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Katalog von Ausschlusskriterien

In Österreich zeigt sich ein relativ deutlicher Trend in Richtung Gewinn mit Gewissen. Anlageformen mit dem Etikett „ethisch“ bzw. „nachhaltig“ erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, wie Zahlen der Interessenvertretung Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) von Ende September zeigen. Ethikinvestments schließen Sektoren wie etwa Waffenhandel und Atomkraft aus.

Im Vorjahr stiegen die entsprechenden Anlagevolumina laut FNG um 62 Prozent auf insgesamt 4,8 Milliarden Euro. Bereits 2009 und 2010 hatte es Rekordzuwächse gegeben. Der Positivtrend ist in Österreich stärker als in Deutschland und der Schweiz. Mit Blick auf den Gesamtmarkt ist der Anteil allerdings noch fast verschwindend klein.

Dennoch: Der Interessenverband geht mittelfristig von weiteren kräftigen Zuwächsen aus. „Die neuen Daten spiegeln eine Dynamik auf dem Markt wider, wie sie in den vergangenen Jahren zu spüren war und auch weiterhin zu spüren ist“, sagte der stellvertretende FNG-Vorstandsvorsitzende und Leiter des FNG Österreich, Wolfgang Pinner, anlässlich der Veröffentlichung der Zahlen für 2011. „Die im Rahmen der Studie befragten Finanzdienstleister rechnen in den nächsten drei Jahren mit einem Wachstum von 63 Prozent.“

Noch sehr kleiner Anteil

Der Anteil ethischer Investments macht in Österreich mit 3,2 Prozent bisher einen sehr kleinen Anteil aus - dennoch: Die Tendenz ist stark steigend.

Auf Publikumsfonds (offene, Anm.) und Mandate (Vermögensverwaltung, Anm.) entfiel im Vorjahr ein Volumen von 4,29 Mrd. Euro. Damit erhöhte sich der Anteil am österreichischen Investmentfondsgesamtmarkt von 1,7 auf 3,2 Prozent - wobei Letzterer laut FNG im selben Zeitraum von 145,3 auf 134,6 Mrd. Euro (oder um 7,36 Prozent) schrumpfte.

Atomkraft, Waffen, Umweltsünden als „No-Gos“

Zentrale Ausschlusskriterien bzw. für das FNG „negative Anlagekriterien“ für ethische Investments, oft auch als sozial verantwortliche Investments (engl. socially responsible investment, SRI, Anm.) genannt, umfassen ein relativ breites Spektrum: Sie reichen von Kernenergie, Agrochemie, Genmanipulation, Rüstung, Alkohol und Tabak, Pornografie und Glücksspiel über Verstöße gegen Artenschutzabkommen, Waffensperrverträge, die Genfer Konvention, Menschen- und demokratische Grundrechte bis hin zu solchen gegen Regeln der ethischen Unternehmensführung. Positive Kriterien sind dagegen Umweltschutz, nachhaltige Ressourcennutzung, Transparenz.

Kombiniert werden die Kriterien mitunter noch mit anderen Anlagestrategien wie etwa Best-in-Class (höchste Standards im Branchenvergleich, Anm.) und Impact Investment (sozialer und ökologischer Nutzen, Anm.) und anderen. Auch diese einzelnen Strategien erfreuen sich laut Daten des europäischen Dachverbandes für Nachhaltige Geldanlagen (European Forum for Sustainable Investment, EUROSIF) zunehmender Popularität. Teilweise betrugen die Zuwachsraten zwischen 2009 und 2011 mehr als 90 Prozent.

Impact Investment: Sozialer Nutzen als Ziel

Der Markt für Impact Investment wurde in der Anfang Oktober in Brüssel veröffentlichten EUROSIF-Erhebung zum ersten Mal berücksichtigt. Das europaweite Volumen des Anlagenmarktes, der „messbar“ Umwelt und Gesellschaft positiv beeinflussen will, beläuft sich auf schätzungsweise 8,75 Mrd. Euro. Europaweit weist EUROSIF als Triebfeder das Interesse institutioneller Investoren aus. Diese repräsentierten derzeit einen Marktanteil von 94 Prozent, hieß es in einer Aussendung des FNG.

Mit dem Verdacht, der Fokus auf das Verhalten von Investoren und der Finanzmärkte" sei wahrscheinlich der Grund für diesen Trend, liegt der Interessenverband ziemlich sicher nicht daneben. Das Thema Ethik und Finanzmarkt spielt spätestens seit 2008 eine Rolle wie kaum zuvor. Verdienen wollen Investoren weiterhin, manche schlafen offenbar mit ruhigem Gewissen besser.

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