Ausland

Die USA haben von der Türkei eine „sofortige“ Waffenruhe in Nordsyrien und Verhandlungen mit den Kurden gefordert. Vize-Präsident Mike Pence sagte in Washington, US-Präsident Donald Trump habe ihn und den Nationalen Sicherheitsberater Robert O’Brien damit beauftragt, in der Türkei Verhandlungen zu führen, um das „Blutvergießen“ zu beenden.

Trump habe dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in einem Telefonat gesagt, dass die USA von der Türkei verlangen, die „Invasion“ zu stoppen. Trump habe sein Angebot wiederholt, in dem Konflikt zwischen den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) und dem türkischen Militär zu vermitteln. Erdogan habe Trump zugesichert, die Grenzstadt Kobane nicht anzugreifen, sagte Pence weiter.

Alle in Nordsyrien stationierten US-Truppen haben gestern den Befehl erhalten, wegen der türkischen Militäroffensive gegen die Kurden das Land zu verlassen. Indes entsandte die Regierung in Damaskus Soldaten in die Region. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hält dennoch an der Offensive fest – trotz internationaler Kritik.

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Im völlig überfüllten Flüchtlingslager der griechischen Insel Samos ist es gestern zu Schlägereien zwischen Geflüchteten aus Syrien und Afghanistan gekommen. Mindestens drei Menschen seien nach Berichten örtlicher Medien durch Messerstiche verletzt worden. Weitere acht Menschen seien mit Atembeschwerden ins Krankenhaus gebracht worden.

Bei den Ausschreitungen setzte die Polizei Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzuhalten. Zudem hätten Menschen in dem Lager ein Feuer entfacht. Die Feuerwehr versuchte nach Medienberichten am Abend den Brand zu löschen.

„Das Lager wurde evakuiert“, sagte der Bürgermeister der Inselhauptstadt, Giorgos Stantzos, dem Athener Nachrichtensender Skai. Hunderte Geflüchtete hätten in der Kleinstadt von Vathy Zuflucht gesucht, hieß es. Im Registrierlager von Vathy mit einer Aufnahmekapazität für 650 Menschen sind zurzeit mehr als 5.700 Menschen. Auch alle anderen Lager auf den Inseln Chios, Samos, Leros und Kos sind restlos überfüllt.

Das in der Nacht auf gestern geschlossene Abkommen zwischen der Regierung Ecuadors und protestierenden Indigenen-Gruppen hat möglicherweise nur kurz für Entspannung gesorgt. Laut Medienberichten wurden danach regierungskritische Politiker und Politikerinnen in Untersuchungshaft genommen. Am meisten Aufsehen sorgte die Verhaftung von Paola Pabon, der Präfektin von Pichincha, der Provinz rund um die Hauptstadt Quito.

Die 41-jährige Juristin galt als eine der schärfsten Kritikerinnen von Präsident Lenin Moreno. Sie war eine Mitstreiterin des früheren Präsidenten Rafael Correa (2007–2017), mit dem Moreno im Dauerclinch liegt. Zwar diente er ihm früher sogar als „Vize“, doch sind die beiden Staatsmänner mittlerweile verfeindet.

Eine weitere enge Vertraute Correas, die ehemalige Präsidentin der Nationalversammlung, Gabriela Rivadeneira, floh noch am Samstag nach Drohungen in die mexikanische Botschaft in Quito. Bereits im April hatte Ex-Außen- und Verteidigungsminister Ricardo Patino in Mexiko um politisches Asyl angesucht, was ihm Anfang Oktober auch gewährt wurde.

Spritpreise als Kipppunkt

Moreno wirft dem nunmehr in Belgien lebenden Correa Korruption vor. Dieser bezeichnet einen deswegen gegen ihn ausgestellten Haftbefehl als „rein politisch motiviert“ und beschuldigt seinen Nachfolger, nur noch eine neoliberale Wirtschaftselite zu bedienen. Correa wird von Moreno im Gegenzug vorgeworfen, die Demonstranten und Demonstrantinnen zu Ausschreitungen aufgestachelt zu haben.

Morenos Regierung hatte am Sonntag nach tagelangen Protesten eine Verordnung zurückgenommen, wonach die Spritpreise in dem lateinamerikanischen Land nicht mehr staatlich gestützt wurden. Sie waren in Folge in die Höhe geschnellt. Das löste wiederum heftige Proteste aus. Mit der neuen Maßnahme sollen nun sozial schwache Gruppen – wie die an den Protesten führend beteiligten Indigenen – entlastet werden. Sie waren von der starken Preiserhöhung für Benzin und Diesel besonders getroffen worden.

Bei einem Luftangriff auf ein Wohnhaus in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind drei Kinder einer Familie getötet worden. Zwei weitere Personen seien verletzt worden, teilte das Innenministerium gestern mit.

Die von der UNO unterstützte Regierung in Tripolis machte die verfeindeten Truppen von General Chalifa Haftar für den Angriff auf den Stadtteil al-Fornaj verantwortlich. Haftar versucht seit April, Tripolis einzunehmen.

Die Libysche Nationalarmee (LNA) von General Haftar wies in einer Erklärung die Anschuldigungen zurück. Sie hätten ein Militärlager von Milizen angegriffen.

Die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen für Libyen (UNSMIL) verurteilte die Attacke aufs Schärfste. „Wieder einmal zahlen unschuldige Kinder den höchsten Preis“, hieß es in einer Mitteilung. Es sei besonders ungeheuerlich, dass der Angriff nur wenige Tage nach einem Angriff auf einen Reitklub in Tripolis erfolge, bei dem ebenfalls mehrere Kinder verletzt wurden.

Zehntausende Menschen haben in Hongkong für einen geplanten Gesetzesentwurf im amerikanischen Kongress demonstriert, mit dem Demokratie und Bürgerrechte in der chinesischen Sonderverwaltungsregion gefördert werden sollen. Die Demonstration gestern fand überraschend großen Zulauf. Auch verlief sie friedlich, nachdem solche Märsche in den Wochen zuvor immer in Krawallen und Zusammenstößen mit der Polizei geendet waren.

Es war die erste genehmigte Demonstration, seitdem die Hongkonger Regierung ein Vermummungsverbot in einem Rückgriff auf koloniales Notstandsrecht erlassen hatte. Die Organisatoren hatten Teilnehmerinnen und Teilnehmer eindringlich davor gewarnt, Gesichtsmasken zu tragen, weil sie sonst gegen Gesetze verstoßen würden. Viele hielten sich nach Schilderungen von Augenzeugen daran und vermummten sich nicht.

Republikaner und Demokraten im US-Repräsentantenhaus wollen diese Woche einen Gesetzesentwurf für Menschenrechte und Demokratie in Hongkong annehmen. Das Gesetz schlägt wirtschaftliche Sanktionen vor, wenn die Autonomie Hongkongs untergraben wird. Auch soll verfolgt werden, ob die Volksrepublik die Bürgerrechte und Rechtsstaatlichkeit in Hongkong untergräbt. Es sieht ferner Strafmaßnahmen gegen Politiker vor, die Freiheitsrechte von Hongkongern verletzt haben.

Bei Protesten gegen die Verurteilung von Anführern der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung ist die Polizei gestern gegen Demonstranten auf dem Flughafen von Barcelona vorgegangen. Die Polizei setzte dabei Schlagstöcke ein und hielt Kundgebungsteilnehmer am Boden fest. Hunderte Protestierende hatten die Sicherheitskräfte zuvor mit Steinen und Mülleimern beworfen, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Die Proteste waren durch das Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens gegen neun Anführer der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung ausgelöst worden. Neun der zwölf Angeklagten wurden vom Obersten Gerichtshof Spaniens wegen „Aufruhrs“ und Veruntreuung öffentlicher Gelder zu Gefängnisstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt. Den Angeklagten wurde vorgeworfen, im Oktober 2017 ein von der spanischen Justiz als illegal eingestuftes Unabhängigkeitsreferendum organisiert zu haben.

