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Übliche Tiraden ausgelassen

In seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung vergangene Woche hat sich der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad diesmal mit Provokationen gegen Israel und die USA im Vergleich zu den Vorjahren zurückgehalten. Ahmadinedschad warf allerdings dem Westen eine Bedrohung seines Landes mit Atomwaffen vor.

Auf die fast üblichen Tiraden zum Holocaust verzichtete Ahmadinedschad in diesem Jahr. Die „Einschüchterung“ mit Massenvernichtungswaffen durch die westlichen Mächte sei „vorherrschend“ geworden, sagte Ahmadinedschad, dessen Amtszeit im kommenden Jahr endet.

Dabei wetterte er auch gegen die Angriffsdrohungen der „unzivilisierten Zionisten“ aus Israel im Streit um das iranische Atomprogramm. Außerdem machte Ahmadinedschad den Westen mit seinen „wertlosen Papieranlagen“ für die globale Wirtschaftskrise verantwortlich.

Boykott eines „Hasspredigers“

In großen Teilen mutete die 35-minütige Rede aber wie ein theologischer Vortrag an. Ahmadinedschad sprach von der bevorstehenden Ankunft des von Schiiten verehrten Imams Mohammed al-Mahdi, dessen erwartete Rückkehr auf die Erde ein zentraler Bestandteil der muslimischen Glaubensrichtung ist. Der „Allmächtige Gott“ werde den „Letzten Retter“ bald senden, sagte er.

Die USA boykottierten die Rede. Ahmadinedschad nutze die Reise zur UNO lediglich dazu, „paranoide Theorien und abscheuliche Verunglimpfungen zu Israel“ zu verbreiten, teilte die UNO-Vertretung der USA mit. Auch die Vertreter Israels und Kanadas bei der Weltorganisation blieben der Rede fern. Der kanadische Außenminister John Baird nannte Ahmadinedschad einen „antisemitischen Hassprediger“.

Holocaust-Leugnung und Verschwörungstheorien

Ahmadinedschad hatte in den vergangenen Jahren bei der Generaldebatte immer wieder den Holocaust infrage gestellt und Verschwörungstheorien über die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA verbreitet. Die Delegationen der westlichen Staaten quittierten das, indem sie unter Protest den Saal verließen. Dieses Mal blieben die europäischen Verbündeten der USA und Israels dagegen bis zum Ende von Ahmadinedschads Rede.

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