Keine Anklage wegen SS-Massakers: Empörung in Italien

Italien reagiert empört auf den Beschluss der Staatsanwaltschaft Stuttgart, das Ermittlungsverfahren zu einem von der SS im Zweiten Weltkrieg im toskanischen Dorf Sant’ Anna di Stazzema verübten Massaker mit bis zu 560 Toten einzustellen.

„Wir sind mit diesem absurden Beschluss der deutschen Justiz, der Bitterkeit und Schmerz auslöst, nicht einverstanden“, sagten die Senatoren Vannino Chiti und Felice Casson der Demokratischen Partei, Italiens zweitstärkster Gruppierung im Parlament.

„Die historische Wahrheit rund um diese Tragödie ist auch mit rechtskräftigen Urteilen der italienischen Justiz nachgewiesen worden. Die italienische Regierung muss Druck ausüben, damit Deutschland die von der italienischen Justiz gefällten Urteile respektiert“, so die beiden Senatoren.

„Skandalöses Urteil“

Auch der Bürgermeister von Sant’ Anna di Stazzema, Michele Silicani, protestierte vehement. „Das ist ein skandalöses Urteil, das die jahrelange Arbeit der italienischen Justiz vernichtet. Ich werde mich an das Außen- und an das Justizministerium wenden. Die Einstellung des Verfahrens ist ein Affront für die Angehörigen der Opfer des Massakers und für die ganze Gemeinschaft“, so der Bürgermeister. Er werde auch beim Präsidenten des EU-Parlaments, Martin Schulz, protestieren, der kürzlich das Dorf besucht hatte.

Über 100 Kinder unter den Opfern

Es könne nicht mit ausreichender Sicherheit nachgewiesen werden, dass es sich bei dem Massaker der Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ am 12. August 1944 im italienischen Dorf Sant’ Anna di Stazzema um eine „befohlene Vernichtungsaktion gegen die Zivilbevölkerung gehandelt“ habe, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart heute mit.

Die Behörde hatte gegen acht noch lebende Beschuldigte ermittelt, weil die vor knapp 70 Jahren begangenen Taten noch nicht verjährt sind. Damals hatten die SS-Soldaten in dem Bergdorf nach Angaben italienischer Behörden 560 Zivilisten womöglich als Vergeltung wegen Partisanenangriffen getötet. Darunter waren mindestens 107 Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren und 29 Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren.