos kürzlich im APA-Interview.

Andererseits explodiere die Bevölkerungszahl in vielen afghanischen Städten aufgrund der vermehrten Abschiebungen bzw. Rückkehrer, wodurch die Suche nach Unterkünften und Jobs immer härter werde.

Francois Hollande kündigt politisches Comeback an

Der frühere französische Staatschef Francois Hollande hat sein politisches Comeback angekündigt. „Ich werde zurückkehren“, sagte Hollande zu einer seiner Anhängerinnen am Samstag am Rande einer Buchpräsentation in Südwestfrankreich. Kameras des privaten Senders TMC fingen das Gespräch ein, wie der Sender Franceinfo heute auf seiner Website berichtete.

Ehemaliger französischer Präsident Francois Hollande
Reuters/Eric Gaillard

Spekulationen über eine mögliche Rückkehr gibt es schon länger, nun wurde der sozialistische Politiker aber zum ersten Mal deutlich. Dass er sich der Präsenz der Kameras bewusst war, zeigen die Aufnahmen. Welche Art von Rückkehr gemeint sein könnte, blieb offen.

PS stark geschrumpft

Die Sozialistische Partei (PS) ist in der französischen Nationalversammlung nur noch in einer Minifraktion vertreten. Viele Politikerinnen und Politiker des rechten Flügels sind zu Emmanuel Macrons Bewegung La Republique en Marche (LREM/Die Republik in Bewegung) übergelaufen, Linke wenden sich in Scharen Jean-Luc Melenchons linkspopulistischer Bewegung La France insoumise (Das unbeugsame Frankreich) zu.

Katastrophale Umfragewerte

Hollande hatte 2016 angesichts katastrophaler Umfragewerte auf eine neuerliche Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2017 verzichtet. Seit dem Amtsantritt von Macron schlägt dem Ex-Staatschef aber eine Welle der Sympathie entgegen.

Hollande wird im Rückblick von vielen als nahbarer und offenherziger Politiker gesehen, der sich überdies mit keinen politischen Affären herumschlagen muss. Der frühere Staatschef hatte sich vorgenommen, „ein normaler Präsident“ zu sein. Was ihm damals als Führungsschwäche ausgelegt wurde, erscheint nun als besonders menschlicher Zug. Seinem Nachfolger wird dagegen vorgeworfen, zu autoritär und wenig bürgernah zu regieren.

Kreml-Kritiker Nawalny darf aus Russland ausreisen

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny kann nach eigenen Angaben nun doch aus Russland ausreisen. Der Blogger veröffentlichte heute auf Instagram ein Foto von sich an einer Passkontrollstelle auf einem Flughafen in Moskau. Er wollte eigentlich schon gestern zu einer Urteilsverkündung am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) nach Straßburg reisen.

Ausreise wurde untersagt

Grenzbeamte hatten ihm aber eine Ausreise untersagt. Die Behörden teilten danach als Grund mit, dass Nawalny ein Unternehmen um Geld geprellt habe. Erst wenn er die Schulden beglichen habe, könne er ausreisen.

Nawalny gilt als einer der vehementesten Kritiker von Präsident Wladimir Putin. In den vergangenen Jahren rief der 42-Jährige immer wieder zu landesweiten Protesten gegen die Machtelite auf und wurde dafür auch mehrfach zu Arreststrafen verurteilt, wenn es sich um nicht genehmigte Kundgebungen handelte.

In Straßburg soll morgen über mehrere Beschwerden Nawalnys zu Festnahmen zwischen 2012 und 2014 entschieden werden, die der Oppositionelle als politisch motiviert kritisiert.

Südtiroler Landtag hat sich konstituiert

Etwas mehr als drei Wochen nach der Landtagswahl ist heute der neu gewählte Südtiroler Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengetreten. Dabei wurden die Abgeordneten angelobt, darunter 19 neue, sowie das Landtagspräsidium provisorisch ins Amt gewählt – bis die Mehrheitsverhältnisse geklärt seien, wie es hieß.

Neuer provisorischer Landtagspräsident ist der bisherige Vize Thomas Widmann (SVP), er erhielt 23 von 35 Stimmen. Massimo Bessone (Lega) wurde mit 20 Stimmen zum italienischen Vizepräsidenten gewählt, Daniel Alfreider (SVP) mit 21 Stimmen zum ladinischen Vize.

Die SVP hatte bei der Landtagswahl am 21. Oktober mit 41,9 Prozent das schlechteste Ergebnis in ihrer Parteigeschichte eingefahren. Die Sammelpartei stellt künftig nur noch 15 der 35 Abgeordneten. Auf dem zweiten Platz landete das Team Köllensperger des gleichnamigen Bozner Unternehmers mit 15,2 Prozent und sechs Sitzen, gefolgt von der Lega mit 11,1 Prozent und vier Mandaten. Die Grünen kamen auf 6,8 Prozent und drei Mandaten, die sozialdemokratische Partito Democratico auf 3,8 Prozent der Stimmen und ein Mandat.

Tschechien lehnt UNO-Migrationspakt ab

Die tschechische Regierung lehnt den UNO-Migrationspakt ab. Das teilte Ministerpräsident Andrej Babis heute laut tschechischer Nachrichtenagentur CTK mit. Prag kritisiert, dass die UNO-Vereinbarung tschechische Prioritäten nicht berücksichtige wie die klare Unterscheidung zwischen legaler und illegaler Migration. Auch fehle die Erwähnung, dass illegale Migration unerwünscht sei.

Die USA, Österreich und Ungarn hatten sich bereits zuvor aus dem globalen Pakt zurückgezogen. Bulgarien kündigte diese Woche seinen Ausstieg an, auch in anderen Ländern gibt es eine Debatte darüber.

EU: „Länder, die Pakt verlassen, haben ihn nicht gelesen“

Der Pakt zielt auf eine sichere, geregelte und reguläre Migration ab. Das Abkommen umfasst eine Reihe von Leitlinien und Maßnahmen, deren Umsetzung rechtlich aber nicht bindend ist. Im Kern geht es um eine bessere internationale Zusammenarbeit der 193 UNO-Staaten in der Migrationspolitik und um Standards im Umgang mit Flüchtlingen.

Die EU-Kommission attestiert den Staaten, die den UNO-Migrationspakt verlassen wollten, den Inhalt des Dokuments nicht zu kennen. Ein Sprecher verwies am Montag auf die Aussagen von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Berlin, wonach „jene Länder, die den Pakt verlassen, das nicht getan hätten, wenn sie ihn gelesen hätten“.

Grafik zum UNO-Migrationspakt
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Scharfe Kritik der SPÖ im EU-Parlament

Scharfe Kritik am Ausstieg Österreichs aus dem Migrationspakt übten die SPÖ-Europaabgeordneten gestern Abend bei einer Aussprache im Europäischen Parlament in Straßburg. Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP), die den Ratsvorsitz vertrat, sagte lediglich, dass es nicht gelungen sei, im Rat eine gemeinsame Position der EU zu finden.

Eines der entscheidenden Elemente für den Erfolg im Bereich Migration sei die gute Zusammenarbeit mit Drittstaaten, so Edtstadler. „Ich kann Ihnen zusichern, dass der Rat und die Präsidentschaft auch weiterhin einen Beitrag leisten werden zu diesem Ziel“, sagte sie.

„Guter Ruf Österreichs aufs Spiel gesetzt“

Der Ausstieg Österreichs aus dem Migrationspakt sei eindeutig der falsche Weg, sagte indes die SPÖ-Delegationsleiterin im Europaparlament, Evelyn Regner. „Es ist unverständlich, wie die Regierung den guten Ruf Österreichs aufs Spiel setzt“, so Regner.

Der SPÖ-Europaabgeordnete Josef Weidenholzer sagte, dass Edtstadler zwar die Unterstützung von Herkunftsregionen betont habe, Österreich aber säumig sei, was das Zahlen von Hilfsgeldern betreffe. „Unser Land hätte ein Interesse daran, die Herausforderungen mit Migration global zu lösen. Alleine bleiben wir übrig“, sagte Weidenholzer.

Hofer ortet keine Differenzen mit Faßmann

FPÖ-Regierungskoordinator Norbert Hofer ortet keine Differenzen mit ÖVP-Wissenschaftsminister Heinz Faßmann. Dass dieser die verspätete Diskussion dazu innerhalb der Regierung beklagt hatte, wies Hofer aber zurück: Es sei in der Regierung lange über diesen Pakt gesprochen worden. Er akzeptiere aber Faßmanns Meinung dazu.

Die Koalition sei „kein monolithischer Block“, erklärte der Infrastrukturminister mit Verweis auf unterschiedliche Ansichten. „Ich schätze Faßmann sehr“, er respektiere daher dessen Meinung, so Hofer.

Kurz sieht sich von Faßmann unterstützt

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) sehen sich von Faßmann in ihrer Ablehnung des UNO-Migrationspakts sogar unterstützt. Dieser habe im Zeitungsinterview nämlich ebenfalls die fehlende Definition des Migrationsbegriffs bemängelt, so die Regierungsspitzen im Pressefoyer.

Kurz empfahl, das gesamte Interview zu lesen, nicht lediglich die „Zuspitzung“. Faßmann habe darin nämlich sehr harte Worte gewählt und befunden, wenn Studenten einen derartigen Text wie jenen des Migrationspakts geschrieben hätten, würde er ihnen das zurückwerfen. Faßmann habe ihn seit Jahren als Experte begleitet und sei ein enger Vertrauter, so Kurz.

Was den Pakt betrifft, brauche es aber klare Unterscheidungen, und in dieser Forderung sah sich Kurz vom Minister unterstützt. Grundsätzlich sagte er, dass durch Österreichs Ablehnung des Pakts nicht der Multilateralismus infrage gestellt werde. Ähnlich sah es Strache. Faßmanns Aussage, wonach Österreich ein Einwanderungsland sei, bezeichnete der FPÖ-Chef als „empirischen Befund“. Sein politisches Ziel sei aber, dass Österreich die Einwanderung kontrolliert gestalte.

Inland

Rassistisches FPÖ-Video: Hofer hat damit „keine Freude“

Das von der FPÖ gestern publizierte Video über die neue E-Card, das rassistische Klischees bedient, stößt beim stellvertretenden Bundesparteichef Norbert Hofer auf Kritik. Er habe damit „keine Freude“ und dafür gesorgt, dass es rasch aus dem Netz genommen wird, so der Infrastrukturminister heute vor dem Ministerrat. Als „inakzeptabel“ bezeichneten dieses auch ÖVP-Regierungsmitglieder.

„Auch bei anderen Parteien passieren Fehler“

Hofer sagte, er habe am späten Nachmittag von dem Video erfahren und seinen Beitrag dazu geleistet, dass es so schnell wie möglich wieder gelöscht wird: „Wer mich kennt, weiß, dass ich mit solchen Aktionen keine Freude habe.“

Dass es immer wieder die FPÖ sei, die mit derartigen Aktionen auffalle – und das ausgerechnet am Tag des Gipfels gegen Hass im Netz -, ließ Hofer nicht gelten und meinte: „Auch bei anderen Parteien passieren Fehler.“ Er verwies auf die SPÖ und die Causa Tal Silberstein. Angesprochen auf die Aussage von FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker, wonach vor allem Ausländer die E-Card missbrauchen würden, sagte Hofer, dass es Missbrauch gebe.

Strache hat „keine Freude“

Im Rahmen des Pressefoyers nahm auch FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache zu dem Video Stellung. Er habe „keine Freude“ mit dem Video gehabt, so Strache. Es sei „ausdrücklich nicht erwünscht“ gewesen.

„In Zukunft“ müsse es ein „Controlling-System“ geben, das über solche Videos entscheidet, solche Aktionen dürften nicht von einem „einzelnen Mitarbeiter“ ausgehen. Strache bezeichnete das Video als „seicht, überspitzt, provokativ, unnotwendig“ und es lenke „vom sachlichen Problem ab“.

Kurz: „Nicht akzeptabel“

„Ich lehne das Video klar ab und halte es für nicht akzeptabel. Ich halte es für wichtig, dass es vom Netz genommen wurde“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Pressefoyer. Der Vizekanzler kenne seine Sichtweise, und diese habe er ihm auch im Vieraugengespräch dargelegt, so der ÖVP-Chef.

Auch ÖVP-Justizminister Josef Moser lehnte das Video als „inakzeptabel“ ab. „Egal von wem es kommt, das ist abzulehnen“, so Moser. „Ich lehne solche Themen massiv ab“, sagte Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) und distanzierte sich davon.

Regierung segnete Entwurf gegen „Gold-Plating“ ab

Die Bundesregierung hat heute im Ministerrat eine Regierungsvorlage von ÖVP-Justizminister Josef Moser gegen die Übererfüllung von EU-Vorgaben („Gold-Plating“) abgesegnet. Mit dem Vorhaben sollen in einem ersten Schritt in 40 Fällen überschießende Regeln geändert werden. Einen neuen Anlauf nimmt Moser bei der geplanten Abschaffung des „Kumulationsprinzips“ im Verwaltungsstrafrecht.

Bereits im Februar dieses Jahres wurde im Justizressort ein Prozess gestartet, im Zuge dessen alle Ressorts und „Stakeholder“ „Gold-Plating“-Bestimmungen gemeldet haben. Das Ziel des Vorhabens ist die Erhebung, ob bei der Umsetzung von EU-Vorgaben strengere Regeln als gefordert geschaffen wurden. Danach sollen unnötige Regeln in einem weiteren Schritt adaptiert werden. Denn die Übererfüllung von Unionsrecht könne für die Bürgerinnen und Bürger einen erhöhten Bürokratieaufwand bedeuten, heißt es im Ministerratsvortrag.

Schutzbestimmungen in manchen Fällen

Sichergestellt wird laut Entwurf auch, dass die Übererfüllung von EU-Vorgaben in jenen Fällen, die zu einer Verbesserung geführt haben, nicht rückgängig gemacht wird. Das betrifft etwa Regeln, die dem Erhalt von sozialen Standards und Umweltschutzstandards dienen. Von den bisher insgesamt rund 500 gemeldeten Fällen von „Gold-Plating“ fallen etwa 300 unter diese Schutzbestimmungen, hieß aus dem Justizressort zur APA.

Die übrigen 200 Fälle wurden überprüft, 40 davon werden in dem nun vorliegenden Gesetzespaket zurückgenommen, so eine Sprecherin Mosers. Bei den 40 Fällen geht es um die bürokratieerhöhende Übererfüllung von Unionsrecht, vor allem um „überflüssige Mitteilungs-, Melde-, Zulassungs- bzw. Prüfpflichten“, heißt es im Ministerratsvortrag. Die übrigen 160 Fälle werden weiter überprüft und sollen „Paket für Paket“ zurückgenommen werden. Der nächste diesbezügliche Schritt ist für das erste Halbjahr 2019 vorgesehen.

Kurz will keine „Überforderung“ mit Regeln

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) begrüßte im Ministerratsfoyer nach der Regierungssitzung das Vorhaben. Man wolle in Österreich einen Wirtschaftsstandort mit klaren Regeln, aber gleichzeitig sollte man die Menschen mit Regeln nicht überfordern, sagte er.

NEOS nimmt Kickl wegen BVT-Affäre aufs Korn

Zwei Wochen vor der Befragung von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) im BVT-U-Ausschuss hat NEOS heute seine Sicht der Dinge zusammengefasst. Die Abgeordnete Stephanie Krisper sprach in einer Pressekonferenz von schamloser Ignoranz der Gewaltenteilung beim Vorgehen gegen das Bundesamt, vom Extremismusreferat als Ziel der FPÖ und der versuchten Umfärbung von Schwarz zu Blau.

Unterstützt von Livezeichnungen eines Grafikkünstlers nannte Krisper das kurz vor der niederösterreichischen Landtagswahl an die Öffentlichkeit gelangte Nazi-Liederbuch aus der Burschenschaft des FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer als Anlass für die Hausdurchsuchung im Verfassungsschutz. Kickl habe Angst gehabt, ein noch intaktes ÖVP-Netzwerk vor sich zu haben, und entsprechend gehandelt, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste für die Sicherheit der Österreicher.

24 offene Widersprüche

Die NEOS-Abgeordnete ortete dabei großen Druck, der seitens des Ministeriums auf die Staatsanwaltschaft ausgeübt wurde. Die Dreistigkeit, mit der hier das Prinzip der Gewaltenteilung mit Füßen getreten worden sei, sei wohl einzigartig, meinte sie. Zwischen den bisherigen Aussagen im Ausschuss und Anfragebeantwortungen Kickls zählt NEOS 24 offene Widersprüche in zentralen Punkten. Die entsprechende Liste will man der Staatsanwaltschaft zukommen lassen.

Nun werde versucht, der Umfärbung einen seriösen Anstrich zu verleihen, indem man von einer Reform des BVT rede. NEOS verlange hier höchstmögliche Transparenz, so Krisper. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) müsse seiner Verantwortung nachkommen. Klar ist aus Krispers Sicht, dass Kickl zurücktreten muss.

