Streit über Produktionskürzung bei Mercedes-Benz eskaliert

Der Streit zwischen Daimler und dem Betriebsrat um die Kürzung der Pkw-Produktion bei Mercedes-Benz eskaliert. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm drohte dem Unternehmen gestern mit einer Blockade der geplanten Drosselung der Montage im größten Werk Sindelfingen.

Er forderte das Unternehmen auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Voraussetzung für eine Lösung des Konflikts ist, dass die Kündigung einer Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit zurückgenommen wird“, sagte der Gewerkschafter.

Betriebsvereinbarung gekündigt

Werkleitung und Beschäftigte in Sindelfingen liegen im Clinch: Denn wegen des im kommenden Jahr anstehenden Modellwechsels beim Flaggschiff S-Klasse soll die Produktion in den kommenden Monaten auf eine Schicht verringert werden, um weniger Autos vom Band rollen zu lassen. Die rund 2.500 betroffenen Beschäftigten in der S-Klasse-Fertigung verlangen den seit Jahren bei Modellwechseln üblichen Wechsel von Früh- und Spätschicht, die Werkleitung will dagegen künftig nur noch in Frühschicht fertigen lassen.

Um diese Forderung durchzusetzen, hat Daimler eine Betriebsvereinbarung gekündigt und das Arbeitsgericht angerufen. Betriebsratschef Klemm sagte, vor Ende des Monats sei nicht mit einer gerichtlichen Entscheidung zu rechnen. Die Kündigung der Betriebsvereinbarung sei ohnehin frühestens Anfang 2013 wirksam. Statt Freischichten zu nehmen, könnten die Mitarbeiter daher ihre Arbeit wie gewohnt anbieten, die das Unternehmen bezahlen müsse. Ein Daimler-Sprecher konterte, es werde kein Auto mehr gebaut, als verkauft werde. Die gekündigte Betriebsvereinbarung wirke nach.

Kleinkrieg um Bezahlung möglich

Die „Drohung des Betriebsrats mit Arbeit“ sei zum jetzigen Zeitpunkt fehl am Platz, schrieb der Leiter des Werks Sindelfingen, Willi Reiss, an die Beschäftigten. Damit könnte es in den kommenden Wochen und Monaten zu einem Kleinkrieg um die Bezahlung der Beschäftigten und die Arbeitszeitkonten kommen. Im Schnitt liegen die Konten der Beschäftigten in der S-Klasse derzeit bei minus 100 Stunden, die noch nachgearbeitet werden müssen. Erst mit dem Modellwechsel im kommenden Frühjahr werden jedoch wieder Überstunden im großen Stil anfallen, Überstundenzuschläge will Daimler dann aber nicht zahlen.