COV Inland

Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei 31,9 (Stand: heute, 14.00 Uhr).

Am höchsten ist die Zahl mit 53,7 weiterhin in Salzburg und Wien (42,2). Am niedrigsten ist der Wert im Burgenland mit 18,2 und in Niederösterreich (22,1).

Das Berichtsschema der AGES zeigt die Zahlen vom Vortag – wie die Meldung der Ministerien. Wesentlicher Unterschied zu den Ministeriumsmeldungen: Laborbestätigte Fälle, Tote etc. werden nicht zum Meldezeitpunkt dargestellt, sondern zum Diagnose- bzw. Sterbedatum. In der Darstellung in ORF.at wird auch täglich transparent gemacht, welchen Tagen die neu gemeldeten Fälle zugeordnet werden.

Ministerien melden 503 Neuinfektionen

Das Gesundheits- und das Innenministerium meldeten 503 neu registrierte Coronavirus-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden (Stand: heute, 9.30 Uhr). Diese Zahlen nannten die Bundesländer dem nationalen Krisenstab.

10.737 Menschen verstarben bisher an den Folgen des Coronavirus. Derzeit befinden sich 121 Personen aufgrund des Coronavirus in Spitalsbehandlung, davon 40 auf Intensivstationen.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Erklärung zur Zählweise und weiteren Fragen in ORF.at/corona

Die Coronavirus-Situation in Österreich ist erneut unterschiedlich: Obwohl der Trend in allen Bundesländern nach oben geht, wurde lediglich für Salzburg und Vorarlberg ein hohes Ansteckungsrisiko – also die Farbe Orange – festgestellt. Mittleres Risiko gibt es in der gelben Zone, in die Wien, Kärnten, Oberösterreich und Tirol eingeordnet wurden. Im Rest des Landes ist das Risiko gering.

Die günstigsten Werte haben weiterhin das Burgenland und Niederösterreich. Auf den Intensivstationen herrscht bundesweit geringes Systemrisiko. Auch in der vergangenen Woche dominierte die Delta-Variante das Virusgeschehen. Es wurden 1.226 Verdachtsfälle festgestellt, was einem Anteil von 77,45 Prozent an allen getesteten Fällen entspricht.

Das Verwaltungsgericht Wien hat die erste der Klagen der Ärztekammer Wien gegen die Tätigkeit der Lifebrain Group als „unbegründet“ abgewiesen. Lifebrain ist als Covid-19-Labor Analysepartner der Stadt Wien beim „Alles gurgelt!“-Projekt.

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Hierzulande ist inzwischen mehr als die Hälfte der Bevölkerung vollständig geimpft. Konkret gelten laut Eintragungen im E-Impfpass mit gestern 50,15 Prozent der Gesamtbevölkerung als vollimmunisiert, 58,94 Prozent der Menschen sind mindestens teilgeimpft.

Damit erhielten also 4.479.543 Menschen in Österreich eine vollständige Grundimmunisierung gegen das Coronavirus. Insgesamt wurden bisher 9.553.753 Impfdosen verabreicht, 5.264.597 Menschen sind teilimmunisiert, haben also die erste Teilimpfung erhalten. Insgesamt kamen gestern 53.386 Impfungen hinzu.

Die Impfkampagne hatte jüngst an Fahrt verloren. Am Sonntag wurde mit 29.358 verabreichten Dosen so wenig geimpft wie an keinem Tag seit dem 24. Mai.

COV Ausland

Slowenien verlängert seine aktuell geltenden Einreisebestimmungen bis zum 8. August. Für die Einreise gilt nach wie vor die „3-G-Regel“: Alle Reisenden müssen nachweisen, dass sie entweder geimpft, getestet oder genesen sind. Davon ausgenommen sind Kinder unter 15 Jahren und Berufspendler. Ausnahmen gelten zudem für den Transit und internationalen Warenverkehr.

Neu ist, dass nun auch Covid-19-Tests aus Bosnien-Herzegowina anerkannt werden, geht aus der jüngsten Verordnung hervor. Bisher wurden die in Bosnien-Herzegowina durchgeführten Tests in Slowenien nicht anerkannt, weshalb sich die Reisende vor der Einreise nach Slowenien in Kroatien testen mussten.

Bei der Einreise mit Tests wird entweder ein negativer PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden) oder ein Antigen-Schnelltest (nicht älter als 48 Stunden) verlangt. Die „3-G-Regel“ wird in Slowenien seit 15. Juli angewendet. Im Nachbarland werden die pandemiebedingten Verordnungen, darunter auch die Einreisebestimmungen, im Wochentakt verlängert oder modifiziert.

Obwohl in Afrika erst 1,6 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen CoV geimpft sind, beginnt die Zahl der Fälle leicht zu sinken. Im Wochenvergleich gingen die Neuinfektionen laut John Nkengasong von der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC) um 15 Prozent auf insgesamt 239.000 Fälle zurück.

