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Skepsis gegenüber neuem Bezahlmodell

Verärgerte und verunsicherte Nutzer, Dutzende Beschwerdemails und vor Empörung überquellende Foren: Der Softwareriese Adobe hat mit seiner Ankündigung, Produkte wie Photoshop nicht mehr als CDs anzubieten, für eine Riesenaufregung gesorgt. Statt einer Einmalzahlung müssen User zeitlich begrenzte Abos bezahlen - und das schmeckt ihnen gar nicht.

In Fotocommunitys und einschlägigen Fachmedien herrschte zunächst Verunsicherung: Vor allem das Herunterladen der Programme aus der Cloud und Fragen des Datenschutzes sorgten für Verstimmung. Vielen Amateuren ist das Modell zu teuer - für das Programmpaket Creative Suite etwa sind für Neukunden bei einem Jahresabo 50 Dollar pro Monat fällig. Das kostet es in den USA, in Europa sind das 61 Euro. Zudem variieren die Tarife je nach Laufzeit, Produktumfang und dem Vorhandensein von schon erworbenen Lizenzen. Zum Vergleich: Das Upgrade auf die neueste Version, die alle 18 Monate möglich war, kostete rund 200 Dollar.

Erinnerung an „New Coke“

Allein in den Foren der Artikel auf der Website Digital Photography Review wurden Tausende Postings verzeichnet. Etliche User kündigten an, Adobe in Zukunft nicht mehr verwenden zu wollen. Viele erinnerten in ihren Beiträgen an „New Coke“: Coca-Cola wurde 1985 mit veränderter Rezeptur auf den Markt gebracht, die Konsumenten reagierten empört, bombardierten das Unternehmen mit Beschwerden und riefen zum Boykott auf, bis das Unternehmen schließlich zum alten Rezept zurückkehrte. Das Fiasko gilt mittlerweile als Inbegriff für fehlgeschlagene Produktinnovationen.

Adobe reagiert

Auf den Adobe-Websites wie auch bei diversen Fotocommunitys versucht das Unternehmen die Bedenken der Nutzer zu zerstreuen. Natürlich würden die Programme lokal installiert und die eigenen Bilder lokal gespeichert, versucht man vor allem die Angst vor der Cloud zu nehmen. Auch könne man natürlich offline mit den Programmen arbeiten und müsse nur nach 30 Tagen - bei Monatsabos - eingeloggt sein und die Lizenz erneuern. Beworben wird das Modell auch damit, dass man die Software dann nacheinander auf mehreren Rechnern verwenden könne.

In einigen Punkten ruderte man auch bereits zurück: Einige Upgradeangebote wurden bereits als „Sonderaktion“ verbilligt. Zudem garantierte man im Blog der Unternehmenswebsite, dass Nutzer immer Zugriff auf ihre eigenen Bilder haben. Entsprechende Sorgen waren nicht nur wegen der Möglichkeit der Speicherung in der Cloud aufgetaucht. Viele User stellten sich die Frage, wie sie auf alte Dateien zugreifen können, die in einem Adobe-Format gespeichert worden sind und die mit anderen Programmen nicht einfach geöffnet werden können.

Zwang zur neuesten Version

Wie auch andere Softwarefirmen kämpft Adobe mit dem Problem, dass Nutzer häufig nicht gewillt sind, für den Upgrade auf neue Versionen zu zahlen - vor allem, wenn die ältere Version des Programms noch funktioniert und die neuen Features nicht unbedingt notwendig sind. Mit dem Abosystem wird dieses Problem für die Unternehmensseite gelöst. Als User ist es freilich fraglich, ob man für die nicht professionelle Nutzung tatsächlich immer die neueste Fassung des Programms braucht.

Arbeit mit Raubkopien verunmöglicht

Mit dem neuen Cloud-Modell macht Adobe vor allem auch ein Arbeiten mit Raubkopien unmöglich. Doch dieses Problem sei hausgemacht, meint Photoshop-Trainer John Arnold auf seiner Website PhotoWalkthrough. Die Preise für Photoshop und Co. seien schon bisher für Privatnutzer außergewöhnlich hoch gewesen. Spätestens jetzt mit dem Abosystem sei wohl der Zeitpunkt gekommen, an dem sich solche Nutzer nach Alternativen umsehen.

Adobe bietet zwar als „Sparmodell“ Photoshop Elements an, dieses arbeitet allerdings nur mit einer Farbtiefe von 8 Bit, Photoshop hingegen mit 16. Gerade in Zeiten, in denen selbst Hobbyfotografen mit immer besseren Linsen und Auflösungen ihre Bilder schießen, will freilich niemand, dass die gewonnene Qualität dann bei der Verarbeitung wieder verloren geht.

Corel wittert Morgenluft

Dennoch sehen sich viele User bereits nach Alternativen um: Mit GIMP, Rawstudio und Darktable gibt es drei Gratisprogramme, die bei den meisten Funktionen durchaus mit Photoshop mithalten können. Und ein ganz anderer Konkurrent wittert wieder Morgenluft. Corel mit dem Zeichenprogramm CorelDRAW und Photo-Paint einst der Erzfeind bei Bildbearbeitungssoftware warb in einem Blogeintrag ganz offen um verärgerte Adobe-Kunden.

Das eigene Produkt CorelDRAW Graphics Suite X6 gebe es in allen möglichen Kauf- und Abovarianten. Corel hatte sich übrigens seinerzeit selbst aus dem Markt geschossen - vor allem, als man versuchte mit WordPerfect Microsoft bei Textbearbeitung Konkurrenz zu machen und ein teures Linux-Projekt in den Sand setzte.

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