TA-Prozess: Verbindung zu BUWOG-Prozess verstärkt

Im aktuellen Telekom-Austria-Valora-Prozess, der in den BUWOG-Prozess eingebettet ist, hat sich heute der Konnex zur Causa BUWOG verstärkt. Der hier Hauptangeklagte Ex-TA-Vorstand Rudolf Fischer hatte denselben Bankberater in Liechtenstein wie Walter Meischberger bei der Aufteilung der BUWOG-Millionenprovision auf Konten in Liechtenstein.

Dass sein Berater auch bei der BUWOG eine Rolle spielte, ist für Fischer ein Zufall. Er will davon erst später erfahren haben. Auffallend ist auch, dass sowohl Fischer als auch Meischberger gerne ihre Bankgeschäfte im Hotel am Stephansplatz in Wien abgewickelt haben. Während Fischer aber von einem Nebenbereich des Frühstücksraums als Ort der Abwicklung spricht, kam Meischberger zu dem Bankberater in ein von diesem eigens angemietetes Zimmer, das mit Bürogeräten ausgestattet war.

Vermögensverwaltung in Liechtenstein

Gleich ist, dass beide über den Bankberater Vermögen diskret in Liechtenstein geparkt und verwaltet hatten. Für Auszahlungen kam der Bankberater nach Wien und überreichte ihnen das Geld in bar. Fischer hatte seine Liechtenstein-Bankverbindung für seine Firma Whitestone Holdings eingerichtet, die den Sitz auf St. Vincent in der Karibik hatte.

Das Geld sei aus einem Geschäft in Ungarn gekommen, Bestechungsgeld sei es aber nicht gewesen, beteuerte Fischer heute. Mit dem Geld wurden z. B. Aktien gekauft, auch von der TA – wo Fischer damals noch Vorstand war.

Großauftrag an Huawei im Fokus

Richterin Marion Hohenecker beleuchtete heute auch einen Großauftrag der TA an die chinesische Huawei für den Netzausbau. In die Ausschreibung sei er, Fischer, als Festnetzvorstand kaum eingebunden gewesen, so der Ex-Manager. Er habe auch nicht gewusst, dass sein Berater Hochegger einen Beratungsauftrag von Huawei hatte.

Dass ihm Hochegger 173.000 Euro gegen Ende seiner Karriere bei der TA geschenkt habe, habe er nicht hinterfragt, so Fischer heute zur Richterin – wobei diese mehrmals nachfragte und sogar Schriftverkehr von Fischer mit Hochegger präsentierte, in dem von Huawei und „wie besprochen“ die Rede war.

Das sei wohl eine „Wunschliste“ gewesen, meinte Fischer dazu. Er habe aber in der TA keine Möglichkeit gehabt, die Ausschreibung zugunsten eines Kandidaten zu beeinflussen, beteuerte er. Das Geld von Hochegger habe er diesem später zurückgezahlt.

Spionage: Kurz verteidigt Vorgangsweise der Regierung

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verteidigt die Vorgangsweise der Bundesregierung betreffend den Verdacht auf Spionage eines Ex-Offiziers. Kritik, wonach man die Causa zu offensiv kommuniziert habe, ließ er nicht gelten. Es gebe „sehr eindeutige Indizien“, dass der Mann für Russland spioniert habe.

Grundsätzlich könne er als Regierungschef mit Kritik umgehen. Über den Vorwurf der zu intensiven Kommunikation in dem Thema habe er aber ein „bissl schmunzeln“ müssen, meinte Kurz. Zwar sei zu dem mutmaßlichen Spion in Österreich noch nichts bewiesen, man habe aber die Öffentlichkeit, Russland und die EU-Partnerländer ob der Indizien informiert.

Kurz: Keine Indizien für Spionagenetzwerk

Beweise seien sichergestellt wordne und Zahlungen geflossen, so Kurz, der aufgrund seines Informationsstandes an eine Verurteilung glaubt. Mit Russland pflege man gute Kontakte, und daran werde sich auch nichts ändern. „Aber bei einem Spionageverdacht werden wir das klar kritisieren“, so Kurz. Nun prüfe man, ob es sich um einen Einzeltäter oder ein Netzwerk gehandelt habe – wobei es für Letzteres keine Indizien gebe.

Kurz räumte ein, dass das Verhältnis der EU zu Russland dadurch nicht besser wird. Auf die Frage, ob Österreich russische Diplomaten ausweist, sagte der Kanzler, dass man gegenüber der russischen Seite klar reagiert und auch die europäischen Partner informiert habe. Österreichische Alleingänge werde es aber nicht geben.

OLG Linz prüft Beschwerde

Kurz und Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) waren am Freitag in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in dem Fall an die Öffentlichkeit gegangen, einen Tag vor der Festnahme des 70-Jährigen.

Gestern ordnete eine Haft- und Rechtsschutzrichterin die Enthaftung des pensionierten Offiziers an, weil sie keine hinreichenden Haftgründe erkannte. Nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft entscheidet das Oberlandesgericht Linz über den Fall. Dem Mann wird zur Last gelegt, von 1992 bis September 2018 für Russland spioniert zu haben.

Mehr dazu in ooe.ORF.at

Patientenanwälte üben heftige Kritik an Kassenreform

Vor Beginn des Sozialausschusses mit einem Expertenhearing zur Sozialversicherungsreform haben die Patientenanwälte heute heftige Kritik an den Plänen der Regierung geübt. In einer Resolution fordern sie Regierung und Parlament auf, die geplante Schwächung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger zurückzunehmen und diesen stattdessen zu stärken.

