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Medialer Ausrutscher in Teheran

Weiße US-Amerikaner vom Land würden lieber von Mahmud Ahmadinedschad als von Barack Obama regiert werden. Das meldete die iranische Nachrichtenagentur FARS News am Freitag. Doch was eine sensationelle Enthüllung sein sollte, ist ein peinlicher Fauxpas der Journalisten in Teheran. Sie sind auf das US-Satiremagazin „The Onion“ hereingefallen.

Es war eine Meldung nach dem Geschmack der iranischen Führung: Bei der weißen Landbevölkerung in den Vereinigten Staaten sei Ahmadinedschad beliebter als Obama, berichtete die halbamtliche Nachrichtenagentur FARS News und berief sich dabei auf eine angebliche Umfrage des renommierten US-Meinungsforschungsinstituts Gallup.

Mit Ahmadinedschad auf ein Bier

Demnach würden 77 Prozent der weißen US-Amerikaner vom Land lieber mit Ahmadinedschad ein Baseball-Spiel besuchen oder ein Bier trinken gehen als mit Obama. Dazu zitierte FARS News einen gewissen Dale Swiderski aus West Virginia mit den Worten: „Er nimmt die nationale Verteidigung ernst und lässt sich nicht wie Obama von ein paar schwulen Protestlern vorschreiben, wie er sein Land zu führen hat.“

Doch Dale Swiderski gibt es gar nicht. Ebenso wenig wie eine Gallup-Umfrage, laut der Ahmadinedschad in Teilen der USA beliebter ist als Obama. Die Redakteure von FARS News sind auf eine Ente der bekannten Satirezeitschrift „The Onion“ hereingefallen, die bereits seit Montag online zu lesen ist.

FARS News als False News

Die Journalisten in Teheran hielten das Magazin offenbar für seriös, kopierten die Meldung in weiten Teilen und übernahmen damit auch ein weiteres angebliches Ergebnis der Gallup-Umfrage. Demnach respektierten 60 Prozent der Befragten, dass Ahmadinedschad anders als Obama zu seinem muslimischen Glauben stehe.

Die Nachrichtenagentur, die den iranischen Revolutionsgarden nahesteht, hat mit ihrer kuriosen Falschmeldung ihren zweifelhaften Ruf gefestigt. Viele Iraner nennen FARS News schon längst scherzhaft False News, schreibt „Spiegel“ (Onlineausgabe). Die kuriose Falschmeldung wurde bereits von der Homepage von FARS entfernt. Auch CNN berichtete am Samstag über den medialen Ausrutscher.

Immer wieder die üblichen Ausfälle

Zuletzt hatte Ahmadinedschad am Mittwoch gegenüber CNN gegen Israel („ein künstliches Gebilde“) und Homosexuelle gewettert, die er als „Menschen mit krankem Verhalten“ bezeichnete und gab sich in Sachen Syrien als Unschuldslamm. Nachsatz: Sein Sohn könnte nie schwul werden, denn das sei „Erziehungssache“.

Ahmadinedschad hatte sich zur UNO-Hauptversammlung nach New York begeben. Erneut fand er dabei so viel Beachtung und mediales Interesse wie kaum ein anderer Staatschef - nicht einmal Obama. Auf die Frage, was das iranische Parlament zu dem Umstand sage, dass er mit 140 Begleitern nach New York anreise und die Kosten explodieren würden, soll er - auch wenn sein Büro dementiert - gesagt haben „das geht die einen Scheißdreck an“.

USA und Israel versichern Einigkeit

Obama und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versicherten unterdessen bei einem Telefongespräch am Freitag ihre Einigkeit gegenüber dem Iran. Die beiden Politiker hätten „betont, dass sie vollkommen einig über das gemeinsame Ziel sind, Iran am Erlangen einer Atomwaffe zu hindern“, erklärte das Weiße Haus nach dem Gespräch. US-Außenministerin Hillary Clinton und Netanjahu hatten bereits am Donnerstag ihre Einigkeit in dieser Frage betont.

Das Verhältnis zwischen Obama und Netanjahu ist seit langem gespannt. Netanjahu forderte am Donnerstag in einer Rede vor der UNO-Vollversammlung mit Nachdruck, dass die USA dem Iran bei seinem Atomprogramm eine „rote Linie“ aufzeigen. Obama bekräftigte seinerseits in seiner Rede seine Entschlossenheit, Teheran an der Entwicklung einer Atombombe zu hindern. Er weigert sich aber, sich von Israel ein Ultimatum in diesem Punkt setzen zu lassen.

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