Ukraine-Krieg

Die Ukraine erhält vorerst keine Zusagen für weitere Lieferungen des Luftabwehrsystems Patriot aus Europa. Die Außenminister der 27 EU-Mitgliedsstaaten erklärten heute bei ihrem Treffen in Luxemburg lediglich, sie würden prüfen, wie die Luftabwehr der Ukraine gestärkt werden könne.

Die Regierung in Kiew bat in den vergangenen Wochen angesichts zunehmender Luftangriffe um die Lieferung von Patriots. Bisher hat das nur Deutschland zugesagt. EU-Chefdiplomat Josep Borrell zeigte sich enttäuscht und appellierte, mehr für die Ukraine zu tun.

Polen appelliert an Westeuropa

Die Niederlande und Spanien gehören neben Deutschland, Schweden, Polen, Griechenland und Rumänien zu den europäischen Ländern, die über Patriot-Batterien verfügen. Die Boden-Luft-Raketen gelten als besonders effektiv gegen Hyperschallraketen, mit denen das russische Militär derzeit verstärkt die Infrastruktur der Ukraine unter Beschuss nimmt.

„Ich würde mir wünschen, dass wir schneller entscheiden“, ließ der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski am Nachmittag verlauten. Das polnische Außenministerium hatte indes seinerseits erklärt, es wäre aus seiner Sicht besser, wenn „westeuropäische“ Staaten zusätzliche Patriot-Batterien lieferten – und nicht die weiter östlich und näher an der „Front“ gelegenen Staaten.

Der ukrainische Außenminister Dmitro Kuleba wandte sich an die EU-Außenminister in einem Statement per Videoschaltung mit den Worten: „Jetzt, wo Sie alle hier am Tisch sitzen, ist es Zeit zu handeln und nicht zu diskutieren.“

Ein Fernsehturm in der ukrainischen Stadt Charkiw ist eingestürzt, nachdem die Behörden zuvor einen russischen Angriff gemeldet hatten. Ein AFP-Journalist beobachtete den Einsturz des Gebäudes heute. Der Gouverneur von Charkiw, Oleh Synegubow, erklärte in einem Onlinedienst, Russland habe eine „Einrichtung der Fernsehinfrastruktur“ getroffen.

Arbeitskraft vor beschädigtem Fernsehturm
APA/AFP/Sergey Bobok

Ausland

In Großbritannien sind zwei Männer wegen des Vorwurfs der Spionage für China angeklagt worden. Ihnen werde vorgeworfen, von Ende 2021 bis Februar 2023 Dokumente oder Informationen beschafft oder weitergegeben zu haben, „von denen angenommen wird, dass sie direkt oder indirekt für einen Feind nützlich sind“, teilte die Londoner Polizei heute mit. Die Männer im Alter von 29 und 32 Jahren sollen am Freitag vor Gericht erscheinen.

In Deutschland wurden heute drei Verdächtigte festgenommen, die für China spioniert haben sollen. Einem von ihnen, Thomas R., wirft die Bundesanwaltschaft vor, in chinesischem Auftrag Informationen zu militärisch nutzbaren innovativen Technologien beschafft zu haben.

Dazu soll er sich der Eheleute Herwig und Ina F. bedient haben, die in Düsseldorf eine Firma betreiben. Den drei deutschen Staatsbürgern werden geheimdienstliche Agententätigkeit und ein Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz vorgeworfen. Über die beiden Männer wurde Untersuchungshaft verhängt.

Menschenhandel und das Schleusen von Migrantinnen und Migranten haben sich laut den Vereinten Nationen in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Das UNO-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien will diesen Formen der Kriminalität deshalb mit neuen Strategien begegnen, die heute vorgestellt wurden. Das UNODC wolle in Zukunft einen stärkeren Fokus auf die Geldströme sowie auf organisierte Kriminalität und ihre Rolle im Menschenhandel und -schmuggel legen, hieß es. Als Positivbeispiel sieht UNODC den Umgang mit Ukraine-Flüchtlingen.

„In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es ziemlich viel Optimismus, dass wir den Kampf gegen Menschenhandel und Schleuser weltweit gewinnen könnten“, sagte UNODC-Experte Ilias Chatzis in einer Pressekonferenz. Doch Kriege, große Migrationsbewegungen, wachsende Onlinekriminalität, die Coronavirus-Krise und der Klimawandel hätten diese Bemühungen erschwert. „Die erzielten Fortschritte sind heute in Gefahr“, sagte er.

Menschenhandel fast immer von Mafia organisiert

Dabei sollten Geldflüsse als wichtige Spuren verfolgt werden, sagte Chatzis. Laut dem Experten sind weltweit neun von zehn verurteilten Menschenhändlern dem organisierten Verbrechen zuzuordnen. Weiter soll der Kampf gegen den Handel mit Kindern zur Priorität werden, da etwa ein Drittel der Opfer minderjährig seien.

Menschenhändler beuten ihre Opfer für Zwangsarbeit, Sexarbeit, Kriminalität, Organhandel und Leihmutterschaft aus. Schleuser bringen hingegen Migranten für hohe Summen auf illegalen und oft riskanten Routen in andere Länder. Das UNODC will in Zukunft die Schnittpunkte zwischen diesen zwei unterschiedlichen Verbrechensarten verstärkt unter die Lupe nehmen und Migranten besser vor Menschenhändlern schützen.

Positivbeispiel: Umgang mit Ukraine-Flüchtlingen

Als positives Beispiel hob Chatzis den Ukraine-Konflikt hervor: Der erwartete Anstieg von Menschenhandel unter ukrainischen Geflüchteten sei nicht eingetreten, weil ihnen Aufnahmeländer Sozialhilfe, Arbeitsmöglichkeiten und Schutz geboten hätten. „In diesem Fall hat die internationale Gemeinschaft das Richtige zur rechten Zeit getan“, sagte der UNODC-Vertreter.

Großbritanniens Premier Rishi Sunak will einstweilige Verfügungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) im Zusammenhang mit seinem Asylpakt mit Ruanda ignorieren.

Das sagte der konservative Politiker heute bei einer Pressekonferenz in London kurz vor Beginn neuer Beratungen im Parlament über sein Ruanda-Gesetz. Trotzdem sehe er sein Land nicht im Konflikt mit dem Völkerrecht.

Großbritanniens Premier Rishi Sunak
Reuters/Toby Melville

Der Asylpakt mit Ruanda sieht vor, dass irregulär eingereiste Migrantinnen und Migranten in Großbritannien keine Gelegenheit mehr zum Antrag auf Asyl erhalten. Sie sollen stattdessen ungeachtet ihrer Herkunft nach Ruanda gebracht werden und dort Asyl beantragen.

Eine Rückkehr nach Großbritannien ist nicht vorgesehen. Mit der Regelung sollen Menschen von der gefährlichen Überfahrt in kleinen Booten über den Ärmelkanal abgehalten werden.

Höchstgericht erklärte Pakt für rechtswidrig

Der einzige Flug, der bisher nach Ruanda abheben sollte, wurde per einstweilige Verfügung vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in letzter Minute gestoppt. Später erklärte das oberste Gericht in Großbritannien den Asylpakt für rechtswidrig.

Mit dem Ruanda-Gesetz soll dieses Urteil nun ausgehebelt werden. Der Gesetzesentwurf steckt derzeit im Verfahren zwischen Unterhaus und Oberhaus fest, das mehrheitlich Bedenken dagegen hat. Sunak wies die Parlamentarier seiner Partei in beiden Häusern jedoch an, so lange zu tagen, bis es verabschiedet ist. Zugeständnisse schloss er dabei aus. „Ohne Wenn und Aber. Diese Flüge werden nach Ruanda abheben“, so der Premier.

Pingpong geht weiter

Das Unterhaus in London lehnte heute zwei Änderungsanträge des Oberhauses mit Regierungsmehrheit ab. Damit geht der Entwurf zurück in die zweite Parlamentskammer, wo er noch am Abend erneut diskutiert werden sollte.

Erst, wenn beide Kammern das Gesetz annehmen, kann es in Kraft treten. Kommentatoren rechneten damit, dass das Pingpong zwischen den Kammern bis in die Nacht dauern könnte.

Inland

Die SPÖ droht mit der Vorführung des Unternehmers Rene Benko im COFAG-Untersuchungsausschuss. Benko hat sich bereits ein zweites Mal entschuldigen lassen, diesmal wegen eines Gerichtstermins in Innsbruck, wie die „Tiroler Tageszeitung“ heute berichtete. Auch weitere Anträge auf Beugestrafen werden gestellt, konkret gegen Ex-Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Investor Siegfried Wolf.

