Themenüberblick

Keine Reise zu Werkschau in USA

China macht weiter Druck auf einen seiner bekanntesten Dissidenten. Der Künstler Ai Weiwei darf nicht zur Eröffnung der ersten nordamerikanischen Retrospektive seiner Werke in die USA reisen. Der 55-Jährige darf China nicht verlassen.

Im vergangenen Jahr war Ai für 81 Tage verschwunden. Er war an einem unbekannten Ort festgehalten worden. Schließlich wurde ihm Steuerhinterziehung vorgeworfen. Nachdem ihn die Polizei nach internationalem Protest wieder freigelassen hatte, stand er die meiste Zeit unter Hausarrest. Der Dissident kam unter der Auflage frei, Peking ein Jahr lang nicht zu verlassen. Danach bekam er allerdings seinen Reisepass nicht mehr zurück.

MRT des blutenden Künstlergehirns

Die Ausstellung „Ai Weiwei: According to What?“ im Hirshhorn Museum in Washington beinhaltet Skulpturen, Fotografien, Video- und Audioinstallationen des weltbekannten Künstlers zeigen. Ein Großteil der Ausstellung beschäftigt sich mit dem Erdbeben in Sichuan 2008. Zu sehen sein wird aber etwa auch ein MRT des blutenden Gehirns des Künstlers, das er Misshandlungen durch die Polizei zuschreibt.

Thematisch wird sich die Ausstellung mit den Beziehungen zwischen Kunst, Gesellschaft und dem individuellen Erleben beschäftigen. In einem Statement meinte Ai: „Diese Ausstellung ist eine Möglichkeit, vergangene Werke wieder unter die Lupe zu nehmen und mit meinem Publikum aus der Ferne zu kommunizieren.“ Ai stand in ständigem Kontakt mit den Kuratoren der Ausstellung, berichtete das Museum.

Lizenz für Designfirma entzogen

Zuvor hatten die chinesischen Behörden seiner Designfirma die Lizenz entzogen. „Das Unternehmen Fake ist schon tot“, sagte sein Anwalt Liu Xiaoyuan Anfang Oktober. Der Geist lebe aber weiter. Die Behörden argumentieren laut Berichten der BBC, die Firma habe sich nicht neu registrieren lassen. Dagegen sagte Ai dem Sender, er sei für seine Kritik an der Regierung bestraft worden. Er habe die Firma Beijing Fake Cultural Development nicht anmelden können, weil nötige Dokumente beschlagnahmt worden seien.

Steueraffäre: Gefängnis droht

Eine Woche zuvor war Ai mit einem Einspruch gegen eine Steuernachforderung und Strafe von 15 Millionen Yuan (1,7 Mio. Euro) gescheitert. Die Behörden werfen Ais Unternehmen Steuerbetrug in großem Stil vor. Ai droht nach dieser weiteren Niederlage in einem umstrittenen Steuerverfahren eine Gefängnisstrafe. Er weigere sich aber, die noch ausstehende Summe von rund 800.000 Euro zu zahlen, sagte Ai. Das käme einem Eingeständnis gleich, dass es sich um ein rechtmäßiges Verfahren handle, und das lehne er ab. „Wenn ich ins Gefängnis muss, kann ich nichts dagegen tun“, sagte der 55-Jährige.

Menschenrechtler sehen in dem Steuerfall nichts anderes als den Versuch, den prominenten Regierungskritiker ins Abseits zu manövrieren. „In diesem Land gibt es keine Fairness oder Gerechtigkeit“, sagte Ai der Nachrichtenagentur Reuters. Selbst wenn er die verhängte Steuerschuld begleiche, könne er immer noch ins Gefängnis gesteckt werden. „Sie brauchen keine Entschuldigung, um mich festzunehmen. Sie können jederzeit eine andere Ausrede finden.“

Geld von Unterstützern gesammelt

Die Gerichtsentscheidung zieht nach Angaben des Künstlers einen Schlussstrich unter einen mehr als fünfmonatigen Rechtsstreit mit einer Pekinger Steuerbehörde. Ein weiterer Einspruch sei nicht möglich. Unklar ist, bis wann Ai die angeordnete Steuerschuld begleichen muss. Eine Frist sei ihm nicht gesetzt worden, sagte er. Insgesamt soll Ai umgerechnet etwa 1,9 Millionen Euro an den Fiskus entrichten. Ein Teil gilt durch die Hinterlegung einer Kaution als beglichen. Das Geld dafür hatte Ai mit Hilfe von 30.000 Unterstützern zusammenbekommen.

Links: