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Ruf nach strengeren Regeln

In der relativ emotional geführten Debatte über Spekulation mit Lebensmitteln bzw. Agrarrohstoffen sind Banken ins Kreuzfeuer heftiger Kritik geraten. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) werfen ihnen vor, zumindest indirekt die Preise hochzutreiben und damit auch am Hunger in der „Dritten Welt“ Mitschuld zu tragen. Mitunter strichen Banken Produkte aus ihren Portfolios.

In Deutschland waren es das größte Kreditinstitut, die Deutsche Bank und der Versicherungskonzern Allianz, die als „Hungermacher“ am Pranger standen. In Österreich traf die Kritik praktisch alle Großbanken von Raiffeisen über die UniCredit bis zur Erste Group.

Die globalisierungskritische NGO Attac, Global 2000 und Friends of the Earth Europe (FoE) warfen etwa der Raiffeisen-Gruppe vor, an Spekulationsgeschäften mit Nahrungsmitteln und Projekten, die zu Land Grabbing (dem Ausverkauf von Land unter oft fragwürdigen Bedingungen, Anm.) beitragen, beteiligt zu sein. Entgegen anderslautender Ankündigungen habe sich Raiffeisen nicht aus solchen Geschäften zurückgezogen, hieß es von Friends of the Earth.

Besonders OTC-Handel ist NGOs suspekt

Die NGOs führten eine Reihe von Derivateprodukten aus dem Sektor Soft Commoditys (Agrar- und andere nachwachsende Rohstoffe, Anm.) an, die aus ihrer Sicht äußerst problematisch - weil ein „entscheidender Preistreiber bei Nahrungsmitteln“ - zu sehen sind.

Die zuletzt im Ausschuss Wirtschaft und Währung (ECON) des Europäischen Parlaments abgestimmte Richtlinie zur Regulierung von Wertpapiermärkten (MiFID) kritisieren die NGOs als unzureichend. Insbesondere der außerbörsliche Handel („over the counter“, OTC) und der ohne Bezug zum tatsächlichen (physischen) Rohstoffgeschäft ist ihnen ein Dorn im Auge.

Raiffeisen weist Vorwürfe zurück

Die heftig kritisierte Raiffeisen-Gruppe wies alle Vorwürfe als unbegründet zurück. Man biete mit einem entsprechenden Rohstofffonds kein spekulatives, sondern ein langfristiges Investment an, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Der Anteil dieses Fonds mache überdies nur rund 0,11 Prozent aller Assets under Management aus. Lediglich „in verschwindend geringem Ausmaß“ habe die Raiffeisen Centrobank (RCB) Produkte auf den Markt gebracht, die unter anderem auch der Absicherung von Agrarrohstoffpreisen dienten und die deshalb auf Futures (Terminkontrakten, Anm.) von Soft Commoditys basierten. Zu Unternehmen, die etwa in Landraub involviert seien, habe die RZB-Gruppe keinerlei Kundenbeziehungen.

Banken durchforsten Portfolios

In Deutschland hatte sich die Allianz-Gruppe seitens der Entwicklungsorganisation Oxfam Vorwürfe gefallen lassen müssen, zu den „Hungermachern“ zu gehören. Der Finanzdienstleistungs- und Versicherungskonzern spekuliere wie kaum ein Zweiter im Land mit agrarischen Rohstoffen, hieß es damals.

Zuvor hatte bereits zuvor im März die Deutsche Bank angesichts ähnlich gelagerter Kritik „Besserung“ gelobt und angekündigt, „in diesem Jahr keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf Basis von Grundnahrungsmitteln“ aufzulegen. Im August folgte laut der Bank der endgültige Schritt, weitere deutsche Finanzinstitute wie die Commerzbank, folgten dem Beispiel.

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