Benko war für Mittwoch ein weiteres Mal geladen. Sein Anwalt Norbert Wess verwies gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“ aber auf einen Gerichtstermin des insolventen Unternehmers an diesem Tag. Zudem wisse sein Mandant nicht, was ihm juristisch vorgeworfen werde. Er könne sich daher nicht ausreichend vorbereiten.

Benko hatte bereits seine erste Aussage am 4. April wegen der Vielzahl der gegen ihn eingereichten Sachverhaltsdarstellungen kurzfristig platzen lassen. Nun will es die SPÖ noch einmal versuchen und kündigte die Ladung Benkos für Donnerstag an. Sollte der Unternehmer diese nicht ohne ausreichende Begründung wahrnehmen, plane man einen Antrag auf Vorführung im U-Ausschuss zu stellen. Benko unterliege nämlich einer gesetzlichen Mitwirkungspflicht, hieß es.

EU

Dem EU-Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein, stehen dem Europäischen Rechnungshof zufolge zahlreiche Herausforderungen im Weg. Ein Hindernis für die Verkehrswende sei etwa, dass europäische E-Autos teils zu teuer seien, teilte der Rechnungshof heute mit. Elektrofahrzeuge müssten die breite Masse erreichen. Zudem weise das Ladenetz in Europa große Löcher auf. Auch alternative Kraftstoffe seien keine echte Alternative, da die Menge schlicht nicht ausreiche.

Der Verkehrssektor sei für etwa ein Viertel der gesamten Treibhausgasemissionen in Europa verantwortlich, allein die Hälfte davon entfalle auf Autos. Trotz effizienterer Motoren habe sich gezeigt, „dass die meisten herkömmlichen Autos trotz ehrgeiziger Ziele und strenger Anforderungen immer noch so viel CO2 ausstoßen wie vor zwölf Jahren“, sagte Nikolaos Milionis vom Europäischen Rechnungshof. Das liegt den Angaben nach vor allem daran, dass die Autos schwerer und die Motoren leistungsstärker wurden.

Mit dem Green Deal will die EU bis 2050 klimaneutral werden. Ein wichtiger Schritt dafür: Ab 2035 dürfen keine Neuwagen mehr zugelassen werden, die Benzin oder Diesel tanken.

Videos schauen und dafür bezahlt werden: Wegen der möglichen Suchtgefahr für Minderjährige hat die EU-Kommission der Videoplattform TikTok damit gedroht, deren neue Belohnungsfunktion zu blockieren. Brüssel eröffnete laut eigenen Angaben heute ein Verfahren gegen TikTok wegen der „Gefahr schwerer Schäden für die psychische Gesundheit der Nutzenden“. Die Behörde könnte die neue Funktion noch in dieser Woche aussetzen.

Die Videoplattform hatte die neue App TikTok Lite im April eingeführt, in Europa ist sie bisher in Frankreich und Spanien verfügbar. Die Version enthält ein Punktesystem: Wer sich anmeldet, mehrere Stunden Videos schaut oder Freunde zu TikTok einlädt, wird mit digitalen Münzen belohnt. Die Punkte können gegen geringe Beträge in Form von Gutscheinen ausgetauscht werden, etwa für den Onlinehändler Amazon.

TikTok hat nun einen Tag Zeit, um auf die Vorwürfe aus Brüssel zu reagieren. Liefert das Unternehmen nicht die verlangten Informationen, drohen bereits ab morgen Strafen in Höhe von bis zu einem Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Ab Donnerstag könnte die EU-Kommission die umstrittene Funktion blockieren, TikTok dürfte die App dann nur noch ohne das Punktesystem auf den EU-Markt bringen.

ZIB2

Mit den Wahlen in Salzburg und Innsbruck hat für NEOS das wichtige Wahljahr nicht nach Wunsch begonnen. In der ZIB2 ist heute Parteichefin und Nationalratswahl-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger.

Ein Wohnsitzauflagevorschlag sorgt für Diskussionen

Sollen Asylwerber nur in jenem Bundesland Sozialhilfe beziehen können, in dem sie auch gemeldet sind?

Sorge um militärisch nutzbare Technologien

Die deutsche Bundesanwaltschaft hat drei Deutsche wegen des Verdachts der Spionage für den chinesischen Geheimdienst festnehmen lassen.

