COV Inland

Die Zahl der Personen, die sich in Österreich nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert haben, ist heute (Stand 16.15 Uhr) erstmals auf über 10.000 gestiegen. Laut Gesundheitsministerium sind bisher insgesamt 10.019 Menschen positiv auf das Virus getestet worden.

Die meisten Infektionen wurden mit 2.333 bisher in Tirol verzeichnet. Ebenfalls stark betroffen waren Niederösterreich mit 1.629 und Oberösterreich mit 1.599 Fällen. In Wien wurden bisher 1.390 Personen positiv auf das Virus getestet.

128 Menschen mit Infektion sind bisher verstorben, wie das Gesundheitsministerium heute Früh mitteilte.

Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie stehen beim Kinder- und Jugendnotruf „Rat auf Draht“ die Telefone nicht mehr still. Waren es vorher rund 200 Anrufe pro Tag, verzeichnet die Hotline nunmehr eine Steigerung um bis zu 30 Prozent – also 60 zusätzliche Anrufe jeden Tag. Die Experten befürchten eine Zunahme der häuslichen Gewalt.

„Rat auf Draht“ ist unter der Nummer 147 rund um die Uhr sieben Tage die Woche erreichbar, die Beratung erfolgt anonym und kostenlos. Die Chatberatung wurde nun ausgeweitet, sie steht jetzt montags bis freitags jeweils von 18.00 bis 20.00 Uhr zur Verfügung. Der Notruf wird von SOS-Kinderdorf vorwiegend über Spenden finanziert.

Aktuell seien Gesundheit und Schule die zwei großen Themen. Viele Kinder und Jugendliche sorgen sich um die eigene Gesundheit und jene der Familie, dazu gibt zahlreiche Fragen zu schulischen Problemen, Zukunftsängste sind ein großes Thema, auch was passiert mit der Matura, erläuterte die Sprecherin.

Dazu kommen die klassischen psychosozialen Probleme – sie können ihre Freunde nicht mehr sehen, sind isoliert. Bereits seit 20. März unterstützen Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter die Notrufnummer.

Der Härtefallfonds wird – wie bereits angekündigt – ausgeweitet. Auch Gutverdiener, die im Monat mehr als 5.000 Euro brutto verdient haben, werden in der zweiten Auszahlungsphase anspruchsberechtigt.

Das geht aus Informationen hervor, die das Finanzministerium heute der APA übermittelt hat. „Alle, die Hilfe brauchen, sollen auch Hilfe bekommen“, sagte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP).

„Im Gegensatz zu Phase eins entfällt die Obergrenze als Eintrittskriterium“, heißt es in den Unterlagen. Bisher galten besser verdienende Selbstständige nicht als „Härtefälle“ und waren vom Bezug aus dem eine Mrd. Euro schweren Härtefallfonds ausgeschlossen. Die Grenze in der bisherigen Verordnung lag bei 80 Prozent der jährlichen sozialversicherungsrechtlichen Höchstbeitragsgrundlage, das sind heuer 75.180 Euro.

Verdienstentgang zu 80 Prozent ersetzt

Ebenfalls entfallen soll die Untergrenze von rund 5.500 Euro (jährliche Geringfügigkeitsgrenze). Allerdings müsse zum Nachweis einer tatsächlichen Selbstständigkeit eine SV-Anmeldung erfolgt sein, und im letztverfügbaren Steuerbescheid bzw. im Durchschnitt der letzten drei verfügbaren Steuerbescheide müssen Einkünfte aus Selbstständigkeit deklariert sein.

„In Phase zwei wird der Bezieherkreis erweitert und anteilig auf den Verdienstentgang abgestellt“, hieß es. Der Verdienstentgang zwischen 16. März und 15. April werde im Vergleich zum bisherigem Einkommen zu 80 Prozent ersetzt, gedeckelt mit 2.000 Euro pro Monat auf maximal drei Monate. Phase zwei soll nach Ostern starten.

Morgen treten rund 3.500 außerordentliche Zivildiener ihren Dienst an. 2.000 davon sind ehemalige Zivildiener, die sich freiwillig gemeldet haben. 1.500 sind Aktive, die verlängert werden. Diese Maßnahme wird zum ersten Mal in der Zweiten Republik angewandt. Die Zivildiener werden bei der Versorgung und Betreuung älterer Menschen sowie bei Kranken- und Rettungstransporten helfen.

