Akten über Missbrauch bei US-Pfadfindern veröffentlicht

Tausende vertrauliche Akten über Vorwürfe sexuellen Missbrauchs bei den US-Pfadfindern sind gestern veröffentlicht worden. Mit Erlaubnis des Obersten Gerichts im US-Staat Oregon haben Anwälte von Missbrauchsopfern die Dokumente offengelegt. Darin seien mehr als tausend Betreuer und Helfer der Jugendorganisation Boy Scouts aufgeführt, die in den Jahren 1965 bis 1985 wegen Missbrauchsvorwürfen von der Gruppe ausgeschlossen worden waren, berichtete der US-Sender CNN.

Die Pfadfinder-Organisation hatte nach Angaben von US-Anwalt Kelly Clark die zahlreichen Vorwürfe von Belästigungen und Kindesmissbrauch in ihren Akten dokumentiert, sich aber ursprünglich gegen deren Freigabe gewehrt. Clark vertritt über 100 erwachsene Männer, die einst den Pfadfindern angehörten und ihren Betreuern Missbrauch vorwerfen.

2010 erwirkte Clark mit einer Klage gegen die Boy Scouts vor einem Gericht in Portland (Oregon) eine Millionenentschädigung für einen ehemaligen Pfadfinder. Das Opfer war im Alter von elf Jahren von seinem Betreuer sexuell missbraucht worden. Die Anwälte argumentierten damals, dass die Organisation von den Übergriffen wusste. Der Mann sei zwar als Betreuer abgesetzt worden, habe jedoch als freiwilliger Helfer bei den Boy Scouts bleiben dürfen.