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Kronprinzen werden lange aufgebaut

Machtwechsel waren in China bis vor acht Jahren ziemlich abrupt. Nach dem Ende der Kulturrevolution 1976 stolperten der glücklose Parteichef Hua Guofeng (1981) und der reformerische Hu Yaobang (1987) über innerparteiliche Machtkämpfe.

Wenige Tage vor der militärischen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 wurde auch Parteichef Zhao Ziyang gestürzt, der sich für einen Dialog mit den demonstrierenden Studenten im Hungerstreik ausgesprochen hatte. Als sein Nachfolger wurde überraschend Jiang Zemin berufen.

Deng Xiaoping wählte Hu Jintao aus

Die erste geordnete Machtübergabe war 2002 der Generationswechsel zum heutigen Staats- und Parteichef Hu Jintao. Transparent war die Wende auch nicht, allerdings von langer Hand vorbereitet. Der mächtige Reformarchitekt Deng Xiaoping, der im Hintergrund die Fäden zog, hatte den Technokraten Hu schon früh persönlich ausgesucht. Nach dem Tod des alten Parteikaders 1997 war Hu das einzige Politbüromitglied in dem Flugzeug, das die Asche Dengs verstreute - ein untrügliches Zeichen für Hus Berufung.

Ex-Staatschef behielt Einfluss

Als Kronprinz wurde Hu mit langem Atem jahrelang für seine Aufgabe aufgebaut. Der Staatschef jener Jahre, Jiang, behielt auch nach seinem Rückzug noch drei Jahre lang bis 2005 den Vorsitz in der Militärkommission - also das Oberkommando über die Streitkräfte. Wie einst Deng nimmt der heute 85-jährige Jiang trotz schlechter Gesundheit noch immer Einfluss auf die Auswahl der neuen Führungsgeneration. Die Millionen Parteimitglieder wurden dazu nicht gefragt.

Der reibungslose Führungswechsel 2002 gilt heute als Modell für 2012. Wie damals wurde auch diesmal Vizepräsident Xi Jinping schon lange vorher intern unter den verschiedenen Fraktionen, Altpolitikern und mächtigen Familien ausgekungelt. Seit 2007 bereitet er sich auf seine Aufgabe vor. Xi soll zunächst Generalsekretär der Kommunistischen Partei (KP) - und im Frühjahr 2013 Staatspräsident werden. Ministerpräsident Wen Jiabao soll vom derzeitigen Vizepremier Li Keqiang abgelöst werden.

„Kuhhandel“ über Führungspositionen

Noch gerungen wird um die Entscheidungen, wer sonst in die Führungsgremien aufsteigen wird. Die „New York Times“ („NYT“) berichtete von einem „Kuhhandel“ über Führungspositionen zwischen der von Hu angeführten Interessengruppe und denen, die seinem Vorgänger Jiang loyal sind - darunter auch der designierte Hu-Nachfolger Xi. Diese Gruppe dürfte laut „NYT“ derzeit Oberhand haben, während Hu aufgrund seiner Regierungszeit in die Defensive geraten sei.

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