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Einer der meistgesuchten Kriminellen

Nach 20 Jahren ist die Flucht eines prominenten Bosses der ’Ndrangheta zu Ende. Der 56-jährige Domenico Condello, der zu den 30 meistgesuchten italienischen Kriminellen zählte, wurde in der kalabrischen Ortschaft Rosali, einem Vorort der Provinzhauptstadt Reggio Calabria, verhaftet, teilte das italienische Innenministerium am Donnerstag mit.

„Die Verhaftung Condellos ist ein weiterer Erfolg im Kampf gegen die ’Ndrangheta und ein Beweis für die Schlagkraft von Polizei und Justiz, die hervorragende Arbeit machen, um in Kalabrien die Legalität wiederherzustellen“, lobte Innenministerin Annamaria Cancellieri. Condello müsse nun eine lebenslange Haft wegen Mordes verbüßen, zu der er in Abwesenheit verurteilt wurde.

Ein Handy und einige Heiligenbilder

Condello werden laut Medienberichten auch Drogenhandel, Raub, illegaler Waffenbesitz und Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung vorgeworfen. Aufgrund seines weitreichenden Komplizennetzes hatte Condello immer wieder Unterschlupf gefunden. In seinem letzten Quartier wurden laut Nachrichtenagentur ANSA neben einem Handy und Lebensmitteln für mehrere Tage auch einige Heiligenbilder gefunden.

Erst am Mittwoch hatte die italienische Regierung den Rat von Reggio Calabria wegen seiner Nähe zur Mafia aufgelöst - das erste Mal in der Geschichte des Landes war damit eine Provinzhauptstadt von einem solchen Schritt betroffen.

Der letzte Schlag gegen die ’Ndrangheta war der Polizei erst Ende September gelungen. 43 Mafiosi wurden wegen Drogenhandels in mehreren italienischen Regionen verhaftet. Dabei wurden auch Immobilien und Bargeld im Wert von 50 Millionen Euro beschlagnahmt. Ins Visier der Anti-Mafia-Behörden der süditalienischen Stadt Catanzaro gerieten zwei Clans, die in Kalabrien besonders einflussreich sind.

Schlagkräftigster Arm der Mafia

Die kalabrische ’Ndrangheta gilt in Ermittlerkreisen als die derzeit schlagkräftigste der großen italienischen Mafia-Organisation. Nach Einschätzung des italienischen Polizeichefs Antonio Manganelli ist sie weltweit die größte Organisation für Drogenschmuggel.

Die Mafia-Organisation sei längst über die Grenzen Kalabriens hinaus aktiv, sagte Manganelli. In den vergangenen Jahren habe es eine Reihe von polizeilichen Maßnahmen gegen die ’Ndrangheta in Norditalien gegeben. Auch die Hinrichtung von sechs mutmaßlichen Clanmitgliedern im deutschen Duisburg im Jahr 2007 lasse darauf schließen, dass die Organisation auch in Deutschland agiert. Es sei vermutlich die präsenteste Gruppe des organisierten Verbrechens, sagte Manganelli bei einer Pressekonferenz mit dem Generalsekretär von Interpol, General Ronald K. Noble.

Anti-Terror-Gipfel in Rom

Noble bereitet in Rom die Interpol-Generalversammlung vor, die von 5. bis 8. November in der italienischen Hauptstadt stattfindet. Zuvor solle es ein Treffen der Innenminister aus mehr als 100 Ländern geben, bei dem über Sicherheit weltweit und Terrorbekämpfung gesprochen werden solle, sagte Noble. Die drei anderen Mafia-Gruppen neben der ’Ndrangheta sind die Camorra in Neapel, die Cosa Nostra aus Sizilien und die kleinere Sacra Corona Unita aus Apulien.

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