Allerdings warnte heute die Regionaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Matshidiso Moeti: „Der Kontinent befindet sich noch immer im Griff der dritten Infektionswelle, wir sind definitiv noch nicht aus dem Gröbsten raus.“

820 Millionen Dosen nötig

Die Anfang Mai erstmals registrierte Infektionswelle wird von der hochansteckenden Delta-Variante getrieben und führt nun im Westen des Kontinents zu steigenden Fallzahlen. Bisher hat Afrika 82 Millionen Impfdosen beschafft. „Wenn wir eine zweimalige Impfung ansetzen, benötigen wir 820 Millionen Dosen Impfstoff, um bis zum Jahresende das Ziel einer komplett geimpften Bevölkerung auf dem Kontinent zu erreichen“, sagte Moeti.

Als einer der letzten Staaten in Afrika hat Tansania nun eine landesweite Coronavirus-Impfaktion ausgerollt. Damit hat neben Eritrea nur noch Burundi keine landesweiten Impfaktionen gestartet. Es plane aber entsprechende Schritte, so Nkengasong.

Insgesamt wurden bisher in Afrika laut CDC gut 6,5 Millionen Infektionen dokumentiert, von denen mehr als 167.000 tödlich waren. Die Dunkelziffer dürfte auf dem Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Menschen jedoch höher liegen. Dennoch macht Afrika offiziell lediglich 3,4 Prozent der weltweiten Infektionsfälle aus. Die CDC versucht, die Mittel der afrikanischen Staaten zu bündeln und Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie zu koordinieren.

In England und Wales sind so viele Menschen von der Coronavirus-App als enge Kontakte von Infizierten benachrichtigt worden wie nie zuvor. In der Woche bis 21. Juli wurden laut Gesundheitsdienst 689.313 Personen „gepingt“, die sich daraufhin in Quarantäne begeben mussten. In der Woche zuvor waren es 618.903 Kontakte. Die App schlägt an, wenn sich Nutzer und Nutzerinnen eine gewisse Zeit in direkter Nähe eines positiv Getesteten aufgehalten haben.

Die „Pingdemic“, wie das Phänomen von britischen Medien genannt wird, hat in Großbritannien in den vergangenen Tagen und Wochen für erhebliche Störungen gesorgt. Weil so viele Arbeitskräfte ausfielen, blieben Supermarktregale leer, Mistkübel voll, und Züge fielen aus. Mittlerweile sind für eine Reihe von Berufsgruppen Ausnahmeregelungen beschlossen worden. Von Mitte August an sollen für alle Geimpften gelockerte Quarantäneregeln eingeführt werden.

Die 7-Tage-Inzidenz liegt im Land derzeit bei 377 (Stand: 23. Juli) mit fallender Tendenz. Gespannt wird darauf gewartet, ob sich der überraschende Trend trotz der weitreichenden Lockerungen in der vergangenen Woche fortsetzen wird.

Der wichtigste Coronavirus-Berater der japanischen Regierung hat angesichts der rasant gestiegenen Infektionszahlen vor einer Überlastung des Gesundheitssystems gewarnt. „Wenn das Krisenbewusstsein nicht geteilt wird, wird der Druck auf das Gesundheitssystem früher oder später noch gravierender“, warnte der Mediziner Shigeru Omi heute.

Landesweit wuchs die Zahl der Neuinfektionen infolge der rasanten Ausbreitung der Delta-Variante erstmals binnen eines Tages über die Marke von 9.000 Fällen auf insgesamt 9.576. „Außer Impfungen gibt es nicht viele andere Faktoren, die Infektionen zu senken“, sagte Omi.

Impfappell an jüngere Bürger und Bürgerinnen

Viele Bürger und Bürgerinnen hätten sich inzwischen an die Coronavirus-Lage gewöhnt, was zum Anstieg der Infektionen beitrage. Andere Faktoren seien neben der Delta-Variante des Virus die Ferienzeit sowie die Olympischen Spiele.

Tokios Gouverneurin Yuriko Koike rief die jüngeren Bürger und Bürgerinnen auf, sich impfen zu lassen, zu Hause zu bleiben und die Coronavirus-Maßnahmen zu befolgen. Die Aktivitäten junger Menschen seien der Schlüssel, um die Infektionen einzudämmen.

Gewöhnungseffekt setzt sein

Der Anstieg der Infektionen habe nichts mit Olympia zu tun, sagte Koike. Der japanische Psychologieprofessor Harada Takayuki von der Universität Tsukuba erklärte gegenüber dem japanischen Fernsehsender NHK, dass im Zuge der fröhlichen Olympiastimmung und der Erfolge der japanischen Athletinnen und Athleten viele Menschen das Coronavirus nicht mehr so ernst nähmen.

Sie sähen, dass es scheinbar kein Problem ist, dass Menschen aus aller Welt zu den Spielen kommen und würden nun glauben, CoV sei „keine große Sache“. Angesichts des nunmehr vierten Notstands für Tokio setze ein Gewöhnungseffekt ein, die Wirkung der Coronavirus-Maßnahmen schwinde.

Gerade jüngeren Japanern und Japanerinnen wird vorgeworfen, nachts nach Schließung der Restaurants, die keinen Alkohol servieren dürfen, noch auf den Straßen unterwegs zu sein und dort zu trinken.

Inland

ÖVP und FPÖ in Oberösterreich fühlen sich durch ein Urteil des Landesgerichts Linz bestätigt. Ein türkischer Staatsbürger hatte auf Schadenersatz geklagt, da er wegen des mangelnden Nachweises von Deutschkenntnissen keine Wohnbeihilfe mehr bekam. Das Landesgericht kam diese Woche zu der Ansicht, dass der Klagegrund Diskriminierung nicht gegeben ist und gab dem Land recht.

Allerdings habe das Gericht nicht darüber entschieden, ob die rigide Wohnbeihilfe der Daueraufenthaltsrichtlinie für langfristig aufenthaltsberechtigte Drittstaatsangehörige widerspreche, heißt es in der heute veröffentlichten Urteilsbegründung.

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Während der finale Gesetzesentwurf für die teilweise Abschaffung des Amtsgeheimnisses weiter auf sich warten lässt, wollen die Grünen die geplante „Dissenting Opinion“ (Sondervotum) für den Verfassungsgerichtshof (VfGH) „erneut bewerten“. Das geht aus einer Stellungnahme zum Antikorruptionsvolksbegehren hervor. Auf ORF.at-Nachfrage hieß es heute, dass man die Kritik am Vorhaben sehr ernst nehme.

Mit der „Dissenting Opinion“ sollen VfGH-Mitglieder die Möglichkeit erhalten, ihre abweichenden Rechtsmeinungen zu veröffentlichen. Befürworter und Befürworterinnen des Vorhabens sehen damit die Chance, die Judikatur weiterzuentwickeln. Kritik kommt hingegen aus der Justiz: Die „Dissenting Opinion“ könne dazu genutzt werden, Entscheidungen des VfGH in Zweifel zu ziehen.

„Umfassend diskutieren“

Die ÖVP sprach sich in der Vergangenheit gegen das Sondervotum aus, zuletzt war sie aber dafür. Die Grünen befürworten seit Jahren die Einführung. Doch im Zuge des Antikorruptionsvolksbegehrens schrieb die Regierungspartei: „Wir nehmen die kritischen Rückmeldungen zum aktuellen Begutachtungsentwurf sehr ernst und werden diese Frage erneut bewerten.“

Die Grünen verwiesen gegenüber ORF.at auf kritische Stellungnahmen aus der Justiz, die die „Dissenting Opinion“ ablehnen. Mit dem Koalitionspartner werde man das Vorhaben und die Änderung des Verfassungsgerichtshofsgesetzes „umfassend diskutieren“.

Auf die Frage, ob es möglich sei, dass die „Dissenting Opinion“ nun gar nicht im Parlament beschlossen wird, hieß es: „Alle Stellungnahmen werden in den Verhandlungen hinreichend gewürdigt. Das Verhandlungsergebnis kann aber nicht vorweggenommen werden.“

Paket lässt auf sich warten

Die „Dissenting Opinion“ wurde mit dem Informationsfreiheitspaket (Stichwort Amtsgeheimnis) Mitte Februar in Begutachtung geschickt und erhielt bis Mitte April knapp 200 Stellungnahmen. Die Einführung des Sondervotums wurde kritisch kommentiert. Auch das Antikorruptionsvolksbegehren lehnt das Vorhaben der ÖVP-Grünen-Regierung ab, „als es lediglich zu einer Verpolitisierung der Höchstgerichte, im Speziellen des VfGH, führen würde“.

Das Informationsfreiheitspaket lässt allerdings weiter auf sich warten. Zuletzt hieß es aus dem Büro von Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP), die für den Entwurf zuständig ist, dass die Stellungnahmen von den Expertinnen und Experten des Verfassungsdienstes gesichtet werden.

Ob es dazu noch Gespräche mit dem VfGH geben wird, ist unklar. „Letztlich wird es eine politische Abwägung sein, ob man es macht“, so Edtstadler. Für das Informationsfreiheitspaket in seiner Entwurfsfassung ist eine Zweidrittelmehrheit im Parlament nötig, weil auch Verfassungsbestimmungen geändert werden. SPÖ, FPÖ und NEOS zeigten sich zuletzt allerdings abwartend bis kritisch.

Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) will bei der Armutsbekämpfung die Schlagzahl erhöhen. Er verwies zwar auf diverse während der Pandemie von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Einmalhilfen und Unterstützungsprogramme, diese seien aber „nicht genug“, sagte er bei einem gemeinsamen Termin mit AK-Präsidentin Renate Anderl heute. Existierende Lücken müssten geschlossen und Härten entschärft werden.

In diesem Atemzug nannte er etwa das unter der ÖVP-FPÖ-Regierung auf den Weg gebrachte Sozialhilfe-Grundsatzgesetz. Diesbezüglich unterstützt Mückstein die Forderungen der Soziallandesräte „nach mehr Spielraum bei der Sozialhilfe“. Daher werde er sich auch für die „Reparatur“ des Grundsatzgesetzes „weiter einsetzen“, so der Sozialminister.

Halbierung der Armut „klares Ziel“

Auf die Frage, ob er in dieser Sache den türkisen Koalitionspartner hinter sich wähne, meinte Mückstein nur, dass man – wie im Regierungsprogramm festgeschrieben – mit der Halbierung der Armut ein „klares Ziel“ habe. Dabei seien Maßnahmen in allen Ressorts gefordert sowie eine Abstimmung mit den Ländern. Die 1,5 Millionen armutsgefährdeten Menschen in Österreich seien „Auftrag zu handeln“. Hierzulande gebe es „manifeste Armut“.

Auch brauche es „mehr Geld“ für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, argumentierte Mückstein. Veränderten Zumutbarkeitsgrenzen und einem degressiven Arbeitslosengeld, wie vom Koalitionspartner ÖVP in Erwägung gezogen, erteilte Mückstein mehr oder weniger eine Absage.

Weniger Arbeitslosengeld „nicht zielführend“

Freilich könne man über verschiedene Modelle diskutieren, man habe aber das klare Ziel der Halbierung der Armut, und dabei sei weniger Arbeitslosengeld „nicht zielführend“, so Mückstein: „Und das wird es mit den Grünen auch nicht geben.“ „Wir brauchen Beschäftigung“, betonte der Sozialminister. Dafür müsse man die Arbeitsbedingungen verbessern, um die Leute in die Beschäftigung zu bringen. „Ich glaube nicht, dass man hier mit Druck etwas erreicht.“

Ähnlich sieht das auch Anderl: Die hiesigen Zumutbarkeitsregeln seien „ohnehin die schärfsten“. De facto können Arbeitslose in ganz Österreich vermittelt werden, außer sie haben kleine Kinder. Eine weitere Verschärfung sei mit Sicherheit nicht zielführend. Stattdessen brauche es in vielen Bereichen attraktivere Arbeitsbedingungen, so die AK-Präsidentin.

Ausland

In Tunesien rollt die von Präsident Kais Saied angestoßene Entlassungswelle weiter. Auch der Chef des Staatssenders Wataniya wurde auf Anordnung des Präsidenten geschasst, wie die tunesische Staatsagentur TAP heute meldete. Zuvor hatte Mohamed Lassaad Dahech zwei Vertretern der Zivilgesellschaft den Zutritt zum Fernsehstudio verwehrt. Die beiden sollten als Gäste in einer Talkshow auftreten.

Dahech argumentierte, er habe auf Weisung der Armee gehandelt. Das Verteidigungsministerium bestritt jedoch, eine solche Anweisung gegeben zu haben. Saied hat seit Sonntag insgesamt 24 ranghohe Regierungsbeamte entlassen. Gestern wurden zudem zwei Reporter der „New York Times“ vorübergehend festgenommen.

Zu Beginn der Woche stürmten Polizisten das Hauptstadtbüro des Fernsehsenders al-Jazeera und beschlagnahmten dabei Telefone und anderes Gerät. Der populäre Nachrichtenkanal wird von der Regierung Katars finanziert und bietet nach Ansicht von Kritikern, Muslimbrüdern und anderen Islamisten zu viel Raum. Präsident Saied liefert sich seit Monaten einen Machtkampf mit der islamisch-konservativen Ennahda-Partei.

Saied hatte am Sonntagabend Regierungschef Hichem Mechichi abgesetzt und die Arbeit des Parlaments für zunächst 30 Tage eingefroren. Der Präsident betont, sich im rechtlich zulässigen Rahmen der Verfassung zu bewegen. Kritiker sprechen dagegen von einem Putsch.

Beim Absturz eines Militärhubschraubers im Irak sind fünf Soldaten tödlich verunglückt. Der Hubschrauber sei heute während eines Kampfeinsatzes in der Provinz Kirkuk rund 350 Kilometer nördlich von Bagdad abgestürzt, teilte das Medienbüro des irakischen Militärs heute mit. Eine genaue Ursache für den Absturz wurde nicht genannt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen befand sich der Helikopter auf einem Kontrollflug, als er unter Beschuss vom Boden geriet.

Das irakische Militär unternimmt in dem Gebiet regelmäßig Einsätze gegen mutmaßliche Schläferzellen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Zuletzt wurden bei einem Selbstmordanschlag auf einen Markt in Bagdad in der vergangenen Woche 30 Menschen getötet.

Die irakische Regierung hatte 2017 den militärischen Sieg über den IS im Land erklärt. Diese hatte zuvor große Gebiet im Irak und im benachbarten Syrien kontrolliert und dort ein Kalifat ausgerufen. IS-Zellen sind aber weiterhin im Land aktiv und verüben Anschläge. Im Jänner war der IS-Anführer im Irak, Abu Jassir al-Issawi, nahe Kirkuk bei einem Luftangriff ums Leben gekommen.

Die britische Queen Elizabeth II. hat bei einem schottischen Ökogesetz heimlich für eine Ausnahme zu ihren Gunsten interveniert. Dabei nutzte sie ein jahrhundertealtes Privileg, das ihr gestattet, Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen. Wie der „Guardian“ enthüllte, habe sie sich so als einzige Person Schottlands vom Gebrauch erneuerbarer Energie entbinden lassen.

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Umwelt & Klima

Eine Forschungsgruppe vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) aus Laxenburg in Niederösterreich hat erfreuliche Nachrichten die Klimakrise betreffend veröffentlicht. Sie beschäftigte sich mit den Wäldern Russlands, die so stark wachsen, dass sie die Klimakrise lindern könnten.

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In Indien, Nepal und Russland wachsen die Bestände, auf dem südostasiatischen Festland aber sinkt die Zahl wildlebender Tiger: Anlässlich des Welttigertages hat die Naturschutzorganisation WWF die Entwicklung der Population der asiatischen Großkatze beleuchtet. „Die illegale Fallenjagd, befeuert durch den kriminellen und hochlukrativen Handel mit Wildtieren, fegt Südostasiens Wälder förmlich leer“, warnte Artenschutzexperte Karim Ben Romdhane.

Geschätzte zwölf Millionen Drahtfallen in den Wäldern von Laos, Vietnam und Kambodscha seien maßgeblich dafür verantwortlich, dass Tiger in diesen Ländern heute als ausgerottet gelten. In Malaysia, Myanmar und Thailand sinken die Bestände laut WWF seit 2010 teils signifikant – obwohl sich die internationale Staatengemeinschaft damals eine Verdoppelung der Tigerpopulation bis 2022 zum Ziel gesetzt hat.

2010 lebten nur noch 3.200 Tiger in Asiens freier Wildbahn, heute etwa 3.900. Der WWF fordert eine stärkere Bekämpfung der Wilderei und illegalen Fallenjagd durch die Regierungen der Region, internationales Vorgehen gegen den Handel mit Tigern und Tigerteilen sowie den besseren Schutz von Lebensräumen der Großkatzen.

Als ein Beispiel für erfolgreiche Schutzmaßnahmen führte der WWF von Indigenen geleitete Anti-Wilderei-Einheiten an, die Drahtfallen in Malaysias Belum Temengor-Wäldern seit 2017 um 94 Prozent reduzierten. Lebensraumvernetzung in Thailand sorgte dafür, dass sich Tiger aus dem Schutzgebiet Huai Kha Khaeng in benachbarte Gebiete ausbreiten.

Sport

Novak Djokovic hat seinen aktuellen Siegeszug im Tennisbewerb der Olympischen Spiele in Tokio fortgesetzt und ist weiter auf Kurs Richtung „Golden Slam“. Der 34-jährige Serbe ließ heute dem früheren Weltranglistenvierten Kei Nishikori in 70 Minuten nicht den Funken einer Chance und siegte mit 6:2 6:0. Damit ist nach Naomi Osaka auch die zweite japanische Hoffnung im Einzel ausgeschieden.

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Schwimm-Nachwuchshoffnung Lena Grabowski hat sich bei den Olympischen Spielen in Tokio souverän für das Semifinale über 200 m Rücken qualifiziert. Die mit 18 Jahren Jüngste im gesamten österreichischen Olympiateam in Tokio belegte in 2:09,77 Min. Vorlaufrang zehn, die Top 16 kamen weiter. Für die weiteren OSV-Schwimmer, die im Einsatz waren, reichte es nicht für den Aufstieg.

Mehr dazu in sport.ORF.at/tokyo2020

Die Judoka waren dank Michaela Polleres und Schamil Borchaschvili für zwei der bisher drei österreichischen Medaillen bei den Sommerspielen in Tokio verantwortlich. Die bisher sensationelle Ausbeute mit Silber und Bronze ist vor allem das Ergebnis eines neuen unter Nationaltrainerin Yvonne Bönisch geschaffenen Teamgeistes. „Man fühlt sich einfach wohl“, sagte Polleres, die sich am Mittwoch Silber erkämpft hatte.

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Mit der 0:2-Niederlage bei Sparta Prag hat Rapid getsern den 2:1-Vorsprung aus dem Zweitrunden-Qualifikationshinspiel der UEFA Champions League und damit auch fixe Millioneneinnahmen noch aus der Hand gegeben. Nach dem verpatzten Meisterschaftsheimauftakt gegen Hartberg (0:2) setzte es damit den nächsten Rückschlag.

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Medien

Rund 4,9 Millionen Österreicherinnen und Österreicher ab zehn Jahren, das sind 61,4 Prozent, hören täglich die ORF-Radios Hitradio Ö3, Ö1, FM4 oder die ORF-Regionalradios. 74 Prozent Marktanteil für die ORF-Radioflotte unterstreichen die unangefochtene Marktführerschaft. Ö1 und FM4 konnten überdies bei ihrer Reichweite zulegen.

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Insgesamt 14 Personen haben sich bis zum Ende der Ausschreibungsfrist für den ORF-Generaldirektorenposten beworben. Zu den bereits bekannten Kandidaten gesellt sich eine Reihe von Bewerberinen und Bewerbern, denen kaum reale Chancen zugestanden werden.

Anders ist das bei Amtsinhaber Alexander Wrabetz, ORF1-Channelmanagerin Lisa Totzauer und ORF-Vizefinanzdirektor Roland Weißmann, dem sehr gute Chancen eingeräumt werden.

Der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, Norbert Steger, gab in einer Aussendung heute folgende Bewerber und Bewerberinnen bekannt: Monika Bartl-Juschitz, Heinz Charwat, Karlpeter Elis, Sabine Hess, Julius Kratky, Axel Mayrhofer, Günter Ofner, Thomas Prantner, Carl Maria Schulte, Barbara Spitzer, Harald Thoma, Elisabeth Totzauer, Roland Weißmann, Alexander Wrabetz.

Abstimmung erfolgt nicht geheim

Bis Dienstag, 3. August, 12.00 Uhr haben Mitglieder des Stiftungsrats noch die Möglichkeit, weitere Personen nachzunominieren. Um zum nicht öffentlichen Hearing am 10. August und damit dem Tag der Wahl eingeladen zu werden, müssen Bewerberinnen bzw. Bewerber mindestens von einem Stiftungsrat des 35-köpfigen obersten ORF-Gremiums nominiert werden.

