Spanien bald unter Rettungsschirm? Neue Spekulationen

Spanien wird nach Einschätzung von Diplomaten womöglich schon binnen einer Woche einen Hilfsantrag an den neuen Euro-Rettungsfonds ESM stellen. „Die Dinge entwickeln sich“, sagte ein europäischer Diplomat gestern laut AFP zu Spekulationen über einen spanischen Hilfsantrag.

Demnach könnte Spanien von einer kombinierten Hilfe des ESM und der Europäischen Zentralbank (EZB) profitieren, die ihre Bereitschaft erklärt hatte, auf dem Sekundärmarkt unbegrenzt Staatsschuldtitel von Krisenländern aufzukaufen.

Der Diplomat war sich „nicht sicher“, ob Spanien bereits zum EU-Gipfel in Brüssel einen Hilfsantrag stellt. Bei dem Gipfel könnten aber die Bedingungen für eine Hilfe für das überschuldete Land geklärt werden.

„Die Spanier werden nur Hilfe beantragen, wenn sie sicher sind, was auf sie zukommt“, fügte er hinzu. Der Hilfsantrag könnte demnach nächste Woche gestellt werden, jedenfalls rasch nach dem EU-Gipfel. Dann könnte auch „ein Paket mit Griechenland“ geschnürt werden, das sein Hilfsprogramm bis Mitte November neu verhandeln muss.

Spanier schaffen Geld in die Schweiz

Immer mehr Spanier bringen ihre Ersparnisse in der Schweiz in Sicherheit. Die spanischen Kunden vertrauten den Banken in ihrer krisengeschüttelten Heimat nicht mehr und hätten sich deshalb entschieden, ihr Geld in die Schweiz zu bringen, sagte der Präsident des Genfer Bankenverbandes, Bernard Droux.

Bei den 80 Banken in der zweitgrößten Schweizer Stadt seien in den vergangenen Monaten viele neue Konten eröffnet worden, ergänzte er, ohne genaue Angaben zu machen. Das Geld sei aber versteuert gewesen.

Berlin und Paris auf Kollisionskurs

Einen Tag vor Beginn des EU-Gipfels ist in Frankreich und Deutschland unterdessen mehr Streitlust als Reformwille zu spüren. Die beiden Länder sind in zwei zentralen Fragen auf Kollisionskurs: Euro-Bonds und gemeinsame Bankenaufsicht. Beide Punkte sind für Berlin tabu, wie am Dienstag ein weiteres Mal unmissverständlich klargestellt wurde. Frankreich hingegen pocht auf die Instrumente, um die EU aus der Euro-Krise zu führen.

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