Kroatiens Ex-Premier sieht „Kreuzzug“ gegen sich

Ivo Sanader, Kroatiens Ex-Premier und Angeklagter in fünf Korruptionsfällen, hat gestern sein erstes Interview nach seiner Verhaftung im Dezember 2010 gegeben.

In der Interviewsendung des kroatischen Fernsehens HTV, „Sonntags um 2“ („Nedjeljom u 2“), nahm Sanader unter anderem zu seinem Rücktritt Mitte 2009, seinem Verhältnis zu Kroatiens Chefankläger Mladen Bajic und seiner Nachfolgerin Jadranka Kosor Stellung. Die aktuellen drei Prozesse, die gegen ihn laufen, kommentierte er aus juristischen Gründen nur am Rande.

„Rücktritt für EU-Beitrittt“

Sander wiederholte, dass er zurückgetreten sei, nachdem die Gespräche mit Slowenien, das den EU-Beitritt Kroatiens blockierte, ins Stocken geraten waren. Der Vertrag, den seine Nachfolgerin Kosor mit Sloweniens Premier Borut Pahor unterschrieben hatte, wäre unter ihm nicht möglich gewesen. „Ich weiß nicht, wann Kroatien dann in der EU wäre“, so Sanader.

Seine Probleme hätten begonnen, als Kosor ihn Anfang 2010 aus der Partei ausgeschlossen hatte und Staatsanwalt Bajic den Auftrag gegeben hatte, Sanader juristisch zu verfolgen, sagte der Ex-Politiker. Er kritisierte Bajic, Anklagen nach dem Prinzip „Den mag ich, den mag ich nicht“ zu stellen.

Bajic unterstellte er zudem, einen Kreuzzug gegen ihn zu führen und Dokumente an Medien weiterzugeben. Bajic sei zu weit gegangen und stelle über die Medien ein negatives Bild von ihm dar, weil er zu wenige Beweise gegen ihn habe, so der Ex-Premier.

Geschenkte Bilder als Motiv?

Auf die Frage, warum Bajic ihn verfolge, sagte Sanader: „Vielleicht ist das Motiv dieses, dass er bei mir zu Hause war und mir zwei Bilder geschenkt hat. Er ist eifersüchtig auf meine Sammlung“. Bei der Staatsanwaltschaft gebe es einen Raum, in dem sich fünf Leute nur damit beschäftigen, Dokumente und Rechnungen sowie Konten von Sanader zu überprüfen. Er werde seine Unschuld beweisen und habe sein Eigentum ehrlich erworben, betonte der Ex-Premier.

Gefragt, ob es etwas gebe, wofür er sich bei der kroatischen Öffentlichkeit entschuldigen würde, sagte Sanader: „Ja, für meine Fehler. Zum Beispiel, dass ich Jadranka Kosor zu meiner Nachfolgerin gemacht habe.“ Damals sei es ihm logisch erschienen, sie zur neuen Ministerpräsidentin zu bestellen. Heute würde er Luka Bebic, einen engen Freund Sanaders und Ex-Parlamentspräsidenten, auswählen.