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Umweltschutz nun doch Wahlkampfthema

Einen Tag nach seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney hat am Donnerstag auch Amtsinhaber Barack Obama den von Wirbelsturm „Sandy“ unterbrochenen Wahlkampf wieder aufgenommen. Nachdem Obama bereits in Umfragen gute Noten für sein Krisenmanagement ausgesprochen wurden, sorgt nun New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg mit einer Wahlempfehlung für Erstaunen.

Der ehemalige Republikaner gab in einem Medienbeitrag nicht nur Obama den Vorzug vor Romney, sondern machte gleichzeitig auch den Umweltschutz zum Thema, dem im Wahlkampf bisher kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Und hier habe Obama klar die Führerschaft inne, so das New Yorker Stadtoberhaupt laut Bloomberg.com weiter.

Bis 2007 Republikaner

Michael Bloomberg ist im Jahr 2001 als Kandidat der Republikaner zum Bürgermeister von New York gewählt worden. Im Jahr 2007 verließ er die Partei und trat fortan als unabhängiger Kandidat an. Während er bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2004 George W. Bush unterstützte, verzichtete er vor vier Jahren auf eine Wahlempfehlung.

Bloomberg begründete seine Wahlempfehlung somit mit Obamas Einsatz gegen den Klimawandel. Die Zerstörungen des Wirbelsturms „Sandy“ in New York und im Nordosten der USA hätten laut Bloomberg die Bedeutung der anstehenden Wahl verdeutlicht. „Wir brauchen Führungsstärke im Weißen Haus - und in den vergangenen vier Jahren hat Präsident Barack Obama wichtige Schritte unternommen, um unseren CO2-Verbrauch zu senken“, ergänzte er.

Kritik an Romneys Kurswechsel

Romney habe dagegen in allen wichtigen Bereichen einschließlich des Umweltschutzes den Kurs gewechselt. „Wenn die Version Romneys von 1994 oder 2003 zur Wahl stünde, hätte ich ihn gut wählen können“, erklärte Bloomberg: „Denn wie viele andere Unabhängige fand ich die vergangenen vier Jahre, um es mit einem Wort zu sagen, enttäuschend.“ Aber Obama habe dennoch einige wichtige Erfolge vorzuweisen, etwa in der Bildungspolitik und - „trotz aller Unzulänglichkeiten“ - der Gesundheitsreform.

Gleichzeitig kritisierte Bloomberg den Präsidenten dafür, die politische Spaltung des Landes nicht überwunden und Öl ins Feuer gegossen zu haben. Der Präsident habe „parteipolitische Attacken“ gefahren und mit seiner Forderung nach höheren Steuern für Reiche eine „spaltende populistische Agenda“ vertreten.

Gute Umfragenoten für Krisenmanagement

Obama dankte Bloomberg dennoch für die Unterstützung und lobte den Bürgermeister für dessen „außergewöhnliche Arbeit“ angesichts der Sturmkatastrophe. Der US-Präsident erntete bereits am Vortag bei seinem Besuch in New Jersey vom republikanischen Gouverneur des US-Bundesstaates, Chris Christie, unerwartetes Lob von der gegnerischen Seite. Das Krisenmanagement des US-Präsidenten erhielt auch in Umfragen eine mehr als gute Benotung. Laut einer von der „Washington Post“ gemeinsam mit dem TV-Sender ABC News durchgeführten Befragung waren acht von zehn US-Amerikaner hochzufrieden mit Obamas Vorgangsweise.

„Unser Kampf geht weiter“

Nach dreitägiger Wahlkampfpause ist Obama am Donnerstag erstmals nach „Sandy“ wieder auf Stimmenjagd gegangen. In einer Rede in Green Bay im Bundesstaat Wisconsin lobte Obama seine Landsleute dafür, angesichts der Sturmkatastrophe zusammengerückt zu sein.

Fünf Tage vor der Präsidentschaftswahl präsentierte sich Obama in Green Bay erneut als Verfechter von sozialer Gerechtigkeit und warb um eine zweite Amtszeit. „Unser Kampf geht weiter, weil es Amerika immer am besten gegangen ist, wenn alle eine faire Chance bekommen“, sagte der Präsident. „Das ist, woran wir glauben.“ Neben Wisconsin standen am Donnerstag auch Nevada und Colorado auf Obamas Wahlkampfkalender.

Vor dem Abflug in Washington wurde Obama nach Angaben seines Sprechers erneut über die aktuelle Lage in den von dem Unwetter betroffenen Gebieten informiert. Der Präsident werde den Angaben zufolge auch weiterhin mit dem Leiter der nationalen Katastrophenschutzbehörde FEMA, Craig Fugate, in regelmäßigem Kontakt stehen.

Romney seit Mittwoch wieder auf Tour

Romney war am Donnerstag im Bundesstaat Virginia auf Wahlkampftour. Der Republikaner machte sich über einen Vorschlag Obamas lustig, ein neues Ministerium für Wirtschaft zu schaffen. „Wir brauchen keinen Minister, der Wirtschaft versteht. Wir brauchen einen Präsidenten, der Wirtschaft versteht, so wie mich“. Als Romney am Mittwoch nach 24-stündiger Pause wieder in den Wahlkampf eingestiegen war, hatte er noch auf direkte Attacken gegen Obama verzichtet.

Der Ausgang der Wahl am kommenden Dienstag steht auf des Messers Schneide. In landesweiten Umfragen liegen Obama und Romney praktisch gleichauf. Allerdings wird der US-Präsident nicht nach dem nationalen Stimmenanteil, sondern von einem Wahlmännergremium gekürt. Dort spiegeln sich die Ergebnisse aus den einzelnen Bundesstaaten wider. Experten räumen Obama noch immer die größeren Chancen ein, am Ende die nötigen 270 Wahlmännerstimmen zu erreichen.

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