Die Stiftungsräte wählen den neuen ORF-Chef bzw. die neue Chefin in offener, nicht geheimer Abstimmung. Abgestimmt wird dabei nur über Personen, die auch am offiziellen Hearing teilgenommen haben. Bei der Wahl wird ein Dreikampf zwischen Amtsinhaber Wrabetz, Weißmann und Totzauer erwartet.

Wirtschaft

In Deutschland sind die Verbraucherpreise im Juli sprunghaft gestiegen. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich um 3,8 Prozent mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt (StBA) in Wiesbaden heute laut vorläufiger Berechnung mitteilte.

Damit lag die jährliche Inflationsrate in Europas größter Volkswirtschaft erstmals seit August 2008 wieder über der Marke von drei Prozent. In der damaligen Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die Teuerungsrate wiederholt über drei Prozent gelegen. Zum Vergleich: In Österreich hatte sich der Wert im Juni auf 2,8 Prozent belaufen.

Ein gewichtiger Grund ist die Rückkehr der Mehrwertsteuer zu ihren alten Sätzen: Im zweiten Halbjahr 2020 hatte die deutsche Bundesregierung die Mehrwertsteuer vorübergehend auf 16 beziehungsweise fünf Prozent gesenkt, um in der Coronavirus-Krise den Konsum anzukurbeln. Seit dem 1. Jänner 2021 gelten nun wieder die üblichen Mehrwertsteuersätze von 19 beziehungsweise sieben Prozent. Waren und Dienstleistungen werden also tendenziell wieder teuer. Außerdem stiegen – wie in Österreich auch – etwa die Preise für Treibstoffe stark an.

Auch ein Jahr nach der Commerzialbank-Pleite tauchen immer wieder neue Details zum „System Pucher“ auf. So berichtet der Standard in seiner aktuellen Ausgabe, wie Ex-Bankchef Martin Pucher mit einer Vorstandsdirektorin die vermeintlichen Guthaben der Commerzialbank bei anderen Banken vorgetäuscht haben sollen. Beim Fälschen der dafür notwendigen Unterschriften wandten die beiden auch kreative Methoden an.

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Mehr als vier Monate nach der Blockade des Sueskanals ist das riesige Containerschiff „Ever Given“ heute in den Hafen von Rotterdam eingelaufen. „Ein besonderer Moment“, sagte der Chef des Containerhafens, Hans Nagtegaal, der Nachrichtenagentur AFP. „Endlich können wir mit dem Entladen anfangen.“

Frachter „Ever Given“ im Hafen von Rotterdam
Reuters/Eva Plevier

Die „Ever Given“ hatte den Sueskanal im März sechs Tage lang blockiert. Nachdem das Schiff endlich freigeschleppt werden konnte, beschlagnahmte es die Kanalverwaltung, um über eine Entschädigung zu verhandeln. Anfang Juli wurde eine Einigung mit dem japanischen Schiffseigentümer Shoei Kisen Kaisha erzielt, am 7. Juli konnte das Schiff die Anker lichten.

Die „Ever Given“ werde noch bis Montag in Rotterdam bleiben, sagte Nagtegaal. Dann fahre sie nach Felixstowe in Großbritannien, anschließend ins Trockendock im französischen Dünkirchen.

Das riesige Schiff war am 23. März in einen Sandsturm geraten und auf Grund gelaufen. Das 400 Meter lange Schiff steckte danach quer in dem engen Kanal fest, davor und dahinter stauten sich mehr als 400 Schiffe. Am 29. März wurde es freigeschleppt.

Details der Einigung über die Entschädigung wurden nicht bekanntgegeben. Ägypten hatte zuletzt 550 Millionen Dollar (464 Millionen Euro) verlangt.

Chronik

Gleich mehrere schwere Arbeitsunfälle haben sich heute in Kärnten ereignet. Ein 46-jähriger Landwirt stürzte bei Arbeiten in Weitensfeld durch ein morsches Dachbodenbrett drei Meter in die Tiefe. Bei Dachstuhlarbeiten fiel ein Arbeiter vier Meter tief auf einen Betonboden, und ein 27-jähriger Baggerfahrer stürzte bei Reparaturarbeiten auf die Baggerschaufel. Alle drei wurden schwer verletzt.

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Gleich zu mehreren Polizeieinsätzen wegen Gewalt gegen Frauen ist es gestern in Wien gekommen. In zwei Fällen nahm die Polizei Männer nach Vorfällen im familiären Umfeld fest. Zudem wurden zwei Männer angezeigt, nachdem sie eine 16-Jährige am Donaukanal attackiert hatten.

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Ein Kleintransporter ist heute Mittag in Liesing mit einer Garnitur der Badner Bahn zusammengestoßen. Der Kfz-Lenker wurde im Fahrzeug eingeklemmt, die Feuerwehr musste ihn bergen. Der Mann wurde schwer verletzt in ein Spital geflogen.

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Nach dem Bekanntwerden von schweren Missbrauchsvorwürfen beim US-Spieleentwickler Activision Blizzard haben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestern die Arbeit niedergelegt. In einem „Walk-out“ haben sie sich für die Rechte von Frauen ausgesprochen und die Unternehmenskultur scharf kritisiert.

Auch online bildete sich erneut Protest – viele bekannte Streamerinnen und Streamer, die sonst Spiele von Activision Blizzard spielen, solidarisierten sich mit den Mitarbeitern und griffen für ihre Streams stattdessen zu Titeln der Konkurrenz.

Arbeitsklima „wie in einer Studentenverbindung“

Vergangene Woche gerieten die schweren Vorwürfe an die Öffentlichkeit: Wie Bloomberg berichtete, fördere der Arbeitgeber ein Klima wie in „einer Studentenverbindung“. Eine zweijährige Untersuchung der kalifornischen Behörde DFEH habe ergeben, dass es das Unternehmen verabsäumt habe, Maßnahmen zur Verhinderung von Diskriminierung und Belästigung von Frauen zu ergreifen, heißt es in dem Bloomberg-Artikel.

Mittlerweile kamen auch neue Details ans Tageslicht. So zeigte etwa das Gaming-Portal Kotaku die in der Klagsschrift des DFEH erwähnte „Bill Cosby Suite“ eines beschuldigten Mitarbeiters. Er und einige andere Blizzard-Mitarbeiter ließen sich dort mit einem Foto des später wegen Vergewaltigungsvorwürfen angeklagten US-Entertainers ablichten.

Kotaku zitiert eine anonyme Quelle, wonach die Suite nur deswegen den Namen erhalten haben soll, weil das Interieur des Raums an die Muster des Sweaters von Cosbys erinnern solle. Die Bilder lassen dem Portal nach aber keinen derartigen Zusammenhang erkennen.

Activision-Blizzard-Chef entschuldigt sich für Reaktion

Mittlerweile ruderte das Unternehmen, bekannt für Spiele wie „Call of Duty“ und „World of Warcraft“, auch bei der eigenen Position zurück: Attackierte man erst die kalifornische Behörde, entschuldigte sich Activision-Chef Bobby Kotick nun – in der ersten Reaktion habe man sich im Ton vergriffen. Er kündigte Änderungen im Unternehmen an.

Mit einem Bagger hat ein Bauunternehmer im Schwarzwald in Deutschland mutwillig einen Neubaukomplex mit etwa 30 Wohneinheiten schwer beschädigt. Dabei entstand ein Schaden von etwa einer halben Million Euro, wie die Polizei heute mitteilte. Als Grund für die Zerstörung in Blumberg habe der 47 Jahre alte Mann angeblich zu Unrecht zurückgehaltene Zahlungen der Auftraggeber angegeben.

Wohl aus „Frust“, wie ein Polizeisprecher sagte, hatte der Mann mit dem Kettenfahrzeug mehrere Balkone heruntergerissen und Teile der Gebäudefassade zerstört. Auch habe er Garagen beschädigt, auf denen Gasflaschen standen.

Die Polizei hat das Gelände weiträumig abgesperrt, da von den beschädigten Behältern womöglich Explosionsgefahr ausgehe: „Es befanden sich zwar keine Personen im Gebäude, jedoch hatte die Aktion rund 50 Schaulustige auf den Plan gerufen.“

Nach der Zerstörungsorgie habe sich der Bauunternehmer in sein Auto gesetzt und sei davongefahren. Kurz darauf habe er sich bei der Polizei gemeldet. Auf ihn kommt nun eine Anzeige wegen Sachbeschädigung zu, wie der Polizeisprecher sagte.

Lifestyle

Zwei junge Gastwirte im westlichen Niederösterreich haben neben Restaurant und Pension der Eltern ein „Gaming-Haus“ eingerichtet. Gäste können im Waldviertel einen ganzen Urlaub voller Spiele verbringen. Gezockt wird bis 4.00 Uhr in der Früh, geschlafen bis 12.00 Uhr, dann geht der Spaß von vorne los – ganz nach dem Motto „Eat, Sleep, Game, Repeat“.

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Kultur

Der Berliner Aktionskünstler Ben Wagin ist tot. Er starb gestern im Alter von 91 Jahren, wie sein Baumpatenverein und ein Sprecher der deutschen Kulturstaatsministerin Monika Grütters heute mitgeteilt haben. Bekannt ist Wagin für seine Installation „Parlament der Bäume“, die im Regierungsviertel an die Opfer der Berliner Mauer erinnert und zum Frieden mahnen soll.

„Der Tod meines Freundes Ben Wagin macht mich sehr traurig“, teilte die CDU-Politikerin Grütters mit. Wagin sei „der größte und beste Baumpate“ und ein wunderbares Vorbild für den Schutz von Natur und Umwelt gewesen. Viele seiner Aktionen seien nicht nur ein Aufruf zum rücksichtsvollen Umgang mit der Natur, „sondern ebenso Appelle für Frieden und Versöhnung“.

Im Frühjahr ließ sich Wagin noch beim Pflanzen eines Silberahorns fotografieren, mit Erde in den Händen. Der Künstler, der 1930 im heutigen Polen geboren wurde, lebte seit den 1950ern in Berlin. Er setzte sich über Jahrzehnte mit der Natur und auch mit der deutschen Teilung auseinander. 1990 entstand das „Parlament der Bäume“. Auf Granitplatten sind dort die Namen von Opfern des DDR-Grenzregimes eingraviert.

