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Kann nicht berufen

Hartes Urteil für den österreichischen Arzt Eugen Adelsmayr in Dubai: Der Anästhesist und Intensivmediziner ist am Sonntag in einem Mordprozess in Abwesenheit zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Sein Mitangeklagter, ein indischer Arzt, wurde freigesprochen, wie Adelsmayr selbst mitteilte.

Dem Arzt und seinem Mitangeklagten war vorgeworfen worden, im Jänner 2009 im Rashid Hospital in Dubai bei einem Patienten mit hoher Querschnittläsion durch Unterlassung der Hilfeleistung sowie Morphin dessen Tod herbeigeführt zu haben. „Das Urteil ist natürlich eine sehr schwere Belastung, so eine Farce“, sagte der gebürtige Oberösterreicher (53), der jetzt an einer Salzburger Privatklinik arbeitet.

Das Ergreifen von Rechtsmitteln aus dem Ausland ist nicht möglich. Die Staatsanwaltschaft in Dubai kann noch gegen das Urteil berufen. Sie hatte ursprünglich die Todesstrafe verlangt. Welche Konsequenzen die Verurteilung haben wird, ist daher noch unklar. „Im schlimmsten Fall lande ich auf einer internationalen Fahndungsliste, und meine Reisetätigkeit wird eingeschränkt“, so Adelsmayr noch vor der Urteilsverkündung.

Ehefrau starb während Prozesses

Der 53-jährige Oberösterreicher und ein indischer Kollege waren angeklagt, für den Tod eines Patienten im Februar 2009 durch unterlassene Hilfeleistung und eine hohe Dosis Opiate verantwortlich zu sein.

Vor mittlerweile 15 Monaten, am 17. Juli 2011, war der Prozess gegen den Bad Ischler eröffnet worden. Ende Dezember 2011 war der 53-Jährige das bisher letzte Mal in Dubai, um der Verhandlung beizuwohnen. Im Jänner 2012 musste er einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Seine Frau verstarb im 57. Lebensjahr.

Gericht ignorierte Gutachten

Zwei Gutachten haben Adelsmayr entlastet - eines der österreichischen Ärztekammer und eines von der höchsten medizinischen Kontrollinstanz der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Ein drittes Gutachten, ein englischer Expertenbericht des staatlichen Krankenhausträgers Dubai Health Authority, wurde bei der Übersetzung ins Arabische stark manipuliert. Die Anklage fußte auf der arabischen Version.

Adelsmayr zeigte sich im ORF-Interview enttäuscht und meinte wörtlich: „Es fällt mir relativ schwer, diese Sachen ernsthaft zu kommentieren. Der Mitangeklagte, also der mutmaßlich Ausführende meiner Anweisung, wurde freigesprochen, und ich bekomme lebenslang. Der Richter ist hier offensichtlich vollinhaltlich dem gefälschten Gutachten gefolgt und hat die beiden mich entlastenden Gutachten ignoriert.“ Ihn ärgere besonders, dass die Zeugen mit ihren „Lügen davongekommen“ seien. Adelsmayr vermutet, dass Ärztekollegen ihn aus Rache beschuldigten und damit die jahrelange Causa ins Rollen brachten. Der Österreicher will aber den Kampf für seine Rehabilitierung nicht aufgeben - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

„Würde ich mir nicht mehr antun“

Unterdessen hat der Bad Ischler ein Buch über seine Zeit in den VAE geschrieben. „Von einem, der auszog“ ist seit 27. September im Handel erhältlich, mittlerweile wird bereits die dritte Auflage gedruckt. „Weil ich vor Gericht völlig machtlos bin, war meine Wahl der Waffen das geschriebene Wort“, sagte Adelsmayr. Allerdings führte das Niederschreiben seiner Geschichte nicht zu jenem Abschluss, den er erhofft hatte. „Es geht nur auf einer anderen Ebene weiter.“

Seit März 2012 arbeitet der 53-Jährige als selbstständiger Anästhesist in einer Salzburger Privatklinik. Beruflich wieder ins Ausland zu gehen kann sich der Bad Ischler vorstellen - allerdings nicht mehr in den arabischen Raum. Das sei emotional zu belastend, „ich glaube das würde ich mir nicht mehr antun“.

Immer wieder westliche Justizopfer

Adelsmayr ist übrigens kein Einzelfall: Zahlreiche westliche Expatriots, die zum Arbeiten oder als Touristen in die Vereinigten Arabischen Emiraten reisten, wurden bereits Opfer der dortigen Justiz, wie Radha Stirling, Gründerin der Londoner Nichtregierungsorganisation Detained in Dubai (Verhaftet in Dubai) gegenüber der deutschen Zeitung „Die Welt“ bereits vor Monaten bestätigte: Die Organsiation werde von zahlreichne Ausländern kontaktiert, die sich von der Justiz schlecht behandelt oder zu Unrecht verurteilt fühlten. Die Betroffenen würden dabei über ähnliche Probleme wie Adelsmayr klagen, also mangelhafte Beweisführung und dass Gerichte fragwürdige Beweise, Geständnisse oder Zeugenaussagen akzeptieren.

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