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Fotoausstellung über Wintersportorte

„Die hässliche Seite von Österreich“ titelt die Schweizer Zeitung „Blick“ ihren Artikel über die Ausstellung „Intensivstation“ im Alpine Museum Bern. Die Fotografien des Tirolers Lois Hechenblaikner zeigen einen Blick hinter die Kulissen der heimischen Wintersportwelt - und der ist alles andere als schmeichelhaft.

„Skipisten muss man im Sommer sehen. Dann ragen die Elektrokabel noch aus dem Boden, und wir sehen die Bagger, die aus Naturlandschaften Freizeitlandschaften bauen“, erklärt der Fotograf, der mit seiner Arbeit in seiner Heimat oft angefeindet wird. So zeigen seine Bilder trostlose Pistenschneisen zwischen Bergwäldern, Skiliftanlagen, die wie Fremdkörper in der Natur wirken und die Müllberge, die sich hinter Skihütten und in Wintersportorten auftürmen.

Liftkreuzung mit Porsche Showcase, 2320 m ü. M., Idalp Ischgl, April 2011 aus der Ausstellung "Intensivstationen. Alpenansichten von LoisHechenblaikner"

Alpines Museum

„Intensivstation“ zeigt Hechenblaikners Fotodokumentation über die touristische Entwicklung seiner Heimat

„Belustigungstirolerei“ und „alpine Showkasperl“

In Österreich macht er sich damit nicht immer Freunde, wie Hechenblaikner gegenüber dem Internetportal Vorarlberg Online angab, eine geplante Ausstellung in Mayrhofen sei etwa kurz vor Ausstellungsbeginn von den Verantwortlichen an Ort und Stelle verboten worden.

Dass seine Aussagen bei Touristikern in Tirol nicht unbedingt gern gehört werden, verwundert nicht, denn zimperlich ist Hechenblaikner nicht mit seinen Aussagen gegen den Massenwintertourismus, etwa wenn er wie gegenüber der Schweizer Zeitung „Der Bund“ von „Belustigungstirolerei“, „alpinen Showkasperln“ spricht und die Inszenierung auf den Skihütten „volksdümmlich“ nennt.

Ausstellungsraum

Alpines Museum

In Bern werden über 70 Foto-, Video- und Objektarbeiten aus Hechenblaikners Schaffen der letzten zehn Jahre gezeigt

Dokumentation der touristischen Entwicklung

Es sei der „Blick für die Hinterbühne“, der den Fotografen auszeichne, heißt es im Pressetext zur Ausstellung. Denn immerhin ist Hechenblaikner quasi ein Insider, der selbst in einem Gastronomiebetrieb in Tirol groß geworden ist und bis heute mit seiner Familie in Reith im Alpbachtal lebt. Schon seit Jahren dokumentiert er die touristische Entwicklung seiner Heimat, wie aus Bergen „Restnatur“ wurde und aus „Bergdestinationen Spaßkulissen und Eventbühnen“.

Der Luzerner Szenograf Philipp Clemenz hat das mehrheitlich fotografische Material in Themenräumen arrangiert und dabei auf ganz unterschiedliche Bildträger gesetzt. Statt der üblichen Bildtexte lotst ein „Pistenplan“ die Ausstellungsbesucher in drei Sprachen durch Hechenblaikners Bergwelt, in der orange Aufprallschutzpolster aus Schweizer Skigebieten als Ausstellungsmobiliar dienen.

„Andere Strategie“ in der Schweiz

Der Fotograf zeige die „abstrusen Folgen von Billig-Skitourismus in Österreich“, in der Schweiz hingegen ginge man in eine ganz andere Richtung, verteidigt „Blick“ den Wintertourismus im eigenen Land.

„Wir haben in der Schweiz eine andere Strategie. Wir setzen auf Qualität statt Quantität“, wird Jerun Vils, Präsident der Destination Berner Oberland, zitiert. Anders der „Tagesanzeiger“, wo man durchaus Parallelen zu den Schweizer Skigebieten zieht. Etwa zu den ausufernden Wachstumsstrategien im Weltcup-Ort Wengen.

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