Themenüberblick

Wirtschaft verliert an Kraft

Die Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung in der Ukraine sind düster. Nach einem Wachstum von 2,5 Prozent im ersten Halbjahr schrumpfte die Wirtschaft im Juli und August um ein Prozent. Das geht aus einem Bericht der Erste Group hervor. Andere Schätzungen sehen ein Minus von 1,8 Prozent im dritten Quartal.

Insgesamt prognostizieren die Experten der Erste Group für heuer nur noch eine Stagnation, bisher gingen sie von einem Plus von ein Prozent aus. Vor allem die global gesunkene Nachfrage nach Stahl - eines der wichtigsten ukrainischen Exportgüter - habe zu dieser Entwicklung geführt, sagte Marjan Sablozkij, einer der Autoren der Studie, laut Internetportal Lb.ua.

So lag die Stahlproduktion in der Ukraine im August zwölf Prozent unter dem Wert im gleichen Monat des Vorjahres. „Die Rezession der vergangenen Monate wurde außerdem begünstigt durch hohe Kreditzinsen und die geringe Getreideernte“, so Sablozkij weiter.

Billigeres Gas als zentrales Ziel

Das im ersten Halbjahr 2012 erzielte Wachstum wird auf die Investitionen vor der Fußball-Europameisterschaft im Juni zurückgeführt. Einer Schätzung der Investmentbank Dragon Capital zufolge wird die Ukraine frühestens Mitte 2013 auf den Wachstumspfad zurückkehren. Eine Bedingung dafür sei, dass die Verhandlungen mit Russland zu einem billigeren Gasimport führen. Nach Angaben der Bank bezahlte die Ukraine im September an Russland 426 US-Dollar (326,81 Euro) pro 1.000 Kubikmeter Gas - 20 Prozent mehr als im September 2011.

Die ukrainische Regierung versucht seit längerem vergeblich, Russland von einem neuen Mechanismus bei der Berechnung des Gaspreises zu überzeugen. Immerhin gelang es Kiew, den Gasimport zwischen Jänner und September um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu drücken.

Auch der Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream, die Russland direkt mit Deutschland verbindet, wirkt sich heuer zum ersten Mal spürbar ungünstig auf die Ukraine aus. In den ersten acht Monaten leitete Russland 22 Prozent weniger Gas durch das Transitland als im vergangenen Jahr - die Ukraine nahm dadurch nach Angaben von Analysten rund 600 Mio. US-Dollar weniger ein.

Banken ziehen sich zurück

Anzeichen für eine tiefere Krise sehen Experten auch darin, dass Banken aus der EU das Land verlassen wollen. Nach der deutschen Commerzbank, die ihre Tochterbank Forum heuer an den russisch-ukrainischen Geschäftsmann Vadim Novinskij verkauft hat, könnte auch die Erste Group ihre ukrainische Tochter abstoßen.

Nach bisher nicht bestätigten Meldungen erhielten mehrere mögliche Investoren das Angebot aus Wien. Die Bank dürfte dabei einen Preis von nur 50 bis 60 Prozent des Kapitals erzielen, sagte Erik Nayman von der Investitionsgesellschaft Capital Times gegenüber der ukrainischen Zeitschrift „Forbes“.

Importe werden teurer

Nach Ansicht der ukrainischen Opposition bekommen die Ukrainer die wirtschaftlichen Probleme bald zu spüren. Sie verweist auf die Prognose des ukrainischen Bankenverbandes, wonach die heimische Währung Hrywnja (Griwna) bis zum Jahresende 30 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar und dem Euro verlieren könnte, was Importe weiter verteuern würde. Ursache dafür sei das wachsende Zahlungsbilanzdefizit der Ukraine, sagte der Präsident des Verbandes, Alexandr Sugonjako, gegenüber Journalisten.

Links: