KV-Verhandlungen für den Handel begonnen

Am Nachmittag sind heute die Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 530.000 Handelsbeschäftigten (Angestellte und Lehrlinge) in die erste Runde gegangen. Gewerkschaftschefverhandler Franz Georg Brantner machte im Vorfeld einmal mehr klar, dass für die Beschäftigen eine „kräftige reale Gehaltserhöhung deutlich über der Inflationsrate“ herausschauen muss. Eine Prozentzahl nannte er jedoch nicht. „Die Zahlen verraten wir den Arbeitgebern“, sagte sein Koverhandler Manfred Wolf von der GPA-djp.

Metallereinigung auf 3,0 bis 3,4 Prozent

Für die Bewertung des Gehaltsabschlusses wird die Inflationsrate von Oktober 2011 bis September 2012 herangezogen. Die Arbeitgeber gehen hier von 2,65 Prozent aus. GPA-Vizechef Karl Proyer hatte vor kurzem gesagt, dass die Erhöhung zumindest um einen Prozentpunkt über der Inflationsrate liegen müsse, damit den Menschen netto real etwas bleibe.

Das würde bedeuten, dass der Abschluss bei 3,65 Prozent liegen müsste - damit wäre er höher als bei den Metallern, die sich vergangene Woche auf ein Lohnplus von 3,0 bis 3,4 Prozent einigten. Traditionell schließt der Handel aber unter den Metallern ab.

Keine Niedriglohnbranche

Den Arbeitgebern kostet jeder Prozentpunkt 170 Mio. Euro. „60 Prozent unserer Unternehmen schreiben negative Ergebnisse“, sagte Arbeitgeber-Chefverhandler Peter Buchmüller. „Wir wollen ein tragbares Ergebnis für beide Teile.“ Welcher Prozentsatz aus Sicht der Arbeitgeber tragbar ist, sagte er nicht.

Für seinen Koverhandler Rene Tritscher ist es in jedem Fall „nicht zielführend, die Branche vor dem Start der Verhandlungen schlecht zu reden“. „Die Gewerkschaft schadet den Betrieben und Mitarbeitern, wenn sie von einer Niedriglohnbranche spricht“, so Tritscher.

Die Gewerkschaft hatte sich im Vorfeld auf eine IFES-Umfrage berufen, wonach das Brutto-Durchschnittsgehalt für Vollzeitbeschäftigte im Handel monatlich um rund 380 Euro niedriger ist als das Durchschnittsgehalt von Angestellten anderer Branchen. Ziel der diesjährigen Verhandlungen soll es sein, diesen Unterschied kleiner zu machen.