Rätseln über Leistungsabfall in deutschem AKW

Im deutschen Atomkraftwerk Brokdorf ist es vorübergehend zu einem starken Leistungsabfall gekommen. Die kerntechnische Sicherheit sei nach gegenwärtiger Einschätzung aber nicht gefährdet gewesen, teilte das Umweltministerium gestern in Kiel mit.

Experten rätseln dennoch darüber, wie es zu einer so starken Reduktion der elektrischen Nettoleistung von 1.410 auf 150 Megawatt kommen konnte - auch mit Hinblick auf die Bedeutung des Kraftwerks für die Stromversorgung.

Der Leistungsabfall hatte sich am Abend davor beim Austausch einer Spannungsversorgungsbaugruppe im betrieblichen Teil der Turbinenregelung ereignet. Wenige Stunden danach lief die Anlage nach Angaben der Betreibergesellschaft wieder im Volllastbetrieb, teilte das Ministerium mit. Sachverständige sollen den Vorfall nun prüfen.

„Stresstest“: Sicherheitslücken bei AKWs

Ein EU-weiter „Stresstest“ hatte zuvor Sicherheitslücken aufgedeckt, etwa bei der Warnung vor Erdbeben. Alle zwölf geprüften deutschen AKWs müssten die auf den Anlagen installierten Warnsysteme nachbessern oder installieren, fordert der Entwurf zum Bericht der EU-Kommission, der der dpa in Brüssel vorliegt.

Zudem hätten die Betreiber die internationalen Leitlinien für schwere Unfälle nicht umgesetzt. Offizielle Ergebnisse will die EU-Kommission erst Mitte Oktober veröffentlichen.

Während Umweltschützer und Grüne empört reagierten, gab sich das deutsche Umweltministerium gelassen. Ein Sprecher von Minister Peter Altmaier (CDU) sagte in Berlin: „Die Erdbebensicherheit ist bisher nicht beanstandet worden bei Kernkraftwerken in Deutschland.“