Außerdem verlangen die Patientenanwälte, die Reduktion der Personalressourcen des Hauptverbandes zurückzunehmen. Weiters wünschen sie sich, alle im Gesundheits- und Sozialsystem relevanten Stakeholder zu einem Dialog über die Zukunft des Gesundheits- und Sozialsystems einzuladen.

„Interessen der Versicherten geschwächt“

Nach den Plänen der Regierung soll der Vorsitz im Hauptverband unter den Chefs der künftig fünf Sozialversicherungsträger rotieren, und zahlreiche Abteilungen des Hauptverbandes sowie deren Mitarbeiter sollen auf die einzelnen Träger aufgeteilt werden.

Durch das „betriebswirtschaftlich unsinnige Rotationsprinzip“ und die Aufteilung der Ressourcen werde die Vertretung der Interessen der Versicherten geschwächt, schreiben die Patientenanwälte dazu in ihrer Resolution.

„Die Wahrnehmung von gesamthaften Aufgaben durch einzelne Versicherungsträger führt notwendigerweise zu Interessenkollisionen, einer Schwächung des Gesamtsystems und einem Auseinanderdriften des Leistungsrechts in Richtung Dreiklassenmedizin. Nur eine stabile Selbstverwaltung und ein starker Hauptverband garantieren eine wirksame Vertretung der Versicherten und sind für Politik, Vertragspartner und andere Stakeholder ein kontinuierlicher, konstruktiver, kompetenter Partner.“

„Sozialversicherung gehört den Menschen“

Die Patientenanwälte halten fest: „Die Sozialversicherung gehört den Menschen. Eine Reform muss Nutzen stiften.“ Am Ende einer Reform müsse eine Verbesserung der Leistungen und der Servicedimension erzielt werden. Das Handeln der Institutionen solle wirksamer und effizienter werden.

„Der vorgelegte Ministerialentwurf schlägt aber den gegenteiligen Weg ein.“ Abschließend heißt es in der Resolution: „Die Gesundheit ist zu wichtig und unser Sozialsystem zu wertvoll, um unreflektiert zu experimentieren.“

EU

Neue Website soll EU den Bürgern näherbringen

Ein halbes Jahr vor der Europawahl im Mai 2019 hat die Europäische Union eine Website gestartet, auf der die Vorteile der Gemeinschaft den Bürgerinnen und Bürgern nähergebracht werden sollen.

Die interaktive, mehrsprachige Website „Was tut die EU für mich?", die vom wissenschaftlichen Dienst des Europäischen Parlaments in Zusammenarbeit mit den Kommunikations- und Übersetzungsdiensten des EU-Parlaments zusammengestellt wurde, enthält 1.800 Kurzdarstellungen mit Beispielen von Initiativen, die aus Sicht der EU für das Leben der Menschen einen Unterschied machen.

„Klare Antwort ohne Jargon“

„Die Europäer fragen, was die EU für sie getan hat, und diese neue Website des Europäischen Parlaments bietet klare Antworten ohne Jargon“, sagte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani heute in Straßburg bei der Präsentation des Projekts.

Inhaltlich ist die Website in drei Kapitel gegliedert. Im Bereich „In meiner Region“ sind EU-Projekte in insgesamt 1.400 Regionen auf dem gesamten Kontinent beschrieben. Die Rubrik „In meinem Leben“ sammelt Beispiele aus verschiedenen Politikbereichen, etwa Gesundheitsvorsorge, Reisen, Freizeit und Verbraucherschutz.

Bereich Nummer drei trägt den Titel „Im Fokus“ und enthält kurze Abhandlungen über die wichtigsten politischen Errungenschaften der aktuellen Wahlperiode.

Wirtschaft

Auslandstelefonate in EU werden 2019 billiger

Das EU-Parlament hat heute in Straßburg neue Vorschriften zur Preisdeckelung für Telefonate ins EU-Ausland beschlossen. Der Gesetzgebungsprozess ist somit abgeschlossen.

Ab 15. Mai 2019 dürfen Telefonate innerhalb der EU nur noch 19 Cent pro Minute und SMS maximal sechs Cent kosten. Nutzerinnen und Nutzer werden künftig besser geschützt, die EU-Staaten müssen den Ausbau von 5G-Netzwerken vorantreiben.

Rübig: „Noch viel zu tun“

Der ÖVP-Europaabgeordnete Paul Rübig zeigte sich erfreut, auch wenn „es noch viel zu tun“ gebe. „Denn Auslandstelefonate in der EU bleiben teurer als Inlandstelefonate. Und es bleibt unmöglich, sich irgendwo in Europa die SIM-Karte des günstigsten Anbieters zu kaufen und sie dann europaweit auf Dauer zu nutzen“, so Rübig. Auch sei es „völlig widersinnig, dass ein Telefonat in ein anderes EU-Land mehr kostet als von dort nach Österreich“, so Rübig. Dieses Relikt aus der Vergangenheit müsse weg.

Der SPÖ-Europaabgeordnete Josef Weidenholzer sagte, es sei „ein wichtiger Kompromiss, dass Telefonate innerhalb der EU günstiger werden“. Der logische nächste Schritt wäre „überhaupt die Abschaffung der Auslandsgebühren. Das war unter österreichischem Ratsvorsitz allerdings nicht möglich“, so Weidenholzer. „Da wollte man lieber ein Zuckerl ins Körberl der Telekomlobby legen“, kritisierte er.

Metaller-KV-Verhandlungen gehen morgen weiter

Morgen werden die Metallergewerkschaft und die Arbeitgebervertreter an den Verhandlungstisch zurückkehren. Nach drei Tagen der Warnstreiks soll morgen Nachmittag weitergeredet werden. An den Forderungen der Gewerkschaft habe sich bisher nichts geändert, sagte Arbeitnehmerverhandler Rainer Wimmer (Pro-Ge). Auch von Arbeitgeberseite gab es laut Wimmer keine neuen Angebote.

