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Zeuge schwieg jahrzehntelang aus Angst

Vor 37 Jahren war er spurlos verschwunden, doch jetzt geht die Polizei einer neuen Spur nach. Die Behörden graben in einem Vorort von Detroit nach den sterblichen Überresten des mächtigen Gewerkschaftsbosses Jimmy Hoffa. Der hatte sich von den 50er bis zu den 70er Jahren nicht nur die US-Regierung zum Feind gemacht, sondern war auch in mafiöse Zusammenhänge verstrickt, die ihn wohl das Leben kosteten.

Im August hatte sich ein Zeuge bei der Polizei gemeldet, der vor 37 Jahren beobachtet haben wollte, wie ein Leichnam in Roseville, Michigan, vergraben worden sei. Und die Behörden nahmen den Hinweis ernst. Untersuchungen des Erdreichs per Radar hätten „Anomalien“ ergeben, so Polizeichef James Berlin gegenüber CNN.

Tippgeber schwieg aus Angst

Am Freitag wurden erste Bodenproben genommen. Diese werden zunächst darauf analysiert, ob sich menschliche Überreste darin befinden. Erst bei einer Bestätigung würde man mit weiteren Grabungen fortfahren.

Auffahrt zu einem Haus

AP/Carlos Osorio

Hier will der Zeuge vor 37 Jahren seine Beobachtungen gemacht haben

Der Tippgeber hatte jahrzehntelang aus Angst geschwiegen, nun sei er aber unheilbar an Krebs erkrankt, sagte Dan Moldea, Autor von Büchern über Hoffa und weitere mysteriöse US-Kriminalfälle. Der Mann, ein ehemaliger Spieler, hätte auch den Mafiaboss Anthony Giacalone gekannt. Und genau dieser soll mit Hoffa am Tag des Verschwindens verabredet gewesen sein. Ob das Treffen je stattfand, ist unklar, der 2001 verstorbene Giacalone dementierte und konnte ein Alibi angeben.

Machtkämpfe nach Haftentlassung

Hoffa war als Vizepräsident und später Präsident der Transportgewerkschaft Teamsters eine schillernde Figur - die sich auch mit der großen Politik angelegt hatte. Robert F. Kennedy, Bruder von US-Präsident John F. Kennedy, jagte Hoffa wegen seiner kriminellen Verstrickungen über Jahre hinweg. 1968 gelang schließlich eine Verurteilung, doch schon 38 Monate später wurde Hoffa von US-Präsident Richard Nixon begnadigt, musste aber die Präsidentschaft seiner Gewerkschaft abgeben. Dennoch bereitete er seine Rückkehr vor, was auch zu gewaltsamen internen Machtkämpfen führte. Zudem sollen zwei Wochen vor dem Verschwinden Hoffas aus dem größten Pensionsfonds der Gewerkschaft auch Hunderte Millionen Dollar gefehlt haben, berichten US-Medien.

Spurlos verschwunden

Hoffas Schicksal gilt als eines der größten Kriminalrätsel der USA, es existieren Dutzende verschiedene Theorien. Zuletzt gesehen wurde der damals 62-Jährige am 30. Juli 1975 auf dem Parkplatz des Restaurants Machus Red Fox in einem Vorort von Detroit. Danach fehlte von ihm jede Spur, nur sein Wagen wurde gefunden. Großangelegte Ermittlungen blieben erfolglos. Man ging davon aus, dass Hoffa auf Wunsch von hochrangigen korrupten Gewerkschaftern von der Mafia umgebracht wurde. Seine Leiche wurde nie gefunden, 1982 wurde er für tot erklärt.

Dutzende Theorien

Immer wieder tauchten in den Medien neue Theorien auf - und meist sind es verurteilte Häftlinge, die ihre Geschichte verkaufen wollen: Seine Leiche sei mit einem Auto in einer Schrottpresse entsorgt worden, hieß es einmal. Dann wieder war davon die Rede, dass die sterblichen Überreste in einer Fettverarbeitungsfabrik verschwunden seien. Zerstückelt und im Sumpf versenkt sagten die einen, einbetoniert an einer der Torkurven des Stadions der New Jersey Giants in East Rutherford die anderen. Dem wurde sogar mit Radaruntersuchungen nachgegangen - ohne Erfolg.

DNA in Wagen gefunden

Erst 2001 gab es neue Spuren - und seit damals müssen die Behörden immer wieder ausrücken. Im Auto von Hoffas Vertrautem Charles „Chuckie“ O’Brien wurde die DNA des Gewerkschaftsbosses gefunden - und damit offenbar belegt, dass er am Tag seines Verschwindens darin gesessen ist. O’Brien dementierte jede Beteiligung - und für einen Prozess reichten die Indizien nicht.

2003 begann dann das große Graben. Nach einem Tipp eines inhaftierten Mörders, der der Polizei bereits beim Auffinden einer anderen Leiche geholfen hatte, suchte die Polizei nach einer Brieftasche, die Aufschlüsse geben soll. Gefunden wurde nichts.

Bagger auf einer Pferdekoppel

AP/Carlos Osorio

2006 wurde sogar mit Baggern gegraben

2004 ging die Polizei schließlich den Hinweisen des Mafiakillers Frank „The Irishman“ Sheeran nach. Der hatte in den Jahren vor seinem Tod 2003 mehrmals behauptet, Hoffa erschossen zu haben. In dem Haus, das er als Tatort angab, wurden zwar Blutspuren gefunden, diese konnten Hoffa aber nicht zugeordnet werden. 2006 schließlich riss das FBI einen ganzen Pferdestall nieder, um nach Hoffas angeblich dort versteckten Überresten zu suchen. Auch die 250.000-Dollar-Aktion erwies sich als Schlag ins Wasser.

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