Die Regierung rechnet damit, dass Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflege- und Betreuungseinrichtungen in den kommenden Wochen ausfallen werden, weil sie erkranken bzw. unter Quarantäne stehen. Um diese Lücken zu schließen, wurde der außerordentliche Zivildienst ausgerufen.

Auch Start für Soldaten

Die Freiwilligen werden zwei oder drei Monate dienen. Zivildienstministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) bedankte sich bei den Zivildienern, „die sich in dieser schwierigen Lage unseres Landes noch einmal in den Dienst der Gesellschaft stellen“.

Auch für 2.316 Soldaten beginnt der zweimonatige Aufschubpräsenzdienst. Anders als beim außerordentlichen Zivildienst gab es diese Maßnahme schon einmal in Österreich, und zwar während der Tschechien-Krise 1968. Der Zweck des Aufschubpräsenzdienstes ist es, die Durchhaltefähigkeit des Bundesheeres sicherzustellen und eine zeitlich begrenzte personelle Entlastung sicherzustellen.

Die Rufe nach einem Dividendenverzicht für Unternehmen, die in der Coronavirus-Krise staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen, werden lauter. In der Debatte schlägt nun die SPÖ vor, die Vergabe von staatlichen Hilfen an ein Dividendenverbot zu knüpfen. Auch aus heimischen Firmen selbst werden schon erste Forderungen nach einem Dividendenverzicht gestellt.

„Es kann einfach nicht sein, dass der Staat Milliarden in die Unternehmen steckt, um ihnen und ihren Beschäftigten durch die Krise zu helfen und dieselben Unternehmen zeitgleich Millionen an Dividenden auszahlen“, so SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer heute laut Aussendung. Denn offenbar widerspreche es sich für die Unternehmen nicht, Geld vom Staat für Kurzarbeit in Anspruch zu nehmen und gleichzeitig Millionen an Gewinnen auszuschütten.

Keine einheitliche Regelung

Auch innerhalb heimischer Unternehmen wurden bereits erste Stimmen laut, die einen Dividendenverzicht fordern. So hat der Betriebsrat der Telekom Austria wegen der „bisher undenkbaren und neue Herausforderungen“ vorgeschlagen, die Dividendenausschüttungen an die Aktionäre für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 auszusetzen.

Ob staatsnahe oder gar alle Unternehmen, die Staatshilfen beziehen wollen, ihre Dividende aussetzen sollen, ist derzeit ein weltweit debattiertes Thema – einheitliche Regelungen gibt es aber noch nicht.

COV Ausland

Laut Italiens oberstem Gesundheitsinstitut (ISS) stabilisiert sich die Epidemiekurve. Die Zahl der Neuinfizierten sei seit einigen Tagen stabil, was bezeuge, dass die Eingrenzungsmaßnahmen greifen, berichteten die Fachleute heute. Die Regierung prüft eine Auflockerung der Ausgangssperre und des Produktionsstopps erst nach dem 4. Mai.

„Die Epidemiekurve zeigt uns, dass wir eine stabile Phase erreicht haben“, sagte ISS-Präsident Silvio Brusaferro. Seiner Ansicht nach können die produktiven Aktivitäten jedoch nur schrittweise wieder aufgenommen werden.

Am Vortag wurden 6.348 Personen in Italien wegen eines Verstoßes gegen die Ausgangssperre bestraft. 222.450 Personen und 88.611 Geschäfte wurden kontrolliert, teilte das italienische Innenministerium mit. 272 Personen wurden bestraft, weil sie das Haus verlassen haben, obwohl sie auf das Coronavirus positiv getestet wurden. Ihnen droht eine Strafe von bis zu vier Jahren Haft.

In Tschechien testen die Behörden ein neues Überwachungssystem, das eine Nachverfolgung der Kontaktpersonen von Coronavirus-Infizierten ermöglichen soll.

Mit Hilfe des IT-Systems sei es möglich festzustellen, wo sich ein positiv auf das Coronavirus Getesteter genau aufgehalten habe, sagte eine Sprecherin der neu gegründeten Softwareexpertengruppe Covid19cz heute der Nachrichtenagentur AFP. Auf diese Weise sei es möglich, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Softwareexperten erstellten ein System, mit dem die Bewegungsprofile von Infizierten anhand ihrer Handydaten sowie der Nutzungsdaten ihrer Bankomat- und Kreditkarten nachvollzogen werden können. Covid19cz holte dafür das Einverständnis von Patienten ein.

Silhouetten zweier Personen an der Moldau in Prag
Reuters/David W Cerny

System soll landesweit kommen

Das Resultat sei eine Art Landkarte, auf der die Bewegungsprofile angezeigt würden. So könne etwa nachvollzogen werden, wenn „beispielsweise ein Mann eine halbe Stunde an einem bestimmten Straßeneck“ gestanden sei, sagte die Sprecherin Irena Zatloukalova.

Das „intelligente Quarantänesystem“ wird im Südosten Tschechiens getestet. Die durch die Software identifizierten Kontaktpersonen von Infizierten werden maximal drei Tage unter Quarantäne gestellt, bis ein Coronavirus-Test an ihnen vorgenommen wurde.

„Wenn der Test negativ ist, können sie in den Alltag zurückkehren. Wenn der Test positiv ist, werden sie vollständig unter Quarantäne gestellt“, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Roman Prymula laut der offiziellen Website der Regierung. Ministerpräsident Andrej Babis hatte angekündigt, das System bis 12. April landesweit implementieren zu wollen.

Erstmals ist in Griechenland in einem Flüchtlingslager eine Infektion mit dem Coronavirus diagnostiziert worden. Betroffen ist eine Frau, bei der das Virus nach der Geburt ihres Kindes in einem Krankenhaus in Athen festgestellt wurde, wie das griechische Migrationsministerium heute mitteilte.

Das Flüchtingscamp Ritsona in der Nähe der griechischen Hauptstadt Athen
APA/AFP/Louisa Gouliamaki

Die Menschen, die mit der aus Afrika stammenden Frau in Kontakt gekommen sind, seien isoliert worden. Ähnliche Maßnahmen seien im Camp von Ritsona im Norden Athens getroffen worden. Es werde nun nachgeforscht, wo genau die Frau infiziert wurde.

Im Lager von Ritsona – wo nach Schätzungen der Athener Medien rund 3.000 Menschen leben – ist die Lage bei Weitem nicht so schlimm wie in den total überfüllten Camps auf den Inseln im Osten der Ägäis.

Die sonst pulsierende US-Küstenmetropole New York bereitet sich auf eine drohende Katastrophe wegen der Coronavirus-Pandemie vor. Experten erwarten den Höhepunkt in den USA erst in rund zwei Wochen, doch den Krankenhäusern in New York droht bereits jetzt die Überlastung.

Feldlazarett im Central Park

Im New Yorker Central Park wurde ein Krankenhaus aus Zelten mit Intensivbetten für neue Coronavirus-Patienten errichtet. Ein Lazarettschiff der US-Marine steht ebenso bereit für Behandlungen. (Quelle: APTN/SKY)

Bürgermeister Bill de Blasio warnte, die in den Kliniken der Stadt vorhandene Schutzausrüstung werde nur noch für eine Woche reichen. In einem Eilantrag an die Regierung in Washington forderte er Militärmediziner zur Unterstützung an. Die christliche US-Hilfsorganisation Samaritan’s Purse errichtete am Wochenende ein Feldlazarett im Central Park.

Der Bau des Lazaretts erfolgt in Abstimmung mit dem New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo, der US-Katastrophenschutzbehörde und dem Klinikbetreiber Mount Sinai, sagte der Arzt und Samaritan’s-Purse-Mitarbeiter Elliott Tenpenny. Ziel sei es, noch in dieser Woche erste Patienten aufzunehmen. „Die Krankenhäuser überall in der Stadt füllen sich und brauchen jede Hilfe, die sie bekommen können.“

Mehr als 600 Ärztinnen und Ärzte haben in der Coronavirus-Krise rechtliche Schritte gegen die französische Regierung eingeleitet. Am 19. März reichte das Kollektiv namens C19 Beschwerde gegen die ehemalige Gesundheitsministerin Agnes Buzyn und Premierminister Edouard Philippe ein. Bis heute Mittag haben mehr als 350.000 Menschen die Petition zur Unterstützung der Klage unterschrieben.

Die Mediziner werfen den Politikern „Staatslügen“ im Umgang mit dem Coronavirus vor. Die Ärzte Philippe Naccache, Emmanuel Sarrazin und Ludovic Toro wandten sich deswegen an den Gerichtshof der Republik, die Instanz in Frankreich, die ausschließlich über Verfehlungen französischer Minister in der Ausübung ihres Amtes urteilt.

Der Vorwurf lautet auf unterlassene Hilfeleistung und fahrlässige Tötung. Laut den Ärzten war sich die Regierung der Gefahren der Krankheit zwar bewusst, handelte aber nicht früh genug und reagierte falsch, was etwa die Bereitstellung von Schutzmasken und Tests auf das Virus sowie die Isolierung von betroffenen Personen betrifft.

Inland

Die Arbeitslosenzahlen explodieren, Zehntausende Anträge auf Kurzarbeit sind gestellt worden. Das hat Auswirkungen auf die Finanzen der Gemeinden, weil die Kommunalabgaben drastisch sinken. Städten und Gemeinden stehen große finanzielle Probleme bevor.

Mehr dazu in ooe.ORF.at

Auch der burgenländische Gemeindebund und der Gemeindevertreterverband warnen vor den finanziellen Folgen der Coronavirus-Krise für die Gemeinden. Den Kommunen würden massive Einnahmeausfälle und damit ein „Finanzloch“ drohen.

Mehr dazu in burgenland.ORF.at

Aussagen von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) über angebliche „Leaks“ bei Staatsanwälten haben Ermittlungen der Staatsanwaltschaft (StA) Wien nach sich gezogen. Diese beabsichtige, Kurz „förmlich als Zeugen“ einzuvernehmen, teilte Justizministerin Alma Zadic (Grüne) in Beantwortung einer schriftlichen Anfrage von NEOS mit.

Aufgrund der Coronavirus-Krise soll die Einvernahme später erfolgen, die Staatsanwaltschaften verzichten derzeit auf Einvernahmen, die nicht oberste Priorität haben.

Anlass für die Ermittlungen sind Kurz’ Aussagen am Rande einer „Aussprache“ mit Justizvertretern nach seiner Attacke auf die Wirtschafts- und Kriminalitätsstaatsanwaltschaft in einem Hintergrundgespräch. Am 10. Februar sagte er im anschließenden Pressestatement, zwei „hochrangige“ Journalisten hätten ihm erzählt, dass ihre Redaktionen Akten auch von Staatsanwälten bekommen hätten.

Frühere Ermittlungen erfolglos

Diese Aussagen haben – „nach übereinstimmender Ansicht“ der StA Wien und der Oberstaatsanwaltschaft Wien – den Anfangsverdacht der Begehung von Straftaten begründet. Deshalb habe die StA Wien ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Täter wegen des Verdachts der Verletzung des Amtsgeheimnisses eingeleitet, berichtete Zadic. Weitere Informationen könne sie nicht geben, weil es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Die Ministerin wies jedoch darauf hin, dass wegen derartiger Vorwürfe schon mehrmals ermittelt worden sei. „Soweit überblickbar“ habe das bisher aber nicht zur Ausforschung eines Täters geführt.

Keinen Anlass sah Zadic, wegen der – wie NEOS es in der Anfrage nennt – „pauschalisierenden und unsubstantiierten Aussagen des Kanzlers“ selbst Anzeige zu erstatten. Den von NEOS ins Spiel gebrachten Pararagrafen 116 StGB „Öffentliche Beleidigung eines verfassungsmäßigen Vertretungskörpers, des Bundesheeres oder einer Behörde“ hält sie für „nicht indiziert“, weil sich die Vorwürfe gegen einzelne Organwalter und nicht gegen eine bestimmte Behörde gerichtet hätten.

EU

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die von Ungarn ergriffene faktische Ausschaltung des Parlaments im Zuge der Coronavirus-Krise indirekt kritisiert. „Alle Notmaßnahmen müssen auf das Notwendige begrenzt und strikt verhältnismäßig sein. Sie dürfen nicht unbegrenzt andauern“, so von der Leyen heute in einem Statement.

Die EU-Kommission werde die Anwendung von Notfallmaßnahmen in allen EU-Mitgliedsstaaten genau beobachten, „in einem Geist der Kooperation“, kündigte die Kommissionschefin an. Ungarn ist in der Erklärung nicht namentlich erwähnt. Zudem sagte ein Sprecher, die Kommission werde das ungarische Notstandsgesetz prüfen.

Das ungarische Parlament hatte das umstrittene Notstandsgesetz beschlossen, das es Premier Viktor Orban de facto erlaubt, auf unbegrenzte Zeit ohne Kontrolle des Parlaments zu regieren.

Abgeordnete fordern Reaktion

Zuletzt waren die Rufe, die Kommission solle aktiv werden, lauter geworden. Auch Nationalrats- und EU-Abgeordnete von SPÖ, Grünen und NEOS sowie der ÖVP-EU-Abgeordnete Othmar Karas forderten in einer gemeinsamen Erklärung ein „entschiedenes Einschreiten“ der EU-Kommission. Die Kommission müsse „umgehend Stellung beziehen und mit dem Europäischen Gerichtshof entschieden einschreiten“, forderten sie.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner verurteilte die Ausschaltung des Parlaments in Ungarn scharf. „Die Coronavirus-Krise zu missbrauchen, um das Parlament handlungsunfähig zu machen, ist völlig inakzeptabel und darf keinem Demokraten und keiner Demokratin egal sein“, schrieb sie auf Twitter.

Kritik aus EVP

Die Spitze der Europäischen Volkspartei (EVP) – Parteichef Donald Tusk und Fraktionschef Manfred Weber – hält sich mit Kritik an Ungarn noch zurück. Doch auch in der EVP regt sich Widerstand gegen das Vorgehen des rechtspopulistischen Regierungschefs Orban, dessen FIDESZ-Partei seit März 2019 von der EVP suspendiert ist.

So kritisierte etwa der Vorsitzende der deutschen CDU/CSU-Gruppe, Daniel Caspary, laut der deutschen „Tagessschau“ das Notstandsgesetz scharf: „Das ist unerträglich, inakzeptabel und ein Beispiel dafür, wie Leute in Krisenzeiten in alte Muster zurückfallen.“ Der Chef der irischen EVP-Abgeordneten, Sean Kelly, nannte die Nachrichten aus Ungarn auf Twitter „sehr besorgniserregend“. Der finnische EVP-Europaabgeordente Petri Sarvamaa schrieb auf Twitter: „Dieses Gesetz ist nicht das Ende von Covid-19, es ist das Ende der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit in Ungarn.“

Regierungssprecher wies Kritik zurück

Der ungarische Regierungssprecher Zoltan Kovacs wies die indirekte Kritik der EU-Kommission auf Twitter zurück. Die angesichts der außerordentlichen Situation durch Ungarn getroffenen außerordentlichen Maßnahmen würden mit den Unionsverträgen und der ungarischen Verfassung im Einklang stehen.

Wirtschaft

In den Reigen der Konzerne mit Kurzarbeit reiht sich nun auch McDonald’s ein. Betroffen ist ein Großteil der 9.600 Beschäftigten. Die Dienstleistungsgewerkschaft vida zeigte sich heute über die Einigung erleichtert.

„Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten in die Coronavirus-Kurzarbeit gebracht werden und behalten ihre Jobs. Ich bedanke mich für die sehr sachliche Vorgangsweise aller Beteiligten“, so Berend Tusch, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Tourismus, in einer Aussendung. Man dürfe nicht vergessen, dass es sich bei den Franchisenehmerinnen und -nehmern bei McDonald’s „eigentlich um lauter KMUs handelt“.

Auch die Verkehrsbüro-Gruppe, Österreichs größter Tourismuskonzern, meldete alle 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Österreich zur Kurzarbeit an. Die Anträge für die Holding sowie für die operativen Tochtergesellschaften Ruefa, Eurotours, Verkehrsbüro Business Touristik, die Verkehrsbüro Hotellerie und Palais Events mit dem Cafe Central seien bei den Stellen des Arbeitsmarktservice (AMS) eingebracht worden, wurde heute mitgeteilt.

Die Nationalbank geht für heuer in einem „moderaten Covid-19-Szenario“ von einem Schrumpfen der österreichischen Wirtschaft um über drei Prozent aus. Für 2021 könnte aber dafür ein „vergleichsweise kräftiger Aufschwung“ folgen, so die erste Schätzung der OeNB-Prognostiker. Sollten die Einschränkungen der Regierung nicht vor dem Sommer gelockert werden, schrumpft die Wirtschaft stärker.

Die Nationalbank ist damit pessimistischer als die heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute: Diese gehen von minus zwei (WIFO) bzw. 2,5 (IHS) Prozent aus.

„Diese Prognose ist naturgemäß mit äußerst großen Unsicherheiten behaftet“, ergänzte die Nationalbank. „Angesichts der Coronavirus-Krise sind die im Geschäftsbericht 2019 getroffenen Aussagen zu Perspektiven für 2020 und darüber hinaus aufgrund des Redaktionsschlusses Mitte Februar und der erforderlichen Produktionszeit inzwischen überholt“, sagte Gouverneur Robert Holzmann.

Hinweis

Hinweis zum Umgang von ORF.at mit statistischen Daten zur Coronavirus-Krise in Österreich: Es gibt auf Landes- und Bundesebene verschiedene staatliche Quellen, die in unterschiedlichem Rhythmus Daten zum Stand der Coronavirus-Krise veröffentlichen.

Dabei kann es zu plötzlichen Sprüngen in den Fallzahlen kommen, etwa weil viele Datensätze auf einmal ins Epidemiologische Meldesystem – eine zentrale medizinische Datenbank – eingetragen werden.

Anders als in Italien gibt es in Österreich derzeit keine täglich veröffentlichten maschinenlesbaren Berichte der verantwortlichen staatlichen Stelle, sodass alle Daten händisch eingeben werden müssen.

Verbindlich sind für ORF.at nach wie vor die halbtäglichen Meldungen der durchgeführten Tests, der bestätigten Infektionen und Todesfälle auf der Website des Gesundheitsministeriums. Gegen 8.00 Uhr werden die Anzahl der Tests vom Vortag sowie die aktuellen Summen von bestätigten Fällen und Todesfällen auf Bundes- und Landesebene veröffentlicht. Gegen 15.00 Uhr werden diese Zahlen und auch die Verlaufsgrafiken aktualisiert.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Nähere Informationen zu Quellen und Aktualisierungsrhythmus finden Sie in einem erläuternden Zusatzartikel.

Gesundheit

Eine Infektionskrankheit, vor der sich viele Österreicher durch die Impfung schützen können, hat den Rückzug angetreten: die Influenza. „Ende der Grippewelle!! Nur noch sporadische Nachweise von Influenzavirusinfektionen in Österreich“, schrieb das Diagnostische Influenzanetzwerk Österreich (DINÖ) heute.

Auch in Europa gebe es weiterhin eine abnehmende Influenzavirus-Aktivität, stellten die Experten fest. In Wien wurden vergangene Woche beispielsweise laut einer Hochrechnung nur noch rund 5.600 Neuerkrankungen an Influenza und grippalen Infekten registriert.

Die Grippewelle hatte Anfang des Jahres begonnen. In der siebenten Kalenderwoche war offenbar der Gipfelpunkt mit errechneten rund 2.300 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner registriert worden. Im vergangenen Jahr verlief die Kurve flacher. 2019 wurden – etwas früher als heuer – rund 1.400 Erkrankungen pro 100.000 Menschen in einer Woche als Gipfelpunkt errechnet.

Chronik

IT

Science

Außergewöhnliche Wärme in der Antarktis hat Forscher aus Australien Alarm schlagen lassen. Angesichts einer erstmals an der Casey-Forschungsstation in der Ostantarktis gemessen Hitzewelle warnten die Experten vor drastischen Schäden für die antarktischen Lebewesen sowie für die Ökosysteme der Erde.

Rippen auf der Oberfläche des Denman-Gletschers in der Ostantarktis
APA/AFP/NASA

Hitzewellen seien bisher selten in der Antarktis gemessen worden – gewöhnlich bezeichnen Forscher damit eine Aneinanderreihung von mindestens drei Tagen mit extrem hohen Temperaturen.

