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Suche nach Opfern geht weiter

Wenige Tage nach dem katastrophalen Wirbelsturm „Sandy“ hat in New York und an der US-Ostküste das Aufräumen begonnen. Die Zahl der Toten ist nach offiziellen Angaben auf mehr als 90 gestiegen. Und die Suche nach Vermissten geht weiter. Die Metropole New York versucht, den Alltag wieder in den Griff zu bekommen - doch in manchen Bezirken wird die Kritik am Katastrophenmanagement laut.

Bürgermeister Michael Bloomberg setzte darauf, dass die Stadt schnell zur Normalität zurückkehrt. Entgegen ursprünglichen Plänen wurde der für Sonntag geplante New-York-Marathon am Freitag nun doch abgesagt. Hunderttausende Einwohner der Metropole waren auch am Freitag weiter ohne Strom. Vor allem in Staten Island, einer der am stärksten betroffenen Gegenden der Stadt, werden Klagen von Bewohnern laut, der Manhattan gegenüberliegende Bezirk sei von der Politik vergessen worden.

Ein kleines Mädchen steht in einem Haufen angeschwemmter Trümmer

AP/John Minchillo

Die Rückkehr zur Normalität ist für die Menschen im schwer zerstörten Staten Island schwer

Verteilung von Nahrungsmitteln

Am Freitag begannen Nationalgardisten und Freiwillige mit der Verteilung von Nahrungsmitteln an Bedürftige in den besonders schwer getroffenen Gegenden. Polizisten und Feuerwehrleute gingen von Haus zu Haus, um nach Hilfsbedürftigen oder möglichen Opfern zu suchen, sagte Bloomberg. Der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, gab an, rund eine Million Mahlzeiten sollten in der Stadt verteilt werden. Das Rote Kreuz stellte zwölf Feldküchen bereit, die 200.000 warme Mahlzeiten pro Tag servieren können.

Das US Transportation Command, das normalerweise für Truppentransporte und die Versorgung von Kampftruppen zuständig ist, schickte 55 Lastwagen mit 1,5 Millionen Mahlzeiten nach New York. 1,3 Millionen zusätzliche Rationen stünden für den Bedarfsfall bereit, hieß es. Transportflugzeuge der Armee brachten nach Behördenangaben Dutzende schwere Reparaturlastwagen und ein Spezialistenteam von Kalifornien zu einem Stützpunkt in der Nähe der Ostküstenmetropole.

Manche Gebiete noch tagelang ohne Strom

Etwa 650.000 Bewohner New Yorks waren weiterhin ohne Strom. Der Stromanbieter Con Edison warnte, in einigen Stadtvierteln von New York werde die Stromversorgung erst am 11. November wiederhergestellt sein. Der Süden von Manhattan soll bis Samstag wieder am Netz sein. Insgesamt waren in allen von „Sandy“ betroffenen Bundesstaaten laut Energieministerium am Freitag noch 3,6 Millionen Haushalte ohne Strom.

Auch die drei wegen „Sandy“ abgeschalteten Atomreaktoren im Nordosten der USA nahmen wieder ihren Betrieb auf. Wie das US-Energieministerium mitteilte, gingen zwei Reaktoren im Bundesstaat New York und einer im Bundesstaat New Jersey wieder ans Netz. Auch alle Atomeinheiten, deren Leistung verringert worden sei, produzierten wieder zu 100 Prozent, hieß es weiter.

„Noch nie da gewesene Schäden“ an UNO-Gebäude

Das UNO-Hauptquartier in New York öffnete am Donnerstag erstmals nach drei Tagen wieder seine Pforten. An dem Gebäude gebe es „noch nie da gewesene Schäden“, erklärte ein UNO-Vertreter. So habe der Sturm ein Feuer und eine schwere Überschwemmung der Kellerräume ausgelöst.

Im benachbarten Bundesstaat New Jersey entwickelte sich die Suche nach Benzin für die Bewohner zum Alptraum. Vor den wenigen geöffneten Tankstellen bildeten sich lange Schlangen von Autos sowie von Fußgängern, die Treibstoff für ihre Generatoren holen wollten. In dem Bundesstaat waren noch 1,8 Millionen Menschen, fast ein Viertel der Einwohner, ohne Strom.

Die US-Küstenwache stellte derweil die Suche nach dem vermissten Kapitän des gesunkenen legendären Dreimasters „HMS Bounty“ ein. Das für den Film „Meuterei auf der Bounty“ mit Marlon Brando gebaute Schiff war am Montag während des Unwetters in schwerer See vor der US-Ostküste gesunken. 14 Besatzungsmitglieder wurden gerettet, eine Frau starb nach ihrer Bergung im Krankenhaus.

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