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„Ich bin kein Verbrecher“

Mit schweren Vorwürfen der Finanzmarktaufsicht (FMA) sieht sich derzeit der Chef der Handelskette Gea, Heinrich Staudinger, konfrontiert. Die FMA sieht in von Staudinger seit zehn Jahren betriebenen alternativen Finanzierungsmodellen einen „ernsthaften Verstoß“ gegen das Bankwesengesetz.

Dabei gründete der Produzent der Waldviertler-Schuhe bereits vor rund zehn Jahren eine Art „Sparverein“, nachdem ihm von den Banken der Kreditrahmen gekürzt worden war. Mit dem von privater Seite geliehenen Geld baute er zuletzt auch in Krisenzeiten seinen Betrieb im Waldviertel kräftig aus.

„Geht nicht um Peanuts“

Am Freitag machte FMA-Sprecher Klaus Grubelnik aber deutlich, dass es in der Causa „nicht um Peanuts“, sondern um drei Millionen Euro gehe. Aus Sicht der Behörde betreibt Staudinger Bankgeschäfte ohne Konzession, weswegen auch schon ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde.

Die Strafandrohung bei Verstößen gegen das Bankwesengesetz liegt bei bis zu 100.000 Euro - je nach Schwere der Tat und der Vorsätzlichkeit. „Man kann solche Finanzierungen auch gesetzeskonform machen - beispielsweise eine genossenschaftliche Lösung“, so Grubelnik. Kredit- und Einlagengeschäfte bedürften eines besonderen Schutzes. Wenn sich Staudinger mit dem geborgten Geld absetzt, wären die Republik Österreich bzw. die Mitarbeiter der FMA als Aufsichtsbehörde haftbar.

„Stehen an Spitze einer Bürgerrechtsbewegung“

Staudinger selbst hofft auf Hilfe aus der Politik und auf eine Gesetzesänderung, die seine Finanzierungen in einen wasserdichten, gesetzeskonformen Rahmen gießt. „Seit gestern haben wir über 1.000 E-Mails erhalten“, sagte er am Freitag im Gespräch mit der APA. „Wir stehen an der Spitze einer Bürgerrechtsbewegung.“ In den Zuschriften manifestierten sich auch handfeste Unterstützungserklärungen - von Rechtsanwälten, Nationalratsabgeordneten und selbst von ehemaligen hochrangigen Mitarbeitern der Wiener Börse.

„Die Republik soll aufhören, mich zu verfolgen, sondern eine Gesetzesänderung in Gang bringen und mich auf ein Stockerl stellen dafür, dass ich im Waldviertel investiere, erfolgreich wirtschafte und über 100 Arbeitsplätze in der Krisenregion geschaffen habe“, forderte Staudinger, der in Österreich unter anderem als einer der letzten Ausbildner im Schuhmachergewerbe gilt.

Frist verstrichen

Die drei Millionen privat aufgetriebenen Euro hätte Staudinger auf Anordnung der FMA bis 1. Oktober an seine Finanziers zurückzahlen sollen. Diese Frist ließ der Unternehmer allerdings verstreichen. Die Aufseher hätten zuletzt am Donnerstag versucht, Staudinger über seinen Steuerberater dazu zu bewegen, um eine Fristverlängerung anzusuchen. „Das kommt für mich nicht infrage“, so Staudinger.

„Ich bin kein Verbrecher, kein Betrüger und habe niemanden um einen Groschen betrogen“, ärgert sich der Geschäftsmann. Seine Geldgeber bekämen seit Jahren jeden Dezember vier Prozent Zinsen mit einem Begleitschreiben über den aktuellen Geschäftsverlauf. Der Unternehmer schreibt den Angaben zufolge Gewinne und beschäftigt rund 130 Mitarbeiter im niederösterreichischen Schrems und etwa 60 Arbeitnehmer in den 13 selbst geführten Gea-Geschäften - insgesamt gibt es 35 Filialen.

„Lösung auf dem Tisch“ gefordert

Je mehr die Systeme wankten, umso mehr müsse es Bürgerrecht sein, sich selbst zu organisieren. „Ich mache das seit über zehn Jahren“, so der Geschäftsmann. Er wolle „keine Lösung unter dem Tisch, sondern auf dem Tisch“ - und die müsse dann auch für diverse Photovoltaikclubs und Windräderinitiativen gelten.

Seine erste Vorladung bei der FMA zur Klärung des Sachverhaltes absolvierte Staudinger bereits im Februar, die nächste am 23. August. „Ich war schockiert von der Atmosphäre, vom Tonfall mir gegenüber.“ Im Februar soll angeblich weiterverhandelt werden.

„Mir wird laufend Geld angeboten“

Insgesamt betreibt Staudinger derzeit zwei Finanzierungsmodelle: Über den Gea-„Sparverein“ sammelte er bereits insgesamt knapp drei Mio. Euro an Einlagen ein, die ihm 200 Personen liehen. Dabei gebe es Spielregeln: Die Mindesteinlage beträgt 3.000 Euro. Der Maximaleinsatz lag anfangs bei 50.000 Euro. „Das entsprach unserem damaligen Wochenumsatz, der aber inzwischen auf über 200.000 Euro angestiegen ist - deshalb haben wir die Maximaleinlage auf 100.000 Euro erhöht.“ Im Schnitt beliefen sich die Einlagen auf 15.000 Euro. „Mir wird laufend noch mehr Geld angeboten, aber derzeit brauche ich es nicht.“

Mit der zweiten Variante kam der Unternehmer auf über 990.000 Euro von mehr als 2.500 Personen. Für jeweils 200 Euro erhielt jeder „Anleger“ Warengutscheine um insgesamt 330 Euro, die innerhalb von zehn Jahren in 30-Euro-Tranchen ausgezahlt werden. Einen ersten Gutschein gab es gleich zum Start. Damit wurde laut Staudinger eine Photovoltaikanlage gebaut, „die mittlerweile doppelt so viel Energie liefert, wie wir für unseren Betrieb brauchen“.

Auf der Gea-Website wird der mit der FMA ausgetragene Clinch in einer eigenen Rubrik dokumentiert. Darin stellt Staudinger etwa fest, dass Transparenz ein sinnvolles Werkzeug sei, das „aber auch für Banken gelten“ sollte.

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