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Auch Börse bleibt geschlossen

Die dicht besiedelte Ostküste der USA bereitet sich auf ein Jahrhundertunwetter vor: Hurrikan „Sandy“ soll Meteorologen zufolge Montagabend (Ortszeit) irgendwo zwischen Washington und Boston auf Land treffen und droht das öffentliche Leben komplett lahmzulegen.

Angesichts der Absage Tausender Flüge drohte ein Verkehrschaos, in der Metropole New York kam das öffentliche Leben zum Stillstand, auch die New Yorker Börse soll am Montag geschlossen bleiben. In New York begannen die Behörden am Sonntag damit, 375.000 Menschen aus tiefer gelegenen Gebieten in Sicherheit zu bringen. Für die Busse, U-Bahnen und Vorortzüge der Metropole, die sonst rund um die Uhr unterwegs sind, wurde ein Fahrverbot verhängt.

Aus Sorge vor den Folgen des von den US-Medien wegen der bevorstehenden Halloween-Feiern bereits zum „Frankenstorm“ umbenannten Hurrikans bleibt am Montag das Hauptquartier der UNO ebenso geschlossen wie die New Yorker Börse. Womöglich werde die Wall Street auch am Dienstag geschlossen bleiben, teilte der Betreiber NYSE Euronext mit.

Frau mit Kind vor leeren Einkaufsregalen

Reuters/Lucas Jackson

Hamsterkäufe hinterlassen derzeit leere Regale in den Supermärkten

Verkehr steht still

Auch in den Bundesstaaten New Jersey und Delaware, wo das Zentrum des Sturms auf Land treffen dürfte, ordneten die Behörden Evakuierungen an. Die Brandung sollte sich an der Küste den Vorhersagen zufolge auf mehr als drei Meter Höhe auftürmen. Der Strandort Rehoboth in Delaware glich nach der Evakuierung einer Geisterstadt, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Auch Washington und Philadelphia stellten den öffentlichen Nahverkehr ein.

In der US-Hauptstadt konnten die Mitarbeiter der Regierung zu Wochenbeginn zu Hause bleiben. Für zwei Millionen Kinder fiel wegen Schulschließungen in sieben Bundesstaaten am Montag der Unterricht aus. Die Fluglinien strichen mehr als 7.400 Flüge, auch viele Transatlantikverbindungen waren betroffen. Schon seit dem Wochenende hatte sich die Bevölkerung mit Hamsterkäufen auf den Sturm vorbereitet, in vielen Gegenden wurden Wasser und Taschenlampen knapp.

Frau sperrt Zugänge zur U-Bahn in New York

Reuters/Carlo Allegri

Die U-Bahn wird abgesperrt

Dreimaster in Seenot

Wegen des Hurrikans geriet ein Dreimaster vor der Küste des US-Bundesstaates North Carolina in Seenot. Die 17 Besatzungsmitglieder der „HMS Bounty“, ein Nachbau des legendären Schiffs aus dem 18. Jahrhundert, seien am Montag mit Überlebensanzügen und Rettungswesten in zwei Rettungsboote gestiegen, teilte die US-Küstenwache mit.

50 Millionen leben im Gefahrenbereich

Mehr als 1.100 Kilometer lang ist der Küstenstreifen von Maine bis nach South Carolina, der die Auswirkungen von „Sandy“ spüren könnte. Im Gefahrengebiet im Nordosten der USA wohnen etwa 50 Millionen Menschen. Der Hurrikan, durch den in den vergangenen Tagen auf seinem Weg durch die Karibik 66 Menschen ums Leben gekommen waren, soll sich nach Angaben von Wetterexperten mit einer Kaltfront zu einem besonders schweren Unwetter vereinigen.

Neben Starkregen und Überschwemmungen warnten Meteorologen in höheren Lagen auch vor starken Schneefällen. Die heftigen Winde könnten vor allem in ländlichen Gebieten die oberirdischen Stromleitungen stören und zu tagelangem Stromausfall führen. „Sandy“ dürfte demnach bis nach Ohio - also weit ins US-Landesinnere hinein - für Verwüstungen sorgen. Mehrere Bundesstaaten und die Hauptstadt Washington verhängten bereits den Notstand.

Mann mit Surfbrett wartet auf eine U-Bahn

APA/EPA/Andrew Gombert

Selbst Surfer wollen sich nicht mit „Sandy“ anlegen

Obama appelliert an Bevölkerung

Präsident Barack Obama forderte seine Mitbürger auf, die Bedrohung durch den Hurrikan „sehr ernst“ zu nehmen. Obama ermahnte die Bewohner der Ostküste, die Anweisungen der Behörden in den kommenden Tagen genauestens zu befolgen. Dem Chef des Nationalen Hurrikanzentrums, Rick Knabb, machte vor allem die schiere Größe des Sturms Sorgen. „Das System ist so groß, dass Millionen von Menschen in Gegenden leben, die von Springfluten oder Überschwemmungen durch Flüsse betroffen sein könnten“, sagte Knabb.

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