Auch auf der Antarktischen Halbinsel seien Rekordtemperaturen festgestellt worden, hieß es in dem gestern im Fachmagazin „Global Change Biology“ veröffentlichten Bericht. Autoren sind Wissenschaftler australischer Hochschulen sowie der Australian Antarctic Division der Regierung.

Apere Flächen rund um das Casey Forschungscenter in der Antarktis
Reuters/Australian Antarctic Division

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass abnorm warme Sommer eine Vielzahl von biologischen Auswirkungen haben werden, die noch nicht alle bekannt sind. Die Erderwärmung beeinflusse selbst die entlegensten Gebiete des Planeten.

Sport

Der Nachfolger von Andreas Felder als Cheftrainer der heimischen Skispringer ist seit heute gefunden. Andreas Widhölzl übernimmt die Agenden seines Tiroler Landsmannes. Für den 43-jährigen ehemaligen rot-weiß-roten Vorzeigespringer ist es eine Beförderung. „Jetzt möchte ich die positive Entwicklung weiterführen und einen neuen Schwung mitbringen“, so der neue Chef.

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In den beiden höchsten deutschen Spielstufen wird aufgrund der Coronavirus-Pandemie mindestens bis zum 30. April kein Ball rollen. Das beschlossen die 36 Proficlubs der Bundesliga und zweiten Liga heute im Rahmen einer virtuellen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf Empfehlung des Präsidiums. Ob der Spielbetrieb im Mai fortgesetzt werden kann, ist völlig offen.

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Nach Absage des Giro d’Italia und der Olympischen Spiele ist für den österreichischen Topfahrer Patrick Konrad die Tour de France das neue Saisonziel – trotz aktuell prekärer Coronavirus-Situation. Im vergangenen Jahr waren seine Hoffnungen auf einen Tour-Spitzenplatz nach Stürzen in der ersten Woche und in der Folge Rückenproblemen spätestens in den Bergen der Pyrenäen geplatzt. Am 27. Juni würde Konrad in Nizza zum insgesamt dritten Mal für das Bora-Team in die Frankreich-Rundfahrt starten.

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Kultur

Es muss nicht immer Peppa Wutz oder „PAW Patrol“ sein: Österreichische Kulturinstitutionen zeigen zunehmend online, was man im Quarantänealltag mit Kindern alles machen kann. Es finden sich Lesungen, Bastel- und Experimentiertipps und Singeinheiten mit den Sängerknaben – für Eltern auf Ideensuche und auch für jene, die ihre Kinder einmal guten Gewissens vor den Bildschirm setzen wollen.

Mehr dazu in ORF.at/kulturjetzt

Religion

Panorama

Leute

Der britische Thronfolger Prinz Charles (71) wird Medienberichten zufolge seinen Sohn Prinz Harry und dessen Frau Meghan noch ein Jahr mit Geld aus seinem Privatvermögen unterstützen.

Für Sicherheitsmaßnahmen wollen der Herzog und die Herzogin von Sussex – so ihr offizieller Titel – nach Angaben ihrer Sprecherin aber selbst aufkommen. Nach Schätzungen der Zeitung „Daily Mail“ von heute könnten sich die Kosten allein dafür auf vier Millionen Pfund (etwa 4,5 Mio. Euro) pro Jahr belaufen.

In den kommenden Monaten wollen sich Harry und Meghan auf ihre Familie konzentrieren und ihre künftigen gemeinnützigen Organisationen weiterentwickeln, wie sie gestern Abend mitteilten. Auf ihrem Instagram-Account verabschiedeten sie sich bereits bei ihren Millionen Followern und spielten dabei auch auf die Coronavirus-Pandemie an: Die Welt scheine zurzeit „außerordentlich zerbrechlich“, schrieben sie in einem längeren Post. „Passt bitte gut auf euch auf.“ Sie unterschrieben mit „Harry und Meghan“.

Die beiden und ihr Sohn Archie sollen bereits nach Los Angeles gezogen sein. Dort war die frühere Schauspielerin Meghan aufgewachsen; auch ihre Mutter Doria Ragland lebt dort. Beide haben ein gutes Verhältnis zueinander. Der Prinz und die Herzogin werden von morgen an keine royalen Aufgaben mehr wahrnehmen. Ihre Schirmherrschaften wollen sie aber behalten.

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