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Ringen um „Swing-States“

Hurrikan „Sandy“ droht auch den Wahlkampf zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney durcheinanderzuwirbeln. Beide Kandidaten mussten wichtige Wahlkampfauftritte absagen. Wahlkampfhelfer fürchten Auswirkungen von Stromausfällen auf die elektronischen Wahlkabinen.

Der von den Amerikanern als „Monstersturm“ gefürchtete Hurrikan „Sandy“ bedroht nicht nur die Bevölkerung, sondern sorgt auch in der Endphase des US-Wahlkampfes für Chaos. Beide Kandidaten müssen auf Besuche in wichtigen „Swing-States“ wie Virginia, North Carolina und New Hampshire verzichten. Wegen „sich verschlechternder Wetterbedingungen“ um die Hauptstadt Washington werde Obama auch nicht an einem Termin in Orlando im Bundesstaat Florida teilnehmen, teilte sein Sprecher Jay Carney am Montag mit.

Der Ausgang der Präsidentschaftswahl am 6. November gilt als völlig offen. Wahlhelfer beider Lager befürchten nun, dass „Sandy“ Frühwähler davon abhalten könnte, ihre Stimme abzugeben. Tagelange, sturmbedingte Stromausfälle hätten außerdem zur Folge, dass die Wahlkämpfer ihre Zielgruppen nicht wie gewünscht erreichen könnten.

Kopf-an-Kopf-Rennen

In dem wegen seiner vielen Wechselwähler besonders heiß umgekämpften Bundesstaat Virginia liegt Obama nach einer Umfrage der „Washington Post“ mit 51 zu 47 Prozent vorn. In dem wohl wahlentscheidenden Staat führt Obama nach einer CNN-Umfrage mit 50 Prozent vor Romney mit 46 Prozent. Der Vorsprung sei allerdings so knapp, dass eine sichere Voraussage nicht möglich sei, erklärte der Sender.

Wegen des Wirbelsturmes sagte Obama einen Termin mit Ex-Präsident Bill Clinton am Montag in Virginia ab. Er wolle lieber im Weißen Haus sein, um die Sturmfolgen und Koordinierung der Hilfsmaßnahmen intensiv zu verfolgen, teilte sein Sprecher Jay Carney in Washington mit.

Republikaner setzten auf Ohio

Auch der republikanische Herausforderer Romney hatte seine Wahlkampfpläne sturmbedingt ändern müssen. Anstatt - wie geplant - nach Virginia, reiste er am Samstag nach Ohio. Der Bundesstaat Ohio hat beim Rennen um die Präsidentschaft hohen Symbolwert. Wer hier gewinnt, hat den Wahlsieg praktisch in der Tasche. Noch niemals in der Geschichte der USA zog ein Republikaner ins Weiße Haus ein, ohne Ohio für sich gewonnen zu haben. Der letzte demokratische Kandidat, der es ohne Ohio ins Präsidentenamt schaffte, war John F. Kennedy vor mehr als 50 Jahren.

Wahlkampfhelfer vom Sturm behindert

Während die Spitzenkandidaten zu Hause bleiben müssen, versuchen die Wahlkampfteams, in den letzten Tagen vor der Wahl die Wähler in besonders umkämpften Bundesstaaten mit Anrufen oder persönlichen Gesprächen an der Haustür zu überzeugen. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der „Washington Post“ gaben 40 Prozent der Wähler in den „Swing States“ an, von Obamas Lager kontaktiert worden zu sein, 35 Prozent der Befragten hatten das Team Romneys am Apparat oder vor der Tür. Auch diese Bemühungen könnten nun sturmbedingt zum Erliegen kommen. Vor allem aber würde ein schweres Unwetter die politischen Botschaften der beiden Kandidaten aus den Schlagzeilen verdrängen.

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