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Tausende Jobs fallen weg

Vor dem renommierten Autosalon in Paris hatten Experten bereits betont: Alle Autoproduzenten würden sich dort auf Hochglanz poliert präsentieren, doch nach der Messe würden mehrere Autokonzerne die Konsequenzen aus der europäischen Absatzkrise ziehen müssen. Nur eineinhalb Wochen nach Ende des Autosalons ist es nun tatsächlich so weit.

Binnen 24 Stunden kündigten PSA Peugeot Citroen, Opel, Fiat und Volvo massive Einsparungen inklusive Werksschließungen an - selbst Daimler musste Probleme eingestehen und kündigte ein milliardenschweres Sparprogramm an.

Unter anderem sorgte zuletzt etwa der US-amerikanische Autobauer Ford für Aufsehen. Das Traditionsunternehmen kündigte die Schließung von gleich drei europäischen Werken an: Noch vor der Fabrik im belgischen Genk mit 4.300 Mitarbeitern sollen im nächsten Jahr die beiden Standorte Southampton und Dagenham in Großbritannien mit 1.400 Beschäftigten geschlossen werden. Abgesehen von Russland werde die Produktionskapazität in Europa um 355.000 Fahrzeuge verringert, eine Kürzung um fast ein Fünftel. Ford will den Personalabbau weitgehend durch Abfindungen und Versetzungen schaffen.

Der wegen der weggebrochenen Verkaufszahlen für dieses Jahr erwartete Verlust werde über 1,5 Milliarden Dollar liegen, räumte Ford ein. Bisher war der Autobauer von lediglich über einer Milliarde ausgegangen. Bis 2015 will Ford durch den Jobabbau und die Einsparungen wieder profitabel werden. Für das Gesamtjahr prognostiziert der Konzern, der am Dienstag seine Quartalszahlen veröffentlichen will, einen „soliden“ Vorsteuergewinn und einen positiven Barmittelzufluss im Automobilgeschäft.

Radikalkur nach US-Muster

Mit seiner Radikalkur folgt Ford der Strategie, die die US-Autobauer vor einigen Jahren in ihrer Heimat angewandt haben. Damals hatten GM, Ford und Chrysler Tausende Arbeitsplätze gekappt und zahlreiche Werke geschlossen, um aus der Misere zu kommen, die sie sich durch eine jahrelange Rabattschlacht selbst eingebrockt hatten. Nach der Beinahepleite kehrte GM an die Börse zurück. Auch Chrysler ist nach der mit staatlicher Unterstützung bewältigten Blitzinsolvenz wiedererstarkt und sorgt nun als Fiat-Tochter dafür, dass der italienische Autobauer den Geschäftseinbruch in Europa ausgleichen kann. Lediglich Ford schaffte die Wende damals in den USA ohne staatliche Milliardenhilfe.

Opel und Peugeot wollen kooperieren

Die GM-Tochter Opel und Peugeot verhandeln über eine Allianz, um ihr angeschlagenes Europageschäft gemeinschaftlich zu sanieren. Bis zum Monatsende wird ein Sparpaket erwartet, dem das Werk in Bochum zum Opfer fallen könnte. Dort läuft Ende 2016 die Produktion des aktuellen Familienwagens Zafira aus. Auch bei Opel wird mit weiterem Personalabbau gerechnet.

Peugeot will bis zu 10.000 Stellen streichen und ein Werk nahe Paris schließen, stößt damit aber auf Widerstand der französischen Regierung und der Gewerkschaften. Der französische Staat stützt die Finanzsparte des Autobauers mit Garantien über bis zu sieben Milliarden Euro, verlangt im Gegenzug aber, dass der Konzern von Plänen für Werksschließungen und Arbeitsplatzabbau Abstand nimmt.

Auch Volvo senkt Produktion

Experten rechnen damit, dass bis auf Marktführer VW alle Massenhersteller zu ähnlichen Schritten gezwungen sein werden, da sie ihre Werke wegen der schärfsten Krise seit 20 Jahren kaum noch auslasten können. Ford hält es für möglich, dass die Nachfrage im nächsten Jahr weiter sinken könnte. Die zum chinesischen Autobauer Geely gehörende schwedische Marke Volvo kündigte an, im belgischen Gent ebenfalls die Produktion zu senken.

Fiat kündigte an, mehr als 2.000 Beschäftigte im Werk Pomigliano in Süditalien ab Ende November für zwei Wochen in Kurzarbeit zu schicken. Opel hat bereits für mehr als 10.000 Mitarbeiter in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach tageweise Zwangspause angeordnet, weil die Nachfrage hinter der Produktion zurückbleibt.

Auch Renault von Krise erfasst

Auch der zweitgrößte französische Autobauer Renault muss wegen der Absatzkrise in Europa heftige Einbußen verkraften. Im dritten Quartal brach der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13,3 Prozent auf 8,45 Milliarden Euro ein. In der Autosparte wurde sogar ein Minus von 14,4 Prozent registriert, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Die Gesamtzahl der verkauften Wagen sank um 5,8 Prozent auf 596.064. Der Konzern bestätigte, das ursprüngliche Ziel eines neuen Absatzrekordes könne aller Voraussicht nach nicht erreicht werden.

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