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Die Umsetzung des Brexits am 31. Oktober hat „Priorität“ für die britische Regierung von Premierminister Boris Johnson. Das sagte Königin Elizabeth II. bei der Verlesung von Johnsons Regierungsprogramm gestern im Unterhaus in London. Auch Gesetzesvorhaben wie eine Verschärfung des Strafrechts stellte die Queen vor. Doch angesichts einer fehlenden Regierungsmehrheit bleibt die Umsetzung ebenso unklar wie der Ausgang des Brexit-Krimis.

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Inland

Die Vorarlberger ÖVP hat gestern in Feldkirch in einer Präsidiums- und Vorstandssitzung den Fahrplan für die Regierungsverhandlungen festgelegt. Nach sondierenden Vieraugengesprächen mit den Chefs der anderen Landtagsparteien morgen wird die ÖVP am Donnerstag wahrscheinlich mit den Grünen „vertiefende Gespräche“ führen. Die eigentlichen Koalitionsverhandlungen beginnen nächste Woche.

Das erklärte Parteichef Landeshauptmann Markus Wallner am Rande der Sitzungen gegenüber der APA. Während er die Sondierungsgespräche mit Sabine Scheffknecht (NEOS), Martin Staudinger (SPÖ), Johannes Rauch (Grüne) und Christof Bitschi (FPÖ) jeweils unter vier Augen führen wird, steht für das vertiefende Gespräch am Donnerstag ein Verhandlungsteam bereit.

Gespräche mit Grünen am Donnerstag

Für die ÖVP werden Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser, Klubobmann Roland Frühstück sowie Landesgeschäftsführer Dietmar Wetz die Interessen der ÖVP vertreten. Es sei davon auszugehen, dass die Grünen am Donnerstag der Gesprächspartner sein werden, sagte Wallner. Vorgesehen ist laut Wallner, am Donnerstag in einzelne Themen einzusteigen, „dann sehen wir, ob wir Koalitionsgespräche aufnehmen können oder nicht“.

Die Grünen gehen davon aus, dass es zu Regierungsverhandlungen mit der ÖVP kommt und diese positiv abgeschlossen werden können. Das sagte Landessprecher Rauch im Gespräch mit Journalisten und Journalistinnen nach einer Gremiensitzung heute in Bregenz. Nach den Chancen bezüglich eines erfolgreichen Abschlusses befragt, meinte der Landesrat, diese stünden „gut“.

80.000 Vorzugsstimmen für Wallner

Die Koalitionsgespräche selbst sollen am Montag beginnen. Am Freitag seien Budgetgespräche zu führen, das Wochenende soll im Sinne aller Beteiligten frei bleiben. Ziel sei nach wie vor, die Koalitionsgespräche so zeitig abzuschließen, dass die neue Landesregierung in der konstituierenden Sitzung des Landtags am 6. November angelobt werden kann.

Zur Wahlanalyse, die in den Gremien durchgeführt wurde, sagte der Landeshauptmann: „Es gab keine Überraschung.“ Wallner freute sich besonders über die knapp 80.000 Vorzugsstimmen, die ihm die ÖVP-Wähler und ÖVP-Wählerinnen zugestanden.

FPÖ will Wähler bis 2024 zurückgewinnen

Die Vorarlberger FPÖ betonte indes noch einmal die Notwendigkeit „des Aufräumens auf Bundesebene“. Die Affären rund um Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache hätten „direkten Einfluss auf das Wahlergebnis gehabt“, sagte Landesgeschäftsführer Christian Klien nach der FPÖ-Gremiensitzung gestern. Bis 2024 wolle man die Wählerinnen und Wähler zurückgewinnen.

