Themenüberblick

„Prinzling“, Anwältin und „Supercop“

Die Enthüllungen des ehemaligen Polizeichefs Wang Lijun haben die schwerste Krise in der jüngeren Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas ausgelöst. In dem Politkrimi geht es um Mord, Macht und Korruption. Hier die Hauptakteure:

Bo Xilai: Der charismatische Spitzenpolitiker galt als aufsteigender Star in der neuen Führung. Als Sohn des legendären Revolutionärs Bo Yibo - einer der „acht Unsterblichen“ der Partei - hatte der heute 63-Jährige eine steile Karriere gemacht. Er stieg vom Bürgermeister der Hafenstadt Dalian über den Posten des Gouverneurs in der Provinz Liaoning zum Handelsminister auf.

Seit 2007 war Bo Parteichef der Metropole Chongqing. Seine soziale Politik und revolutionären Kampagnen machten ihn zur Galionsfigur der Linken - und umgekehrt zur Bedrohung für jene in der KPCh, die vom derzeitigen vergleichsweise wirtschaftsliberalen Kurs Pekings profitieren. Der Skandal brachte das einflussreiche Politbüromitglied im März zu Fall.

Gu Kailai: Die Ehefrau von Bo war eine erfolgreiche Anwältin und Geschäftsfrau. Die heute 53-Jährige ist Tochter von General Gu Jingsheng, einem berühmten Revolutionär. Nach dem Jusstudium machte sich Gu einen Namen als erste Anwältin, die eine Klage gegen eine amerikanische Firma gewann. Mit Bo hat sie den Sohn Bo Guagua. Sie soll sich in der Familie um geschäftliche Dinge gekümmert und angeblich ein Vermögen ins Ausland geschafft haben.

Neil Heywood: Der britische Geschäftsmann war seit den 90er Jahren eng befreundet mit dem Politikerpaar. Er war mit einer Chinesin verheiratet und hatte zwei Kinder. Als Unternehmensberater half der Brite der Familie von Bo Xilai bei privaten Geschäften.

Im November wurde der 41-Jährige tot in einem Hotelzimmer gefunden. Erst hieß es, exzessiver Alkoholkonsum sei die Todesursache gewesen. Doch nach den Enthüllungen von Polizeichef Wang Lijun wurde Gu des Giftmordes angeklagt. Angebliches Motiv waren geschäftliche Streitigkeiten. Im August erhielt Gu ein Todesurteil auf Bewährung.

Wang Lijun: Der frühere Polizeichef war seit den 90er Jahren ein enger Vertrauter von Bo, als dieser noch Gouverneur von Liaoning war. Wang folgte dem Spitzenpolitiker in die Metropole Chongqing. Die Propaganda pries beide als gnadenlose Kämpfer gegen das organisierte Verbrechen. Wang bekam den Spitznamen „Supercop“.

Allerdings sahen Kritiker in dem teils auch rechtswidrigen Vorgehen eher eine Kampagne, um alte Machtstrukturen in Chongqing auszumerzen und selbst die Kontrolle zu übernehmen. Ende 2011 scheinen sich die Freunde überworfen zu haben.

Links: