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Konturenarmer, aber effizienter Parteichef

Die SPÖ hat Werner Faymann (52) am Samstag zum dritten Mal zum SPÖ-Chef gekürt - und das ohne Gegenkandidaten. Dabei hat Faymann in der Sozialdemokratie gar nicht so viele Freunde, dafür eben auch nicht so viele Feinde.

Was Kritiker als konturenarm bemängeln, würdigen Weggefährten als politisch geschickt. Tatsache ist: Auch wenn Faymann nicht gerade als Vordenker gilt, sitzt er deutlich fester im Sattel als sein Vorgänger, der betont intellektuelle Alfred Gusenbauer. Vielleicht am treffendsten charakterisierte 2008 Wiens SPÖ-Chef Michael Häupl seinen künftigen Kanzler: „Er wirkt nur so gemütlich. Er ist außerordentlich effizient in der Durchsetzung seiner Interessen.“

Offene Auseinandersetzungen finden nicht statt

Faymann unhöflich zu erleben, ist zumindest in der Öffentlichkeit schwierig. Immer ein, wenngleich ein wenig meckerndes, Lachen auf den Lippen, steuert sich der Kanzler und SPÖ-Chef von Termin zu Termin. Rhetorische Tiefschläge sind von Faymann nicht übermittelt. Der offene Schlagabtausch ist nicht das seine.

Der SPÖ-Chef agiert gerne im Hintergrund - oder lässt agieren von seinem treuesten Weggefährten Josef Ostermayer (SPÖ). Der Staatssekretär, der als Hirn der Partei gilt, muss immer ran, wenn Faymann etwas erreichen oder etwas vermeiden will, so zuletzt einen Auftritt im Untersuchungsausschuss zur Inseratenaffäre, den dann Ostermayer absolvierte.

Dass das Nicht-Erscheinen des Kanzlers so hohe öffentliche Wellen schlagen wird, hat Faymann sichtlich überrascht. Dass Gegenwind auch außerhalb des Boulevards erzeugt werden kann, ist man in der SPÖ nicht so gewohnt, schon gar nicht in der Wiener SPÖ, der Faymann entstammt und der er neben persönlichem Geschick seine Karriere zu verdanken hat.

Früher Karrierestart

Mit 21 erklomm er die Spitze der Wiener SJ, mit gerade einmal 28 war er Geschäftsführer der Wiener Mietervereinigung, einer Machtbastion in der Bundeshauptstadt. Über ein Gemeinderatsmandat schaffte er es in die Stadtregierung, wo er von 1994 an über ein Jahrzehnt den Wohnbau verantwortete, ein Ressort mit bekannt großem Inseratenbudget. Der Boulevard lernte Faymann rasch schätzen.

Eigentlich wurde Faymann immer nachgesagt, sein Traumjob sei der des Wiener Bürgermeisters. Nur sitzt Häupl selbst jetzt noch im Rathaus, da Faymann schon seit vier Jahren Bundeskanzler ist. Gusenbauer holte seinen früheren Weggefährten 2006 in den Bund und machte ihn nicht nur zum Infrastrukturminister, sondern auch gleich zum Regierungskoordinator. Viel falsch machte er weder da noch dort, allenfalls beim ÖBB- und ASFINAG-Inserieren, was derzeit die Justiz klärt. Insofern war es auch angesichts mangelnder Alternativen klar, dass er zu übernehmen hatte, als sich Gusenbauer parteiintern ins Out geredet hatte.

2008 wieder auf Platz eins gehievt

Und Faymann hielt, was sich die Partei von ihm versprochen hatte. Er gewann die 2008er Wahl - zwar gegen Wilhelm Molterer, der alles, nur kein Stimmenfänger war, aber immerhin. Sein betont freundlicher Wahlkampf brachte die SPÖ auf Platz eins, und er verführte Josef Prölls ÖVP dazu, eine neue Große Koalition auf den Weg zu bringen.

Auch wenn das manche zu Beginn bezweifelten, wird die Regierung ihre fünf Jahre zumindest in etwa durchhalten. Pröll ist längst gewichen, Faymann noch immer da und ziemlich gewandelt, auch wenn man das kaum mitbekommen hat. War Faymann zu Beginn seiner Kanzlerschaft noch als EU-„Krone“-Leserbrief-Schreiber verpönt, gibt er heute ganz selbstverständlich den „glühenden Europäer“, zunächst an Angela Merkels Seite, nunmehr an der von Francois Hollande. Hielt Faymann dereinst nicht recht viel von klassenkämpferischen Tönen aus der eigenen Partei, geht ihm das Wort „Vermögenssteuer“ heute ganz flott von den Lippen.

Flexibilität als große Stärke

Diese Flexibilität ist es, die Faymanns politischen Erfolg begründet, andererseits macht sie es auch schwierig, einzuschätzen, was ihm jetzt wirklich wichtig ist und wieso er eigentlich SPÖ-Chef und Kanzler sein will. Denn weder gilt Faymann als Ideologe noch als sonderlich eitel, was sich besonders im Vergleich zu seinem Vorgänger Gusenbauer manifestiert, der sich bevorzugt mit selbst ernannten Intellektuellen und Künstlern umgab und einem hedonistischen Lebensstil frönte.

Von Faymann kennt man solches kaum. Er lebt mit Frau Martina, einer Wiener SPÖ-Gemeinderatspolitikerin, und der jüngeren seiner beiden Töchter in einem unauffälligen kleinen Haus in Liesing, gilt weder als Fan von Kultur noch von Sport, zumindest nicht von passivem. Denn eine der wenigen Sachen, die man über den privaten Faymann weiß, ist, dass er gerne in den Bergen ist, ob zu Fuß oder auf Skiern. Auch das Recht schien ihn zu interessieren, er studierte Jus, freilich eher kurz, und stieg dann ins Taxi um, ehe er die politische Karriereleiter nach oben raste.

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