Ex-UBS-Milliarden-Zocker beteuert vor Gericht Unschuld

Der im Zusammenhang mit einem Milliardenverlust der Großbank UBS angeklagte frühere Wertpapierhändler Kweku Adoboli hat Betrugsvorwürfe zurückgewiesen. Handelsgeschäfte, die er außerhalb des offiziellen Buchungssystems der Bank laufen ließ, habe er nur zum Besten seines Arbeitgebers getätigt, erklärte er gestern vor dem Geschworenengericht des Londoner Southwark Crown Court.

Verlust von 1,8 Milliarden

„UBS war meine Familie“, sagte der 32-Jährige mit gebrochener Stimme und unter Tränen. Alles, was er getan habe, habe er zum Nutzen der Bank getan. Adoboli arbeitete bei UBS in London in einer Abteilung, die mit börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) handelte.

Mit unerlaubten Transaktionen soll er einen Handelsverlust von 2,3 Milliarden Dollar (rund 1,8 Mrd. Euro) verursacht haben. Er wurde im September des vergangenen Jahres festgenommen und im Juni gegen Kaution freigelassen. Ihm wird Betrug in zwei Fällen und Urkundenfälschung in vier Fällen vorgeworfen. Er plädiert auf nicht schuldig.

„Jeder wusste davon“

Er habe gegen Ende des Jahres 2008 mit, wie er es nannte, „off-book-Geschäften“ begonnen, weil er Reserven für steigende Kosten in seiner ETF-Abteilung anlegen wollte, erklärte er vor den Geschworenen.

Anfängliche Gewinne aus solchen Geschäften habe er zunächst auf geheimen Konten innerhalb der Bank, sogenannten Regenschirmen versteckt, um sie dann nach und nach wieder in die offizielle Gewinn- und Verlustrechnung zurückzuführen. Es sei ihm darum gegangen, steigende Kosten wie etwa für die Refinanzierung auszugleichen. „Der Regenschirm war ein Mechanismus, den wir benutzen. Eigentlich wusste jeder davon“, sagte er.

„Kids“ oder scharf auf Prämien?

Die ETF-Handelsabteilung sei unterbesetzt und überlastet gewesen. Sich selbst und einen Kollegen, anfänglich die beiden einzigen Händler, beschrieb er als „Babies“ und „Kids“, die ein massives Volumen zu bewältigen hatten. Nach Ansicht der Anklage war Adoboli dagegen ein Zocker, der aus Ehrgeiz und weil er auf hohe Erfolgsprämien scharf war, unerlaubt Risiken einging und eine „Betrugspyramide“ aufbaute.