Falsche Besucher wollten zu Taliban-Opfer Malala ins Spital

Nach der Ankunft einer von Taliban schwer verletzten 14-Jährigen aus Pakistan in einem Krankenhaus im englischen Birmingham haben mehrere Leute unter falschen Vorgaben versucht, zu dem Mädchen zu gelangen. Die Polizei habe mehrere falsche Besucher festgenommen, die behauptet hätten, zur Familie von Malala Yousafzai zu gehören, hieß es gestern aus dem Krankenhaus.

„Wir glauben nicht, dass ihre persönliche Sicherheit gefährdet ist“, sagte der medizinische Direktor Dave Rosser. Niemand sei bis in das Krankenhaus gelangt. Nach den ersten Ermittlungen handelt es sich bei den angeblichen Angehörigen, die zum Krankenbett vorzudringen versuchten, um „Neugierige“, sagte der Oberarzt. Die Polizei sprach von „Verehrern“.

Die 14-Jährige hatte sich trotz Drohungen von Extremisten seit Jahren für die Bildung von Mädchen eingesetzt. Taliban-Kämpfer im Swat-Tal hatten ihr gezielt in den Kopf geschossen. Der Anschlag hatte in Pakistan und international Entsetzen ausgelöst. Gestern war das Mädchen aus Pakistan zur weiteren Behandlung in das Spezialkrankenhaus nach Birmingham geflogen worden.

Pakistan setzt Kopfgeld aus

Nach dem Anschlag setzte die pakistanische Regierung nun umgerechnet rund 800.000 Euro Kopfgeld auf den Sprecher der heimischen Taliban aus. Innenminister Rehman Malik verkündete die Belohnung in Höhe von 100 Millionen Rupien für die Ergreifung des Sprechers der pakistanischen Taliban (TTP), Ehsanullah Ehsan, bei einem Besuch im Swat-Tal.

Malik kündigte außerdem an, Malala werde mit der Ehrung „Sitara-i-Shujaat“ ausgezeichnet. Diese „Medaille des Mutes“ ist gewöhnlich Soldaten und Polizisten vorbehalten, die besondere Tapferkeit bewiesen haben.

Taliban: 14-jährige Kritikerin verdient den Tod

Die pakistanischen Taliban verteidigten ihren Angriff auf Yousufzai. Sie sei eine Spionin des Westens. „Der Islam befiehlt den Tod für Spione des Feindes.“ Man habe sie ins Visier genommen, „weil sie sich gegen die Taliban aussprach, während sie mit schamlosen Fremden saß und den größten Feind des Islam, (US-Präsident) Barack Obama, verherrlichte“.

Yousufzai sei nicht angegriffen worden, weil sie sich für Bildung eingesetzt habe, hieß es weiter, sondern weil sie sich den Gotteskämpfern und ihrem Krieg entgegengestellt habe. „Die Scharia sagt, dass selbst ein Kind getötet werden kann, wenn es sich gegen den Islam wendet.“