EU-Parlament will Spekulation an Börsen bremsen

Das Europaparlament will Kunden bei der Bankberatung besser schützen und den Turbo-Börsenhandel bremsen. Mit großer Mehrheit stimmten die Abgeordneten gestern in Straßburg entsprechenden Regeln der Finanzmarktrichtlinie Mifid zu. Die Vorgaben sollen Exzesse an den Finanzmärkten künftig verhindern.

Nach dem Parlamentsvotum müssen die EU-Staaten zustimmen. Da einige Forderungen der Abgeordneten über die bisherigen Vorschläge hinausgehen, dürften sie noch verändert werden. Die Mifid-Regeln werden voraussichtlich erst 2014 in Kraft treten.

Einschränkungen bei Provisionen

Nach den neuen Vorgaben dürften Bankberater beim Verkauf von Finanzprodukten künftig nur noch eingeschränkt Provisionen bekommen. Dafür sollen die Mitgliedsstaaten sorgen. Erlaubt sind Gebühren nur dann, wenn sie an den Kunden weitergegeben werden, der Kunde darüber aufgeklärt wurde oder wenn sie für die Bereitstellung des Produkts nötig sind. Ein von einigen Abgeordneten verlangtes generelles Provisionsverbot fand keine Mehrheit im Parlament.

Auf diese Weise wollen die Abgeordneten erreichen, dass Bankberater allein zum Wohl des Kunden handeln. In der Finanzkrise hatten viele Kunden Verluste erlitten, weil Banker ihnen riskante Finanzprodukte - wie zum Beispiel Lehman-Zertifikate - verkauften. Dafür belohnten die Banken ihre Berater mit hohen Provisionen.

Halbe Sekunde Verzögerung

An der Börse soll die Novelle der Mifid-Richtlinie den superschnellen Handel bremsen. So soll jede Handelsorder demnach eine halbe Sekunde im Buchungssystem gehalten werden. Damit will die EU extreme Turbulenzen bei Aktienkursen verhindern.

Zudem wollen die Abgeordneten an den Warenterminbörsen die Preisspekulation mit Lebensmitteln begrenzen. Für die Anzahl von Kontrakten soll es strikte Obergrenzen geben.