Die FPÖ war bei der Landtagswahl von 23,5 Prozent Stimmenanteil im Jahr 2014 auf nunmehr 14,0 Prozent abgestürzt. In den nächsten fünf Jahren werde die Partei kantige Oppositionspolitik betreiben. „Wir werden die Probleme direkt ansprechen“, so Klien gegenüber der APA. Damit soll es vor allem gelingen, die dieses Mal nicht zur Wahl gegangenen FPÖ-Sympathisanten wieder zu überzeugen.

Die grüne EU-Abgeordnete Sarah Wiener spricht sich für eine Koalition von ÖVP und den Grünen aus. „Ich persönlich würde Türkis-Grün natürlich begrüßen, das muss ich schon sagen“, sagte Wiener im Interview mit „Österreich“ (Dienstag-Ausgabe) und Oe24.tv laut einer Vorabmeldung. Sie hoffe, dass man durch eine grüne Regierungsbeteiligung „grüne Werte in der Politik spüren“ werde.

Sollte es zu einer Regierungsbeteiligung ihrer Partei kommen, würde Wiener als Ministerin zur Verfügung stehen. „Beim Landwirtschaftsministerium würde ich nicht Nein sagen.“

Erstes Treffen des grünen Klubs

Zuvor war der neue künftige Nationalratsklub der Grünen erstmals nach der Wahl zu einem Arbeitstreffen zusammengekommen. Der Klub ist um zwei Köpfe größer und auch weiblicher denn je: 15 der 26 Abgeordneten sind Frauen, ein Höchstwert, wie Bundessprecher Werner Kogler zu Beginn der Sitzung verkündete. Mehr als ein Viertel der Abgeordneten hat zudem einen Migrationshintergrund.

Mit der Wahl am 29. September habe man mehrere Rekorde gebrochen: Noch niemals sei eine politische Partei aus dem Nationalrat ausgeschieden und wieder zurückgekommen, und das noch dazu mit dem besten Ergebnis bisher.

Den ersten Schritt zur Konstituierung wird die Fraktion unmittelbar vor der ersten Nationalratssitzung am 23. Oktober machen, Kogler ist demgemäß auch noch nicht Klubobmann. Noch nichts entlocken ließ sich Kogler zu seinem Sondierungsteam für die Gespräche mit der ÖVP auf Bundesebene.

EU

EU-Brexit-Verhandlungsführer Michel Barnier informiert heute in Luxemburg die EU-Außenminister der Mitgliedstaaten – darunter Österreichs Ressortchef Alexander Schallenberg über den Stand der Austrittsgespräche mit Großbritannien. Die Ministerinnen und Minister bereiten den EU-Gipfel ab Donnerstag vor.

Bisher ist in den Brexit-Gesprächen allerdings kein Durchbruch in Sicht, weshalb auch die Frage einer erneuten Verschiebung des für den 31. Oktober geplanten Austritts eine Rolle spielen dürfte.

Beratungen über Westbalkan

Hohes Konfliktpotenzial birgt eine geplante Entscheidung zum Start von EU-Beitrittsgesprächen mit den Westbalkan-Staaten Albanien und Nordmazedonien, welche die Europaminister im Anschluss treffen sollen. Frankreich sprach sich bei einer Sitzung der EU-Botschafter gestern erneut gegen Beitrittsgespräche mit beiden Ländern zum jetzigen Zeitpunkt aus.

Die Niederlande und Dänemark hatten laut Diplomaten weiter Vorbehalte gegen Albanien. Österreich ist ein Fürsprecher für die Aufnahme von Gesprächen. Für den Beschluss ist Einstimmigkeit notwendig. Er war seit dem vergangenen Jahr bereits zweimal verschoben worden.

Sport

Nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Cüneyt Cakir hat Franco Foda seiner Freude freien Lauf gelassen. Der ÖFB-Teamchef feierte am Sonntag den 1:0-Erfolg in Slowenien überschwänglich. Die ausgelassene Stimmung war verständlich, denn Österreich fehlt nur noch ein Punkt zur erfolgreichen EM-Qualifikation. Entsprechend fiel das Resümee von Foda aus, der der gesamten Mannschaft ein Sonderlob aussprach.

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Wirtschaft

Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt heute seine neue Prognose zum Wachstum der Weltwirtschaft vor. Angesichts anhaltender Handelskonflikte und vermehrter Anzeichen eines global schwächeren Wachstums wird der IWF seine Konjunkturprognose für 2019 und 2020 senken, hatte die neue IWF-Chefin Kristalina Georgiewa schon vorige Woche angekündigt, ohne Einzelheiten zu nennen.

In der letzten Prognose Ende Juli erwartete der IWF für heuer ein um 0,1 Prozentpunkte schwächeres globales Wachstum von 3,2 Prozent. Für 2020 kürzte der IWF die Prognose ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Das größte Risiko für die Weltwirtschaft geht vom Handelskonflikt der USA und China aus, den beiden größten Volkswirtschaften.

Der Konflikt hatte sich am Freitag zwar etwas entspannt, nachdem US-Präsident Donald Trump eine Teileinigung mit China verkündet hatte. Zudem legte die US-Regierung eine geplante Anhebung von Strafzöllen auf chinesische Importe auf Eis. Damit ist der Handelskrieg aber noch nicht vom Tisch.

Die neue Wirtschaftsprognose wird im Vorfeld der Jahrestagung von IWF und Weltbank vorgestellt. Mit Spannung werden dabei auch die Prognosen für die Euro-Zone und für Deutschland erwartet. Zu der Tagung in Washington reisen in der Regel Zentralbanker und Zentralbankerinnen, Finanzminister und Finanzministerinnen sowie Spitzen von Großbanken aus aller Welt an.

Eigentümerwechsel bei der auch in Österreich mit Dutzenden Standorten vertretenen Firma Matratzen Concord: Ein asiatischer Finanzinvestor will die Kölner Handelsfirma für nur fünf Millionen Euro kaufen. Die Übernahme durch das Unternehmen Magical Honour Limited soll bis Jahresende abgeschlossen sein, wie Matratzen Concord gestern mitteilte.

Derzeit hat der Discounter nach eigenen Angaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 830 Filialen. Die Geschäfte laufen schlecht, laut Bundesanzeiger sank der Umsatz 2018 um 8,1 Prozent auf 224 Millionen Euro. Seit 2017 wurden rund 170 Shops zugemacht, die Beschäftigtenzahl schrumpfte um 330.

70 Standorte in Österreich

In Österreich setzte Matratzen Concord laut Wirtschafts-Compass im Jahr 2017 mit 193 Beschäftigten 21,23 Mio. Euro um, jüngere Zahlen sind noch nicht im Firmenbuch hinterlegt. Laut Wirtschafts-Compass und Elektronischem Telefonbuch (ETB) zählt man hierzulande mehr als 70 Standorte.

Bisher gehört Matratzen Concord zum niederländischen Matratzenkonzern Beter Bed Holding, der auch in den Benelux-Staaten und Schweden tätig ist – dort liefen die Geschäfte besser und der Umsatz zog an. Die Deutschland-Tochter hingegen war ein Sorgenkind, welche den Gesamtkonzern in die roten Zahlen zog.

Der Betrieb des deutschen Wurstherstellers Wilke bleibt geschlossen. Das Verwaltungsgericht Kassel wies gestern einen Eilantrag der nordhessischen Firma ab. Im Interesse der Lebensmittelsicherheit sei die Schließung „alternativlos“ gewesen, so das Gericht.

Im März 2019 waren schädliche Listerien in Wurstwaren von Wilke festgestellt worden. Das Robert-Koch-Institut bringt damit drei ältere Todesfälle in Verbindung. Am 1. Oktober 2019 hatte der Landkreis Waldeck-Frankenberg den Betrieb in Twistetal-Berndorf stillgelegt.