„Morgen um 14.00 Uhr gehen wir in die Verhandlungen und hoffen, dass die Arbeitgeber dann ein substanzielles Angebot bringen“, so Wimmer. Die Vorstellungen der Gewerkschaft, wie ein solches Angebot auszusehen habe, haben sich bisher nicht geändert.

Vorgeschlagen werden weiterhin eine Lohnerhöhung von fünf Prozent sowie „wichtige Verbesserungen im Rahmenrecht“, so Wimmer. Von Arbeitgeberseite lautet das letzte Angebot 2,7 Prozent Lohnerhöhung. Es dürfte noch reichlich Spielraum für Verhandlungen gegeben sein.

Drohung mit „echtem Streik“

Die Warnstreiks heute fänden „selbstverständlich“ noch statt, sagte Wimmer, sie seien ein Teil der Eskalierungsstufen in den KV-Verhandlungen. „Nach diesen Maßnahmen werden wir wieder an den Verhandlungstisch gehen“. Sollte es dann zu einer Lösung kommen, dann „ist das gut, wenn es keine Lösung gibt, dann geht es am Montag richtig los“.

Dann komme es zu einem „echten“ Streik, also einer Niederlegung der Arbeit für eine ganze Schicht mit acht Stunden. Warnstreiks dauern dagegen nur zwei, drei Stunden.

Wie gut die Chancen sind, dass es zu einer Einigung kommt und keine Streiks stattfinden werden, seien jedoch nicht abschätzbar, ergänzte Wimmer.

Arbeitgeberseite zeigt sich gesprächsbereit

Von Arbeitgeberseite zeigte man sich gesprächsbereit: Man sei „weiterhin für einen verantwortungsvollen KV-Abschluss bereit“, sagte Christian Knill, der Obmann des Fachverbands der Metalltechnischen Industrie (FMMI), laut einer Aussendung. Allerdings kritisierte er auch den „unseriösen Stil“ der Gewerkschaften.

Die Gewerkschaften würden die Verhandlungen „aus politischen Gründen“ eskalieren lassen. „Eine sachliche Begründung für Streiks fehlt aus unserer Sicht, und einige Maßnahmen und Aussagen der Gewerkschaften sind sehr kontraproduktiv“, so Knill.

Rückendeckung erhielt er zuletzt vom Lohnexperten des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO). „Gerecht wäre eine Abgeltung des Produktivitätsfortschritts und der Inflation“, sagte WIFO-Ökonom Thomas Leoni. Laut WIFO-Prognose liegt der Produktivitätszuwachs pro Stunde quer über alle Wirtschaftsbereiche hinweg 2018 bei 0,7 Prozent, die Inflation voraussichtlich bei 2,1 Prozent. Knill sieht sich durch das WIFO bestätigt, wie der Fachverband per Aussendung bekanntgab.

Der Gewerkschaftsvorsitzende und SPÖ-Abgeordnete Josef Muchitsch stellte sich indessen auf die Seite der Gewerkschafter: Es sei „längst an der Zeit, dass die Arbeitgeber endlich ein vernünftiges Angebot auf den Tisch legen“, so Muchitsch laut einer Aussendung. „Wenn die Arbeitgeber nach 40 Verhandlungsstunden ein Angebot von lediglich 2,5 bis 2,7 Prozent übermitteln, kann man nicht von vernünftigen Verhandlungen auf Augenhöhe sprechen.“

Systembanken in Österreich bestanden Stresstest

Ganz generell gelten europäische Banken heute als besser für Krisen gerüstet als vor einigen Jahren. Das sagte der jüngste Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA). Neben 48 Großbankkonzernen in Europa, darunter aus Österreich RBI und Erste, wurden auch einige andere „signifikante“ Banken auf ihre Stressresistenz geprüft.

Unter den weiteren Banken, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) nach den gleichen Kriterien dem jüngsten Belastungstest unterzogen wurden, sind u. a. die börsennotierte BAWAG Group und die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ).

RBI und Erste liegen hinter Konkurrenz

Über dem Durchschnitt der europäischen Banken sah sich im schweren Stressszenario neben der BAWAG auch die RLB OÖ, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) ebenfalls als signifikantes Institut der Währungsunion eingestuft ist. Wie weit über dem Durchschnitt man lag, wollte die RLB OÖ heute nach außen nicht bekanntgeben, Startpunkt per Ende 2017 waren 15,77 Prozent.

Raiffeisen Bank International (RBI) und Erste Group lagen, wie schon Anfang November bekanntgegeben wurde, trotz Verbesserungen gegenüber früheren Tests nach wie vor hinter dem Durchschnittswert ihrer Konkurrenten aus der europäischen Großbankenszene.

Skifahren in Österreich erneut teurer

Auch in diesem Jahr ist der Skiurlaub in Österreich wieder teurer geworden. Zu diesem Ergebnis kommt der Verein für Konsumenteninformation (VKI), der seit 15 Jahren die Preisgestaltung heimischer Skigebiete beobachtet. Am teuersten ist die Tageskarte heuer in Kitzbühel in Tirol (57 Euro), am billigsten im kleinen Skigebiet Raggal in Vorarlberg (22 Euro).

Mehr dazu in help.ORF.at

Sport

Gesundheit

Chronik

Patientenanwältin widerspricht Arzt in Causa OP-Protokolle

Als haltlos hat die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz die Argumentation jenes Arztes bezeichnet, der am Wiener AKH Operationsprotokolle wiederholt falsch ausgefüllt haben soll. Der Arzt hatte in einem Interview mit der „Presse“ (Mittwoch-Ausgabe) „ein veraltetes, fehleranfälliges Dokumentationssystem“ dafür verantwortlich gemacht. Er wurde mittlerweile entlassen.

