Presse: Bo Xilais Ehefrau warf Stiefsohn Giftanschlag vor

Dem Intrigendrama um Chinas gefallenen Politstar Bo Xilai gesellt sich laut einem Pressebericht ein weiteres Kapitel hinzu. Bos wegen Mordes verurteilte Ehefrau, Gu Kailai, soll dessen Sohn aus erster Ehe unterstellt haben, dieser hätte sie vergiftet, berichtete die „New York Times“ heute unter Berufung auf Bos erste Frau, Li Danyu.

Vor Jahren mit Schwermetallen vergiftet?

Li sagte der Zeitung, Bo habe vor seinem Sturz ihren Bruder zu dem Verdacht gegen seinen eigenen Sohn, Li Wangzhi, befragt. Bos Ex-Schwager bestritt aber demnach, dass der Erstgeborene des Politikers seine Stiefmutter vergiftet habe. Ein Anwalt von Gu sagte laut „New York Times“, dass seine Mandantin den Verdacht hege, sie sei vor mehreren Jahren mit Schwermetallen vergiftet worden. Das würde laut dem Anwalt auch das Händezittern von Gu erklären.

Li Danyu sagte der Zeitung, Gu sei „ausreichend paranoid“, um Li Wangzhi zu beschuldigen. Li und Bo waren 1975 ein Paar geworden und trennten sich 1984, nachdem Bo seine spätere zweite Frau Gu kennengelernt hatte. Der 1977 geborene Sohn, Li Wangzhi, studierte an der Columbia-Universität in den USA und arbeitet heute in Peking.

Bo Xilai war Parteichef und Bürgermeister der Millionenmetropole Chongqing und galt als Anwärter für einen Posten im einflussreichen Politbüro der Kommunistischen Partei Chinas. Seine Ehefrau Gu war im August wegen der Vergiftung des britischen Geschäftsmanns Neil Heywood zum Tode verurteilt worden. Das Strafmaß dürfte jedoch in eine lange Haftstrafe umgewandelt werden. Bo selbst wurde Ende September aus der Partei ausgeschlossen - und muss sich laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua „sehr bald“ wegen mehrerer Vergehen vor der Justiz verantworten.