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„Kein Grund für Sicherheitsbedenken“

Mit mehrtägiger Verspätung versucht der Schweizer Pharmakonzern Novartis in der Causa über teils ausflockende Grippeimpfstoffe in die Offensive zu gehen. Novartis betonte am Freitag, das Unternehmen sei weiterhin von der Sicherheit all seiner Grippeimpfstoffe überzeugt.

Und es übt Kritik an seinen Kritikern - also jenen Ländern, darunter Österreich, die als Vorsichtsmaßnahme die Novartis-Impfstoffe entweder vom Markt nahmen oder Empfehlungen aussprachen, bis zur Klärung des Vorfalls andere Impfstoffe zu verwenden. „Das Unternehmen wird weiterhin mit dem italienischen Gesundheitsministerium und der Pharmaziebehörde Aifa zusammenarbeiten, um die Gründe für ihre Entscheidung zu verstehen“, zeigte der Konzern offen sein Unverständnis für das Vorgehen von Italien und mittlerweile fünf weiteren europäischen Ländern.

Während mehrere Gesundheitsbehörden in europäischen Ländern Vorsichtsmaßnahmen gefordert hätten, gebe es auch eine Mitteilung der Behörden in Großbritannien, die keinen Grund für Sicherheitsbedenken oder weitergehende Schritte sehen würden, so der Konzern.

„Keine negativen Zwischenfälle bekannt“

„Wir schätzen, dass in der aktuellen Saison rund eine Million Dosen von unseren saisonalen Grippeimpfstoffen in Europa vorhanden sind, bisher ist von keinen negativen Zwischenfällen berichtet worden“, teilte der Konzern am Freitag auf Anfrage der deutschen Nachrichtenagentur dpa mit.

Novartis habe den italienischen Behörden bereits eine Bewertung vorgelegt, welche die Qualität und Sicherheit all seiner Impfstoffe beweise, reagierte das Unternehmen am Freitag. Bei einer Routine-Qualitätsanalyse einer Charge des Impfstoffs Agrippal sei eine Abweichung - kleine Flocken - festgestellt worden. Diese Charge sei für Italien bestimmt gewesen und nie in den Handel gelangt. Die Eiweißflocken bestünden größtenteils aus dem Stoff Hämagglutinin und stammten hauptsächlich vom Influenzavirus selbst: „Alles normale und notwendige Bestandteile von Grippeimpfstoffen“, so der Konzern.

Auch Frankreich stoppt Auslieferung

Der Verkaufsstopp für den Grippeimpfstoff des Schweizer Pharmakonzerns Novartis zieht in Europa unterdessen weitere Kreise. Am Freitag verhängte auch Frankreich ein Auslieferungsverbot für Agrippal. Das Mittel werde bis zu einer Entscheidung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA vom Markt genommen, sagte Gesundheitsministerin Marisol Touraine. Verunreinigte Impfdosen seien in Frankreich bisher nicht aufgetaucht und es gebe auch keine Hinweise auf Risiken für Menschen, die mit dem Mittel geimpft wurden.

Italien und die Schweiz hatten am Mittwoch als erste Länder die Auslieferung von zwei Novartis-Grippeimpfstoffen wegen möglicher Nebenwirkungen gestoppt. In einer Spritzencharge in Italien waren weiße Partikel festgestellt worden. Am Donnerstag zogen die Behörden in Deutschland, Spanien und Österreich nach.

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