Rebellen: Anschlag auf Geheimdienstkomplex in Damaskus

In der syrischen Hauptstadt Damaskus haben Rebellen nach eigenen Angaben einen Selbstmordanschlag auf einen Geheimdienstkomplex der Luftwaffe verübt. Die militante islamistische Gruppe al-Nusra bekannte sich heute auf Facebook zu dem Angriff im Vorort Hartasta.

Zwei Tonnen Sprengstoff?

Selbstmordattentäter hätten zwei Autos mit Tonnen von Sprengstoff in die Luft gejagt, hieß es. Anrainer und Aktivisten berichteten von einer gewaltigen Explosion, auf die ein heftiger Schusswechsel folgte. Das syrische Staatsfernsehen meldete ebenfalls eine Detonation in der Gegend, machte aber keine näheren Angaben.

Der Geheimdienst der Luftwaffe wird von Dschamil Hassan, einem der Topmilitärs von Machthaber Baschar al-Assad, kommandiert. Es lagen keine Informationen darüber vor, ob sich Hassan zum Zeitpunkt des Anschlags im Gebäude aufhielt.

Video dazu in iptv.ORF.at

Türkei zieht weitere Truppen an syrischer Grenze zusammen

Die Türkei verlegt weitere Militäreinheiten an die Grenze zu Syrien. So seien 25 zusätzliche Kampfflugzeuge auf einer Luftwaffenbasis im südostanatolischen Diyarbakir angekommen, berichteten mehrere Zeitungen heute unter Berufung auf Militärkreise. In den Grenzprovinzen Hatay und Sanliurfa wurden zudem Panzerverbände näher an die syrische Grenze gebracht.

Das türkische Parlament hatte vergangene Woche ein Mandat für eine mögliche Militärintervention in Syrien beschlossen. Seitdem erhalten die Armee-Einheiten in Grenznähe fortlaufend Verstärkung. Generalstabschef Necdet Özel und hohe Generäle trafen gestern zu einer Truppeninspektion an der Grenze ein.

Granaten auch auf Jordanien

Seit die Türkei nach dem tödlichen Granateneinschlag in der Grenzstadt Akcakale das Feuer erwidert, wächst die Sorge vor einer Ausweitung des Syrien-Konflikts auf die gesamte Region. Doch nicht nur die Türkei war und ist Ziel syrischer Granaten - auch im Libanon, auf den Golanhöhen und zuletzt offenbar auch im jordanischen Grenzdorf al-Turra schlugen bereits aus Syrien kommende Geschoße ein. Obwohl es sich nicht um den ersten Zwischenfall dieser Art handeln soll, kann der Konflikt aus Sicht von Jordaniens König Abdullah II. nur politisch gelöst werden.

Mehr dazu in Ban: Lage „extrem gefährlich“

Bodentruppen als letzte Möglichkeit

Die Oppositionszeitung „Cumhuriyet“ berichtete unterdessen, Regierung und Militärs in Ankara hätten einen Fünfpunkteplan ausgearbeitet, um für alle Eventualitäten in Zusammenhang mit der Syrien-Krise gerüstet zu sein. Im Falle eines verstärkten Beschusses des türkischen Territoriums von Syrien aus sollen demnach zunächst Luftangriffe auf Ziele in Syrien geflogen werden.

Als letzte Möglichkeit behalte sich Ankara auch die Entsendung von Bodentruppen ins Nachbarland vor. Von Regierungsseite lag zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht vor.

NATO: Können Türkei „nötigenfalls beschützen“

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen rief die Türkei und Syrien nach den schweren Grenzzwischenfällen zur Zurückhaltung auf. „Wir hoffen, dass alle Seiten Zurückhaltung zeigen und eine Eskalation der Krise vermeiden“, sagte Rasmussen in Brüssel. „Ich bin überzeugt, dass der richtige Weg in Syrien in einer politischen Lösung liegt.“

Rasmussen versicherte der Türkei erneut die Solidarität der anderen Verbündeten. Die Türkei sei das Opfer ungerechtfertigter Angriffe Syriens geworden: „Natürlich kann die Türkei auf die Solidarität der NATO vertrauen. Wir haben alle Pläne, um die Türkei nötigenfalls zu beschützen und zu verteidigen. Wir hoffen, dass das nicht nötig sein wird.“