Zensurvorwürfe werden laut

Italiens öffentlich-rechtliche TV-Anstalt Rai und Premierministerin Giorgia Meloni sind mit Zensurvorwürfen konfrontiert. Die kurzfristige Ausladung des Schriftstellers und Mussolini-Experten Antonio Scurati von der Teilnahme an einer politischen Talkshow wird kritisiert.

ZIB2 mit Martin Thür, 22.00 Uhr, ORF2

Mail an die ZIB2

Textfassung: Zeit im Bild

Wirtschaft

Auch Privatanleger haben ab sofort wieder die Möglichkeit, direkt beim Staat Anleihen zu kaufen. Der „Bundesschatz“, das neue Geldanlageprodukt des Bundes, kann online unter Bundesschatz.at gezeichnet werden – allerdings braucht man dafür eine Registrierung bei ID Austria mit Vollfunktion. Die Zinsen rangieren derzeit – je nach Laufzeit – zwischen 2,50 und 3,50 Prozent.

Der „Bundesschatz“ ist als Sparprodukt gedacht, mit dem man beim Bund – also ohne ein Wertpapierdepot bei einer Bank – österreichische Staatsanleihen erwerben kann. Ein solches Produkt gab es bereits früher (ab 2002), es wurde jedoch 2020 angesichts des damaligen Niedrigzinsumfelds eingestellt.

Man habe bereits vor einigen Monaten mit den Banken Gespräche darüber geführt, dass die steigenden Zinsen an die Sparerinnen und Sparer weitergegeben werden müssten, sagte Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) heute bei der Präsentation des neuen Geldanlageprodukts.

Weil mit dem „Bundesschatz“ direkt beim Bund veranlagt wird, sei auch keine Einlagensicherung nötig, erklärte der Geschäftsführer der Oesterreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA), Markus Stix. Die Republik stehe mit ihrem gesamten Vermögen dahinter.

SPÖ: Kritik an eingeschränktem Zugang

Der SPÖ-Parlamentsklub und der SPÖ-Pensionistenverband kritisierten in Aussendungen, dass der „Bundesschatz“ ausschließlich online zu erwerben sei. Das sei eine Diskriminierung von Menschen, die nicht über ein Smartphone bzw. einen Internetzugang verfügen. Es müsse eine alternative Zeichnungsmöglichkeit – persönlich oder schriftlich auf dem Postweg – geben.

In Deutschland hat die Cum-Ex-Chefermittlerin Anne Brorhilker gekündigt – und übt Kritik an der Aufarbeitung des Steuerskandals. Brorhilker habe um ihre Entlassung aus dem Beamtenverhältnis gebeten, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Köln heute laut dpa. Zuvor hatte der WDR berichtet. Zu Brorhilkers Gründen äußerte sich die Behörde nicht. Die Oberstaatsanwältin nahm eine zentrale Rolle bei der Verfolgung von Cum-Ex-Steuerbetrügern ein.

Cum-Ex-Chefermittlerin Anne Brorhilker
APA/AFP/dpa/Marius Becker

Dem WDR sagte Brorhilker: „Ich war immer mit Leib und Seele Staatsanwältin, gerade im Bereich von Wirtschaftskriminalität, aber ich bin überhaupt nicht zufrieden damit, wie in Deutschland Finanzkriminalität verfolgt wird.“

Größter Steuerskandal Deutschlands

Die Politik habe elf Jahre nach Bekanntwerden der ersten Cum-Ex-Fälle noch immer nicht hinreichend reagiert. Steuerdiebstähle seien längst nicht gestoppt, es gebe Cum-Ex-Nachfolgemodelle. Grund seien fehlende Kontrollen, was bei Banken und auf den Aktienmärkten geschehe.

In rund 120 Cum-Ex-Ermittlungsverfahren wurde in Köln unter Brorhilkers Führung gegen 1.700 Beschuldigte ermittelt. Durch den Cum-Ex-Betrug, der seine Hochphase von 2006 bis 2011 hatte, wurde der deutsche Staat schätzungsweise um einen zweistelligen Milliardenbetrag geprellt. Der Cum-Ex-Betrug gilt als größter Steuerskandal Deutschlands.

