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Bond und sein Kindheitstrauma

Daniel Craig muss als James Bond diesmal nicht die Welt retten - dafür aber sich selbst, seine Chefin „M“ und eine ganze Menge MI6-Agenten. Denn der von Javier Bardem gespielte Bösewicht ist drauf und dran, mit geklauten Daten zahlreiche verdeckte Ermittler zu enttarnen.

Aber die eigentliche Handlung innerhalb der Handlung ist die Aussöhnung Bonds mit seiner Vergangenheit - und zwar in zweierlei Hinsicht. Einmal ist damit die Filmfigur gemeint, von der man erfährt, warum sie eine coole Killermaschine (wenn auch im Dienst der guten Sache) werden konnte: Wenig überraschend handelt es sich dabei um ein Kindheitstrauma - umso überraschender aber, dass es den Zusehern verraten und dadurch das Phänomen Bond noch ein wenig mehr enträtselt wird. Dass seine große Liebe getötet worden war, weiß man ja schon von den letzten Filmen.

Szene aus dem neuen James Bond "Skyfall", James Bond steht vor einem alten Aston Martin

2012 Sony Pictures Releasing GmbH

James Bond und sein Aston Martin

Auch auf einer zweiten Ebene wirft man die Strategie über Bord, mit den alten Zeiten zu hadern: Bond darf wieder ironisch sein, Mastermind „M“ und Techniknerd „Q“ auf den Arm nehmen - und sogar mit seinem alten Aston Martin fahren. Den mottet Bond aus, weil er offenbar das einzige Gefährt in Griffweite ist, das der Bösewicht mit elektronischen Mitteln nicht orten kann. Selbst der alte Schleudersitz und die ausfahrbaren Maschinengewehre sind noch eingebaut - sie kommen selbstredend zum Einsatz.

So viel Action muss sein

Action spielt auch in diesem James Bond eine große Rolle. Begonnen wird wie stets mit einer Verfolgungsjagd. In Istanbul rast 007 auf der Maschine einem Lakaien des Bösen hinterher, der den Datensatz mit Informationen über sämtliche verdeckte Ermittler des MI6 enthält. Die beiden fahren in schwindelerregendem Tempo über die in ebensolcher Höhe liegenden Dächer der Stadt, Treppenaufgänge hinauf und hinunter, bereits zuvor hatte man in Autos die Marktstände der Stadt aufgemischt. Wie viele solcher Stände in der Filmgeschichte wohl bereits zu Bruch gingen?

Bond als trinkender Hobo am Strand

Aber nicht nur „Breakaways“, wie solche Requisiten genannt werden, auch die Figuren im Film bekommen einiges ab. „M“ kommt wegen der verschwundenen Datensätze ins Kreuzfeuer der Kritik und aus Gründen, die hier nicht verraten werden sollen, auch ins tatsächliche Kreuzfeuer der Bösewichte. Deren Anführer, den Bardem so witzig, irre und dennoch auf seine verschrobene Art ernst zu nehmend spielt, dass er den Vergleich mit prominenten Vorgängern nicht zu scheuen braucht, wird ebenfalls nicht schonend behandelt.

Natürlich muss besonders Bond selbst wieder ordentlich körperlich und seelisch leiden - zumindest das hat man von den letzten beiden Filmen der Reihe beibehalten. Gleich am Anfang, deshalb darf es hier verraten werden, wird er von einer Agentin aus Versehen angeschossen und für tot gehalten. Sein vermeintliches Ableben nutzt Bond nicht, wie man erwartet hätte, um noch geheimer als sonst ermitteln zu können, sondern er lebt am Strand, säuft die Strandbar leer und frönt fröhlich Lust und Liebe.

Bond, die alte Schlampe

Überhaupt: Bond ist und bleibt eine alte Schlampe. Während er sich zuletzt ernsthaft verlieben hatte dürfen, bestäubt er diesmal wie in seinen besten Zeiten da und dort ein Blümchen, schäkert, flirtet und legt flach, was bis drei nicht auf dem Baum ist. Die Figur wird als gnadenloser Macho dargestellt, Gleichberechtigung spielt hier scheinbar keine Rolle - und alle Beteiligten scheinen beglückt zu sein, zumindest auf der Leinwand.

Szene aus dem neuen James Bond "Skyfall"

2012 Sony Pictures Releasing GmbH

Ein Nerd der jüngsten Generation wird Bonds neuer „Q“

Weniger glücklich ist Bond zunächst mit seinem neuen „Q“. Der wird von Ben Whishaw humorvoll und glaubhaft als Nerd der jüngeren Generation verkörpert. Er muss 007 erst davon überzeugen, dass er mit Hacken ebenso viel Schaden anrichten kann wie Bond mit seiner Walther PPK. Gadgets hat er hingegen nicht zu verteilen, worüber Bond sich seufzend beschwert.

TV-Hinweis

„Kultur.montag“ beschäftigt sich am Montag um 23.10 Uhr in ORF2 ebenfalls mit dem Phänomen James Bond.

Vergessene Gewohnheit wiederbelebt

Da ging es den Journalisten bei der von Sony organisierten Pressevorführung von „Skyfall“ besser - sie bekamen als (wohl nicht ganz ernst gemeinte) Bestechung von der Firma Omega einen flotten Bond-Kuli und ein ebensolches Notizheft geschenkt. So ist es eben, wenn man zurück in die Vergangenheit reist. Ein ebenfalls anwesender älterer Kollege erzählt, früher habe es bei Pressevorführungen von Filmen oft Geschenke gegeben, mitunter sogar eine Uhr. Wie auch immer - bei diesem Bond hätte es gar keine Bestechung gebraucht; ehrlich nicht.

Simon Hadler, ORF.at

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