Nach EU-Recht könnten die Behörden alle Maßnahmen ergreifen, die sie im Interesse der Lebensmittelsicherheit für angemessen erachten. Angesichts der Hygienezustände im Stammbetrieb der Firma Wilke sei dessen Stilllegung „nicht nur angemessen, sondern alternativlos“ gewesen, um schwerwiegende Gefahren für die Bevölkerung abzuwenden, erklärten die Kasseler Richter.

Die richtungsweisenden Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 130.000 Beschäftigten in der Metalltechnischen Industrie gehen heute in die dritte Runde. Die Verhandlungen starten um 10.30 Uhr in der Bundeswirtschaftskammer in Wien. Bei Bedarf geht es gleich morgen mit der vierten Runde weiter.

Die Positionen der Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter liegen derzeit noch weit auseinander. Die Gewerkschaft fordert eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 4,5 Prozent beziehungsweise mindestens 100 Euro.

Die Vertreter der Metalltechnischen Industrie haben die gewerkschaftlichen KV-Verhandler angesichts der Konjunkturabschwächung zu „Besonnenheit und Vernunft“ aufgerufen und bieten eine „faire Lohnerhöhung“ an.

Chronik

Im Westen Mexikos sind nach Behördenangaben 14 Polizisten in einem Hinterhalt getötet worden. Der Angriff habe sich am Rande der Stadt Aguililla im Bundesstaat Michoacan ereignet, teilte das Sicherheitsministerium heute auf Twitter mit. Örtlichen Medienberichten zufolge reagierten die Polizisten auf einen Notruf, als die Angreifer aus gepanzerten Fahrzeugen heraus das Feuer eröffneten. Anschließend setzten sie mehrere Polizeifahrzeuge in Brand.

Michoacan ist seit Jahren von Gewalt rivalisierender Drogenkartelle, anderer krimineller Banden und bewaffneter „Selbstverteidigungsgruppen“ geprägt.

Seit 2006 geht die mexikanische Armee verstärkt gegen Drogenkartelle in dem lateinamerikanischen Land vor. Bei Auseinandersetzungen zwischen Drogenkartellen untereinander und mit den Sicherheitskräften wurden seitdem nach offiziellen Angaben bereits mehr als 250.000 Menschen getötet.

Am Flughafen Münster Osnabrück (FMO) sind gestern Abend in einem Parkhaus rund 70 Autos in Brand geraten. Verletzte habe es keine gegeben, sagte ein Sprecher der Feuerwehr in der Nacht. Gegen 0.45 Uhr sei der Brand gelöscht gewesen. Die Brandursache sei noch unklar. Rund 260 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Das mehrgeschoßige Parkhaus, in dem die Autos brannten, sei rund 100 Meter vom Flughafenterminal entfernt, hieß es von der Feuerwehr. Das Gebäude sei nach ersten Erkenntnissen nicht einsturzgefährdet. Nach Abschluss der Löscharbeiten, müssten die Fahrzeuge geborgen werden.

Der Flugbetrieb sei durch den Brand nicht beeinträchtigt, sagte Andres Heinemann, Sprecher des Flughafens. Der Flughafen Münster liegt in Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Niedersachsen. 2018 wurden dort rund eine Million Fluggäste abgefertigt. Es werden innereuropäische Ziele angeflogen.

Kultur

Der britische Booker-Literaturpreis geht in diesem Jahr ausnahmsweise an zwei Autorinnen. Ausgezeichnet wurden die Britin Bernardine Evaristo und die Kanadierin Margaret Atwood, wie die Jury gestern in London mitteilte. Evaristo wurde für ihr Buch „Girl, Woman, Other“ ausgezeichnet. Margaret Atwood bekam den Preis für den Roman „The Testaments“ („Die Zeuginnen“). Noch ehe der Inhalt bekannt war, wurde das Buch schon auf die Shortlist des Booker Prize aufgenommen.