Bei den Steuerdeals wurden Aktien mit („cum“) und ohne („ex“) Dividendenansprüche in kurzer Zeit zwischen Finanzakteuren hin- und hergeschoben. Bei dem Verwirrspiel erstattete der Fiskus unwissentlich Steuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Erst mit einer zum Jänner 2012 greifenden Gesetzesänderung wurde den Deals ein Riegel vorgeschoben.

Die Industriellenvereinigung (IV) setzt der Debatte über eine Arbeitszeitverkürzung die Forderung nach einer 41-Stunden-Woche entgegen. Wohlstand entstehe nur durch Leistung, und in Österreich sei die Arbeitszeit pro Beschäftigten in den letzten Jahren schon stark zurückgegangen, argumentierte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer heute vor Journalisten.

Angesichts der Forderungen nach Arbeitszeitverkürzung und der Lohnforderungen in den KV-Runden „muss auf die Stopptaste gedrückt werden“, auch wenn das kein Wohlfühlthema sei.

Aus Sicht der Unternehmen wäre die Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, also ohne Lohnerhöhung, gedacht, aber es müsse jedenfalls „bei den Kollektivvertragsverhandlungen diskutiert werden, wie man damit letztlich umgeht“. Das betreffe auch die „Unzahl an Feiertagen“ in Österreich. Junge Menschen seien anspruchsvoller bei der Jobwahl, so Neumayer. Man müsse als Management Wege zu sinnstiftendem Arbeiten finden, Leistung etwa durch projekt- und zielorientiertes Arbeiten erzielen.

Industrie weiter in Rezession

Die heimische Industrie sei weiter in einer Rezession, schrumpfe also. „Sehr langsam und vorsichtig erkennen wir zarte Silberstreifen am Horizont“ – das bedeute aber nur, „womöglich wird es uns gelingen, in den kommenden Monaten in eine Stagnationsphase zu kommen“, so Neumayer. Von Wachstum der Industrieproduktion sei derzeit keine Rede.

Der Ausblick sei „weit überwiegend von Schatten geprägt“, sagte IV-Chefökonom Christian Helmenstein bei der Präsentation des Konjunkturbarometers für das erste Quartal 2024. Aber immerhin sehe er das vom WIFO prognostizierte Schrumpfen der realen Industrieproduktion um 1,5 Prozent als „unteren Rand“ – über den Sommer sollte eine Stagnation an die Stelle der Rezession treten.

Chronik

In der südchinesischen Provinz Guangdong sind mindestens vier Menschen nach starken Regenfällen ums Leben gekommen. Zehn weitere galten als vermisst, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf örtliche Behörden heute berichtete.

Hochwasser in der südchinesischen Provinz Guangdong
Reuters/Tingshu Wang

Die Opfer seien in der Stadt Zhaoqing westlich der Metropole Guangzhou durch den Regen eingeschlossen gewesen und tot aufgefunden worden.

In Guangdong hatte es in den vergangenen Tagen viel geregnet. Die Provinz ist zwar starke Regenfälle gewohnt, doch fielen diese derzeit ungewöhnlich heftig aus. Viele Ströme im Perlfluss-Delta schwollen bedrohlich an. Auch in Städten und Dörfern nördlich und südlich von Guangzhou wurden Überschwemmungen gemeldet.

Viele Orte evakuiert

Ungefähr 110.000 Bewohner seien aus anderen Orten in Sicherheit gebracht worden, teilten die Behörden mit. Mehr als 40 Flüsse und über 60 Messstationen in der Provinz verzeichneten bisher Regenmengen, die über den Alarmwerten lagen.

Auf Fernsehbildern waren Rettungskräfte zu sehen, die bis zur Brust durch die Fluten wateten und ältere Menschen aus ihren Wohnungen brachten. Mit Schlauchbooten fuhren die Helfer andernorts durch sonst mit Autos gefüllte Straßen. In manchen ländlichen Gegenden waren Straßen von Erdmassen überflutet.

Mehr als 35 Häuser seien bereits eingestürzt, berichtete Xinhua. Der Wetterbehörde zufolge müssen Guangdong, die Nachbarprovinz Guangxi sowie die südostchinesische Provinz Fujian in den kommenden Tagen weiter mit Regen und Stürmen rechnen. Die Behörden warnten vor Überschwemmungen und Muren. Es galt die dritthöchste Regenwarnstufe Gelb.

