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„Game over“

Nicht zum ersten Mal innerhalb der letzten Monate hat Fiat-Chef Sergio Marchionne eine neue Zukunftsstrategie für den krisengeschüttelten italienischen Autokonzern präsentiert. Keine Fabrik in Italien soll demnach geschlossen werden - verabschieden könnte sich Fiat aber schon bald von der Traditionsmarke Lancia.

Wie Marchionne laut Medienangaben am Mittwoch erklärte, soll die Produktion von Lancias in Europa „schrittweise reduziert“ werden. „Wir dürfen uns nicht mehr der Illusion hingeben, dass wir Lancias historisches Image wieder aufbauen können“. Lancia habe schlichtweg „nicht mehr die Attraktivität wie in der Vergangenheit“. Zudem habe sich diese ohnehin weitgehend nur auf Italien konzentriert, so Marchionne nach Angaben der Tageszeitung „La Repubblica“ weiter.

Lancia Ypsilon

AP/Massimo Pinca

Der Ypsilon gilt seit Jahren als Lancias einziges Erfolgsmodell

Als einzig wirtschaftlich tragfähiges Modell in Europa wurde von Marchionne der Kleinwagen Ypsilon genannt, der „weiterhin in Polen produziert wird“. Mit Blick auf seine italienische Modellpalette will Fiat künftig neben Alfa Romeo auch verstärkt auf Maserati setzen. Allein für Alfa wurden acht neue Modelle angekündigt, wobei Fiat mit der Marke nicht zuletzt mit einer eigenen US-Produktion auch auf dem amerikanische Markt setzen will. Neue Lancia-Modelle sucht man in der neuen Fiat-Strategie aber vergeblich, weswegen etwa vom italienischen Medienportal TGcom24 „Game over“ für Lancia gegeben wurde.

2010: Chrysler soll Lancia werden

Wie bereits in früheren Plänen erwogen, könnte der Name Lancia aber weiter als Zugpferd des von Fiat übernommenen US-Konzern Chrysler herhalten. Abgesehen von den Modellen Ypsilon und Delta wurde bereits 2010 angekündigt, mit Hilfe von mit Lancia-Kühlergrill ausgestatteten Chrysler-Modellen in Europa auf Käuferjagd gehen zu wollen. „Alles, was in der Alten Welt Chrysler war, soll künftig unter den Namen Lancia laufen“, wurde Marchionne 2010 etwa vom „Spiegel“ zitiert.

Lancia Thema

APA/EPA/Alessandro di Marco

Der neue Lancia Thema kann seine Chrysler-Herkunft nicht verbergen

Betroffen von der in Italien kritisierten „Amerikanisierung“ der Traditionsmarke war unter anderem bereits die frühere Staatskarosse Lancia Thema, bei der es sich mittlerweile um einen für den europäischen Markt modifizierten Chrysler 300 handelt.

2006: Stil, Design und „Italianita“

Unter der Führung von Marchionne wurde im Rahmen eines umfangreichen Sanierungsplans bei Fiat zuletzt 2005 über einen Abschied von Lancia nachgedacht. Zum 100-Jahr-Jubiläum war davon ein Jahr später allerdings keine Rede mehr - vielmehr sollte Lancia zu neuem Glanz verholfen werden. Anvisiertes Ziel war eine Verdreifachung der Verkaufszahlen, der seit 1969 zum Konzern gehörenden Tochter. Schönheitsfehler war aber bereits damals, dass Lancia großteils nur mit seinem Kleinwagen Ypsilon punkten konnte und 80 Prozent seiner Modelle im Heimatmarkt Italien verkaufte.

Lancia Delta Integrale bei Monte Carlo Rallye

APA/EPA/Patrick Hertzog

In den 70er und 80er Jahre galt Lancia im Rallye-Sport lange als unschlagbar

Ein neuer Impuls zum anvisierten Durchstarten der Marke wurde unter anderem durch die Revitalisierung des zur Jahrtausendwende eingestellten Delta erwartet, der nicht zuletzt mit Serientiteln in der Rallye-Weltmeisterschaft für Furore sorgte. Neben dem Stratos (Weltmeistertitel 1974, 1975, 1976) gewann Lancia mit dem Delta HF Integrale in den 80er Jahren mit 46 Siegen in 66 Rennen insgesamt sechs Titel in der Marken- und fünf in der Piloten-WM.

Autorennen sind für Lancia allerdings seit dem Ausstieg vom Motorsport schon lange kein Thema mehr - die Marke solle sich vielmehr durch Stil, Design und „Italianita“ profilieren, wie Marchionne noch 2006 betonte.

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