Mehr dazu in wien.ORF.at

Entlassener Villacher Primar: Viele Fragen offen

In der Causa des am LKH Villach fristlos entlassenen Primarius sind viele Fragen offen. Der 54-Jährige war an der gynäkologischen Abteilung tätig. Die fristlose Entlassung wegen „akuter Gefährdung von Patienten“ sei ein ungewöhnlicher, aber notwendiger Schritt gewesen, sagte der Vorstand der Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft, Arnold Gabriel. Kurz nach der Entlassung hatte sich der Arzt das Leben genommen.

Mehr dazu in kaernten.ORF.at

Science

Identitätspolitik macht Solidarität schwierig

Identitätspolitik ist en vogue: Für politische Ziele gekämpft wird zunehmend unter der Annahme, dass man Teil einer – diskriminierten – Gruppe ist. Das macht Solidarität zwischen diesen Gruppen schwierig, meint der britische Literaturtheoretiker Terry Eagleton im Interview mit ORF.at.

Der „radikale Sozialist“ Eagleton hat sich im Laufe seines Lebens schon mit einigen Steckenpferden der Linken angelegt, etwa mit den „Illusionen der Postmoderne“, wie eines seiner bekanntesten Bücher heißt. Auf Deutsch erschien zuletzt das Buch “Materialismus. Die Welt erfassen und verändern“.

Mehr dazu in science.ORF.at

IT

Zweiter Anlauf für problematisches Windows-Update

Microsoft hat gestern die neueste Windows-Version 1809 zum zweiten Mal zum Download freigegeben. Ursprünglich hatte der US-Softwarekonzern das Update bereits Anfang Oktober angeboten, nach wenigen Daten häuften sich laut dem IT-Portal Heise jedoch Berichte über Datenverluste, das Update musste zurückgezogen werden.

Nun sollen die gravierenden Fehler behoben sein, so der Hersteller. In einem Blogeintrag gab ein Manager des Konzerns auch die neue Strategie für die Verteilung des problematischen Updates bekannt.

Langsamere Verteilung soll Probleme abfangen

Die Aktualisierung soll langsamer als bisher an Geräte verteilt werden, um eventuell auftretende Probleme diesmal frühzeitig abfangen zu können. Im Gegensatz zu vorherigen Updates hat Microsoft laut Heise eine sonst übliche Testphase („Release Preview“) übersprungen.

Die entstandenen Fehler – neben Datenverlust gab es eine Reihe anderer Probleme – sollen laut Heise schon vor der ursprünglichen Veröffentlichung des Updates bekannt gewesen sein. Entsprechende Fehlerberichte wurden aber offenbar nicht rechtzeitig ausgewertet.

Religion

US-Bischöfe stellen sich Missbrauchsopfern

Von Missbrauch Betroffene haben am ersten Tag der Herbstkonferenz der US-Bischofskonferenz heftige Kritik geübt. Vor allem kritisierten sie den bisherigen Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch durch Geistliche. Teresa Pitt Green, eines der Opfer, sagte in Anspielung auf Vertuschung und Verleugnung von sexuellen Übergriffen in den eigenen Reihen: „Ich weiß nicht, wie Sie das aushalten.“

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Kultur

Jüdisches Museum Wien feiert 30. Geburtstag

Das Jüdische Museum Wien (JMW) feiert am Sonntag das 30-jährige Bestehen seit seiner Neugründung. Für eine Woche wird aus diesem Anlass der berühmte „Hase mit den Bernsteinaugen“ – eine kleine japanische Elfenbeinfigur – zu sehen sein. Der Hase erlangte durch den gleichnamigen Bestseller des Autors Edmund de Waal, der darin die Geschichte der jüdischen Ringstraßenfamilie Ephrussi verarbeitete, international Bekanntheit. 2016 war er bereits zum 125-jährigen Jubiläum des Kunsthistorischen Museums in Wien zu sehen.

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Tscheplanowa wird neue Buhlschaft in Salzburg

Valery Tscheplanowa, bekannt aus der „Perser“-Produktion des Vorjahres, wird die neue Buhlschaft an der Seite von Tobias Moretti beim „Jedermann“ 2019 der Salzburger Festspiele sein und damit Stefanie Reinsperger in dieser Rolle ablösen. Das gab Festspiel-Schauspielchefin Bettina Hering heute in Salzburg bekannt.

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Festspiele 2019 huldigen dem Mythos

Als Abschluss einer Trilogie, in deren Zentrum der Mythos steht, legt Intendant Markus Hinterhäuser im kommenden Jahr, seinem dritten, das Programm der Salzburger Festspiele an. „Wie gehen wir mit unserem kulturellen Speicher um?“, diese Frage stehe im Zentrum gerade der großen Neuproduktionen im kommenden Jahr, so Hinterhäuser heute in Salzburg bei der Präsentation des Festspielprogramms 2019.

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Leute

Prinz Charles ist 70

Prinz Charles feiert heute seinen 70. Geburtstag. Der dreifache Großvater ist der älteste Sohn der amtierenden Queen Elizabeth II. und Prinz Philip. Damit ist er die Nummer eins in der britischen Thronfolge. Charles gehört mütterlicherseits dem Haus Windsor an und väterlicherseits dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, einer Nebenlinie des Hauses Oldenburg.

Großbritanniens Prinz Charles
APA/AFP/Chris J Ratcliffe

Prinz Charles ist der Vater von Prinz William und Prinz Harry sowie der Großvater von George, Charlotte und Louis. Zur Zeit des Todes seiner Ex-Frau Prinzessin Diana 1997 genoss er weitaus weniger Beliebtheit als heute. Grund dafür war die Beziehung mit seiner Dauergeliebten Camilla. Mit ihr ist Prinz Charles heute verheiratet.

Einsatz für Umwelt- und Klimaschutz

Doch darüber scheint längst Gras gewachsen zu sein. Viele Briten und Britinnen zollen Prinz Charles nun großen Respekt, da er sich für umweltfreundliche Landwirtschaft und Klimaschutz einsetzt. Er baut sogar sein eigenes Biogemüse an. Der Thronfolger gilt außerdem als Freund der Architektur und malt gerne Aquarelle.

Auch für Menschenrechte setzt er sich ein. „Er ist kein Schönwetterprinz“, beschrieb der ARD-Royal-Experte Rolf Seelmann-Eggebert einst den Thronfolger. Doch in die Politik darf Prinz Charles sich nicht einmischen. Das wolle er später als König auch beherzigen, sagte er in einer BBC-Dokumentation zu seinem Geburtstag.

Panorama

Netflix will Rom Luxuschristbaum spenden

Nach dem Spott wegen eines armseligen Christbaums, der im vergangenen Jahr auf dem Hauptplatz Piazza Venezia aufgestellt worden war, hat die Gemeinde Rom nun einen Sponsor für eine prächtige Weihnachtstanne gefunden. Der Onlinevideoanbieter Netflix macht 376.000 Euro locker, um den Römerinnen und Römern einen Baum zu schenken, berichtete die römische Tageszeitung „La Repubblica“ (Mittwoch-Ausgabe).

Auf dem Weihnachtsschmuck der Tanne, die am 8. Dezember erstmals beleuchtet wird, sollen die Bilder der beliebtesten Protagonisten aus Netflix-Serien zu sehen sein. 100 verschiedene Weihnachtskugeln seien in Planung. Damit folgt Rom dem Beispiel anderer europäischen Städte, die auf Sponsoren für den Weihnachtsbaum setzen.

„Glatzkopf“, „der Räudige“

Wegen seiner schlaffen Nadeln und nackten Zweige hatte sich Roms Christbaum im vergangenen Jahr viel Spott zugezogen. „Spelacchio“ lautete der Spitzname für den Weihnachtsbaum („Glatzkopf“ oder „der Räudige“). Die Fichte war schon für tot erklärt worden, als sie im Dezember aus Norditalien in der Stadt ankam.

Weihnachtsbaum in Rom 2017
Reuters/Tony Gentile

Erbärmlich schmächtig erschien der Baum im Vergleich zu seinen majestätischen Konkurrenten im Vatikan und in Mailand. Dabei kostete er die Stadt rund 48.000 Euro. Viele erklärten den Weihnachtsbaum zu einem Sinnbild für den Zustand der italienischen Hauptstadt.

Weihnachtskrippe im Vatikan wird mit Sand aus Jesolo errichtet

Unterdessen wurde dieser Tage begonnen, 35 Tonnen Sand vom Strand der italienischen Adria-Badeortschaft Jesolo auf dem Petersplatz abzuladen. Damit soll dieses Jahr die Weihnachtskrippe für den Vatikan errichtet werden. Weitere sieben Lkws werden mit ihrer Fracht noch diese Woche im Vatikan erwartet.

Der Sand wurde vor dem Abtransport nach Rom vom Patriarchen von Venedig, Francesco Moraglia, gesegnet. Daraus soll eine fünf Meter hohe, 15 Meter breite und acht Meter lange Pyramide gebaut werden. Künstler werden den Sand in eine spektakuläre Weihnachtskrippe verwandeln, die die Gemeinde Jesolo Papst Franziskus schenken will, berichtete die römische Tageszeitung „Il Messaggero“ (Mittwoch-Ausgabe). Damit will Jesolo weltweit seine Tradition der Sandkrippen vorstellen.

Seit 16 Jahren werden auf dem Strand der bei österreichischen Touristen besonders beliebten Badeortschaft in der Weihnachtszeit Krippenlandschaften aus Sand gebaut.

„Pelziges“ Pikachu spaltet das Netz

Ein neuer Film, basierend auf der Videospielreihe „Pokemon“, teilt momentan die Netzgemeinde. Im vor Kurzem veröffentlichten Trailer zu „Detective Pikachu“ ist das Aushängeschild der Serie, Pikachu, zu sehen – und zwar deutlich pelziger als bisher.

Es ist das erste Mal, dass Pikachu „realistisch“ in 3-D auf der Leinwand auftritt. Damit weicht die Darstellung stark von bisherigen Spielen, TV-Serien und Filmen der Reihe ab.

Kritik an „widerlichem“ Pikachu

Im Netz sorgte das plüschige Aussehen der Pokemon für geteilte Reaktionen. Während sich viele Fans begeistert zeigten, wurde das Fellkostüm der fiktiven Monster auch häufig für „widerlich“ befunden.

Ryan Reynolds als Synchronsprecher

Hinzu kommt, dass Pikachu in der Filmauskopplung auch sprechen wird. Bisher war Pikachus Vokabular in Filmen auf die zwei Wörter „Pika“ und „Chu“ beschränkt. „Deadpool“-Star Ryan Reynolds leiht Pikachu in dem im Mai 2019 erscheinenden Film seine Stimme.

Pikachu ist bereits seit Entstehung der Serie im Jahr 1996 dabei, die zum internationalen Phänomen wurde und zuletzt vor allem durch das Smartphone-Spiel „Pokemon Go“ wieder in Erscheinung trat.

Das Videospiel war ursprünglich von der Natur inspiriert: Erfinder Satoshi Tajiri erfand die Monster wegen seiner Begeisterung für das in Japan populäre Sammeln von Insekten in der Kindheit. Seither wurden unzählige Spiele, mehrere Fernsehserien und – „Detective Pikachu“ noch nicht eingerechnet – 21 Filme veröffentlicht.