Zukunft des „Parlaments der Bäume“ gesichert

Bei seinen Projekten bewies er große Ausdauer. Es sei allein Wagins „grenzenloser Beharrlichkeit, seiner störrischen Radikalität wie auch seiner großen Emotionalität“ zu verdanken, dass das „Parlament der Bäume“ gegen alle politischen und marktwirtschaftlichen Begehrlichkeiten erhalten geblieben sei, teilte der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, mit.

Die Zukunft des „Parlaments“ sei institutionell gesichert, so die Stiftung. Doch gelte es nun mit ebenso großen Anstrengungen, die weiteren Lebens- und Handlungsorte Wagins langfristig zu sichern – den Garten am Anhalter Bahnhof wie auch sein Atelier.

Die Geschwister John und Jenny Jürgens sind in Zukunft gemeinsam mit der Udo Jürgens Master AG zuständig für die Herausgabe neuer Alben. Das hat das Bundesgericht in der Schweiz entschieden und damit einen seit 2017 dauernden Rechtsstreit beendet.

Das Bundesgericht bestätigt in seinem Urteil einen Entscheid des Zürcher Handelsgerichts. Die Udo Jürgens Master AG (UJM) hatte gegen die beiden Kinder des 2014 verstorbenen Musikers geklagt. Aktionäre der UJM sind die beiden Geschwister und der langjährige Manager des Musikers, der zwei Aktien mehr als John und Jenny Jürgens besitzt.

Die UJM klagte, dass die Rechte für die Veröffentlichung und Verwendung von Udo Jürgens Evergreens ebenso der Gesellschaft gehörten, wie die Masterbänder mit den Aufnahmen der unzähligen Titel. Beides ist notwendig, um beispielsweise über die Auflage neuer Alben bestimmen zu können.

Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der UJM gegen das Urteil des Handelsgerichts abgewiesen. Es verneint, dass die Rechte für die Veröffentlichung auf die UJM übergegangen seien. Damit braucht es in Zukunft das Einverständnis der Geschwister und der Gesellschaft, um Platten herausgeben zu können.

Der italienische Schriftsteller und Verleger Roberto Calasso ist heute im Alter von 80 Jahren in Mailand gestorben. Das teilte Calassos Buchverlag Adelphi mit, den der Autor in den 60er Jahren gegründet hatte und seit über 50 Jahren führte. Der in Florenz geborene Essayist und kulturphilosophische Schriftsteller war Geschäftsführer von Adelphi, der zu den großen europäischen Literaturverlagen zählt.

Calasso widmete sich in zahlreichen Büchern den Mythologien antiker Kulturen. Zu seinen wichtigsten Werken, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, zählen „Die Literatur und die Götter“, „Die Hochzeit von Kadmos und Harmonia“ und „Der Untergang von Kasch“. 1996 hatte Calasso von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften den Europäischen Kulturpreis erhalten. 2020 schaffte es sein Buch „Der Himmlische Jäger“ auf die ORF-Bestenliste.

Zwei Neuerscheinungen am Todestag

Am heutigen Todestag Calassos erschienen nun zwei neue Werke des Autors. Dabei handelt es sich um „Bobi“, ein Werk, das Calasso seinem Freund und Mitbegründer des Adelphi-Verlangs Roberto Bazlen gewidmet hat, und „Meme Scianca“, ein Buch über die Kindheit des Autors in Florenz.

„Mit Calasso verliert Italien ein Eckpfeiler des Verlagswesens und einen außerordentlichen Intellektuellen der eine weise Sicht unserer Kultur und ihrer Wurzeln hatte“, kommentierte der italienische Kulturminister Dario Franceschini.

Religion

In der weltgrößten Klosterbibliothek im steirischen Stift Admont werden ab sofort auch Nachtführungen angeboten. Nur durch Handlampen begleitet, können Besucherinnen und Besucher jeden Donnerstagabend den barocken Büchersaal der Benediktinermönche im Schatten der Nacht erleben, teilte das Stift mit.

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Panorama

Ein rares „Harry Potter“-Exemplar ist in Großbritannien für 80.000 Pfund (rund 94.000 Euro) versteigert worden. Die Ausgabe von „Harry Potter und der Stein der Weisen“, dem ersten Band der berühmten Buchreihe von Joanne K. Rowling, gilt wegen einiger Druckfehler als selten und dadurch bei Fans und Sammlern als heiß begehrt, wie die BBC berichtete.

Während viele Exemplare der Auflage mit nur rund 500 Ausgaben mittlerweile beschädigt sein sollen, ist das versteigerte Buch, das ursprünglich in einer Buchhandlung in Nottingham verkauft wurde, dem Bericht zufolge in „außergewöhnlichem Zustand“ erhalten.

Das Auktionshaus Tennants im nordenglischen Leyburn hatte zuvor mit bis zu 30.000 Pfund dafür gerechnet. Der Verkaufspreis ist einer der höchsten je erzielten für die Bücher der britischen Bestsellerautorin. Im vergangenen Jahr wurde in Edinburgh ein handsigniertes Exemplar der gleichen Ausgabe für 125.000 Pfund (knapp 147.000 Euro) versteigert.