Atwoods im Jahr 1985 erschienener dystopischer Roman „Der Report der Magd“ begeisterte mehrere Generationen. Der Inhalt des Buches wurde zur Vorlage für die Serie „The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd“, was Atwood einem noch größeren Publikum bekannt machte. Vor wenigen Wochen löste die mittlerweile 79 Jahre alte Kanadierin mit „Die Zeuginnen“, der Fortsetzung des „Reports der Magd“, einen weltweiten Hype aus.

Der „Booker Prize“ ist der wichtigste britische Literaturpreis. Er ist mit 50.000 Pfund (rund 57.000 Euro) dotiert. Die beiden Gewinnerinnen teilen sich das Preisgeld. Ausgezeichnet werden Autoren, die auf Englisch schreiben und deren Werke in Großbritannien erscheinen.

Seit 1969 vergeben

Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die nordirische Schriftstellerin Anna Burns. Sie wurde für ihren Roman „Milkman“ (Milchmann) geehrt, in dem es um die Erfahrungen einer jungen Frau in den Jahren des Nordirlandkonflikts geht.

In den vergangenen Jahren hieß der Preis „Man Booker Prize“. Im Jänner gab das Investment-Unternehmen Man Group jedoch seinen Rückzug als Sponsor bekannt. Der Preis wird seit 1969 vergeben und war bis 2013 Autoren aus dem britischen Commonwealth und Irland vorbehalten, deren Romane in Großbritannien veröffentlicht wurden. Seit 2014 sind auch Autoren aus anderen englischsprachigen Ländern zugelassen.

Der Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame soll verfilmt werden. Die französischen Produktionsfirmen Vendome und Pathe planen eine Serie auf Englisch, wie Vendome-Gründer Philippe Rousselet der Nachrichtenagentur AFP am Montag sagte. Die Miniserie basiere auf einem Artikel der US-Zeitung „New York Times“ und könnte 2021 ausgestrahlt werden.

„Wir werden uns so weit wie möglich an die Fakten halten. Wir werden das aktuelle Geschehen während der Entwicklung der Serie verfolgen, insbesondere da die Brandursache immer noch nicht festgestellt wurde“, sagte Rousselet. Die Serie soll vier bis sechs Teile umfassen. Beim Verfassen der Drehbücher arbeiten die Firmen mit der „New York Times“ zusammen. Zuvor hatte die Zeitschrift „Variety“ über das Vorhaben berichtet.

Bei dem Brand im vergangenen April waren das Dach und der Spitzturm der weltberühmten gotischen Kathedrale zerstört worden. Auslöser des Brandes war Ermittlern zufolge vermutlich eine brennende Zigarette oder ein Kurzschluss. Zum Zeitpunkt des Brandes waren Bauarbeiten am Dach im Gang.

In der Hauptstadt des Kosovo, Prishtina, hat es gestern Proteste gegen die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke gegeben. Laut einem Bericht des schwedischen Kultursenders Kulturnytt forderten die Demonstranten und Demonstrantinnen vor dem Gebäude der Schwedischen Botschaft die Rücknahme der Entscheidung. Es seien weitere Demonstrationen in Prishtina geplant, hieß es in der Sendung.

Die Akademie für Wissenschaft und Künste des Kosovo (ASHAK) habe in einem offenen Brief an die Schwedische Akademie ebenfalls verlangt, den Preis zurückzunehmen. Man sei über die Vergabe des Nobelpreises für Literatur 2019 an Handke „enttäuscht“ und „zutiefst entrüstet“, zitierte Kulturnytt aus dem Schreiben.

Peter Handke ist bis gestern wegen seiner politischen Ansichten zum Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien (1991–1999) umstritten. In Serbien wurde er deshalb mit Ehrungen überhäuft. Kritiker werfen ihm dagegen eine Verharmlosung der serbischen Kriegsverbrechen vor, was Handke unter Hinweis auf eine differenzierte literarische Darstellung zurückwies.

Science