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Der Traum des Diktators

Tief im afrikanischen Dschungel wird gebaut, was das Zeug hält. Ein Golfplatz, eine Universität und ein Luxushotel sind fast fertiggestellt, Regierungsgebäude, ein Finanzdistrikt und Wohnsiedungen sollen folgen. Teodoro Obiang, seit 33 Jahren Diktator von Äquatorialguinea, verwirklicht im Herzen seines Landes den Traum von einer modernen Hauptstadt und scheut dafür keine Kosten und Mühen.

Sämtliche Baustoffe, die zur Errichtung der Stadt mit dem Namen Oyala benötigt werden, müssen importiert und durch unwegsames Gelände ins Landesinnere geschafft werden. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange, doch Verzögerungen an der Tagesordnung, berichtete die BBC. Kein Wunder, der autoritäre Auftraggeber Obiang lässt durchaus auch ein fertiges Gebäude wieder abtragen, wenn ihm der Ausblick nicht zusagt.

Baustelle für Oyala

AFP/Patrick Fort

Auf der Baustelle im Dschungel arbeiten Baufirmen aus der ganzen Welt

Dennoch: Bis 2020 soll Oyala nicht nur den Regierungssitz beherbergen, sondern auch die Heimatstadt von bis zu 200.000 Menschen sein, also gut einem Drittel der Bevölkerung des Landes. Warum die Äquatorialguineer nach Oyala ziehen sollen, ist eher unklar, der Großteil lebt an der Küste, mehr als 100 Kilometer entfernt von der neuen Retortenstadt. Die durchschnittliche Lebenserwartung im drittkleinsten Staat von Kontinentalafrika liegt bei knapp 55 Jahren, und obwohl das Land ein sehr hohes Pro-Kopf-Einkommen aufweist, lebt der Großteil der Bevölkerung in bitterer Armut.

Angst vor Angriffen in Malabo

Äquatorialguinea besteht aus einem Festlandsteil, der zwischen Kamerun und Gabun an der Westküste Afrikas liegt, und fünf bewohnten Inseln. Es sei gerade die Abgeschiedenheit mitten im Dschungel des Festlands, die den Anreiz für die künftigen Bewohner bieten würde, erklärte Obiang in einem seiner seltenen Interviews, schreibt die BBC.

Die jetzige Hauptstadt Malabo sei mit ihrer exponierten Lage an der Nordküste der Insel Bloko als Hauptstadt nicht sicher, zu groß sei die Gefahr von Angriffen. „Wir brauchen einen sicheren Ort für meine und für zukünftige Regierungen. Deshalb haben wir Oyala geplant.“

Karte von Äquatorialguinea

APA/ORF.at

Obsessive Sorge um Sicherheit

Die beinahe an Paranoia grenzende, obsessive Sorge des Staatsoberhaupts liegt in der Vergangenheit begründet. Der 70-jährige Herrscher kam durch einen Putsch gegen seinen eigenen Onkel Francisco Macias Nguema vor 33 Jahren an die Macht. Immer wieder konnte er sich seit damals gegen Umsturzversuche aus verschiedenen Lagern behaupten.

Am aufsehenerregendsten war der Putschversuch einer internationalen Söldnertruppe, den Obiang 2004 vereiteln konnte. Angeklagt wurden damals 89 Männern aus Europa, Asien und Südafrika, darunter auch der Sohn der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher.

Mehrmals im Amt „bestätigt“

Obwohl im Land nicht sonderlich beliebt, kann sich Obiang dennoch der Wiederwahl sicher sein: In den letzten Jahrzehnten verteidigte er sein Amt stets mit fast 100 Prozent der Stimmen. Oppositionelle und Menschenrechtler warfen dem Präsidenten stets Wahlbetrug vor, die Urnengänge glichen einer Farce, hieß es stets. So ist es auch kein Wunder, dass das Regime als eines der undemokratischsten und korruptesten weltweit gilt.

Ob er von Oyala aus regieren werde, sei nicht seine Entscheidung, erklärte Obiang gegenüber der BBC. Das nächste Mal gewählt wird 2016, die Dschungelhauptstadt wird davor mit Sicherheit nicht fertig. Es hänge also „vom Willen der Bevölkerung“ ab, so der Präsident. „Wenn das Volk etwas will, darf man es nicht enttäuschen.“

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