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Kaum Einfluss in China

Bis zu 5.500 chinesische Regimekritiker sitzen nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen hinter Gittern. Einigen gelang die Ausreise aus der Volksrepublik. Viel Einfluss auf das Geschehen in ihrer Heimat haben sie allerdings nicht.

Viele weisen jedoch häufig auf die schlechte Lage der Menschenrechte in ihrem Heimatland und die zwiespältige Haltung westlicher Politiker - man macht gute Geschäfte mit China - hin. Hier eine kursorische Aufstellung chinesischer Dissidenten im Ausland und ihres Schicksals nach der Flucht.

Wei Jingsheng: Er gilt als Vater der Demokratiebewegung in China und war von 1979 an fast ununterbrochen in Haft. 1997 wurde er in die USA abgeschoben. Im Exil kritisierte Wei mehrfach scharf die Haltung westlicher Politiker gegenüber dem kommunistischen Regime in Peking: „Es ist doch so: China bestimmt die Regeln, und der Westen muss sich daran halten - nicht umgekehrt.“ 2008 wurde Wei zusammen mit weiteren chinesischen Dissidenten von US-Präsident George W. Bush „zu privaten Gesprächen“ im Weißen Haus empfangen.

Rebiya Kadeer: Die Menschenrechtlerin gilt als prominenteste Vertreterin der in der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang lebenden Uiguren. 1999 wegen „Weiterverbreitung von Staatsgeheimnissen“ zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, wurde sie 2005 „wegen gesundheitlicher Probleme“ - aber wohl auch auf Druck der USA - vorzeitig entlassen. Seither lebt sie in den USA und leitet in Washington den Uigurischen Weltkongress. Vehement wehrt sie sich immer wieder gegen den Vorwurf Pekings, die uigurischen Aktivisten seien muslimische Terroristen. In den USA veröffentlichte sie das ins Deutsche übersetzte Buch „Die Himmelsstürmerin: Chinas Staatsfeindin Nr. 1“. Kadeer wurde mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert.

Harry Wu: Der in den USA lebende Wu saß als „konterrevolutionärer Rechtsabweichler“ 19 Jahre ohne Anklage in chinesischen Arbeitslagern. Jetzt leitet er in Washington eine Forschungsstelle über die berüchtigten Laogai-Lager. Er schilderte, dass dort gegen das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit verstoßen und der Tod der Häftlinge durch Folter, Erschöpfung und Unterernährung billigend in Kauf genommen werde.

Liao Yiwu: Der Schriftsteller („Fräulein Hallo und der Bauernkaiser: Chinas Gesellschaft von unten“), dessen Werke in seiner Heimat verboten sind, floh im Juli 2011 aus China und bekam Asyl in Deutschland. Wenige Wochen später erschien dort sein Buch „Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“. Es schildert seine Erlebnisse hinter Gittern. Mehr als zehn Jahre hatte Liao daran gearbeitet, zweimal beschlagnahmten chinesische Behörden das Manuskript.

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