Science

Mit mehr Polizei in den Straßen steigt auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger. Diese weit verbreitete These wurde nun im deutschen Kassel durch ein wissenschaftliches Experiment unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die These stimmt nicht, sogar das Gegenteil kann eintreten.

„Paradoxerweise kann die Wahrnehmung von Polizeipräsenz furchtsteigernd auf die Menschen wirken, selbst wenn sie sich vorher genau diese Maßnahme zur Verbesserung der Sicherheit gewünscht haben“, erklärte Tim Pfeiffer von der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen laut einer Mitteilung der Stadt Kassel.

Großangelegtes Experiment

Bei dem bundesweit einmaligen Experiment der Professur für Kriminologie mit dem Polizeipräsidium Nordhessen und der Stadt Kassel wurde erforscht, ob eine präventive und anlasslose höhere Polizeipräsenz dabei hilft, die Sicherheit in der Stadt zu verbessern. Rund ein Jahr lang lief das Experiment. In einigen Gebieten der Stadt wurde die Polizeipräsenz erhöht, Bürgerinnen und Bürger in allen Stadtgebieten danach befragt.

Das Ergebnis der Forscher: Sähen Menschen beim Blick aus dem Wohnungsfenster häufiger die Polizei, könne sich das negativ auf das Sicherheitsgefühl auswirken, erklärte Projektleiter Pfeiffer. „Es scheint die Meinung vorzuherrschen: Wo Polizei ist, da passiert auch was.“ Von der Studie wurde bisher nur das Studiendesign publiziert, die Ergebnisse sollen noch heuer wissenschaftlich veröffentlicht werden.

Umwelt & Klima

Der Klimawandel dürfte laut einem UNO-Bericht für mehr als 70 Prozent aller Arbeitskräfte weltweit Sicherheits- und Gesundheitsrisiken mit sich bringen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sprach heute von einem „Gefahrencocktail“.

Die ILO, die zu den Vereinten Nationen gehört, schätzt, dass schon jetzt 2,4 der weltweit 3,4 Milliarden Arbeitskräfte während ihrer Arbeitszeit irgendwann übermäßiger Hitze ausgesetzt sind – besonders Menschen, die in der Landwirtschaft oder anderweitig unter freiem Himmel arbeiten. Fast 19.000 Menschen kämen jedes Jahr wegen übermäßiger Hitze beim Arbeiten ums Leben, schätzt die ILO.

Gefahren durch extremes Wetter

Hitze und UV-Strahlung sind nach diesem Bericht die größten Gefahren. Die ILO nennt aber auch das Arbeiten bei Extremwetterereignissen, etwa für Fischer, sowie Nothelfer und Aufräumtrupps nach Katastrophen.

Im Freien Arbeitende seien auch zunehmend durch Parasiten gefährdet, die sich wegen des Klimawandels in größeren Gebieten ausbreiten. Bei zahlreichen Krankheiten sei bereits ein Zusammenhang mit dem Klimawandel hergestellt worden, etwa Hautkrebs, Herz-Kreislauf- und Atemwegerkrankungen sowie Makuladegeneration, was die Sehkraft zerstören kann.

Leute

Der norwegische König Harald V. will aus Altersgründen kürzer treten. Der 87-jährige Monarch, der seine Aufgaben als Staatsoberhaupt nach einer längeren krankheitsbedingten Auszeit heute wieder aufnahm, werde sein Arbeitspensum herunterfahren, teilte der Königspalast in Oslo mit. Anzahl und Umfang seiner Termine würden „dauerhaft“ verringert.

Harald V. war Ende Februar während einer Privatreise nach Malaysia an einer Infektion erkrankt. Zurück in Norwegen wurde ihm im März ein dauerhafter Herzschrittmacher eingesetzt. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus nahm er zunächst keine öffentlichen Termine wahr. Seine Rückkehr zu seinen Amtsgeschäften wurde mehrmals verschoben.

Harald V. ist seit 1991 König von Norwegen und derzeit der älteste herrschende Monarch Europas. Das norwegische Staatsoberhaupt geht mit Krücken und hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. So wurde er bereits am Herzen operiert und litt wiederholt unter Atemwegsinfektionen. In solchen Fällen lässt er sich von seinem Sohn, dem 50-jährigen Kronprinzen Haakon, vertreten.