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Chrysler rettet Italiener vor Absturz

Der kriselnde italienische Autobauer Fiat hält sich weiter nur dank des florierenden Geschäfts der US-Tochter Chrysler über Wasser. Wie der Konzern am Dienstag in Turin mitteilte, erzielte die Gruppe im dritten Quartal einen Nettogewinn von 286 Millionen Euro.

Fiat allein hätte allerdings einen Verlust von 281 Mio. Euro eingefahren. Im zweiten Quartal 2012 hatte die Gruppe noch 358 Mio. Euro Nettogewinn verzeichnet, der Verlust von Fiat allein lag bei 246 Mio. Euro. Werke in Italien will Fiat trotzdem nicht schließen.

Starkes Plus bei Chrysler

Chrysler hatte am Montag mitgeteilt, in dem Quartal den Gewinn auf 381 Millionen Dollar beinahe verdoppelt zu haben. Dank der Kauflust der Amerikaner konnte Chrysler seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf 15,5 Milliarden Dollar steigern (zwölf Mrd. Euro). Die Verkäufe nahmen um zwölf Prozent auf 556.000 Autos zu. Damit setzt Chrysler seinen Erfolgskurs fort.

Der Gesamtumsatz der Fiat-Gruppe, also mit dem US-Partner, stieg um 16 Prozent auf 20,4 Milliarden Euro. Fiat leidet stark unter schrumpfenden Verkäufen in Europa und dabei vor allem in Italien selbst. Fiats Anteil am europäischen Automarkt, der 2009 noch bei etwa acht Prozent lag, ist im dritten Quartal auf 5,9 Prozent gefallen. Dabei ging die Nachfrage in Italien sogar um 23 Prozent zurück.

In den ersten neun Monaten machte die Gruppe einen Nettogewinn von etwas mehr als einer Milliarde Euro. Ohne Chrysler hätte es in diesem Zeitraum einen Verlust von 800 Millionen Euro gegeben, verglichen mit den 1,2 Milliarden Euro Gewinn des Vorjahreszeitraums, teilte Fiat mit.

Verhandlungen mit Gewerkschaften

Fiat-Boss Sergio Marchionne beriet noch am Dienstag mit den italienischen Gewerkschaften, wie auf die sinkenden Verkäufe in Europa reagiert werden könnte. Es geht auch darum, die Schließung eines der fünf Standorte im Land zu vermeiden.

Trotz der sinkenden Verkäufe in Europa solle kein Werk geschlossen werden, bekräftigte Marchionne. Vielmehr sollten bei überschüssigen Kapazitäten dort Autos für nichteuropäische Märkte gebaut werden. „Ich denke, das ist die beste wirtschaftliche Wahl, die wir treffen können“, so Marchionne.

Die italienischen Werke sollten neue Modelle für Alfa Romeo, Maserati und Jeep bauen, die dann global vermarktet würden. Es wäre unsinnig, Werke in Europa zu schließen, wenn man dann neue anderswo errichten müsste, um die wachsende Nachfrage in Nordamerika, Lateinamerika und Asien zu befriedigen.

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