Neuer Anlauf für Nokias verworfenes Handybetriebssystem

Das von Nokia verworfene Smartphone-Betriebssystem MeeGo bekommt eine zweite Chance, sich doch noch auf dem hart umkämpften Markt zu etablieren. Die von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründete Firma Jolla will in Hongkong eine Allianz mit führenden Unternehmen der Branche schmieden.

Ein auf MeeGo basiertes Smartphone könnte demnach schon im November 2012 auf den Markt kommen. Die Partner wollen gemeinsam rund 200 Mio. Euro in die Weiterentwicklung des Linux-basierten MeeGo-Systems investieren.

Schwerpunkt China

Jolla setzt besonders auf den boomenden chinesischen Markt. „Die nächste große Veränderung im mobilen Geschäft wird aus China kommen - und Jolla will sie mit ermöglichen“, erklärte Jolla-Chef Jussi Hurmola. Namen von Partnern wurden nicht genannt.

MeeGo wurde gemeinsam von Nokia und Intel entwickelt. Im Februar 2011 zog der neue Nokia-Chef, Stephen Elop, jedoch die Reißleine und setzte stattdessen auf die Plattform Windows Phone von Microsoft. Seine Begründung war, es hätte noch zu viel Zeit gebraucht, um MeeGo zur Marktreife zu bringen.

Bisher nur ein Nokia-Smartphone mit MeeGo

Nokia brachte 2011 nur ein MeeGo-Smarpthone, das Modell N9, in wenigen Ländern auf den Markt. Sein Design floss jedoch in die ersten Lumia-Geräte mit Windows Phone ein.

Die Lumia-Smartphones haben dem Microsoft-System bisher nicht entscheidend aus dem Keller beim Marktanteil helfen können. Die beiden Partner hoffen jedoch auf diesen Herbst - mit der nächsten Version Windows Phone 8 und neuen Geräten.

Harter Kampf um Marktanteile

Die Pläne von Jolla wirken umso ambitionierter, da derzeit die Google-Plattform Android mehr als die Hälfte des Smartphone-Marktes kontrolliert. Zusammen mit Apples iOS lässt Android anderen Systemen immer weniger Platz. Bei Marktbeobachtern gilt auch schon der Smartphone-Klassiker Blackberry trotz seiner 80 Millionen Nutzer als bedroht. Der Blackberry-Anbieter RIM will im kommenden Jahr mit dem neuen Betriebssystem Blackberry 10 eine Aufholjagd starten.

Zugleich zeichnet sich aber auch ab, dass sich der chinesische Markt von der allgemeinen Android-Dominanz abkoppeln könnte. So arbeitet etwa die große Onlinehandelsplattform Alibaba an einem eigenen System mit dem Namen Aliyun.